Roberto Bolaño Das Dritte Reich

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Inhaltsangabe zu „Das Dritte Reich“ von Roberto Bolaño

Udo Berger hat nur eine Leidenschaft: Kriegsspiele. Selbst im Urlaub an der Costa Brava verbringt er die meiste Zeit mit dem Strategiespiel "Das Dritte Reich", einer Simulation des Zweiten Weltkriegs. Eines Abends lernt Udo den mysteriösen "Verbrannten" kennen, ein angeblich durch Folter verunstalteter Lateinamerikaner, von dem er sofort fasziniert ist. Im "Dritten Reich" soll dieser den Part der Alliierten übernehmen und den Lauf der Geschichte ändern. Der unheimliche, subtil ironische Roman ist ein Glanzstück aus dem Nachlass von Roberto Bolano. Er beschreibt die Verdrängung der Vergangenheit durch eine ritualisierte Konsumkultur und stellt die Frage nach dem Geheimnis des Bösen.

Interessante Charaktere und Charakterentwicklungen, das Ende fand ich eher vermurkst. Bolaño kann es besser. Trotzdem eine nette Lektüre.

— letusreadsomebooks
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    Das Dritte Reich
    letusreadsomebooks

    letusreadsomebooks

    23. May 2016 um 10:30

    Udo Berger und seine Freundin Ingeborg verbringen die Ferien an der Costa Brava in dem Hotel, in dem Udo als Kind immer mit seiner Familie war. Viel hat sich nicht verändert, vor allem die Besitzerin Frau Else ist noch genau so schön wie in Udos Erinnerungen. Er verbringt seine Zeit hauptsächlich mit seinem Brettspiel, dem Wargame „Das Dritte Reich“. Währenddessen schließt Ingeborg Freundschaft mit einem anderen deutschen Paar. Lustlos lässt sich Udo ab und zu in Diskos und an den Strand mitschleifen und begegnet dort den seltsamen spanischen Aufreißern El Lobo und El Cordero sowie dem mysteriösen Verbrannten, der ein besonderes Interesse an ihm zu haben scheint. Die Ereignisse beginnen, sich zu überschlagen: Gewalt, Verschwinden, heimliche Küsse und ein unerwarteter Spielgegner – doch Udos oberste Priorität bleibt, Deutschland zum Sieg zu führen. Ich muss gestehen, dass ich eigentlich sehr gerne Bücher von Bolaño lese und somit auch wusste, worauf ich mich einlasse. Dennoch hat es bei diesem Roman irgendwie nicht so ganz funken wollen. Die Grundidee fand ich sehr gut, genau so wie die Ausarbeitung der Charaktere. El Lobo (zu Deutsch übrigens „der Wolf“) und sein Kumpane El Cordero („das Lamm“) sind zwielichtige Gestalten, bei denen man von Anfang an nicht weiß, ob man ihnen über den Weg trauen kann – in Anbetracht dieser Tatsache ist es sehr raffiniert vom Autor, ihnen genau diese Namen zu verpassen. Charly ist ein verachtenswertes Ekel, Udo aber manchmal auch. Sympathisch sind hier höchstens die Damen, aber die spielen nur eine nebensächliche Rolle. Der Verbrannte ist ebenfalls interessant durch seine schweigsame Art und seine vielen Geheimnisse. Auch gelungen fand ich die Entwicklung Udos, die parallel zu seiner Partie „Das Dritte Reich“ abläuft. Während er darin versunken ist, den zweiten Weltkrieg aus der Sicht Deutschlands nachzuspielen und im besten Fall den Lauf der Dinge zu verändern, verändert auch er selbst sich immer mehr und nähert sich langsam aber beständig dem Wahnsinn. Gleichsam spannend ist auch Udos Entwicklung als Spiegel zur Wahrnehmung Deutschlands im Zweiten Weltkrieg. Wer geschichtliches Wissen besitzt, wird sich darüber freuen, die verschiedenen Stufen Deutschlands (Überlegenheit, Niedergang, Verleugnung,…) in Udo wiederzufinden. Die Handlung plätschert ein wenig vor sich hin, aber das fand ich gar nicht schlimm, da Bolaño nun mal nicht besonders actionreich schreibt. Gestört hat mich jedoch ein wenig, dass Andeutungen gemacht wurden, die nie aufgeklärt wurden. Dies trägt nicht dazu bei, dass am Schluss wichtige Fragen offen bleiben, sondern dazu, dass man kleine Details der Geschichte nicht genau festlegen kann, und im Prinzip ist es völlig schnurz, ob man jetzt genauer Bescheid weiß oder nicht. Es gibt einige Elemente, wie zum Beispiel Udos Albträume, Tagträume und Einbildungen, die dazu führen, dass man als Leser manchmal nicht mehr genau sagen kann, was jetzt wirklich passiert ist und was nicht. Hier hätte Bolaño für mich persönlich gerne noch mehr mit der Verwischung der Realitätsgrenze spielen können, die eben auch wunderbar Udos Besessenheit von Wargames widerspiegelt. Auch das Ende fand ich eher unbefriedigend. Ich hatte gedacht, dass es auf einen völlig anderen Schluss hinausläuft und war eher enttäuscht, weil der, den ich vorfand, nichts Ganzes und nichts Halbes war. Positiv anzumerken sei allerdings noch die Tatsache, dass der Autor über umfangreiche Kenntnisse von „Das Dritte Reich“ verfügt, da er selbst ein leidenschaftlicher Wargame-Spieler war. So wirkt es jederzeit authentisch, wenn Udo von seinen Spielzügen erzählt – auch wenn ich nicht alles verstanden habe. Ob man so etwas ständig ausgeführt haben möchte, ist wahrscheinlich Geschmackssache. Im Gegensatz zu anderen Autoren fasst sich Bolaño allerdings recht kurz. Ich lese lieber zwei Seiten über Kriegsspielstrategien als acht Seiten über eine Schachpartie oder darüber, wie das Raumschiff genau repariert wird. Das Dritte Reich ist eines von Bolaños ersten Werken. Er schrieb das Manuskript 1989 (neun Jahre vor Die Wilden Detektive und lange vor seinem Opus Magnum 2666), es wurde jedoch erst nach seinem Tod veröffentlicht. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum ich es nicht so stark fand, wie seine anderen Bücher. Und vielleicht hatte Bolaño ein ganz anderes Ende geplant, aber nie geschrieben. Mit einem konsequenteren Ende und weniger Andeutungen von halbwichtigen Ereignissen hätte es mir deutlich besser gefallen, da ich von den Charakteren, insbesondere von Udos Entwicklung, sehr überzeugt war.

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  • Rezension zu "Das Dritte Reich" von Roberto Bolaño

    Das Dritte Reich
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    12. September 2012 um 11:56

    Die Geburtsstunde eines großen Autors "Das Dritte Reich" ist ein früher, aus dem Nachlass veröffentlichter Roman von Roberto Bolaño. Das fertige, auf der Schreibmaschine gefertigte Manuskript stammt aus dem Jahr 1989 und zeigt bereits Ansätze und Ideen, die in späteren Romanen des Autors zur Vollendung gebracht wurden. Es ist nicht bekannt, ob Roberto Bolaño im Falle einer Veröffentlichung noch die Chronologie der Tagebucheinträge wie zum Beispiel im späteren Roman "Die wilden Detektive" verändert hätte, oder eben nicht. Nichtsdestotrotz ist "Das Dritte Reich" ein wichtiger und interessanter Roman, der gewichtig von der Geburtsstunde eines großen Autors zeugt. Udo Bergers Leidenschaft ist das Brettspiel, genauer gesagt, das Spielen von Strategiespielen, oder noch genauer, des Spiels "Das Dritte Reich". Ein Strategiespiel, das die militärischen Bewegungen des Zweiten Weltkriegs den Spielenden überlässt und auch auf internationaler Ebene, zumindest in der fiktiven Welt dieses Romans, gespielt wird. In Form eines Tagebuchs, eine Romanform, die Roberto Bolaño einige Jahre später in "Die wilden Detektive" zur Vollendung führen sollte, erzählt Udo Berger penibel genau von seinem Urlaub mit seiner Freundin Ingeborg in einem Küstenort in Spanien. Bereits die Genauigkeit der Tagebucheinträge weist auf den Fanatismus des Protagonisten hin. Udo Berger ist nämlich hauptsächlich von verschiedenen taktischen Möglichkeiten des Spiels angetan, die er für eine besonders wichtige internationale Partie und für eine Fachzeitschrift perfektionieren und in allen Varianten ausprobieren will, aber auch von der Hotelbesitzerin, die offensichtlich seit seiner Jugend in seinem Kopf spukt. Udo und Ingeborg treffen in einer Disko auf ein junges, äußerst gegensätzliches Paar, das sie für den Rest des Urlaubes mehr oder weniger begleitet. Die aufregende Hanna und der Alkoholiker Charly ziehen Udo und Ingeborg trotz aller Unvereinbarkeiten an, man trinkt gemeinsam, badet gemeinsam; und lernt gemeinsam schließlich "den Verbrannten" kennen, der sich in Folge zu einem der wichtigsten Protagonisten entwickelt. Aus dieser Konstellation sondert sich Udo immer stärker ab, bis er den Großteil seiner Zeit im Zimmer über dem dort aufgelegten Spiel verbringt. Sobald Roberto Bolaño alle Protagonisten eingeführt hat, beginnt man zu spüren, auf wie vielen Eben hier gleichzeitig Abläufe stattfinden. Meisterhaft, wie nebensächlich verpackt hier die Dramen des Lebens ablaufen, während Udo immer tiefer in seinem Spiel versinkt. Als Charly dann spurlos im Meer verschwindet, wird der Verbrannte zum Gegenspieler Udos. Auch hier, systematisch, jeden Abend um die gleiche Uhrzeit, neurotisch genau, erscheint der Verbrannte, um Udo ein würdiger Gegner zu sein. Die verschiedenen Handlungsebenen berühren sich immer wieder, laufen knapp aneinander vorbei, klären auf und lassen doch vieles im Dunklen. Der Mann der Hotelbesitzerin, an einer unbekannten Krankheit in der Einsamkeit seines Zimmers leidend, ist bis knapp vor dem Ende eine unsichtbare, unbekannte Figur, deren Einfluss auf den Roman nicht erkennbar ist, obwohl man tiefgehende Verstrickungen vermutet. Und so spielt Roberto Bolaño virtuos mit seinen Lesern, während sich die akribischen Tagebuchaufzeichnungen vom grauen, gelangweilten Geplänkel zur spannenden, fast die Grenzen der Übersicht sprengenden aufregenden Lektüre entwickelt. Nach Charlys Verschwinden bleibt Udo mit vielen offenen Fragen im Hotel zurück, während sich Ingeborg ein paar Tage später zurück nach Deutschland begibt. So kann sich Udo auch effizienter seinen Annäherungsversuchen an die Hotelbesitzerin widmen. Während der im Grunde nicht unsympathische, wenngleich etwas asoziale Udo daran arbeitet, die Taktik der Deutschen Wehrmacht zu perfektionieren und einen Sieg gegen die Alliierten, mittlerweile vertreten durch den Verbrannten, zu erringen, als hätte es die Geschichte nie gegeben, lösen sich die Trennwände zwischen den Handlungsebenen langsam auf, und Udo merkt, dass hinter dem Verbrannten eine ihm unbekannte Macht steht. Bald ist die Ebene des Bösen nicht mehr klar definierbar, da sich die Spielzüge und die Realität soweit ineinander verzahnen, dass am Ende nicht mehr genau erkennbar wird, ob sich das Böse auf dem Spielbrett oder in Udos Erlebnissen entfaltet. Und so entsteht ein sich jeglicher Moralisierung entziehender Textfluss, der sich, vom Autor nie einer Bewertung unterzogen, frei nach Georges Bataille zur Schuldigkeit bekennt und im Bösen verharrt und das Wesentliche dadurch in sich selbst, als Literatur per se, findet. Ein Wesenszug, der sich bis zum Ende durch das Werk dieses großen, viel zu früh verstorbenen Autors zieht. Ein großartiger, früher, wichtiger Roman, in einigen Punkten natürlich noch nicht auf dem Niveau von "Die wilden Detektive" und "2666", aber ein äußerst faszinierender, wenn auch zu Lebzeiten unveröffentlichter Debütroman. (Roland Freisitzer; 09/2011)

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  • Rezension zu "Das Dritte Reich" von Roberto Bolaño

    Das Dritte Reich
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    14. May 2012 um 06:59

    Udo Berger, ein deutscher Kriegsspielemeister, verbringt seine Sommerferien mit seiner neuen, äusserst attraktiven Freundin Ingeborg an der spanischen Mittelmeerküste. Da er noch einen Artikel über eine neue Strategie in einem Kriegsspiel namens Drittes Reich fertigstellen sollte, nimmt er dieses Spiel mit, um sich ab und zu in seinem Hotelzimmer daran zu setzen und zu spielen. Ein von einem Brand entstellter Tretboot-Vermieter, den Udo am Strand kennen lernt, wird schliesslich zu seinem Gegner. Im Verlauf des Spieles, setzt Udo je länger je mehr aufs Spiel, zuerst die Beziehung zu Ingeborg, dann sein Ansehen beim Hotelpersonal und schliesslich sogar sein Leben. Es kommt zu einem Höhepunkt, als er, der Landesmeister, schliesslich im Spiel Berlin verliert und kapitulieren muss. Genial.

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  • Rezension zu "Das Dritte Reich" von Roberto Bolaño

    Das Dritte Reich
    Günter Landsberger

    Günter Landsberger

    24. September 2011 um 12:45

    http://www.revierpassagen.de/4316/zweierlei-spiel/20110923_1530