Roberto Bolaño Lumpenroman

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Inhaltsangabe zu „Lumpenroman“ von Roberto Bolaño

Seit dem Unfalltod ihrer Eltern leben Bianca und ihr Bruder allein in Rom, ohne Trost und Ziel, zwischen Jobs und Muckibude, Trash-TV und Pornos. Die Tage scheinen überhell, »ein Dauerzustand von Sonne und Licht«, eine Qual. Dann beziehen zwei zwielichtige Gestalten das Elternschlafzimmer und verwickeln die Geschwister in einen düsteren Plan um den legendären Maciste und einen Tresor voller Geld. Auf wenigen Seiten kondensiert der ›Lumpenroman‹ Bolaños große Themen – Einsamkeit, lauernde Gewalt, Träume vom Glück – und ist dabei von solch schlichter und ergreifender Schönheit, dass man ihn gleich noch einmal lesen will.

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— Fritz_Nitzsch
Fritz_Nitzsch

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  • Die Entzauberung von "La Dolce Vita"

    Lumpenroman
    Fritz_Nitzsch

    Fritz_Nitzsch

    25. August 2017 um 15:05

    Eine Ode (oder ein Abgesang?) auf die Stadt Rom. Das Ergebnis eines Projekts, Año 0, eines Verlages aus Barcelona über die großen Städte der Welt, wobei sich Bolaño Rom vornahm. Die Protagonistin, Bianca, verlor ihre Eltern bei einem Autounfall und lebt seitdem mit ihrem Bruder alleine. Als Teil des „Lumpenproletariats“ versuchen sie, verarmt, desillusioniert und ohne Zukunft klarzukommen. Schnell wird die Schule abgebrochen und Hilfsarbeitsjobs angenommen, da die Waisenrente nicht zum Überleben reicht. Leicht rutscht man da auf die schiefe Bahn, in einer Welt, in der der Müll des schnöden Scheins zur Fratze des Konsums verkommt, und den Randbemerkungen lediglich abgenagte Knochen zuwirft. Die Tage werden irgendwie mit Porno- und Quizzsendunggucken rumgebracht. Zwei Freunde des Bruders, der Libyer und der Bologneser planen zusammen mit den Geschwistern einen gealterten Bodybuilder und Fernsehstar, der sich Maciste nennt, auszurauben und Bianca spielt dafür den Köder, in sexueller wie investigativer Hinsicht. Sie entwickelt durch die gemeinsamen Stunden mit Maciste doch so etwas wie Gedanken für die Zukunft, schmeißt die beiden Gangsterfreunde aus ihrer Wohnung und entsagt der kriminellen Laufbahn. Sie erkennt ihr Leben im Schatten, und gesteht ein, im Dunkeln sehen zu können und das motiviert. Ein märchenhaftes Psychogramm einer dreckigen Stadt, die anonym und verfallen ist, wie ihre Menschen, die in ihr Leben und einer ganzen Generation europäischer Jugendlicher ohne Zukunft, die doch irgendwie ihr Ding machen oder es zumindest versuchen.

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  • Eine kleine Novelle der Einsamkeit...

    Lumpenroman
    parden

    parden

    EINE KLEINE NOVELLE DER EINSAMKEIT... "Jetzt bin ich Mutter und auch eine verheiratete Frau, aber vor gar nicht langer Zeit war ich eine Kriminelle" - so beginnt Biancas Bericht. Nach dem tödlichen Unfall der Eltern leben Bianca und ihr Burder allein in Rom, ohne Trost und Ziel, und schlagen sich mit schäbigen Jobs durch. Bis eines Tages der Bruder zwei sinistre Kumpane mitbringt, die sich bei den Geschwistern einnisten und sie in ihren Plan einweihen: Sie wollen den sagenumwobenen Tresor von Maciste knacken, einem erblindeten Bodybuilder und Star aus den Gladiatorenfilmen der fünfziger Jahre. Bianca soll den Köder spielen und in seiner riesigen abgedunkelten Wohnung den Safe ausfindig machen. Eine Nacht nach der anderen gibt sich Bianca gegen Geld dem glatzköpfigen Muskelprotz hin, der aussieht wie ein 'kaputter Kühlschrank'. Aber der ursprüngliche Plan scheint nicht aufzugehen... "Von dem Moment an veränderten sich die Tage, oder vielmehr veränderte sich der Lauf der Tage. Oder vielmehr das, was den einen und den anderen Tag verbindet und zugleich eine klare Grenze zwischen beiden zieht. Auf einmal gab es keine Nacht mehr und war alles ein Dauerzustand von Sonne und Licht." Eine kleine Novelle der Einsamkeit präsentiert Roberto Bolaño hier. Er lässt Bianca erzählen von der Zeit nach dem Unfalltod ihrer Eltern, der alles anders werden ließ, die Sprache kühl und reduziert, die Ausweglosigkeit der Situation pragmatisch und nüchtern vor Augen führend. In einer nahezu emotionslosen, dokumentierenden und nicht wertenden Art lässt Bolaño das noch nicht volljährige Mädchen berichten von den Nächten voller Licht - und dennoch sieht sie niemand im überfüllten Rom in ihrer Einsamkeit und Trostlosigkeit. Selbst in der gemeinsamen Wohnung gibt es keine Nähe, nur Distanz, jeder kreist um sich selbst, und Bianca hört zunehmend auf, sich um sich selbst zu scheren. " Was hatten sie gesehen? fragte ich mich. Was für ein Gesicht, was für Augen hatten sie gesehen? Ich frage mich das nicht oft, aber irgendwann hatte ich mich das sicher gefragt. Jetzt weiß ich, dass es keine Nähe gibt. Irgendwer hat immer die Augen zu. Wenn der eine sieht, dann der andere nicht. Wenn der andere sieht, dann der eine nicht. Nur eine Mutter kann nah sein, aber das war damals das Unbekannte. Nicht Vorhandene. Es gab bloß die Illusion von Nähe." Trotz des nüchternen und distanzierten Schreibstils hat mich die Erzählung gepackt und sie bis zum Ende nicht mehr aus der Hand legen lassen. Immer wartend auf das, was da geschehen mochte, etwas, das einen Schnitt in die trostlose Einsamkeit zog, gespannt sein ließ auf das Ende - so oder so. Flüssig lesen ließ sich der Text, trotz der vordergründigen Emotionslosigkeit oftmals poetisch und im Hintergrund durchzogen von tiefer Traurigkeit. Für mich eine überzeugende Mischung. "Ich wartete auf etwas. Auf eine Katastrophe. Auf einen Besuch der Polizei oder der Frau vom Sozialamt. Auf die Ankunft eines Meteoriten, der den Himmel verdunkelte. Mein Bruder lieh sich Filme (...) aus und ich wusch Köpfe und nichts geschah." Für mich ein Zufallsfund, der sich als kleine Perle entpuppte... © Parden

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    • 10
    Cridilla

    Cridilla

    11. February 2016 um 02:58
    Janna_KeJasBlog schreibt bin mir nicht sicher ob das buch etwas für mich ist ... aber mein Interesse hast du geweckt

    Geht mir grad ähnlich.

  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • anstrengend zu lesen

    Lumpenroman
    dominona

    dominona

    31. December 2014 um 09:27

    Wenn Geschwister zu Waisen werden und sich niemand mehr um sie kümmert, kann das zu Dummheiten verführen und so kommt ein Mädchen in der Gesellschaft ihres Bruders und seiner zwei “Freunde” auf die Idee einen blinden ehemals Bodybuilding-Champion zu beschubsen. Sie schläft mit ihm und sucht wenn sie bei ihm ist, immer wieder heimlich nach einem versteckten Safe. Aber was passiert, wenn das Mädchen, das glaubt keine Gefühle zu haben, merkt, dass etwas nicht stimmt? Insgesamt war mir das Buch zu oberflächlich, bzw. zu erzwungen und gewollt tiefsinnig und es hat ewig gebraucht, um in Fahrt zu kommen.

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  • Ein Leben aus Lumpen

    Lumpenroman
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    07. October 2014 um 19:24

    „Lumpenroman“ ist erstmals 2010 im Carl Hanser Verlag erschienen. Dieses Jahr veröffentlichte der Fischer Verlag die Taschenbuchausgabe. Thema dieses Buches ist die Hilflosigkeit eines Geschwisterpaares, dessen Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind. Bereits zu Beginn fasst Bianca, die Protagonistin dieses Buches, treffend zusammen: „Jetzt bin ich Mutter und auch eine verheiratete Frau, aber vor gar nicht langer Zeit war ich eine Kriminelle. Mein Bruder und ich hatten unsere Eltern verloren. In gewisser Weise rechtfertigt das alles. Wir hatten niemanden. Und das alles buchstäblich von heute auf morgen.“ Bianca beschreibt das neue Leben, das sie mit ihrem Bruder führt. Wie beide versuchen, mit dem Verlust umzugehen, wie sie die Schule schmeißen, um einem Job nachgehen zu können, wie sie Freunde finden, die keine wahren Freunde sind, und wie sie in gewisser Weise zu Kriminellen werden. Der Alltag ist geprägt von Arbeit, Depressionen, Trauer, Leblosigkeit. Es ist, als würden sie nicht mehr leben, sondern nur noch funktioniert. Vielleicht beginnt Bianca deshalb, mit den zwei Freunden, die irgendwann bei ihnen einziehen, zu schlafen. Um zumindest körperlich dem Leben näher zu sein als dem Tod. Viele Interessen haben die vier nicht – sie versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen und lassen sich täglich von Filmen und Shows im Fernsehen unterhalten. Doch auch wenn Bianca versucht, dem Leser ihr Herz zu öffnen, ihre Gedankenwelt zu verbreiten, scheint sie einem sehr distanziert, vorsichtig, manchmal sogar kaltherzig. Wie viel Liebe kann man einem noch geben, wenn man die wichtigsten Menschen in seinem Leben verloren hat? Wie viel Lebensfreude kann man ausstrahlen, wenn man nichts mehr zu lachen hat? Roberto Bolaño schafft es, einen kleinen Einblick in die Gefühls- und Lebenswelt zweier Menschen zu geben, die den Sinn ihres Lebens verloren haben. Gänzlich überzeugen kann es jedoch nicht – dafür sind die 106 Seiten für ein so schwieriges Thema dann doch etwas zu kurz. © Bücherstadt Kurier

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  • Alles nur ein Traum?

    Lumpenroman
    bookwyrm

    bookwyrm

    08. April 2014 um 16:07

    Nach dem Tod der Eltern sind zwei Geschwister auf sich selbst gestellt. Die Nächte werden hell. Zwei Männer -Freunde des Bruders- ziehen bei ihnen ein. Sie putzen, schauen fern. Und die Männer schlafen abwechselnd mit der Schwester. Nie ist genug Geld da. Arbeit gibt es kaum, und wenn, dann ist sie schlecht bezahlt. Pläne werden geschmiedet, ein alternder Filmstar soll ausgenommen werden. Die Schwester schläft mit ihm, wird von ihm verwöhnt. Und mehr will ich hier nicht verraten. Es ist ein kurzer, stiller Roman, eigtl nur eine Novelle, eine längere Erzählung. Die Geschichte hätte spannender, erotischer sein können. Sie wirkt irreal wie ein Traum. Die Atmosphäre ist gut, aber letztlich war ich doch enttäuscht. Zu viel Einakter-Theater-Feeling, ein Leben in vier Wänden, zu wenig Lebenswirklichkeit, zu wenig Drama. Zu wenig details.

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  • Rezension zu "Lumpenroman" von Christian Hansen

    Lumpenroman
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    19. February 2012 um 16:27

    Dieser Roman ist von Roberto Bolaño und nicht vom Übersetzer, aber das scheint hier drin niemanden zu stören... schludrig, schludrig... Dafür das Buch verstörend... eine kurze Geschichte über ein junges Waisenpaar, Bruder und Schwester, in Rom. Sie versuchen, sich über Wasser zu halten und geraten an zwei zwielichtige Gestalten. Schliesslich findet das Mädchen ihre Grenze, wo sie nicht mehr alles mitmacht und zieht einen Schlussstrich.

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  • Rezension zu "Lumpenroman" von Christian Hansen

    Lumpenroman
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    18. May 2011 um 22:25

    Dies ist mein erster Roman von Roberto Bolano. Neugierig auf diesen Autor wurde ich, wie wohl viele Literaturinteressierte über den Roman 2666, den ich aber noch nicht gelesen habe. Der hier besprochene Lumpenroman ist ein kurzes Sittengemälde. Die Hauptfigur und Ich-Erzählerin Bianca und ihr Bruder verlieren ihre Eltern bei einem Autounfall. Fortan sind sie auf sich selbst gestellt und verdienen sich durch Gelegenheitsjobs ihr Geld, um in ihrer Heimatstadt Rom zu überleben. Bianca verlässt die Schule und ihr Bruder fängt in einem Fitnessstudio an. Dort lernt er zwei zwielichtige Gestalten kennen, die sich bald auch in der Wohnung der Geschwister einnisten. Anfangs findet Bianca die Beiden nett, sie räumen die Wohnung auf und lassen sie in Ruhe. Aber dabei bleibt es nicht. Bald finden sich Nacht für Nacht der eine oder der andere in ihrem Zimmer ein. Dann entsteht der Plan, den fast erblindeten Maciste auszurauben. Die drei Männer kennen Maciste aus dem Fitnessstudio. Er ist reich, er lebt zurückgezogen und sie vermuten, einen Tresor in seiner Villa. Bianca besucht Maciste und prostituiert sich.Doch am Ende findet sie einen Weg, sich von ihren Peinigern zu befreien und sie in eine Falle zu locken. Winnie Böwe liest diesen Roman so abgeklärt, dass einem beim Zuhören kalte Schauer über den Rücken laufen.Die Figur Bianca wirkt distanziert und völlig ohne Emotionen, so als ob das alles unvermeidlich wäre. Die Sprache Bolanos befremdet den Hörer und doch kann man sich nicht vorstellen, wie die Geschichte des Absturzes aus den Augen der Beteiligten anders geschildert werden kann: dem Schicksal ergeben und abgestumpft. Ein kleiner Geheimtipp!

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  • Rezension zu "Lumpenroman" von Christian Hansen

    Lumpenroman
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    12. October 2010 um 16:16

    Bolano entwickelt in einem distanziert wirkenden Stil eine Geschichte von Menschen, die durch das soziale Netz gefallen sind, die quasi unsichtbar für den Rest der Welt leben. Deutlich merkt man ihnen an, dass sie dabei kaum zu menschlichen Beziehungen, Bindungen, Gefühlen fähig sind. Das Buch umfasst eher die Dimension einer Novelle als eines Romans und Bolano entwickelt die Geschichte gekonnt knapp, ohne überflüssigen Ballast, erzählt nur das wichtigste. Spannend (und damit auch interessant) wird sie dadurch, dass ich als Leser ständig Angst um die Protagonistin habe. Angst, dass sie noch tiefer sackt, völlig exkludiert wird, die Androhung der Kriminalität zu Beginn der Erzählung umgesetzt wird. Dabei begibt sie sich in unheimliche Gesellschaft, einem Menschen, der aus dem Rampenlicht ebenfalls an den Rand der Aufmerksamkeit gedrängt wurde. Die Geschichte ist eindringlich erzählt aber mich stört doch ein wenig die Botschaft, die ich ihr entnehme. Sie vermittelt zu sehr das Bild der Individualisierung, in dem jede/r seines Glückes Schmied ist und selber in der Lage ist, sich zu befreien und Teil der Gesellschaft werden kann beziehungsweise in ihr aufsteigen kann. Dem muss ich wiedersprechen.Aber das Buch zeigt gleichzeitig, dass keine oder kaum sozialen Netze zum Auffangen existieren und die Potagonisten sich selbst überlassen werden. Daher ist "Lumpenroman" für mich, obwohl sprachlich überzeugend, nicht gänzlich gelungen. Zumindest wird der Leserin und dem Leser ein interessantes gesellschaftliches Bild vor Augen geführt.

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  • Rezension zu "Lumpenroman" von Christian Hansen

    Lumpenroman
    *Arienette*

    *Arienette*

    02. September 2010 um 13:43

    "Jetzt bin ich Mutter und auch eine verheiratete Frau, aber vor gar nicht langer Zeit war ich eine Kriminelle." Mit diesem Satz beginnt der Roman. Erzählt wird die Geschichte zweier Geschwister, die ihre Eltern bei einem Unfall verloren haben und plötzlich ganz allein auf sich gestellt sind. Für Bianca haben ihre Tage sich verändert, sie sind farblos geworden. Zitat: "Von dem Moment an veränderten sich die Tage, oder vielmehr veränderte sich der Lauf der Tage. Oder vielmehr das, was den einen und den anderen Tag verbindet und zugleich eine klare Grenze zwischen beiden zieht. Auf einmal gab es keine Nacht mehr und war alles ein Dauerzustand von Sonne und Licht." Anfangs versuchen die Beiden noch, ein geregeltes Leben zu führen, was sich aber mit der Zeit ändert. Ihr Bruder bringt eines Tages zwei Freunde mit nach Hause. Sie schauen gemeinsam Quizshows und Pornofilme. Hin und wieder geht die Ich-Erzählerin mit einem der Freunde ins Bett - aber nicht aus Liebe. Eine Stelle hat mich irgendwie beeindruckt - ich zitiere mal: " Was hatten sie gesehen? fragte ich mich. Was für ein Gesicht, was für Augen hatten sie gesehen? Ich frage mich das nicht oft, aber irgendwann hatte ich mich das sicher gefragt. Jetzt weiß ich, dass es keine Nähe gibt. Irgendwer hat immer die Augen zu. Wenn der eine sieht, dann der andere nicht. Wenn der andere sieht, dann der eine nicht. Nur eine Mutter kann nah sein, aber das war damals das Unbekannte. Nicht Vorhandene. Es gab bloß die Illusion von Nähe." Die Sprache ist kühl und reduziert - was mich die Geschichte allerdings auch distanziert hat lesen lassen. Zudem ist das Buch mit nur 109 Seiten schnell gelesen. Die Buchgestaltung empfinde ich als ansprechend - schwarz mit apfelgrün, auch der Buchschnitt ist grün eingefärbt.

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  • Rezension zu "Lumpenroman" von Christian Hansen

    Lumpenroman
    Leserrezension2010

    Leserrezension2010

    23. August 2010 um 15:38

    H20 Lumpenroman von Roberto Bolano Kategorie: Hörbuch Bolaño – ein Gigant der Weltliteratur! Biancas Eltern sterben bei einem Autounfall und von da an lebt sie mit ihrem Bruder alleine. Da die Rente des Vaters fürs Leben nicht reicht, sucht sich Bianca einen Job und auch ihr Bruder muss arbeiten gehen. Bianca arbeitet in einem Friseursalon und ihr Bruder in einem Fitnessstudio; als Bianca eines Tages nach Hause kommt findet sie zwei Männer in ihrer Wohnung vor – zwei Freunde von ihrem Bruder, die ab sofort im Schlafzimmer Biancas Eltern schlafen. Die beiden Männer vermitteln Bianca als Prostituierte an den ehemaligen und blinden Bodybuilder und Schauspieler Maciste. Sie schläft Nacht für Nacht mit ihm und durchsucht heimlich, ohne das Maciste es weiß, das Haus des ehemaligen Schauspielers auf der Suche nach einem Safe, der laut den beiden Männern, voll mit Geld ist. Sie hat keine Ahnung, auf was sie sich eingelassen hat, als sie zusagte. Das Hörbuch zum „Lumpenroman“ ist großartig – die Sprecherin, Winnie Böwe, bringt mit ihrer Stimme die Trauer, Negativität und Aussichtslosigkeit des Protagonisten herüber. Böwe und Bolaño sind ein tolles „Team“ - er schreibt ein traurigen, aber trotzdem wundervollen Roman und sie gibt dem ganzen eine Stimme. Hervorragend – lesen oder hören, aber auf jeden Fall genießen!

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  • Rezension zu "Lumpenroman" von Christian Hansen

    Lumpenroman
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    19. August 2010 um 18:34

    Bolaño – ein Gigant der Weltliteratur! Biancas Eltern sterben bei einem Autounfall und von da an lebt sie mit ihrem Bruder alleine. Da die Rente des Vaters fürs Leben nicht reicht, sucht sich Bianca einen Job und auch ihr Bruder muss arbeiten gehen. Bianca arbeitet in einem Friseursalon und ihr Bruder in einem Fitnessstudio; als Bianca eines Tages nach Hause kommt findet sie zwei Männer in ihrer Wohnung vor – zwei Freunde von ihrem Bruder, die ab sofort im Schlafzimmer Biancas Eltern schlafen. Die beiden Männer vermitteln Bianca als Prostituierte an den ehemaligen und blinden Bodybuilder und Schauspieler Maciste. Sie schläft Nacht für Nacht mit ihm und durchsucht heimlich, ohne das Maciste es weiß, das Haus des ehemaligen Schauspielers auf der Suche nach einem Safe, der laut den beiden Männern, voll mit Geld ist. Sie hat keine Ahnung, auf was sie sich eingelassen hat, als sie zusagte. Das Hörbuch zum „Lumpenroman“ ist großartig – die Sprecherin, Winnie Böwe, bringt mit ihrer Stimme die Trauer, Negativität und Aussichtslosigkeit des Protagonisten herüber. Böwe und Bolaño sind ein tolles „Team“ - er schreibt ein traurigen, aber trotzdem wundervollen Roman und sie gibt dem ganzen eine Stimme. Hervorragend – lesen oder hören, aber auf jeden Fall genießen! Erstveröffentlichung: http://literaturecosmos.wordpress.com/

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  • Rezension zu "Lumpenroman" von Christian Hansen

    Lumpenroman
    HeikeG

    HeikeG

    15. August 2010 um 12:25

    Sonne, Licht und berstende Fenster oder Das Glück wenden . „Alles Geschriebene ist Schweinerei. Die Leute, die das Unbestimmte verlassen, um zu versuchen, irgend etwas von dem, was in ihrem Geist vorgeht, zu präzisieren, sind Schweine. Das ganze Literatenvolk ist schweinisch, und besonders dasjenige dieser Zeit.“ . Dieses Zitat des französischen Künstlers Antonin Artaud (1896 - 1948) stellt der in Chile geborene, in Mexiko aufgewachsene und in Spanien zu literarischem Weltruhm gelangte Roberto Bolaño seinem letzten, kurz vor seinem Tode geschriebenen Buch voran. Es scheint wie ein Signal, wie ein Omen zu fungieren, denn über dem nur 110 Seiten langen Text (spanischer Originaltitel: „Una novelita lumpen“), der eher als Novelette als ein Roman avanciert, schwebt etwas latent Unbestimmtes. Schon der erste Satz offenbart eine diffuse Aussage: „Jetzt bin ich Mutter und auch eine verheiratete Frau, aber vor gar nicht langer Zeit war ich eine Kriminelle“. Seine Protagonisten zeichnet Bolaño gleichfalls in einer schwammigen, schwer greifbaren Konsistenz und auch das Ende lässt freien Assoziationsspielraum. . „Zusammenstöße verformen die Farbe oder verformen die Art, wie wir Farbe wahrnehmen.“ Einen dramatischen Zusammenstoß gab es. Die Eltern von Bianca - der Ich-Erzählerin - und ihrem Bruder kommen bei einem Verkehrsunfall ums Leben. „Von dem Moment an veränderten sich die Tage. Oder vielmehr, es veränderte sich der Lauf der Tage. Oder vielmehr das, was den einen und den anderen Tag verbindet und zugleich eine klare Grenze zwischen beiden zieht.“ Die zwei jungen Menschen geraten aus der Spur ihres bis dato bürgerlich geordneten Lebens. Sie gehen nicht mehr in die Schule, vertreiben sich ihre Zeit mit Quizshows im Fernsehen und Pornos aus der Videothek. Um „die wenigen Dinge zu vergessen, die ich wusste“, stellt Bianca fest. Mit billigen Hilfsjobs überleben beide mehr recht als schlecht. . „Zusammenstöße verformen die Farbe oder verformen die Art, wie wir Farbe wahrnehmen.“ Biancas Tage haben ihre Helligkeit und Farbe verloren, die Handlungsräume erscheinen abgedunkelt und verwischt. Die Nacht jedoch empfindet die junge Frau als Dauerzustand von Sonne und Licht. Diese Gestimmtheit ändert sich auch nicht, als ihr Bruder eines Tages zwei nebulöse Typen anschleppt, die sich fortan in der Wohnung einquartieren und abwechselnd das Bett mit der apathischen jungen Frau teilen. Eine Wendung nimmt das Geschehen, als die Drei einen perfiden Plan aushecken, um zu Geld zu kommen. Bianca soll als Gespielin eines abgehalfterten, blinden Bodybuilding-Weltmeisters dessen Anwesen nach einem angeblich versteckten Tresor ausspionieren, um „das Glück zu wenden“. Nur kann man das Glück einfach so wenden? „,Das Glück wenden‘, eine Redensart, die für mich keinen Sinn ergab, so sehr ich mir auch darüber den Kopf zerbrach, denn das Glück lässt sich nicht wenden, entweder ist es da oder es ist nicht da, und wenn es da ist, gibt es keinen Weg, es zu wenden, und wenn es nicht da ist, geht es uns wie den Vögeln in einem Sandsturm, wir wissen es nur nicht...“ . „Als stiege aus der Tiefebene Nebel auf und hüllte den ganzen Bahnhof ein, ohne dass es jemand merkte“, so wirkt auch Roberto Bolaños „Lumpenroman“ auf den Leser. Sein nüchterner Duktus, die beinahe emotionslose, registrierende und nicht wertende, fast staccato-artige Sprache mit von Zeit zu Zeit eingestreuten blumigen Umschreibungen, verdeutlichen die Diskrepanz der morbiden Gesellschaft und lassen die Situation der jungen Menschen auf drastische Art und Weise lebendig werden. Nicht ohne Grund scheint Bolaño sein Geschehen in Rom angesiedelt zu haben, obwohl der Ort beliebig austauschbar wäre. Meisterlich versteht er es, scheinbar merkwürdige Dinge auftauchen zu lassen, „wenn man am wenigsten damit rechnet, und die in Wirklichkeit immer Vorwände für etwas anderes sind, für andere Dinge (für durchführbare, nicht für undurchführbare Dinge)...“ . „Bücher sind Wege, die nirgendwohin führen, auf die man sich aber dennoch begeben muss, um sich zu verirren und wieder zu finden oder um etwas zu finden, was auch immer, ein Buch, eine Geste, einen verlorenen Gegenstand, irgendetwas, vielleicht eine Methode, mit etwas Glück: das Neue, das, was immer schon da war.“, schrieb der Autor in seinem hellsichtigen Essay "Literatur+Krankheit=Krankheit". Bolaño zu lesen ist mit Sicherheit immer wieder ein brillantes Abenteuer, weil es keinen typischen Bolaño-Ton gibt, weil er formale Offenheit praktiziert, erwartete Begegnungen stets ausbleiben und klug ausgelegte Spuren ins Nichts führen.

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  • Rezension zu "Lumpenroman" von Christian Hansen

    Lumpenroman
    Zebrafink

    Zebrafink

    15. August 2010 um 08:49

    Sehr kurzer aber guter Roman über eine kurzen kriminellen Werdegang. Bianca und ihr Bruder haben ihre Eltern verloren. Plötzlich sind sie Waisen. Das Geld reicht nicht aus. Bianca sucht sich einen Job. Ihr Bruder zwar auch, er verliert ihn aber wieder und bringt stattdessen zwei mysteriöse junge Männer mit zu Ihnen nach Hause, die fortan auf ihre Kosten leben. Die vier entwickeln einen kriminellen Plan. Sie wollen an das Geld eines ehemalig erfolgreichen Schauspielers. Sie schicken Bianca zu ihm, um sein Haus nach einem Tresor abzusuchen. Dafür muß sie sich aber bei ihm prostituieren.

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