Robin Black

 4.3 Sterne bei 52 Bewertungen
Autor von Porträt einer Ehe, Schattenjuwel: Das Herz von Elowia und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Robin Black

Porträt einer Ehe

Porträt einer Ehe

 (33)
Erschienen am 09.01.2018
Schattenjuwel: Das Herz von Elowia

Schattenjuwel: Das Herz von Elowia

 (14)
Erschienen am 21.02.2012
Schattenjuwel: Das Herz von Elowia: 1

Schattenjuwel: Das Herz von Elowia: 1

 (1)
Erschienen am 27.06.2012
If I Loved You, I Would Tell You This

If I Loved You, I Would Tell You This

 (0)
Erschienen am 06.05.2011
Life Drawing

Life Drawing

 (0)
Erschienen am 07.05.2015

Neue Rezensionen zu Robin Black

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jenvo82s avatar

Rezension zu "Porträt einer Ehe" von Robin Black

Eine Langzeitbeziehung in emotionaler Schieflage
jenvo82vor 2 Monaten

„Man kann Feuer nicht mit Feuer bekämpfen. Man kann das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, nicht mit dem Gefühl bekämpfen, die Kontrolle verloren zu haben.“


Inhalt


Die jahrzehntelange Ehe der Edelmans ist zwar kinderlos geblieben, doch die ambitionierte Malerin Gus und ihr Mann Owen, der an einem Roman arbeitet, haben sich ganz bewusst für ein gemeinsames Leben jenseits der Großstadt entschieden und genießen ihre Zeit lieber in ländlicher Idylle. Er schreibt in der umgebauten Scheune, sie malt im Atelier und versucht sich erstmals sogar an einer Porträtserie über junge Soldaten, die bereits im Alter von 17 Jahren, im Krieg gefallen sind.

Die neue Nachbarin Alison, etwa im gleichen Alter wie Gus stört die Paarbeziehung zunächst nur unwesentlich, doch schon bald verbringen die beiden Frauen viel Zeit gemeinsam, schütten einander ihr Herz aus und werden beste Freundinnen. Owen missfällt diese innige Nähe, doch möchte er sich auch nicht einmischen. Als Alisons Tochter Nora ihre Mutter besucht, dort sogar für einige Zeit einzieht, entspannt sich das Verhältnis wieder, denn die junge Frau ist eine große Bewunderin von Owen und seinen Texten und kommt ihm immer näher. Doch Owen spürt ebenso wie seine Frau die neuerliche Beziehungsschieflage, denn vor Jahren hatte Gus eine Affäre und nun bietet sich Owen die gleiche Möglichkeit. Beide schwanken zwischen Verdruss, Schuldgefühlen und der traurigen Erkenntnis, dass nur Offenheit und Gemeinsamkeit die Ehe retten kann, doch bevor sie sich dieser Entscheidung bewusst sind, ist Nora verschwunden …


Meinung


Von diesem Roman habe ich mir auf Grund zahlreicher begeisterter Rezensionen eine Menge erwartet, ein emotionales Werk mit Tiefgang und vielschichtigen Betrachtungsweisen. Einen ehrlichen Umgang mit dem Phänomen der partnerschaftlichen Liebe in langjährigen Beziehungen und irgendwie auch eine Ähnlichkeit zu persönlichen Erlebnissen. Und obwohl ich letzteres eher nicht gefunden habe, hat das „Porträt einer Ehe“ doch einen sehr universellen Charakter und fängt das Seelenleben aller Protagonisten absolut glaubwürdig und tiefgründig ein.

Die aus Philadelphia stammende Autorin Robin Black versetzt sich wunderbar in die Menschen der Geschichte hinein, reflektiert deren Gedankengänge und baut ein stilles, nachdenklich stimmendes Drama auf, welches mit relativer Handlungsarmut auskommt und dennoch ein großer Wurf ist.

Interessant ist die Ich-Erzählperspektive aus der heraus Gus ihren Umgang mit der Schuld einer längst vergangenen Affäre greifbar werden lässt. Die Nachbarin und ihr Mann scheinen beinahe Spielfiguren in ihrem ganz persönlichen Schicksal zu sein und doch wird plausibel, warum sie ihren Mann so wertschätzt, aber auch, was sie sich an Veränderungen wünschen würde. Man sieht sie vor sich die Menschen, die hier auf engem Raum aufeinandertreffen und ein regelrechtes Wirrwar an Gefühlsregungen einbringen.

Prinzipiell ist das auch das große Plus dieser Erzählung, der man anmerkt, wie lebendig, schuldbeladen und hoffnungsfroh die Stimmung sein kann, obwohl tatsächlich kaum etwas passiert. Alles was sich abspielt sind die intensiven Auseinandersetzungen der handelnden Personen, mit ihren eigenen Gedanken und Wünschen. Dadurch sieht sich der Leser auch nicht gezwungen für irgendwen Partei zu ergreifen, sondern fällt einfach nur in die Rolle des stillen Beobachters zurück. Sehr treffend ist zudem die Wahl des Buchtitels, nicht nur weil er Bezug zum Schaffenskreis der Protagonisten nimmt, sondern weil das Buch tatsächlich feine Schattierungen, detaillierte Befindlichkeiten und ganz nebenbei tiefe Wahrheiten vermittelt. Je länger man sich damit beschäftigt, desto klarer werden die Eindrücke, desto schillernder das Szenario.


Fazit


Ich vergebe 5 Lesesterne für diesen Abriss über eine Langzeitbeziehung, in der es durchaus Schuldige gibt aber niemanden, der allein verantwortlich ist, für die Entwicklung der Handlung. Herausragend ist der Roman vor allem durch die Dichte und Präsenz ganz differenzierter zwischenmenschlicher Gefühle. Als emotional würde ich ihn nicht bezeichnen, wirken doch die Menschen sehr beherrscht, sachlich und objektiv – darum bemüht, nicht wie der Elefant im Porzellanladen aufzutreten. Aber ihr Innerstes kehrt sich nach Außen und der Leser wird Teil dieser Erfahrung. Ein stilles Buch über Wahrheiten, Versäumnisse und die Kraft der Liebe – toll!

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CoffeeToGos avatar

Rezension zu "Porträt einer Ehe" von Robin Black

der Anfang war einfach zu anstrengend
CoffeeToGovor 3 Monaten

Inhalt
Gus hat vor einiger Zeit ihren Ehemann Owen betrogen. Daraufhin suchen sie die Einsamkeit und ziehen aufs Land. Als jedoch Alison neben ihnen einzieht, müssen beide von neuem um ihre Ehe kämpfen.

Eigene Meinung
Ich habe mich mit dem Einstieg ziemlich schwer getan. Der Schluss wird schon vorweg genommen, was ich nicht als negativ empfunden habe. Danach zieht es sich nur leider wie Kaugummi. Es passiert nicht viel, da der Fokus sehr auf Emotionen und kleine Details gelegt ist. Es gibt Menschen, die das mögen, ich gehöre wohl nicht dazu.

Für mich wurde das Buch erst nach zwei Dritteln richtig gut. Dann so gut, dass ich enttäuscht war, wie schnell es doch vorbei war.

Leider wurde ich mit Gus und Owen (aber besonders Gus) nicht richtig warm. Trotz der vielen Emotionen die im Buch verarbeitet werden, blieben mir die beiden fremd. Auch die Nachbarin fand ich sehr schwammig.
Viel mehr Charaktere kommen auch kaum vor. Gus' Vater und Schwester sind noch zwei weitere, allerdings kommen sie so wenig vor, bzw. sind so unwichtig für die Handlung, dass man sie kaum zu erwähnen brauch.

Insgesamt war mir die Geschichte zu anstrengend. Ein guter letzter Teil reicht einfach nicht aus, um es zu einem (in meinen Augen) guten Buch zu machen.

Fazit
"Porträt einer Ehe" konnte mich leider erst in der zweiten Hälfte packen, dann aber dafür richtig.

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leseleas avatar

Rezension zu "Porträt einer Ehe" von Robin Black

"die matte, kampfesmüde, gebeutelte und wieder zusammengeflickte Liebe“ (S. 89)
leseleavor 6 Monaten

Die Ehe, der Bund fürs Leben, ein Versprechen für immer, auf ewig, bis das der Tod sie scheidet. Doch die romantischen Vorstellungen, die damit verbunden sind, sind nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite bedeutet Arbeit, Kampf, Verzweiflung, Schmerz, Langeweile, Entfremdung. Nicht immer stellt die Ehe den Höhepunkt einer langjährigen Beziehung da, nicht immer schützt sie davor, den anderen zu verlieren, sondern leitet, im Gegenteil, das Ende einer Partnerschaft ein. Keine Ehe ist wie die andere und jede Ehe hat ihre eigene, besondere Geschichte. So ist es auch bei Gus und Owen, von denen Robin Black in Porträt einer Ehe erzählt: Hier ist die Ehe mehr ein Fluchtversuch, den beide unternehmen, nachdem Gus trotz langjähriger Beziehung fremdgegangen ist. Sie soll darüber hinwegtäuschen, dass sich die Wunden nicht geschlossen haben, soll etwas bekräftigen, von dem sie spätestens seit Gus‘ Affäre nicht mehr wissen, was es ist. Das gleiche Ziel verfolgt auch ihr Umzug vom Stadt aufs Land, wo sie in einem abgeschiedenen Haus leben und arbeiten: Gus ist Malerin, Owen Schriftsteller, sie befindet sich nach der Beziehungskrise in einer intensiven Schaffensphase, er hat seitdem nichts Vernünftiges auf Papier gebracht. Doch dann tritt Alison, die neue Nachbarin in ihr Leben, und etwas beginnt sich zu verschieben. Doch was dieses Etwas ist und welche Ausmaße es einnimmt, wird erst deutlich, als auch Alisons Tochter Nora Teil des komplizierten Beziehungsgeflechtes wird…

In einer Ehe laufen oft zwei Gespräche nebeneinander ab. Das, das man gerade führt, und das, das man gerade nicht führt. Manchmal weiß man nicht einmal, wann dieses zweite, stillschweigende, begonnen hat. (S. 54)

Robin Blacks Roman Porträt einer Ehe gehört definitiv zu dem Besten, was ich 2018 gelesen habe! Die circa 320 Seiten umfassende Geschichte besticht mit einer spannenden Figurendynamik, scharfsinnigen Analysen zwischenmenschlicher Beziehungen und einer starken, beinahe sogartig wirkenden Atmosphäre. Aus der Perspektive der Hauptfigur Gus, einer Frau in den besten Jahren, einer kreativen Bohemienne und eben einer Fremdgeherin, erzählt die Autorin von den Auswirkungen einer Affäre auf eine langjährige Partnerschaft – von den Verschiebungen, die sich zwischen den einst Liebendes einstellen und von den persönlichen Krisen, die beide Individuen durchleben. Sie beleuchtet, wie schnell eine fragil gewordene Beziehungskonstellation durch Außenstehende (sei es beabsichtigt oder nicht) bedroht werden kann, bis sie schließlich kurz vor dem Einstürzen steht. Diese Anspannung zwischen den einzelnen Figuren wird dabei für den Leser fast körperlich spürbar, sie schürt die Neugier auf jedes weitere Kapitel und lässt einen die Lektüre von Porträt einer Ehe als besonders intensiv erleben.

Zugleich trägt auch die klare, kraftvolle, dabei aber sogleich poetische und mit einem fragenden bzw. suchenden Unterton versehene Sprache dazu bei, dass man sich schnell als Teil der Geschichte führt. Robin Black schafft es, mit ihren Sätzen Emotionen punktgenau zu formulieren und dabei das Unbestimmte und Unerklärliche, das Gefühlen zu eigen ist, mitschwingen zu lassen. Das Erzählte – zumal dies in erster Linie aus Gus‘ Gedanken, Erinnerungen und Interpretation besteht – wirkt daher ungemein dicht, beinahe greifbar, nicht entziehbar. Selten kommt es vor, dass ich bei einem Buch schon nach wenigen Seiten den Wunsch verspürt habe, diese Geschichte möge nie zu Ende gehen. Bei Porträt einer Ehe war dies der Fall – und das, obwohl der Roman eine tieftraurige Liebesgeschichte ist, eine Story, die zwar sehr ans Herz geht, jedoch allein auf schmerzende Weise.

Porträt einer Ehe hat mich von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt: Robin Black liefert mit ihrem ersten Roman direkt große Literatur ab und beweist zugleich sprachliches Talent wie ein hervorragendes Händchen für Figurenzeichnung und Erzählaufbau. Ich wünsche dem Roman noch viele Leser – und den Lesern noch viele Romane der Autorin. 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

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