Robin Briggs

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Cover des Buches Early Modern France 15601715 (O P U S) (ISBN: 9780192892843)

Early Modern France 15601715 (O P U S)

 (1)
Erschienen am 16.07.1998

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Cover des Buches Early Modern France 15601715 (O P U S) (ISBN: 9780192892843)A

Rezension zu "Early Modern France 15601715 (O P U S)" von Robin Briggs

Krise und Wiederaufstieg. Frankreich zwischen 1560 und 1715
Andreas_Oberendervor 10 Monaten

Im Laufe ihrer fast tausendjährigen Geschichte erlebte die französische Monarchie Höhen und Tiefen. Krisen und Katastrophen führten allerdings nie zu einer dauerhaften Schwächung oder gar zum Zusammenbruch des Königtums. Die Monarchie überlebte den Hundertjährigen Krieg und die Religionskriege des 16. Jahrhunderts. Paradoxerweise ging die Monarchie aus diesen beiden Belastungs- und Bewährungsproben gestärkt hervor. Robin Briggs hat die Dialektik von Niedergang und Wiederaufstieg der Monarchie in den Mittelpunkt seines Buches gestellt. Er spannt einen Bogen von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Tod Ludwigs XIV. 1715. Das Buch ist zuerst 1977 erschienen und wurde 1998 neu aufgelegt. Für die zweite Auflage hat Briggs den Text nur geringfügig überarbeitet. Die zweite Auflage ist mittlerweile auch schon wieder 20 Jahre alt. Dessen ungeachtet ist das Buch noch immer lesenswert. Was die Geschichte Frankreichs im 16. und 17. Jahrhundert betrifft, so hat es seit den 1970er Jahren in der Forschung keine Paradigmenwechsel gegeben, abgesehen vom Bedeutungsverlust des Absolutismus-Konzeptes. Briggs' Buch ist nicht veraltet. Es ist allerdings recht anspruchsvoll. Auf nur 200 Seiten behandelt Briggs einen Zeitraum von anderthalb Jahrhunderten. Das führt zwangsläufig zu Verknappungen und Zuspitzungen, die für Leser mit geringen Vorkenntnissen problematisch sein können. Als Einstiegslektüre, als Startpunkt für eine Beschäftigung mit der Geschichte Frankreichs in der Frühen Neuzeit ist das Buch nicht geeignet. Man sollte es erst zur Hand nehmen, wenn man bereits eine Einführungs- und Überblicksdarstellung gelesen hat.

Briggs hat das Buch in vier Kapitel gegliedert. Das erste und das dritte Kapitel behandeln die politische Geschichte zwischen 1560 und 1715. Im zweiten Kapitel befasst sich Briggs mit sozial- und wirtschaftshistorischen Aspekten. Das vierte und letzte Kapitel ist der Religions- und Kulturgeschichte gewidmet. Briggs möchte sein Buch als "kurzen Essay" verstanden wissen (S. IX). In einer Kombination von Erzählung und Analyse arbeitet er Prozesse und Entwicklungen heraus, die sich in Frankreich zwischen dem Ausbruch der Religionskriege und dem Tod des Sonnenkönigs vollzogen. Staat, Gesellschaft und Wirtschaft entwickelten sich nicht gleichermaßen dynamisch, wie Briggs zeigt. Der Staat erlebte im behandelten Zeitraum die größten qualitativen Veränderungen. Heinrich IV. führte Frankreich aus dem Konfessionskonflikt heraus. Fortan galt es, einen Rückfall in Chaos und Bürgerkrieg mit allen Mitteln zu verhindern. Das war für Jahrzehnte das erklärte Hauptziel königlicher Politik. Den Nachfolgern Heinrichs IV. gelang es, die Macht der Krone schrittweise zu stärken. Der Adel wurde gebändigt, die Verwaltung wurde effizienter, die Steuereinnahmen stiegen. Das war kein geradliniger und störungsfreier Prozess. Immer wieder gab es Rückschläge, verursacht durch innenpolitische Krisen und die Belastungen, die der Dreißigjährige Krieg und der französisch-spanische Krieg (1635-1659) mit sich brachten. Doch als Ludwig XIV. 1661 die Selbstherrschaft antrat, war das französische Königtum bereits mächtiger als je zuvor. Der König setzte das Werk der beiden Kardinalminister Richelieu und Mazarin konsequent fort, im Bündnis mit den Nutznießern der bestehenden Verhältnisse, dem Schwertadel (noblesse d’épée), dem Amtsadel (noblesse de robe) und der Finanzoligarchie.

Briggs beurteilt das kontinuierliche Erstarken des monarchischen Staates im Laufe des 17. Jahrhunderts kritisch. Unter Ludwig XIV. herrschten in Frankreich Ruhe und Ordnung, doch der Preis dafür war hoch. Der Sonnenkönig zementierte eine konservative politische Ordnung, die im 18. Jahrhundert zum Hemmschuh für die weitere Entwicklung Frankreichs werden sollte. Das politische System war extrem kopflastig. Intermediäre Gewalten, etwa Ständeversammlungen, waren verkümmert. Es gab keine Foren für legitime Kritik an der Krone. Der König und eine Handvoll Minister bestimmten ohne Rückkopplung mit der Gesellschaft über den Gang der Innen- und Außenpolitik. Scharfe Worte findet Briggs für die kostspielige Großmacht- und Expansionspolitik Ludwigs XIV. Während Kardinal Richelieu seine Kriege mit dem Verweis auf die für Frankreich ungünstige internationale Großwetterlage rechtfertigen konnte, brach der Sonnenkönig Kriege ohne triftigen Grund vom Zaun. Leidtragende waren die Bauern. Sie erbrachten den Hauptteil des Steueraufkommens und wurden von der Krone rücksichtslos ausgebeutet. Zwischen 1560 und 1715 entwickelte sich Frankreich sozioökonomisch kaum weiter. Die Gesellschaft verharrte in der althergebrachten starren Ständeordnung, die Landwirtschaft blieb rückständig. Trotz seines Reichtums an Menschen und Ressourcen war Frankreich um 1700 im Vergleich mit England und den Niederlanden wirtschaftlich zweitklassig. Solche kritischen Befunde finden sich auch in neueren Werken zur Geschichte Frankreichs in der Frühen Neuzeit. Wer eine kompakte, eher analytisch als erzählend angelegte Darstellung zur französischen Geschichte im 16. und 17. Jahrhundert sucht, der wird Robin Briggs' Buch mit Gewinn lesen. Es sei allerdings nochmals darauf hingewiesen: Eingängig und leicht lesbar ist das Buch nicht. 

(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im Februar 2018 auf Amazon gepostet)

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