Miltraud lebt seit über 200 Jahren ungesehen mitten unter den Menschen. Immer wieder sucht sie sich Familien aus, bei denen sie sich so verhält, als wäre sie ein Mitglied. Alles verändert sich, als sie Aleks begegnet, dem ersten Menschen, der sie tatsächlich wahrnehmen kann. Zwischen den beiden entwickelt sich eine romantische Verbindung, die jedoch jäh zum Ende kommt, als Aleks erfährt, wer oder vielmehr was Miltraud wirklich ist. Seine Reaktion trifft sie tief und setzt eine Kette von Ereignissen in Gang.
Die Handlung ist in fünf Akte gegliedert und wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was der Geschichte eine besondere Dynamik verleiht. Während der erste Akt noch vergleichsweise ruhig und fast schon klassisch romantisch daherkommt, verändert sich die Erzählung im weiteren Verlauf deutlich. Die Geschichte wird zunehmend skurriler, teilweise sogar bizarr. Das hat mich zunächst ein wenig aus dem Konzept gebracht. Ich hatte etwas ganz anderes erwartet, was mich letztendlich positiv überrascht hat.
Aus der vermeintlich harmlosen Geister-Romanze entwickelt sich eine vielschichtige, abwechslungsreiche Geschichte, die mit Spannung, unerwarteten Wendungen und einer guten Portion Humor punktet. Gleichzeitig schreckt das Buch auch nicht davor zurück, stellenweise eine leicht düstere, fast schon unheimliche Atmosphäre zu schaffen. Diese Mischung aus verschiedenen Genres macht den Reiz der Geschichte aus und sorgt dafür, dass sie sich nur schwer in eine Schublade stecken lässt.
Besonders hervorzuheben sind die Charaktere, die deutlich mehr Tiefe besitzen, als man anfangs vermuten würde. Themen wie Einsamkeit, Verlust, das Loslassen und der Wunsch, wirklich gesehen zu werden, ziehen sich durch die Handlung und verleihen der Geschichte eine tiefe emotionale Ebene. Gerade auch die Hintergrundgeschichten der Geister Miltraud und Venia haben mich besonders berührt.
Auch wenn ich zu Beginn kleine Schwierigkeiten hatte, in die ungewöhnliche Erzählweise hineinzufinden, hat mich das Buch im weiteren Verlauf immer mehr fasziniert. Wenn man bereit ist, sich auf die Eigenheiten der Geschichte einzulassen, wird man mit einem besonderen Leseerlebnis belohnt.
FAZIT: Eine außergewöhnliche, stellenweise skurrile Geistergeschichte mit viel Tiefgang, die sich von klassischen Genreerwartungen löst und gerade dadurch im Gedächtnis bleibt.
















