Wir haben die Wahl: „Wohlstand durch individuelle Akkumulation oder Wohlstand durch das Teilen der Gemeingüter“. Und wenn man den Worten der US-amerikanischen Autorin, Professorin für Pflanzenökologie, in diesem Büchlein lauscht, dann ist die Antwort eindeutig: „Wir müssen nicht alle alles besitzen.“
Diese beiden Zitate verdeutlichen, wohin die Reise in diesem Essay gehen wird. Wobei die eine Leserin oder der andere Leser sich vom Titel in die Irre geleitet fühlen könnte; es ist kein botanisches Buch über die Felsenbirne. Sie steht, auch wenn ein wenig über sie zu erfahren ist, eher stellvertretend für eine Wirtschaftsform, die dem Teilen und Schenken („Schenkungsökonomie“) zugewandt ist. Und in dieser Funktion bekommt dieser Baum eine Überhöhung, die nicht unbedingt einer klassischen wissenschaftlichen Annäherung an ein Thema entspricht. Das mag manchem Leser sauer aufstoßen. Mir auch. Zumal ein Hauch von Esoterik zumindest die erste Hälfte des Buches umweht, sodass man geneigt ist, es in Grund und Boden zu stampfen. Und spätestens, wenn „Gott“ ins Spiel kommt („mehr Geld als Gott [haben]“), wird es etwas schräg.
Positiv gewendet, kann man diese Vorgehensweise (eher emotional als rational) als eine etwas andere Annäherung an ein wichtiges Thema betrachten, zumal diese Tendenz aus der Herkunft der Autorin (Mitglied der Citizen Potawatomi Nation) abzuleiten ist – und dem Buch in Gänze nicht schadet. Denn es geht um neue Inhalte, um eine andere Denkweise, die es dem Menschen gestattet, mit der Natur zu leben, anstatt diese immer weiter auszubeuten – letztlich bis zum Kollaps der natürlichen System, die zumindest für den Menschen lebensbedrohend werden würden.
Ihr Wissen, ihre Inspiration zieht sie aus der Natur und den natürlichen Prozessen, sie sich im Laufe der Zeit koevolutiv entwickelt haben. Die Natur als Lehrmeister, so neue ist der Gedanke nicht. Hier bekommt er allerdings im Rahmen einer ökonomischen Betrachtung eine erweiterte Bedeutung. Wir werden nicht umhinkommen, so die Autorin, die „fossile Wirtschaft“, die einer „kannibalischen Ökonomie“ gleichkommt, durch eine „regenerative Wirtschaft“ zu ersetzen. Wie dies geschehen könnte, wird hier recht anschaulich an Felsenbirne und Zedernseidenschwänze (sie hätte auch andere Arten nehmen können) dargestellt.
Die Grundthese ihres Buches könnte man auch mit „Vom Horten zum Kreislauf“ zusammenfassen, hin zu einem Wohlstand durch Teilen der Gemeingüter. Die Autorin ist sich bewusst, dass dieses Prinzip nur in kleinen Gruppen funktionieren kann, nicht umsonst spricht sie von „niedlichen Schenkökonomien“. Sie hofft allerdings darauf, dass es durch Vernetzung („Netze der sozialen Verwobenheit“) möglich wäre, diese Wirtschaftsform als Überlebensform zu etablieren. Aber reicht dazu die Zeit?
Dieser Frage wird nur kurz nachgegangen, mit allgemeinen Hinweisen auf die Klimaentwicklung und deren Folgen. Ansonsten plädiert sie für einen schrittweisen Wandel und – hier reibt sich die eine oder der andere verwundert die Augen – um „kreative Störung“. Dabei dienen die Devastationen nach Orkanen und schweren Stürmen, die ganze Landstriche verwüsten, als Beispiel. Durch ökologische Sukzession und Substitution kommt es hier zu einer Wiederbesiedlungsabfolge nach einem natürlichen Muster: Die Pionierpflanzen (Erstbesiedler) sind dabei „Opportunisten mit hohem Ressourcenverbrauch, die Konkurrenten durch schiere Masse verdrängen und sich in rasendem Tempo vermehren. […] ohne Rücksicht auf die Zukunft“. Sie vergleicht dieses erste Stadium mit euroamerikanischen Siedlern im Zeitalter der Kolonialisierung. Im nächsten Stadium sieht die Welt schon ganz anders aus: Ihre Nachfolger wachsen „in einer Welt mit begrenzten Ressourcen […] langsamer. Schwierige Bedingungen fördern umsichtige, kooperative Beziehungen trotz Konkurrenz.“
Auch wenn es in diesem Buch das eine oder andere zu bemängeln gibt (Photosynthese wird unvollständig dargestellt, wichtige Pflanzenteile werden unterschlagen), so ist das Buch insgesamt sehr gut geeignet, sich mit seiner eigenen Rolle auf und in dieser Welt (noch) intensiver auseinanderzusetzen.




















