Robin Wall Kimmerer

 4,5 Sterne bei 38 Bewertungen
Autor*in von Geflochtenes Süßgras, Die Großzügigkeit der Felsenbirne und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Robin Wall Kimmerer ist Botanikerin, Wissenschaftlerin, Autorin und eine wichtige Stimme für die Verbindung von Indigenem mit akademischem Wissen. Sie ist Gründungsdirektorin des Center for Native Peoples and the Environment.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches wesen verbunden sein (ISBN: 9783945644492)

wesen verbunden sein

Erscheint am 01.07.2026 als Taschenbuch bei w_orten & meer.

Alle Bücher von Robin Wall Kimmerer

Cover des Buches Geflochtenes Süßgras (ISBN: 9783351038731)

Geflochtenes Süßgras

(16)
Erschienen am 19.07.2021
Cover des Buches Die Großzügigkeit der Felsenbirne (ISBN: 9783351042578)

Die Großzügigkeit der Felsenbirne

(7)
Erschienen am 12.03.2025
Cover des Buches Die ehrenhafte Ernte (ISBN: 9783351042356)

Die ehrenhafte Ernte

(3)
Erschienen am 14.03.2024
Cover des Buches erd verbunden sein (ISBN: 9783945644447)

erd verbunden sein

(0)
Erschienen am 14.10.2024
Cover des Buches im handeln verbunden sein (ISBN: 9783945644515)

im handeln verbunden sein

(0)
Erscheint am 01.04.2027
Cover des Buches menschen verbunden sein (ISBN: 9783945644508)

menschen verbunden sein

(0)
Erscheint am 01.12.2026
Cover des Buches ort verbunden sein (ISBN: 9783945644485)

ort verbunden sein

(0)
Erschienen am 20.08.2025

Neue Rezensionen zu Robin Wall Kimmerer

Cover des Buches Die Großzügigkeit der Felsenbirne (ISBN: 9783351042578)
Hubertus_Feldmanns avatar

Rezension zu "Die Großzügigkeit der Felsenbirne" von Robin Wall Kimmerer

Hubertus_Feldmann
Konkurrenz oder Kooperation?

Wir haben die Wahl: „Wohlstand durch individuelle Akkumulation oder Wohlstand durch das Teilen der Gemeingüter“. Und wenn man den Worten der US-amerikanischen Autorin, Professorin für Pflanzenökologie, in diesem Büchlein lauscht, dann ist die Antwort eindeutig: „Wir müssen nicht alle alles besitzen.“

Diese beiden Zitate verdeutlichen, wohin die Reise in diesem Essay gehen wird. Wobei die eine Leserin oder der andere Leser sich vom Titel in die Irre geleitet fühlen könnte; es ist kein botanisches Buch über die Felsenbirne. Sie steht, auch wenn ein wenig über sie zu erfahren ist, eher stellvertretend für eine Wirtschaftsform, die dem Teilen und Schenken („Schenkungsökonomie“) zugewandt ist. Und in dieser Funktion bekommt dieser Baum eine Überhöhung, die nicht unbedingt einer klassischen wissenschaftlichen Annäherung an ein Thema entspricht. Das mag manchem Leser sauer aufstoßen. Mir auch. Zumal ein Hauch von Esoterik zumindest die erste Hälfte des Buches umweht, sodass man geneigt ist, es in Grund und Boden zu stampfen. Und spätestens, wenn „Gott“ ins Spiel kommt („mehr Geld als Gott [haben]“), wird es etwas schräg.

Positiv gewendet, kann man diese Vorgehensweise (eher emotional als rational) als eine etwas andere Annäherung an ein wichtiges Thema betrachten, zumal diese Tendenz aus der Herkunft der Autorin (Mitglied der Citizen Potawatomi Nation) abzuleiten ist – und dem Buch in Gänze nicht schadet. Denn es geht um neue Inhalte, um eine andere Denkweise, die es dem Menschen gestattet, mit der Natur zu leben, anstatt diese immer weiter auszubeuten – letztlich bis zum Kollaps der natürlichen System, die zumindest für den Menschen lebensbedrohend werden würden.

Ihr Wissen, ihre Inspiration zieht sie aus der Natur und den natürlichen Prozessen, sie sich im Laufe der Zeit koevolutiv entwickelt haben. Die Natur als Lehrmeister, so neue ist der Gedanke nicht. Hier bekommt er allerdings im Rahmen einer ökonomischen Betrachtung eine erweiterte Bedeutung. Wir werden nicht umhinkommen, so die Autorin, die „fossile Wirtschaft“, die einer „kannibalischen Ökonomie“ gleichkommt, durch eine „regenerative Wirtschaft“ zu ersetzen. Wie dies geschehen könnte, wird hier recht anschaulich an Felsenbirne und Zedernseidenschwänze (sie hätte auch andere Arten nehmen können) dargestellt.

Die Grundthese ihres Buches könnte man auch mit „Vom Horten zum Kreislauf“ zusammenfassen, hin zu einem Wohlstand durch Teilen der Gemeingüter. Die Autorin ist sich bewusst, dass dieses Prinzip nur in kleinen Gruppen funktionieren kann, nicht umsonst spricht sie von „niedlichen Schenkökonomien“. Sie hofft allerdings darauf, dass es durch Vernetzung („Netze der sozialen Verwobenheit“) möglich wäre, diese Wirtschaftsform als Überlebensform zu etablieren. Aber reicht dazu die Zeit?

Dieser Frage wird nur kurz nachgegangen, mit allgemeinen Hinweisen auf die Klimaentwicklung und deren Folgen. Ansonsten plädiert sie für einen schrittweisen Wandel und – hier reibt sich die eine oder der andere verwundert die Augen – um „kreative Störung“. Dabei dienen die Devastationen nach Orkanen und schweren Stürmen, die ganze Landstriche verwüsten, als Beispiel. Durch ökologische Sukzession und Substitution kommt es hier zu einer Wiederbesiedlungsabfolge nach einem natürlichen Muster: Die Pionierpflanzen (Erstbesiedler) sind dabei „Opportunisten mit hohem Ressourcenverbrauch, die Konkurrenten durch schiere Masse verdrängen und sich in rasendem Tempo vermehren. […] ohne Rücksicht auf die Zukunft“. Sie vergleicht dieses erste Stadium mit euroamerikanischen Siedlern im Zeitalter der Kolonialisierung. Im nächsten Stadium sieht die Welt schon ganz anders aus: Ihre Nachfolger wachsen „in einer Welt mit begrenzten Ressourcen […] langsamer. Schwierige Bedingungen fördern umsichtige, kooperative Beziehungen trotz Konkurrenz.“

Auch wenn es in diesem Buch das eine oder andere zu bemängeln gibt (Photosynthese wird unvollständig dargestellt, wichtige Pflanzenteile werden unterschlagen), so ist das Buch insgesamt sehr gut geeignet, sich mit seiner eigenen Rolle auf und in dieser Welt (noch) intensiver auseinanderzusetzen. 

Cover des Buches Die Großzügigkeit der Felsenbirne (ISBN: 9783351042578)
Martina_Glatzfelders avatar

Rezension zu "Die Großzügigkeit der Felsenbirne" von Robin Wall Kimmerer

Martina_Glatzfelder
wertvolle Denkanstösse

In der Natur ist alles im flow, nichts wird verschwendet, weggeworfen oder gehortet. Bäume, Vögel, Insekten, die ganze Natur – alles ist dauernd im Austausch miteinander. Es ist ein immerwährender Kreislauf. Im Büchlein wird die Felsenbirne ins Zentrum gestellt, sie ist ein bedeutender Strauch bei den indigenen Bewohnern Amerikas, seine Früchte sind nahrhaft und lassen sich zu vielen Speisen und Vorräten verarbeiten. Die Felsenbirne liefert durch die Fotosynthese aber auch Sauerstoff für alle Lebewesen, bietet den bestäubenden Insekten während der Blüte Nektar und Pollen und schenkt den Menschen und Vögeln im Frühsommer süsse Beeren und die Vögel verbreiten so wiederum die Samen – die Felsenbirne betreibt unbewusst eine Schenkökonomie. Sie verschenkt Pollen, Nektar, Sauerstoff, Beeren ohne Gegenleistung zu erwarten. Wäre es in unserer überbordenden Konsumgesellschaft nicht an der Zeit, sich an der Natur ein Vorbild zu nehmen und hin und wieder etwas zu verschenken?


Fazit:

Das Büchlein hat knapp über 100 Seiten ist aber voller Denkanstöße und hält unserer Konsumgesellschaft ganz schön den Spiegel vor Augen. Die Autorin hat eine funktionierende Schenkökonomie anhand der Felsenbirne wunderbar dargestellt. Statt Dinge zu horten und sich dauernd dem Anhäufen und dem Wachstum hinzugeben, kann eine Schenkung ein gutes Gefühl geben, das Gegenüber freut sich über die Errungenschaft und gleichzeitig wird Platz geschaffen, physisch und auch psychisch – und die Umwelt wird dadurch ebenfalls geschont. Dass die Felsenbirne – ein bei uns eher unbekannter Strauch ins Rampenlicht gesetzt wird, hat mich sehr gefreut, ich konnte noch einiges an Wissen rund um die Felsenbirne mitnehmen und kann nur empfehlen, einmal kleine Felsenbirnenfrüchte zu probieren, sie sind richtig lecker! Naturwissen und Rat gebende Denkanstöße machen zusammen mit den wundervollen Illustrationen die perfekte Mischung dieses Buches aus. Für mich ein Buch, das alle lesen - und vielleicht verschenken - sollten.

Cover des Buches Die Großzügigkeit der Felsenbirne (ISBN: 9783351042578)
A

Rezension zu "Die Großzügigkeit der Felsenbirne" von Robin Wall Kimmerer

AndreaSabrina
Glück im Schenken

Inhalt: Robin Wall Kimmerer beginnt mit einer Beschreibung der Felsenbirne und deren Ernte. Von diesem einfachen Strauch kommt sie auf Ökonomie im Allgemeinen und beschreibt auf ihre eigene Art, warum eine Schenkökonomie sinnvoll und wertvoll ist.

Meinung: Kimmerers Bücher haben ihren eigenen Stil. Sie mischt sachliche Informationen mit ihren persönlichen Erfahrungen, welche sich wie ein roter Faden durch ihr ganzes Werk ziehen. Sie startet mit den Felsenbirne und deren Ernte und endet auch damit. Dabei geht sie auf ihre Erlebnisse in der Natur, aber auch in ihrem Beruf und der Nachbarschaft ein, was eine persönliche Beziehung zur Autorin schafft, die mir gut gefällt. Kimmerer philosophiert über die Felsenbirne und geht dabei auf die Frage ein, warum alles gekauft oder verkauft werden muss und das selbstlose Geben in den Hintergrund rückt. Sie vergleicht Ökonomien der USA und Norwegens und verbindet diese mit dem Glücksindex, da das Geben und Nehmen im Sinne des Schenkens glücklicher macht, als das ständige Streben nach mehr. Sie verknüpft ebenfalls die Emotionen, die man beim Schenken empfindet, mit der Tat an sich. Mir gefällt, wie Kimmerer jeden einzelnen Menschen mit einbezieht und dazu aufruft, sich am Schenken zu beteiligen. Sie nennt Beispiele von Universitäten, aber auch aus Privathaushalten und gibt jedem die Möglichkeit, sich einzubringen. Dabei fühlt man schon im Voraus die Freude, anderen etwas zu schenken und an dem Prozess beteiligt zu sein. Kimmerer greift erneut den achtsamen Umgang mit der Natur auf, welcher wundervoll illustriert dargestellt wird.
Die Felsenbirne war bisher ein Strauch mit leckeren Früchten im Garten meiner Eltern. Nun hat diese Pflanze eine ganz andere Bedeutung für mich bekommen, was ebenfalls ein Geschenk für mich ist.
Insgesamt ist das Buch ein wundervolles Plädoyer an die Menschen, über ihren Umgang mit Dingen nachzudenken. Sehr lesenswert!

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