Rodney Stark Gottes Krieger

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Inhaltsangabe zu „Gottes Krieger“ von Rodney Stark

Dieses Buch räumt mit der gängigen Sicht auf, die Kreuzzüge seien ein brutaler, imperialistischer, räuberischer Feldzug des christlichen Abendlandes gegen einen gebildeten, toleranten und friedlichen Islam gewesen, geführt, um sich zu bereichern und das Christentum zu verbreiten. Ein Krieg, der den berechtigten Hass der muslimischen Welt auf den Westen bis heute begründet. Mit Überblick und dennoch detailreich zeichnet Stark die Geschichte der Eroberung weiter Teile Europas, des Mittleren Ostens und Nordafrikas durch Mohammed und seine Erben nach. Er schildert die Behandlung der Juden und Christen in den besetzten Ländern und die Massaker an den Pilgern, die ins Heilige Land fuhren, um sich dort von ihren Sünden zu befreien. Er beschreibt die flehende Bitte Alexios' I. an den Graf von Flandern, Byzanz vor der Invasion der gerade zum Islam konvertierten Türken zu schützen, sowie den berühmten Aufruf Papst Urbans II. an die Ritter Europas, den Byzantinern zu helfen und den Weg ins Heilige Land für die christlichen Pilger wieder zu sichern. Er analysiert die blutigen Schlachten der Kreuzritter, ihre Siege und fatalen Niederlagen, die unterschiedlichen Strategien der Kriegsführung beider Seiten und die logistische Organisation dieser enormen Truppenbewegungen. Mit Gottes Krieger gibt uns einer der renommiertesten Religionssoziologen ein neues und realistischeres Bild der sieben großen Kreuzzüge und zeigt auf, was in den Jahren von 1095 bis 1291 in Europa und im Nahen Osten wirklich geschah.

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  • Gegen den Zeitgeist: eine andere Sicht auf die Kreuzzüge

    Gottes Krieger
    R_Manthey

    R_Manthey

    23. July 2015 um 12:49

    Vier Jahre nachdem Papst Urban II. im November 1095 zu den Kreuzzügen aufgerufen hatte, eroberte ein Heer von christlichen Rittern 1099 die Stadt Jerusalem. Spätestens seit der Aufklärung hat sich in Europa die Meinung durchgesetzt, dass diese Feldzüge barbarisch waren und nicht mit der Lehre von Jesus Christus zu vereinbaren sind. Noch heute werden christliche Vertreter und manche Politiker nicht müde, sich für die Greueltaten der Kreuzritter zu entschuldigen, die viele Jahrhunderte zurückliegen. Dieses etwas irrationale Verhalten kennt man von der muslimischen Seite nicht, obwohl es auch hier ausreichend viele Gründe zur Entschuldigung gäbe, zum Beispiel in Richtung der Bewohner des indischen Subkontinents. Rodney Stark versucht in seinem Buch nachvollziehbar zu begründen, warum die inzwischen gängige westliche Sichtweise über die Kreuzzüge falsch ist. Das ist insofern recht mutig, weil er sich damit nicht nur mit der muslimischen Auffassung, sondern vor allem auch mit den Vertretern der politischen Korrektheit anlegt. Er schreibt (S. 17): "Nach vorherrschender Auffassung waren die Kreuzzüge ein Werkzeug des expansionistischen, imperialistischen Christentums, das Territorien eines toleranten und friedlichen Islam brutal unterwerfen, ausplündern und kolonisieren wollte." Am Ende des Buches fasst er dann seine gut belegte Sichtweise folgendermaßen zusammen: "Die Kreuzzüge fanden nicht ohne vorhergehende Provokationen statt. Sie waren nicht die erste Runde des europäischen Kolonialismus. Sie wurden nicht wegen Land, Beute oder aus Bekehrungsabsichten geführt. Die Kreuzritter waren keine Barbaren, die die kultivierten Muslime schlecht behandelten. Sie glaubten ernsthaft, dass sie in Gottes Bataillonen dienten." Der Text beginnt mit einer Beschreibung der Machtverhältnisse rund ums Mittelmeer um 600 nach Christus. In einem Küstenstreifen des nördlichen Afrika, in großen Teilen Europas und im Nahen Osten hatte sich das Christentum ausgedehnt. Das sah 200 Jahre später ganz anders aus. Mohammeds Erben hatten den Auftrag ihres Propheten angenommen und den Islam mit dem Schwert verbreitet. Doch erst als die Muslime fast das ganze heutige Spanien beherrschten und Pilgerreisen ins "Heilige Land" nur noch unter Lebensgefahr möglich waren, reagierte der Papst. Der Autor erklärt im ersten Kapitel die Prinzipien der muslimischen Kriegsführung, ihre Eroberungsfeldzüge und danach ihr weiteres Vorgehen in den eroberten Gebieten. Mit religiöser Toleranz hatte es jedenfalls nicht sehr viel zu tun. Starks Ausführungen sind durch im Anhang aufgelistet umfangreiche Quellen belegt. Nachdem im zweiten Kapitel die ersten militärischen Erfolge des Christentums bei der Rückeroberung verlorener Territorien zur Sprache kommen, befasst sich das sehr interessante dritte Kapitel mit der Legende, dass Technik und Wissenschaft des Abendlandes denen der Muslime unterlegen waren. Der Autor belegt, dass muslimische Errungenschaften in den meisten Fällen aus der sogenannten Dhimmi-Kultur der assimilierten Völker (insbesondere Juden, Perser Inder) stammten. Selbst wenn man das nicht glauben will, so zeigen doch die Siege der zahlenmäßig viel kleineren Ritterheere wenigstens ihre militärische und technische Überlegenheit. Kapitel sechs und sieben befassen sich mit den Kreuzfahrten bis zur Eroberung Jerusalems. Dabei zeigt der Autor, dass sich hier vor allem Netzwerke von nur wenigen adligen Großfamilien engagierten. Keineswegs aber hätten sich daran nur Ritter beteiligt, die in der Erbfolge zu kurz gekommen waren oder sich schlagen wollten. Ein Kreuzzug musste schließlich auch finanziert werden. Spätere Kreuzzüge wurden dann sogar von Königen angeführt. Die letzten vier Kapitel beschreiben die Gründung, Verteidigung und Vernichtung der Kreuzfahrerstaaten sowie die übrigen Kreuzzüge. In diesem Zusammenhang geht der Autor auf den Vorwurf der Kolonialisierung ein. Er argumentiert, dass die heute übliche Definition von Kolonien auf die Kreuzfahrerstaaten nicht passt, denn diese Länder wurden keineswegs ausgebeutet. Ganz im Gegenteil: Für ihren Bestand waren umfangreiche finanzielle, materielle und personelle Aufwendungen von außen nötig. Daran scheiterten sie letztlich. Bleibt noch das Argument, dass die mittelalterliche Metzelei der Kreuzfahrer nicht mit der christlichen Lehre vereinbar ist. Das kann man so sehen, wenngleich diese Einschätzung dann aber auf alle Kriege zutrifft. Man sollte allerdings beachten, dass sich Jesus in seiner Lehre nicht mit dem Verhalten großer Gemeinschaften, sondern vor allem mit dem einzelnen Menschen befasste. Geschichte wird leider fast immer aus dem Blickwinkel der Gegenwart gesehen. Man muss dem Autor zustimmen, wenn er es für lächerlich hält, die Genfer Konvention auf die Kriegsführung im Mittelalter anwenden zu wollen. Man muss das, was geschehen ist, immer aus der Sicht der damaligen Verhältnisse und Regeln werten. Und dann sieht es ganz anders aus. Blutige Massaker gab es auf beiden Seiten. Etwas anderes zu behaupten, ist in sich schon deswegen unsinnig, weil es menschliches Verhalten ignorieren würde. Es widerspricht aber auch völlig den historischen Tatsachen. Heutige Kriege erscheinen nur deswegen weniger blutig, weil sie nicht mehr im Nahkampf ausgetragen werden. In Wirklichkeit ist die Metzelei nicht weniger schlimm. Rodney Starks Buch liest sich nicht nur gut, es ist auch für Laien verständlich. Starks Argumente erweisen sich wegen ihrer inneren Logik als leicht nachvollziehbar. Und schließlich beruft er sich auf zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen. Vielleicht hilft dieses Buch, die Geschehnisse etwas rationaler zu betrachten.

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