Rodolfo Enrique Fogwill

 4,4 Sterne bei 5 Bewertungen

Lebenslauf von Rodolfo Enrique Fogwill

Rodolfo Enrique Fogwill, 1941 in Buenos Aires geboren, studierte Soziologie und war nach dem Sturz der Militärdiktatur Professor für Soziologie an der Universität von Buenos Aires. Er veröffentlichte Lyrik, zahlreiche Erzählungen und Romane und erhielt alle wichtigen argentinischen Auszeichnungen und Preise, darunter den angesehensten argentinischen Literaturpreis, den Nacional de Literatura. Fogwill starb 2010 in Buenos Aires.

Alle Bücher von Rodolfo Enrique Fogwill

Cover des Buches Die unterirdische Schlacht (ISBN: 9783498021283)

Die unterirdische Schlacht

 (5)
Erschienen am 17.09.2010

Neue Rezensionen zu Rodolfo Enrique Fogwill

Cover des Buches Die unterirdische Schlacht (ISBN: 9783498021283)
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Rezension zu "Die unterirdische Schlacht" von Rodolfo Enrique Fogwill

Eine kuriose Kriegserfahrung
annilittlevor einem Jahr

Im Rahmen meines Studiums besuche ich dieses Semester ein Seminar über die Darstellung des Kriegs zwischen den Falkland Inseln und Argentinien in Literatur und Film. 

Was für Inseln?

Die Falkland Inseln oder auch Islas Malvinas gehören geografisch zwar zu Südamerika, sind aber offiziell Teil Großbritanniens, jedoch mit eigenständiger Autonomie.

Großbritannien und Argentinien hatten Krieg?

Ja, und das nicht etwa vor 300 Jahren, sondern vor gerade mal 39 Jahren, da Argentinien seit der Unabhängigkeit die Malvinas für sich beansprucht. Knapp sechs Wochen fand dieser auf den Inseln statt und Letztere gingen auch siegreich daraus hervor.


Fogwill ist der erste Autor, der über diese Thematik ein Buch veröffentlichte und das bereits 1983, also knapp ein Jahr nach dem Ende des Kriegs. 2010, also kurze Zeit nach seinem Tod, wurde das Werk dann auch in Deutschland veröffentlicht.

 

In seinem Werk beschreibt er das Leben der argentinischen Soldaten, während der sechs Wochen im Krieg. Dabei treten ganz unterschiedliche Charaktere auf, mit unterschiedlichen Rängen, aber dennoch haben sie eines gemeinsam: Sie alle gehören zu den „Pichis“. Das ist, wie man sich vielleicht denken kann, eine Anspielung auf den Titel „Los Pichiciegos“. Das ist eine Art kleines Gürteltier, das unter der Erde lebt, genauso wie die, sich im Krieg befindenden argentinischen Soldaten.

Wer an dieser Stelle mit einem Heldenepos gerechnet hat, muss schnell feststellen, dass dies definitiv nicht der Fall ist. Vielmehr handelt es sich um eine sehr parodistische Darstellung des Ganzen, da Fogwill in seinem gesamten Werk mit sehr viel Humor arbeitet.


Alles in allem mal eine ganz andere Art von Kriegserfahrung und keine öde Unilektüre!

 

Mir hat dieses Werk sehr gut gefallen. Ich hatte im ersten Semester zwar auch einen Seminartermin, in dem der Krieg bereits angesprochen wurde, aber natürlich nicht super ausführlich. Ich finde es daher spannend, neben den offensichtlichen Fakten zu sehen, wie die Argentinier selbst diesen Krieg wahrgenommen haben, da dies in der Gesellschaft immer noch ein schwieriges Thema ist.

 

Ich habe ja bereits einige Bücher gelesen, die sich mit Kriegen oder anderen Arten von politischen Konflikten auseinandergesetzt haben, aber etwas in dieser Art, ist mir tatsächlich noch nicht untergekommen.

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Cover des Buches Die unterirdische Schlacht (ISBN: 9783498021283)

Rezension zu "Die unterirdische Schlacht" von Rodolfo Enrique Fogwill

Rezension zu "Die unterirdische Schlacht" von Rodolfo Enrique Fogwill
Ein LovelyBooks-Nutzervor 12 Jahren

Nicht einmal drei Monate dauerte 1982 der Krieg zwischen Argentinien und Großbritannien um die Falklandinseln, aber für einige argentinische Soldaten war bereits nach kürzester Zeit klar: Sie desertieren. Auf den kargen Inseln gibt es da nur einen Ausweg und der liegt unter der Erde. Die Deserteure graben sich Höhlen und Gänge, die sie nicht nur vor der Entdeckung schützen, sondern auch vor der bitteren Kälte, die draußen herrscht.
Wirklich besser haben es die Deserteure aber nicht getroffen, wie im Buch immer wieder deutlich wird. Da sind zum einen die physischen Probleme: Ihnen machen bittere Kälte und Hunger zu schaffen; es fällt schwer, den ganzen Tag in der unterirdischen Enge zu verbringen. Zum anderen die psychischen Probleme: Angst, Angst und wieder Angst. Die eigenen Militärs dürfen die Pichis nicht entdecken, da Deserteure schlicht erschossen werden oder einfach in der Kälte sitzen bleiben müssen, bis sie erfrieren. Angst aber auch vor dem eigenen Umfeld: Genau diese Mittel wenden nämlich auch die vier Anführer der Pichis an, die "Heiligen vier Könige", um Störenfriede los zu werden. Entweder man verrät sie an die Argentinier, überlässt sie den Briten im Tausch gegen Nahrung oder Batterien oder setzt sie einfach an die frische Luft. Wer nicht spurt, fliegt raus und das ist gleichbedeutend mit dem Tod.

Mit den Briten herrscht reger Handel. Nachts ziehen ausgewählte Pichis los, um zu tauschen - notfalls auch mit der Auflage der Briten, dabei Sender für Rakten mitzunehmen, damit diese wiederum beim nächtlichen Tausch mit den Argentiniern an Lastern oder Lagerhäusern montiert werden und den nächsten Angriff zielsicher durchziehen lassen. Kein Pichi kämpft offen im Krieg mit, aktiv beteiligt sind sie über Umwege doch und irgendwann ziehen gar zwei britische Soldaten bei den Pichis ein, um einen Sender zu installieren. Alle gemeinsam sehen bald schon zu, wie Scharen von Soldaten zu den englischen Linien ziehen, um dort offiziell zu kapitulieren.

Immer wieder setzt Fogwill auf den harten Kontrast, der zwischen den beiden Kriegsparteien herrschte. Die Briten waren bestens trainiert und ausgestattet, viele Soldaten bekamen schon mehr Sold als argentinische Offiziere und hatten mit den flugs rekrutierten Argentiniern wenig Probleme. An die hochtrabenden Durchalteparolen aus dem Radio glaubten höchstens die Menschen auf dem Festland.

Die nicht einmal 200 Seiten des Romans sind gefüllt mit kurzen Passagen, von denen jede einzelne einen bitteren Beitrag zum Bild dieses Krieges und wohl jedes anderen stellt. Werden die Argentinier schon als Schweine dargestellt, die ihre Männer sinnlos in den Tod schicken, werden die Briten als Übermenschen präsentiert. Überlegen in technischer Hinsicht, fühlen sie sich wie die Herren und führen sich so auf - moralisch aber sind sie absolut ebenbürtig. Ausgerechnet die Briten bombardieren zum Beispiel die kapitulierenden Soldaten und bombardieren auch nach dem offiziellen Kriegsende noch mit Versuchsbomben weiter.

Der Roman ist gebaut wie ein Setzkasten. Zwar zeitlich konsequent geschrieben, aber immer wieder sind einzelne Passagen abgetrennt und klären über technische Details, über Gefühle, Eindrücke oder Geschichten auf. Ein anonymer Autor nimmt die Geschichte eines Pichis auf, um sie zu schreiben - bis ich allerdings dahinterkam, dass dies so war, verging eine sehr lange Zeit. Quiquito war einer der vier Könige und gleichzeitig der einzige Überlebende unter den Pichis, der selbst schon im Bau die Geschichte der Pichis schrieb und auf Tonband aufnahm und nun dem Autor über seine Erlebnisse berichtet.
Die Geschichte, wie die Pichis am Ende den Krieg doch nicht sicher überstanden, ist genauso bitter wie die des englischen Piloten, der sich per Schleudersitz aus seiner Maschine retten konnte: Am Ende hilft die perfekte Technik nicht gegen die eisige Kälte, er landet blau und steifgefroren und die versteckten Vorräte in seinem sind Sitz nur noch gut zum Plündern.

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