Rodolfo Enrique Fogwill Die unterirdische Schlacht

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Inhaltsangabe zu „Die unterirdische Schlacht“ von Rodolfo Enrique Fogwill

Der argentinische Kultroman über den Falkland-Krieg. Eine exzentrische Parabel auf die Militärdiktatur und das skurrilste Kriegszeugnis der lateinamerikanischen Literatur.

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  • Rezension zu "Die unterirdische Schlacht" von Rodolfo Enrique Fogwill

    Die unterirdische Schlacht
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    10. November 2010 um 13:46

    Nicht einmal drei Monate dauerte 1982 der Krieg zwischen Argentinien und Großbritannien um die Falklandinseln, aber für einige argentinische Soldaten war bereits nach kürzester Zeit klar: Sie desertieren. Auf den kargen Inseln gibt es da nur einen Ausweg und der liegt unter der Erde. Die Deserteure graben sich Höhlen und Gänge, die sie nicht nur vor der Entdeckung schützen, sondern auch vor der bitteren Kälte, die draußen herrscht. Wirklich besser haben es die Deserteure aber nicht getroffen, wie im Buch immer wieder deutlich wird. Da sind zum einen die physischen Probleme: Ihnen machen bittere Kälte und Hunger zu schaffen; es fällt schwer, den ganzen Tag in der unterirdischen Enge zu verbringen. Zum anderen die psychischen Probleme: Angst, Angst und wieder Angst. Die eigenen Militärs dürfen die Pichis nicht entdecken, da Deserteure schlicht erschossen werden oder einfach in der Kälte sitzen bleiben müssen, bis sie erfrieren. Angst aber auch vor dem eigenen Umfeld: Genau diese Mittel wenden nämlich auch die vier Anführer der Pichis an, die "Heiligen vier Könige", um Störenfriede los zu werden. Entweder man verrät sie an die Argentinier, überlässt sie den Briten im Tausch gegen Nahrung oder Batterien oder setzt sie einfach an die frische Luft. Wer nicht spurt, fliegt raus und das ist gleichbedeutend mit dem Tod. Mit den Briten herrscht reger Handel. Nachts ziehen ausgewählte Pichis los, um zu tauschen - notfalls auch mit der Auflage der Briten, dabei Sender für Rakten mitzunehmen, damit diese wiederum beim nächtlichen Tausch mit den Argentiniern an Lastern oder Lagerhäusern montiert werden und den nächsten Angriff zielsicher durchziehen lassen. Kein Pichi kämpft offen im Krieg mit, aktiv beteiligt sind sie über Umwege doch und irgendwann ziehen gar zwei britische Soldaten bei den Pichis ein, um einen Sender zu installieren. Alle gemeinsam sehen bald schon zu, wie Scharen von Soldaten zu den englischen Linien ziehen, um dort offiziell zu kapitulieren. Immer wieder setzt Fogwill auf den harten Kontrast, der zwischen den beiden Kriegsparteien herrschte. Die Briten waren bestens trainiert und ausgestattet, viele Soldaten bekamen schon mehr Sold als argentinische Offiziere und hatten mit den flugs rekrutierten Argentiniern wenig Probleme. An die hochtrabenden Durchalteparolen aus dem Radio glaubten höchstens die Menschen auf dem Festland. Die nicht einmal 200 Seiten des Romans sind gefüllt mit kurzen Passagen, von denen jede einzelne einen bitteren Beitrag zum Bild dieses Krieges und wohl jedes anderen stellt. Werden die Argentinier schon als Schweine dargestellt, die ihre Männer sinnlos in den Tod schicken, werden die Briten als Übermenschen präsentiert. Überlegen in technischer Hinsicht, fühlen sie sich wie die Herren und führen sich so auf - moralisch aber sind sie absolut ebenbürtig. Ausgerechnet die Briten bombardieren zum Beispiel die kapitulierenden Soldaten und bombardieren auch nach dem offiziellen Kriegsende noch mit Versuchsbomben weiter. Der Roman ist gebaut wie ein Setzkasten. Zwar zeitlich konsequent geschrieben, aber immer wieder sind einzelne Passagen abgetrennt und klären über technische Details, über Gefühle, Eindrücke oder Geschichten auf. Ein anonymer Autor nimmt die Geschichte eines Pichis auf, um sie zu schreiben - bis ich allerdings dahinterkam, dass dies so war, verging eine sehr lange Zeit. Quiquito war einer der vier Könige und gleichzeitig der einzige Überlebende unter den Pichis, der selbst schon im Bau die Geschichte der Pichis schrieb und auf Tonband aufnahm und nun dem Autor über seine Erlebnisse berichtet. Die Geschichte, wie die Pichis am Ende den Krieg doch nicht sicher überstanden, ist genauso bitter wie die des englischen Piloten, der sich per Schleudersitz aus seiner Maschine retten konnte: Am Ende hilft die perfekte Technik nicht gegen die eisige Kälte, er landet blau und steifgefroren und die versteckten Vorräte in seinem sind Sitz nur noch gut zum Plündern.

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