Die Affekte

von Rodrigo Hasbún 
3,2 Sterne bei13 Bewertungen
Die Affekte
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Positiv (5):
Ariettas avatar

Ein Interresantes Buch über eine Familie die Auswanderte

Kritisch (3):
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Weniger ist eben nicht immer unbedingt mehr, denn hier hätte es ruhig etwas mehr sein können, vor allem in Bezug auf das Ende.

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Inhaltsangabe zu "Die Affekte"

Im Nachkriegsmünchen ist er verfemt, und so geht er mit seiner Frau und den drei Töchtern nach Bolivien, der exzentrische Hans Ertl, einst Riefenstahls erster Kameramann und Rommels ›Leibphotograph‹. Doch auch das neue Leben ist reich an Spannungen, und für seine nächste Expedition, die Suche nach der verlorenen Inkastadt Paititi, muss die ganze Familie einen hohen Preis zahlen. Insbesondere Monika, die älteste Tochter und ihrem Vater frappierend ähnlich, scheint jeden Halt zu verlieren. Was als persönliche Sinnkrise beginnt, wird zu ihrer politischen Radikalisierung führen und sie zu immer extremeren Maßnahmen treiben.
Rodrigo Hasbún hat eine spektakuläre historische Episode zu einem hochexplosiven Kammerspiel verdichtet. Er erzählt von den Hoffnungen und Ernüchterungen einer deutschen Familie im südamerikanischen Exil und von den unentrinnbaren Fliehkräften der Geschichte.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518427644
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:142 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:07.08.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Betsyvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Weniger ist eben nicht immer unbedingt mehr, denn hier hätte es ruhig etwas mehr sein können, vor allem in Bezug auf das Ende.
    Der Mittelteil einer Familiengeschichte

    "Die Affekte“ gibt Einblicke in die Geschichte der Auswandererfamilie Ertl, bestehend aus dem Multitalent Hans Ertl, Bergsteiger, Kameramann, Regisseur und Kriegsberichterstatter, der während der Nazizeit Propagandafilme drehte und sich mit seiner Familie, bestehend aus seiner Frau und den Töchtern Monika, Heidi und Trixi, ein neues Leben in Bolivien aufbaut, wie viele andere zur Zeit der Entnazifizierung auch. Während er in Bolivien zahlreiche Expeditionen macht und seine Frau und Kinder immer wieder längere Zeit alleine lässt, finden sich diese unterschiedlich gut in der neuen Heimat zurecht. Wir erfahren so einiges über die Familienverhältnisse und wie sich diese im Laufe der Jahre verändern. Jede der Töchter geht ihren eigenen Weg und die Beziehung zueinander geht immer mehr in die Brüche. Jedem Mitglied der Familie Ertl scheint das Glück nur für kurze Zeit vergönnt zu sein, wenn überhaupt, was bei Monika schließlich dazu führt, dass sie Mitglied der linksrevolutionären Guerillaorganisation ELN (Ejército de Liberación Nacional=Nationale Befreiungsarmee) wird und wie ihr Vater zu recht zwiespältiger Berühmtheit gelangt.    

    Der Autor nimmt gleich zu Beginn vorweg, dass die Erzählung zwar von der Familie Ertl und historischen Ereignissen inspiriert, aber durchaus ein Werk der Fiktion ist. Dabei ist es schwer zu sagen, wer sich hier leichter mit der Geschichte tut, derjenige dem die Familie ein Begriff ist oder aber derjenige der zuvor kein Wissen über die Ertls hat. Für den Leser mit etwas Hintergrundwissen ist es vielleicht leichter sich anfänglich in der Geschichte zurechtzufinden, besonders was die politischen Verhältnisse von damals anbelangt und auch wer Hans Ertl ist, denn vieles wird nur sehr subtil im Text erwähnt. Es kann aber in beiden Fällen am Ende, also für diejenigen die gerne ihr Wissen über die Familie vertiefen wollen und für die anderen, die gerne Bücher mit realem Bezug lesen und etwas dazulernen möchten, zu Enttäuschungen führen, da das Ganze weder ein Nachwort oder sonstige zusätzliche Informationen enthält, wie etwa eine Zeittafel oder ein Personenregister, die das Ganze schön abrunden würden und den Leser über die echten Fakten aufklärt, wie man es sich bei so einer Geschichte mit historischem Bezug eigentlich wünschen würde. Dies hat der Autor wohl mit seiner Ankündigung geschickt umgangen, da er damit gar nicht erst den Anspruch auf eine reale Geschichte erhebt.

    Generell finde ich den Originalklappentext des Buches leicht irreführend, da er meines Erachtens nach doch eine ganz andere Geschichte verspricht als es tatsächlich der Fall ist und im Nachhinein auch etwas reißerisch und übertrieben anmutet, weshalb bei so manchem Leser am Ende die Enttäuschung überwiegt, zumal das Hardcover für die recht kurze Geschichte einen durchaus stolzen Preis hat.

    Die Geschichte ist episodenhaft aufgebaut und wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt, was einerseits gut ist, weil man so ein besseres Bild von den einzelnen Familienmitgliedern und ihrem Leben bekommt, aber teilweise auch recht abrupt wechselt und man sich erneut erst wieder zurechtfinden muss. Der Autor erählt das Ganze recht trocken und unaufgeregt, weshalb es zwar nicht weniger intensiv ist, aber auch weit davon entfernt den Leser emotional mitzureißen. Man bekommt ein sehr anschauliches Bild von der Familiendynamik und den einzelnen Charakteren präsentiert, allen voran ist hier Hans Ertl selbst durchaus der Dreh- und Angelpunkt, der seines dazu beiträgt, wie sich die Familienverhältnisse gestalten, ohne es selbst wirklich wahrzunehmen und damit auch den Grundstein für so machne Entwicklung im Leben seiner Töchter legt, wenn es um Liebe, Beruf und Familie geht. In späterer Folge erfährt man durch Monikas Werdegang auch immer mehr von der politischen Lage Lateinamerikas, in der auch Che Guevara nicht fehlt, und es zu Revolutionen und Rebellenkämpfen kommt. Zwar steht wie gesagt nicht nur Monikas Lebensweg alleine im Fokus, sondern auch der vom Rest der Familie, doch das es mit ihr etwas besonderes aucfsich hat, ist von Anfang an klar, da es immer wieder unheilvolle Andeutungen gibt und sie eine ganz eigene Präsenz in der Geschichte hat.

    Am Ende bleibt der Leser hier allerdings mehr als nur etwas perplex und unbefriedigt zurück, da es irgendwie mittendrin aufhört und sich der Sinn der letzten Szene nicht wirklich erschließt. Man fühlt sich ein wenig betrogen, da die versprochene Geschichte der Monika Ertl hier nicht zum Abschluss gebracht wird und man sich am Ende wirklich fragt, wozu das Ganze eigentlich gut war, denn so außergewöhnlich ist der Stil des Autors dann auch wieder nicht. Letztendlich bleibt einem nur die Eigenrecherche im Internet übrig, um zu erfahren wie es damals mit Monika weiterging bzw. was aus ihrem Vater wurde. Die Wahrheit ist deshalb leider, dass, wenn man das Buch nicht gelesen hat, man auch nicht großartig viel verpasst hat, denn am Ende fühlt es sich so an als hätte man nur den Mittelteil einer Erzählung gelesen, wo der Anfang und das Ende herausgeschnitten wurde.

    Fazit: Obwohl der episodenhafte Stil durchaus punkten kann und es zwar wenig emotional, aber durchaus intensiv ist, dauert es etwas um in die Geschichte hineinzufinden, da es durchaus ein wenig anspruchsvoll ist mit den Wechseln in der Handlung zurechtzukommen und sich anfänglich ein Bild von allem zu machen. Jedoch kann ich am Ende des Buches mit der Geschichte insgesamt doch recht wenig anfangen, da sie für meinen Geschmack doch zu komprimiert ausfällt und damit teilweise leider nur an der Oberfläche kratzt, auch wenn man eine durchaus vielschichtige Familiengeschichte zu lesen bekommt. Besonders gegen Ende, wo man wirklich gespannt darauf ist wie es weiter geht, wird man als Leser quasi in der Luft hängen gelassen und bleibt sowohl ratlos als auch enttäuscht zurück. Wer sich für die Familie Ertl, insbesondere Monika, interessiert, ist hier insgesamt wohl doch besser mit einer Eigenrecherche bedient, da dieses Buch nur eine Mischung einzelner Momentaufnahmen ist, die zwar sehr schön die Entwicklungen der einzelnen Familienmitglieder aufzeigt, mit Schwerpunkt auf Monika, aber ein echter Abschluss fehlt und nichts zu den echten Fakten beisteuert.


    Kommentare: 1
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    jackdecks avatar
    jackdeckvor 5 Monaten
    Affekte

    Der 1908 in München geborene Hans Ertl machte sich als Bergsteiger in den 1930er-Jahren einen Namen. Als Kameramann wirkte er später bei den Filmen von Arnold Fanck mit, bei der Olympia 1936 war er der Hauptkameramann in Leni Riefenstahls Filmen „Fest der Völker“ und „Fest der Schönheit“. Anfang der 1950er-Jahre wanderte Hans Ertl mit seiner Familie nach Bolivien aus. Dort radikalisierte sich seine Tochter Monika und wurde Mitglied der bolivianischen Untergrundbewegung. Der Autor Rodrigo Hasbún hat die historisch verbürgten Fakten nun in seinem Roman „Die Affekte“ literarisch verarbeitet. Der Autor erzählt die Geschichte der Familie Ertl in kurzen Abschnitten auf gerade einmal 140 Seiten. Die verschiedenen Erzählperspektiven verdichten sich erst am Ende zum Gesamtbild einer Familientragödie. Die fragmentarische Erzählweise von Rodrigo Hasbún erfordert Konzentration. Der hochdramatische Stoff ist in Teilen zu radikal verknappt. Der Autor aus Bolivien beherrscht seinen Stoff und hat sein Figurenensemble kompetent arrangiert. Nur ist weniger eben doch nicht immer mehr.

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    J
    jamal_tuschickvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Kurzweilig, aber nicht aufschlussreich - Die fiktionalisierte Lebensgeschichte der Attentäterin Monika Ertl.
    In gravierender Weise unzulänglich

    Jede politische Auseinandersetzung ist nicht zuletzt ein Kampf um Bilder. Die überlegene Ästhetik zeigt die überlegene Technik an.

    Hans Ertl (1908 - 2000) trat als Alpinist und Kameramann hervor. Er drehte für Luis Trenker und Leni Riefenstahl. Riefenstahls entfesselte Ästhetik wurde von Ertl miterfunden. 1953 wanderte er mit seiner Familie nach Bolivien aus. Er ließ sich zuerst in La Paz nieder. Ertl führte ein abenteuerliches Leben und starb hochbetagt als eremitischer, mit der Welt hadernder Viehzüchter in der Gegend von Concepción, ursprünglich einer jesuitischen Reduktion.

    Wer regelte 1971 in Hamburg den Verkehr für Monika Ertl, als sie Roberto Quintanilla Pereira mit drei Kopfschüssen zu den Toten beförderte? Sie nahm gekonnt Rache. Ihr Vater hatte in Bolivien eine Kunstschützin und Herrenreiterin aus ihr gemacht. Monika konnte auch Golf, sie pendelte zwischen Camouflage und Robe. Die Hinrichtung quittierte eine von Pereira befohlene postume Entwürdigung Che Guevaras und die Ermordung des Guevara-Nachfolgers Inti Peredo, der Monika zum bewaffneten Kampf bekehrt hatte.

    Rodrigo Hasbún erzählt die Geschichte von Ertls Tochter Monika (1937 – 1973). Der bolivianische Autor lässt Personen aus dem engsten Kreis um Monika fiktiv aussagen. Die älteste von vier Geschwistern sollte nach dem Willen des Vaters als Stammhalter zur Welt kommen. Der Vater prägte das Mädchen. Er formte es athletisch. Monika begleitete Ertl auf Filmexpeditionen. Sie gefiel ihm als Schützin und Reiterin. Sie zeigte sich unerschrocken gegenüber tödlichen Reptilien. Sie verkehrte in einer „Ersatzfamilie“ und erfüllte auch da die Erwartungen, in einer Darstellung der Traumschwiegertochter. Der in gravierender Weise unzulängliche Gatte hielt Monika zu einem konventionellen Gesellschaftsleben an.

    Der Rest ist Geschichte. Monika verliebte sich in Inti Peredo und wurde zur Protagonistin im lateinamerikanischen Befreiungskampf. Die Erscheinung der von einem kraftgenialen Vater zur Tat erzogenen Kombattantin verriet ihre Entschlossenheit nicht. Die engagierte Zeitgenossenschaft fand ihren Höhepunkt im Attentat auf einen bolivianischen Geheimdienstoffizier, der in Hamburg den Diplomaten gab. In der Planungspipeline blieb die Entführung des unbehelligt in Bolivien lebenden Klaus Barbie; gemeinsam mit Régis Debray wollte Monika Ertl den „Schlächter von Lyon“ einem Prozess zuführen.

    Hasbún führt den Leser auf Schleichwegen zu der historischen Dimension einer Geschichte, die sich ihm widersetzt. Seine Erfindungen sind zu blass, um der vulkanischen Biografie Farben zu geben. Der Autor bleibt vor der Tür seiner Erzählung wie ein Ausgeladener stehen.

    Monika Ertl verlor sich angeblich in den Labyrinthen der Konspiration. Sie, so suggeriert es Hasbún, tötete ihre Erinnerungen, ohne den Preis dafür zu begreifen. 1973 starb sie verraten im bolivianischen Straßenkampf.

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    TochterAlices avatar
    TochterAlicevor einem Jahr
    Die tragischen Wege einer deutschen Familie

    Eine deutsche Familie in Südamerika: in den 1950ern gab es viele solche, entweder hatten sie sich bereits in den 1930ern abgesetzt oder aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg - klare Hinweise auf die jeweilige Abstammung bzw. Gesinnung. Familie Ertl gehört zur zweiten Kategorie: Vater Hans war ein erfolgreicher, für seine Zeit extrem innovativer Kameramann, der im Dritten Reich unglaubliche Erfolge feierte, bspw. im Olympia-Film von Leni Riefenstahl. Auch wenn er selbst nicht sehr politisch dachte, wirkten diese Erfolge natürlich nach und er fand keinen Platz im Nachkriegsdeutschland. Also Bolivien - mit der ganzen Familie.

    Jahrzehnte später entwickelte sich seine Tochter Monika zu einer linksradikalen Guerillakämpferin, die ein tragisches Ende nahm.

    Es sind Wege einer deutschen Familie, die hier geschildert werden, mehrere, weil diese Familie auseinanderdriftet, keinen Zusammenhalt mehr hat und unterschiedliche Lebensrichtungen einschlägt. Gewiss, Vater Hans und die älteste Tochter Monika sind sicher die hauptsächlichen Protagonisten, doch dieser kurze, dennoch extrem gehaltvolle und eindringliche Roman lebt vor allem davon, dass unterschiedliche Sichtweisen geschildert werden, so auch die der jüngeren Töchter Heidi und Trixi. Und diese betreffen nicht nur Hans und Monika, sondern auch die Wahrnehmung der anderen Familienmitglieder und geben Einblick in das Gefüge.

    Hasbún hat sich einiges an dichterischer Freiheit bewahrt, wozu er ja auch jedes Recht hat - die Rolle von dem in Bolivien als Klaus Altmann lebenden Klaus Barbie bei Monika Ertls Tod bleibt bspw. völlig außen vor.

    Meiner Ansicht nach ist dieser Roman überhaupt nichts für Leser, die nicht an Geschichte interessiert sind und nicht in den Hintergrund des Romans eintauchen wollen. Denn ich kann mir nicht vorstellen, was sie von diesem Roman haben sollten - in solchen Fällen sind und bleiben diese Schilderungen böhmische bzw. bolivianische Dörfer für den Leser.

    Schwere Kost also? Eigentlich nicht, finde ich, denn der junge Autor schreibt leichtfüßig und wortgewandt, es macht Spaß, ihm zu folgen, auch wenn die Materie an sich natürlich keine einfache ist.

    Ein kleines Buch, das großen Gewinn für seine Leser bringen kann, aber nicht muss. Definitiv kein Buch für jedermann. Ich empfehle es von Herzen weiter, allerdings mit den erwähnten Einschränkungen.

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    Fornikavor einem Jahr
    Bruchstücke

    Monika ist die Tochter von Riefenstahls ehemals bestem Kameramann. Nach dem zweiten Weltkrieg landet die Familie in Bolivien. Während der Vater statt Nazigrößen jetzt den Urwald und seine Bewohner filmt, zerfällt die Familie immer mehr und gerade Monika kommt mit ihrer neuen Identität immer weniger zurecht.

    Ich mag episodische, bruchstückhafte Erzählungen. Aber ich erwarte schon, dass der rote Faden, der sie verbindet nicht hauchdünn ist. Mir hat in Hasbúns Roman etwas der Zusammenhalt gefehlt; man könnte da jetzt Parallelen zum dargestellten Familienleben ziehen, das ist nämlich schon bald nicht mehr vorhanden. Der Autor beschreibt dieses tragische Geschehen trotzdem sehr emotionslos, mich hat kaum ein Ereignis berührt. Eine Identifizierung mit den Protagonisten ist schwer möglich, auch weil die Perspektiven zu schnell wechseln, die Kapitel zu kurz sind, alles sehr gerafft erzählt ist. Die Handlung orientiert sich an Fakten, die Familie Ertl und ihr Wirken sind historisch verbürgt. Wieviel Wahrheit tatsächlich drin steckt, kann ich nicht wirklich beurteilen. Verleiten mich ähnliche Romane oft dazu, mehr und Genaueres über die Personen herausfinden zu wollen, hat „Die Affekte“ bei mir so gar keine Lust auf weitere Recherche ausgelöst.

    Fazit: Insgesamt kein Buch, das ich weiterempfehlen könnte.

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    HarIequins avatar
    HarIequinvor einem Jahr
    Fragmentarisch und dicht, aber leider nicht genug

    „Die Stille ist entscheidend, sagte mein Vater mehrmals seit unserem Aufbruch, Entdecker sind Leute, die schärfere Ohren haben als irgendwer sonst, Leute, die auf das achten müssen, was sie umgibt. Hören ist genauso wichtig oder noch wichtiger als sehen, sagte er immer wieder.“ (S.25)

    Der Roman fängt sehr vielversprechend an, mit den Vorbereitungen zu einer Expedition um Paititi, eine versunkene Inkastadt, zu finden. Im Fokus steht die Familie Ertl, deutsche Einwanderer in Bolivien, und die Episode beruht auf wahren historischen Begebenheiten. Was ich mir erwartet hatte, waren Schilderungen der Expedition und wie die älteste Tochter Monika sich radikalisiert; beides habe ich nur dürftig bekommen.

    Die Expedition hat mir sehr gut gefallen. Leider währte dieser Teil nur wenige Seiten. Meine anfängliche Begeisterung wurde schnell eingedämmt, als aus verschiedenen Perspektiven die nächsten 20 Jahre erzählt wurde. Ich habe nichts gegen verschiedene Erzähler, aber hier kommen gut 7 verschiedene zu Wort, die teilweise schwer auseinanderzuhalten sind. Die ganze Familie Ertl und auch Auβenstehende bekommen eine Stimme. Für mich war es wirklich zu viel für die wenigen Seiten, die das Buch hat. Man liest zwar ein paar Seiten, wie Monika sich politisch einsetzt und im Untergrund kämpft, aber wirklich mehr Wissen habe ich jetzt auch nicht. Durch die verschiedenen Erzähler kommt sie kaum zu Wort und man erlebt sie auch eigentlich eher, als sie sich schon vollkommen radikalisiert hat. Die Teile, die mich interessiert hätten, wurden leider immer wieder unterbrochen von Handlungen, die mich weniger interessierten (wenn ich von einer Expedition in Bolivien lese, interessiert es mich weniger was die jüngste Tochter und Mutter alleine an Weihnachten zu Hause essen). Der Roman ist fragmentarisch und fängt eher Eindrücke und Gefühle auf, als eine wirkliche Handlung zu konzipieren. Für mich besteht das ganze Buch eigentlich auch eher aus aneinandergereihten Nebengeschichten ohne wirkliche Haupthandlung.

    In die Sprache musste ich mich auch erst hineinfinden, fand sie dann aber schnell sehr elegant. Nur die Dialoge mittendrin ohne Anführungszeichen waren teilweise etwas anstrengend. Ansonsten liest es sich feinfühlig und elegisch.

    Alles in allem ist es zwar ein gelungener Roman, aber leider nicht das, was ich mir erwartet habe. Sprache, Gefühle und die grobe Handlung sind zwar Pluspunkte, aber ich hätte gerne mehr gehabt – mehr Seiten, mehr Geschichte. Wer allerdings einen dichten Roman sucht, dem kann ich „Die Affekte“ sehr ans Herz legen für ein paar trübsinnige Stunden.


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    KirstenWilczeks avatar
    KirstenWilczekvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Den passenden Erzählton gefunden, aber Geschichte zu stark verdichtet. Konnte mich nicht ganz überzeugen.
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    Ariettas avatar
    Ariettavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Interresantes Buch über eine Familie die Auswanderte
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    bootedkats avatar
    bootedkatvor 3 Monaten
    lesemauss avatar
    lesemausvor 9 Monaten

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