Roger Willemsen

 4 Sterne bei 791 Bewertungen
Autor von Deutschlandreise, Die Enden der Welt und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Roger Willemsen wurde 1955 in Bonn geboren. Sein Vater war Kunsthistoriker, seine Mutter Sachverständige für asiatische Kunst. Nach dem Abitur 1976 studierte er Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie an den Universitäten in Bonn, Florenz, München und Wien. Sein Vorhaben, über „Selbstmord in der Literatur“ zu habilitieren, gab er schließlich zugunsten seiner Tätigkeit als freier Autor auf. Er arbeitete anschließend als Essayist, Herausgeber und Übersetzer (unter anderem von Umberto Eco). Zudem verfasste er mehrere Bücher wie etwa „Die Abruzzen“ (1990). Ab 1991 moderierte er mehrere TV-Formate sowie Dokumentationen, Themenabende und Kulturveranstaltungen, und war als Produzent tätig. Für den deutschen Pavillon der EXPO 2000 stellte er aus Interviews mit über 50 Künstlern die zehnstündige Videoinstallation „Welcome Home. Künstler sehen Deutschland“ zusammen. Des Weiteren trat er in zahlreichen Fernsehsendungen und Gesprächsrunden als Gast auf, verfasste Bühnenfassungen seiner Bücher und war – etwa mit seiner gereimten Version von „Karneval der Tiere“ oder mit der Karl-May-Revue „Ein Schuss, ein Schrei. Das Meiste von Karl Mey“ auf Tour. Ab 2002 war Roger Willemsen – neben einigen filmischen Projekten – hauptsächlich literarisch tätig. Im September 2014 erschien mit "Das Hohe Haus" sein letztes Werk, bevor er im Februar 2016 in Folge einer Krebserkrankung verstarb.

Neue Bücher

Cover des Buches Figuren der Willkür (ISBN: 9783596707324)

Figuren der Willkür

Neu erschienen am 19.11.2025 als Taschenbuch bei FISCHER Taschenbuch.
Cover des Buches Robert Musil (ISBN: 9783596707300)

Robert Musil

Neu erschienen am 19.11.2025 als Taschenbuch bei FISCHER Taschenbuch.

Alle Bücher von Roger Willemsen

Cover des Buches Das Hohe Haus (ISBN: 9783596521395)

Das Hohe Haus

(82)
Erschienen am 27.07.2017
Cover des Buches Die Enden der Welt (ISBN: 9783596512232)

Die Enden der Welt

(91)
Erschienen am 15.05.2012
Cover des Buches Deutschlandreise (ISBN: 9783596509591)

Deutschlandreise

(101)
Erschienen am 01.09.2006
Cover des Buches Kleine Lichter (ISBN: 9783104025506)

Kleine Lichter

(63)
Erschienen am 12.09.2012
Cover des Buches Afghanische Reise (ISBN: 9783104025469)

Afghanische Reise

(46)
Erschienen am 12.09.2012
Cover des Buches Wer wir waren (ISBN: 9783596522071)

Wer wir waren

(44)
Erschienen am 28.11.2018
Cover des Buches Gute Tage (ISBN: 9783596522620)

Gute Tage

(45)
Erschienen am 23.09.2020
Cover des Buches Der Knacks (ISBN: 9783596511471)

Der Knacks

(54)
Erschienen am 01.10.2010

Neue Rezensionen zu Roger Willemsen

Cover des Buches Das Hohe Haus (ISBN: 9783596521395)
CocuriRubys avatar

Rezension zu "Das Hohe Haus" von Roger Willemsen

CocuriRuby
Politik ist Theater

Ein Jahr lang (2013), beobachtet der Autor und Journalist, das Parlament im Bundestag von der Besuchertribüne aus und schildert uns in dem Buch, was er beobachtet und teilt seine Gedanken dazu mit. Was sich daraus ergibt, ist der erschütternde Zustand unserer Politik und Debattenkultur.


Ebenfalls, erhält man immer mal wieder Informationen zu dem „Hohen Haus“ selbst, dem Gebäude, der Architektur, der Beschaffenheit, der Symbolik und Geschichte. Dem Herzstück unserer Demokratie.


In diesem Rahmen dessen beschreibt er das Spektakel, was sich unter der Tribüne abspielt, stets mit Einordnung wer spricht, Zitate und Parteizugehörigkeit.

Das Bild welches sich schnell ergibt, durch die bloße Schilderung was ist, lässt beim Lesenden ein erstaunliches Bild zurück. Es zeigt Muster auf, die wenig schmeichelhaft sind.


Bereits die Entrückung der Bürger, die teilnahmslos dem Theater zuschauen, welches sich unter ihnen abspielt – die Politik ihrerseits gänzlich entrückt, die keine Verbindung herstellen kann, die keine Ahnung haben, wie die Lebensrealität derer aussieht und auch kein Blick auf sie richtet.


Die politische Debatte, eigentlich das Kernstück der Demokratie, gleicht real in seiner Form einer Horde Brüllaffen: Es wird zwischen gerufen, beleidigt, es wird geschwafelt, es wird gelogen, es wird diffamiert, es wird versucht zu argumentieren – niemand hört zu.

Alle Positionen und Statements sind bereits vorgefasst – sie bildet sich nicht in der Debatte.


So beschreibt der Autor: Der Bürger/Zuschauer darf kein Kaugummi im Mund haben, weil das nicht zur „Würde des Hauses“ passe, während die Abgeordneten ihr völliges Desinteresse demonstrieren, wenn Abgeordnete anderer Parteien sprechen.

Es ist grotesk, von den Schülern auf der Zuschauertribüne verlangt man viel mehr Disziplin ab, als von den Volksvertretern.


So beschreibt der Autor: „Die Sprache im Parlament changiert zwischen grob vereinfachend und populistisch“ (vor allem von CDU/CSU und FDP – AfD gab es damals noch nicht). „Aufgewärmte Emotionen, halbkalte Überzeugungen, wo Argumente fehlen, treten Strandpunkte ein.


Nur selten findet man Aufrichtigkeit in den Reden oder echte Überzeugungen oder gar Ideen, die drängend vorgetragen werden. Selten die Momente in denen ein Problem aus dem „politischen Gerangel heraus geholt (wird), um (es) vor allem zu lösen“ und wie sich das auch auf die Zuschauer auf der Tribüne überträgt.


„Die Entscheidungen sind fatal, die Entscheidungsträger trotzdem banal. Zukunft als Synonym für Rendite – Wirtschaft gibt die Idee vor, was Zukunft sei.“ Armut wird höhnisch durch Zwischenrufe dementiert, die bloße Existenz dessen abgesprochen, „die rhetorische Sanftmut wächst (nur) wo es um Rüstungsgüter geht.“


Politische Entscheidungen werden nicht in oder nach der Parlamentsrede getroffen. Diese sind längst gefasst, im Undurchsichtigen, in den Hinterzimmern – fern ab der Öffentlichkeit, nah mit dem Wirtschafts- und Finanzwesen, Medienvertretern und Lobbyisten.

Der einzelne Abgeordnete ohne dem Fraktionszwang unterlegen, der Parteilinie und nicht unbedingt seinem Gewissen folgend.


Am Ende kommt man gar nicht drum herum, zu dem Schluss zu gelangen, wie unwürdig unser Parlament ist, wie unwürdig die sog. Politische Debatte und wie höhnisch und anmaßend viele der Abgeordneten sind.


Diese Politik ist eine Theaterinszenierung (für die Medien), das zeigt dieses Buch extrem gut auf.

Noch deutlicher: Es ist nichts sinnvolles oder gar zukunftsweisendes aus diesem Parlament zu erwarten. Jede gute Idee/Gedanke würde gegen die stumpfe Bewahrung des Status Quo scheitern – die Parlamentsmehrheit würde sich gegen jede notwendige Veränderung zur Wehr setzen.

Die großen Probleme, wie Klimaerhitzung, Ressourcenverbrauch, Migrationsbewegungen, Armutsbekämpfung, etc. sind nicht im Parlament zu lösen, sondern außerhalb.

Cover des Buches Das Hohe Haus (ISBN: 9783596521395)
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Rezension zu "Das Hohe Haus" von Roger Willemsen

LeseMaus02
Erkennen durch Zuhören und Zuschauen

3,5


Obwohl das Buch mittlerweile schon älter ist, hat es in seiner Kernaussage nichts an Aktualität verloren.


Rein stilistisch ist das Buch äußerst intelligent und auch humorvoll geschrieben.


Der Autor hat sehr interessante und genaue Beobachtungen angestellt, die sowohl die Politiker als auch das Bundestagsgebäude an sich betreffen.


Dadurch, dass hier ein Jahr politischer Debatten abgebildet wird, bleiben bestimmte Wiederholungen nicht aus, was aber den Gehalt des Buches nicht mindert.


Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch mit zahlreichen Denkanstößen.

Cover des Buches Liegen Sie bequem? Vom Lesen und von Büchern (ISBN: 9783103976021)
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Rezension zu "Liegen Sie bequem? Vom Lesen und von Büchern" von Roger Willemsen

Sternenstaeubchen
Willemsens Literatursofa

Gesteht man, dass man Roger Willemsen, seine Sendungen und Literaturempfehlungen seinerzeit mochte, gesteht man implizit so einiges: ein gewisses Alter, vielleicht ein gewisses Milieu bzw. Understatement, häufig aber auch eine Liebe zu Literatur. Da kommt „Liegen Sie bequem?“ doch mehr als willkommen.

Worum geht es in diesem Buch? Um Bücher, um Roger Willemsen, seine Beziehung zu Büchern, dem Lesen, Autoren, Leser, Schreibregeln – verkürzt könnte man sagen „den Literaturbetrieb und seine ‚Stakeholder‘“. Genauer geht es um Porträts von Autoren, bestimmte Textgattungen, das Obszöne und sein Gegenteil, was Literatur kann und will; Markt, Medien und Möglichkeiten sowie Regeln für Leser und Schriftsteller. Einige Essays tragen sprechende Titel wie „Der schöne Satz“ oder „Über Erich Fried: Gründe“, andere lassen viel Spielraum wie „Kompass ohne Nadel“ oder „Si tacuisses“, immer wieder werden Buchtipps eingestreut.

Das Lesen von „Liegen Sie bequem?“ fühlt sich ein wenig an wie die Rückkehr auf das Sofa beim Schauen von Willemsens (Literatur-)Sendungen. Er sinniert, berichtet, parliert über eins seiner Herzensthemen, das merkt man jeder Zeile dieses Buches an. Insofern sollte man zwei Voraussetzungen mitbringen, um Genuss an diesem Buch zu entwickeln: Bücher bzw. Literatur lieben und eine gewisse Freude an Nostalgie mitbringen bzw. Willemsen gemocht haben. Manche mögen bei Literaturkritik andere, evtl. auch lautere Stimmen im Kopf haben, Willemsen war leise und doch pointiert, treffsicher – ohne eine scharfe Feder zu führen. Alles in allem ergibt diese Sammlung von kürzeren und längeren Texten ein schönes Buch, eines das der Literatur und einem ihrer großen Protagonisten huldigt – ohne ihn zu überhöhen, das passte auch gar nicht zu ihm. Am erfreulichsten ist der Schreibstil: Intelligent, ohne anstrengend zu sein; abwechslungsreich, ohne effektheischend zu sein; leicht und doch gehaltvoll; aussagekräftig und doch von Willemsens so typischen feinen Humor geprägt, im besten Sinne beständig, nachwirkend. Mich hat die Lektüre an manches erinnert, Gelesenes und noch zu Lesendes, warum ich Sprache und Bücher so liebe – die Lektüre fühlte sich an, wie es vielleicht gewesen wäre, auf Willemsens Literatursofa zu weilen. Wer die oben erwähnten Voraussetzungen (oder mindestens eine davon) mitbringt, sollte einen Blick wagen.

Gespräche aus der Community

SusanneUlrikeMariaAlbrechts avatar
SusanneUlrikeMariaAlbrecht

Die Enden der Welt


Emotionale Weitsicht


Sie war eine Weitsichtige: Was noch fern war


oder schon wieder verabschiedet, das sah sie


scharf. Was aber nah war, was sie unmittelbar


umgab, das konnte sie nicht genau erkennen und


hüllte es deshalb in Stereotype. Ihre Rhetorik war


leidenschaftlich in der Erwartung und im Abschied,


also bei den Dingen, die noch nicht sind, und bei


jenen, die nicht mehr waren. Was tun mit uns?



Zunächst reisten wir aufeinander zu, um die


Nähe, die wir in der Ferne empfunden hatten,


mit körperlicher Gegenwart zu beleben, aber


allmählich wuchs der Verdacht, dass wir am


Ende einen Platz leer finden würden. Ja, wir



reisten voller Verlangen, doch verlegen, weil jetzt


ein Körper saß, wo ein Phantom gewesen war.


Von außen waren wir ein Paar, von innen ein


Arrangement.



ROGER WILLEMSEN



http://susanne-ulrike-maria-albrecht.over-blog.de

Zum Thema
3 Beiträge
Letzter Beitrag von  Ein LovelyBooks-Nutzer
Ich war auch geschockt, als ich von seiner Diagnose erfuhr. Wünsche ihm auch alles Gute!
Im Wanderbuchwunschthread wurde nach diesem Buch gefragt, ich hab es und lasse es gerne wandern: Wie das Wanderbuch funktioniert: Ihr tragt Euch einfach der Reihe nach ein und in der Reihenfolge wird es dann auch verschickt! Die Teilnehmerzahl ist unbegrenzt. Ich schicke es am Montag hier los und jeder hat dann zwei Wochen Zeit um es zu lesen und weiterzuschicken. Geht es verloren, dann teilen sich der Absender und der Empfänger die Kosten für ein neues Exemplar. So, wer hat Lust dabei zu sein? Karla schickt los an: 1) 2) 3) 4) 5) ....
Zum Thema
11 Beiträge
Letzter Beitrag von  Ein LovelyBooks-Nutzer
Hab das Buch wieder an Karla vor zwei Tagen zurückgeschickt. Vielen Dank fürs laaange Bereitsstellen und dass ich mitmachen durfte!

Zusätzliche Informationen

Roger Willemsen wurde am 14. August 1955 in Bonn (Deutschland) geboren.

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