Roger Willemsen Deutschlandreise

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Inhaltsangabe zu „Deutschlandreise“ von Roger Willemsen

Roger Willemsen reiste 2001 wochenlang mit dem Zug durch Deutschland und berichtete von seiner Entdeckungsfahrt, die kreuz und quer von Konstanz nach Kap Arkona, von Bonn nach Berlin, von Oberstdorf nach Rostock führt. Aus seinen Beobachtungen, Begegnungen und Erfahrungen entwarf Willemsen ein facettenreiches Bild, in dem wir uns selbst wiederfinden können. Er entdeckte neu, was allzu bekannt zu sein schien und uns deshalb unbekannt zu werden droht. (Quelle:'Audio CD/26.01.2017')

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  • Rezension zu "Deutschlandreise" von Roger Willemsen

    Deutschlandreise
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    23. September 2011 um 10:12

    Willemsen folgt auf seiner Deutschlandreise nicht einem bestimmten geographischen Schema und hält sich nicht bei geschichtlichen Daten oder Sehenswürdigkeiten auf. Ihm geht es um die Befindlichkeit Deutschlands, wie er es nach der Wende erlebt hat. Damit gelingt ihm eine erfrischende Bestandsaufnahme. Sehr subjektiv und deswegen vielleicht überzeugender als eine wissenschaftliche Untersuchung; vielleicht mit etwas zuviel Einlassungen und Auslassungen über Sex, aber damit vermutlich nicht auf einem falschen analytischen Pfad. Mit seiner Kritik an unserer scham- und gnadenlosen Konsumgesellschaft; gelegentlich vielleicht zu pauschal, aber nirgends gewöhnlich. Besuchte Städte charakterisiert Willemsen meist durch sehr individuelle Gedankengänge. Aus St. Pauli berichtet er nicht über Prostitution; vielmehr gibt er die Meinung eines arbeitslosen Bühnenarbeiters zum Tätowieren wieder. Bonn beschreibt er dagegen aus der Puff-Perspektive. Rostock bezeichnet er als bevölkert, aber menschenleer. Aus Darmstadt lässt er einen Wurstverkäufer über die Evolution sinnieren. Mit der für Trier stehenden Porta Nigra verbindet er, für mich nicht von ungefähr, Parkhausassoziationen - und so weiter und so weiter. Obwohl er das Bildungsbürgertum gerne in die Vergangenheit verweist, kann er seine Zugehörigkeit zu dieser Kaste nicht ganz verhehlen. Freilich vertritt er nicht ein überholtes gebildetes Bürgertum, sondern das des intellektuellen, in der Jetztzeit angelangten 68ers (das zeigt sein Staatsverständnis, das er als durch Wackersdorfer Giftgase auf Dauer geschädigt bezeichnet). So doziert er, dass Belemniten Kopffüßer, bestehend aus Schulp und Rostren, sind, flicht er „Mensch werde wesentlich“, von Angelus Silesius, so nebenbei ein, nimmt er als selbstverständlich an, dass er anspruchsvolle Leser hat, von denen Wörter wie Monaden, Idiosynkrasie oder Campanilismus verstanden werden, ohne dass sie im Lexikon nachschlagen oder googeln müssen, und dass sie mit Buridans Esel etwas anzufangen wissen. Anderseits bedient er auch die etwas niedrigere Ebene mit DJ Bobo und geht er nicht nur einmal auf den Klopapierverbrauch in der westlichen Zivilisationszone ein. Bosheiten leuchten übrigens öfter auf. Am besten gefällt mir seine Beurteilung zeitgenössischer Lyrik mit „Dunkel summt der Biber“. Manche boshafte Anspielung hätte freilich etwas deutlicher ausfallen dürfen. So bleiben für mich die Sätze, in denen er auf die Gefühle des „Bundeswalser“ eingeht, ein wenig kryptisch - sofern für kryptisch nicht gilt, was man zu „ein wenig schwanger“ sagt. Ein Hinweis: Wenn Willemsens Erlebnisse (teilweise) nicht bloß erdichtet sind, sollte man sich in seiner Nähe nicht zu laut unterhalten. Er hört alles mit, was in seiner Umgebung geredet wird. Im Speisewagen, auf der Straße, im Bus, im Wirtshaus und natürlich auch, was ein Führer durch ein Museum zu erzählen weiß. Und er verwertet es literarisch. Einer, der den Leuten aufs Maul schaut. Erfreulicherweise hat er der Versuchung widerstanden, in seiner Deutschlandreise über zwei Örtlichkeiten zu berichten, für die nicht nur München, sondern Deutschland auf der ganzen Welt bekannt ist. Wo es nach Bier und Urin riecht. Und noch erfreulicher ist, dass er es sich untersagt hat, bei seiner Diagnose der bundesrepublikanischen Befindlichkeit ein Schwergewicht anzusprechen. Die Fußballwelt. Darüber sollen andere Geister schreiben. Fußballexperten.

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