Das Gleichgewicht der Welt

von Rohinton Mistry 
4,5 Sterne bei206 Bewertungen
Das Gleichgewicht der Welt
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L

Abgebrochen da zu langatmig; glaube trotzdem, dass es qualitativ hochwertig ist

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Hätte ich das bloß nicht gelesen

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Inhaltsangabe zu "Das Gleichgewicht der Welt"

Bombay 1975. Vier Menschen treffen aufeinander. Ihre Schicksale verknüpft Rohinton Mistry meisterlich zu einem großen Roman. Wir bedgenen Dina Dalal, einer Frau Anfang Vierzig und Maneck Kohlah, einem Studenten aus dem Gebiet des Himalaja; dem unglaublich optimistischen Ishvar Darji und seinem widerspenstigen Neffen, zwei Schneidern, die vom Land in die Stadt geflohen sind.
Seine großen erzählerischen Bögen spannt Misty von den grünen Tälern des Himalaja bis in die Straßen von Bombay. Er erzählt von Rajaram, dem Haarsammler; dem geschäftstüchtigen Bettlermeister, Herr über eine Bettlerarmee; oder Mr Valmik, einem Korrekturleser, der eine Allergie gegen Druckerschwärze entwickelt.
›Das Gleichgewicht der Welt‹ läßt den indischen Subkontinent vor den Augen der Leser entstehen - ein Kosmos, der nur auf den ersten Blick fremd erscheint.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596512621
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:1328 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:26.09.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.12.2014 bei Argon Verlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Tulpens avatar
    Tulpenvor 15 Tagen
    Kurzmeinung: Hätte ich das bloß nicht gelesen
    Furchtbares Buch, hat mich lange nicht losgelassen

    Durch den Gegensatz zwischen meiner Bewertung und der Überschrift meiner Rezension sei deutlich gemacht, dass eine einfache Bewertung des Buches für mich nicht möglich ist. Zweifellos ist dem Autor eine toll geschriebene Geschichte mit unterschiedlichen Erzählsträngen gelungen, die dem Leser ein sehr realistisches Bild von Indien vermittelt. Die Vielzahl an Eindrücken, Gegebenheiten, vorgestellten Personen und den vielen Einzelschicksalen lies mich staunen. Die Geschichte ist schriftstellerisch toll entwickelt und ineinander verflochten, die Personen wirken auf mich sehr authentisch. Dennoch: man muss in der richtigen Stimmung sein, um die harte Wirklichkeit Indiens zu ertragen. Von der Einschätzung, die Geschichte hätte auch viel Komik (so oder so ähnlich ab und zu in Rezensionen und auf einem alten Klappentext zu lesen) fühlte ich mich in die Irre geführt, denn viel Komisches konnte ich hier beim besten Willen nicht finden. Im Gegenteil ließen mich viele der beschriebenen Grausamkeiten lange nicht mehr los (und ich bin wirklich nicht besonders zartbesaitet). Verstärkt wird das durch die, irgendwie geniale, unaufgeregte Sprache, die von alltäglichen Geschehnissen genauso berichtet wie von kleinen und großen Tragödien. So hatte ich immer das Gefühl, dass die nächste Katastrophe schon auf der nächsten Seite lauern kann. Ein Gefühl, das vielleicht wirklich viele Menschen in Indien kennen. Am Ende des Buches wünschte ich eigentlich, ich hätte es nicht gelesen.

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    BrittaRoeders avatar
    BrittaRoedervor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ganz im Sinne Kafkas: ein Buch, das wie die Axt ist gegen das gefrorene Meer in uns.
    Der vergebliche Traum vom Gleichgewicht der Welt

    Zwei Wochen lang hat mich der Roman ‚Das Gleichgewicht der Welt‘ begleitet.

    Dass die Lektüre sehr intensiv werden würde, hatte man mir oft vorausgesagt. Dass der Roman mich nicht kalt lassen würde, hörte ich oft. Das Alles kann ich völlig bestätigen. Auf jeder der gut 800 Seiten dieses großartigen Romans hat mich der indische Autor gepackt gehalten.

     

    Im Mittelpunkt stehen vier völlig unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten Indiens: die aus eher wohlhabenden Mittelstandsverhältnissen stammende junge Witwe Dina Dalal, der sehr behütet in einer Himalaja-Provinz aufgewachsene 18-jährige Kaufmannssohn Maneck Kohlah, der zum Studium in die Stadt kommt und die beiden Unterschichtler Schneider Ishvar Darji und sein Neffe Omprakash, die vor den unerträglichen Verhältnissen auf dem Land in die Stadt geflohen sind. Diese vier lernen sich kennen, achten und lieben und werden doch vom Schicksal wieder auseinandergerissen.

    Müßte ich diesen Roman auf einen kurzen Nenner bringen, würde ich sagen Anne Gavaldas ‚Zusammen ist man weniger allein‘ trifft auf Carles Dickens’sche Opulenz. Aber natürlich ist das angesichts des weiten gesellschaftskritischen Bogens den Rohinton Mistry in diesem zu Recht als modernen Klassiker bezeichneten Werk spannt viel zu wenig.

    Das Indien-Bild, das Mistry vor den Augen seiner Leserschaft entfesselt, strotzt nur so vor Leben und Dreck, vor Gewalt und Korruption. Hier gibt es für keinen echte Gerechtigkeit. Das Gleichgewicht der Welt ist eine Illusion.  Die Botschaft dieses Romans schockt durch seine gnadenlose Direktheit.

    Was Mistry so sehr auszeichnet ist auch, dass er jeden seiner Charaktere, und sei er noch so klein, mit absoluter Würde ausstattet. Überhaupt lenkt er unser Augenmerk ohne Unterlass auf das Leiden der Armen und der Ärmsten der Armen. Sie sind es, die durch die Gewalt eines machthungrigen Staates, der keine Skrupel kennt, am stärksten leiden. Einem jeden von ihnen verleiht er ein individuelles menschliches Gesicht und verwehrt so dem Leser die schnelle Anonymisierung des Elends. Mistrys Roman ist in höchstem Maße unbequem und genau darum so kostbar.  Ein Buch, das – ganz im Sinne Kafkas –eine Axt ist gegen das gefrorene Meer in uns. Ein zeitloser Appell gegen die Gleichgültigkeit. Absolute Leseempfehlung!

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Für mich ab einem Drittel kein Page Turner mehr.
    Ab einem Drittel kein Pageturner mehr.

    Dieses Ebook habe ich ausgewählt, weil mir der Klappentext spannend erschien und mir viel Potenzial versprochen hat. Leider war ich enttäuscht.

    Bombay 1975. Vier Menschen treffen aufeinander. Ihre Schicksale verknüpft Rohinton Mistry meisterlich zu einem großen Roman. Wir bedgenen Dina Dalal, einer Frau Anfang Vierzig und Maneck Kohlah, einem Studenten aus dem Gebiet des Himalaja; dem unglaublich optimistischen Ishvar Darji und seinem widerspenstigen Neffen, zwei Schneidern, die vom Land in die Stadt geflohen sind.
    Seine großen erzählerischen Bögen spannt Misty von den grünen Tälern des Himalaja bis in die Straßen von Bombay. Er erzählt von Rajaram, dem Haarsammler; dem geschäftstüchtigen Bettlermeister, Herr über eine Bettlerarmee; oder Mr Valmik, einem Korrekturleser, der eine Allergie gegen Druckerschwärze entwickelt.

    Die Geschichte macht uns mit einigen Charakteren bekannt, die allesamt sehr dreidimensional gestaltet wurden. Ich konnte sie mir deshalb immer sehr gut vorstellen, das war auch der Grund wieso ich das Buch zu Ende gelesen habe, obwohl es mich ab einem gewissen Punkt nicht mehr gefallen hat. Leider kann ich Euch nicht sagen, wann genau das war, weil ich sonst spoilern würde, aber ich kann sagen, dass es ungefähr ein Drittel des Buches war, deswegen habe ich auch ein bisschen schneller gelesen und bin die ein oder andere Seite überflogen.

    Dieses Buch war ein guter Kompromiss zwischen dem doch sehr deprimierenden Hörbuchs "Der weisse Tiger" und des Ebooks "Der Himmel über Darjeeling". Dieses Ebook hier ist von der Gesellschaftsschicht vielleicht in der Mitte anzusehen. Nicht ganz reich, aber auch nicht ganz arm. Auch durch dieses Buch konnte ich einen guten Eindruck von der indischen Lebensweise bekommen und habe viele Einblicke in das Land erhalten, sowohl politische, als auch landschaftliche.

    Der Anfang hat mir noch sehr gut gefallen, ich mochte die kleine/junge Dina sehr gerne, die sich ständig gegen ihren Bruder aufgelehnt hat und sich von ihm nicht ihr Leben diktieren lassen wollte. Anfangs war das Buch für mich definitiv ein Page-Turner, das hat sich dann leider geändert. Trotzdem ist es ein Buch, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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    mesus avatar
    mesuvor 2 Jahren
    Ein Buch zum Lachen und Weinen

    Dieses Buch hat mich beeindruckt.

    Es handelt von vier verschiedenen Menschen, deren Schicksal miteinander verknüpft ist. Der Roman spielt in Bombay und man bekommt einen Einblick von der Lebensweise dort. Ich habe es mit einem lachenden und einem weinenden Auge gelesen. Das Leben in Indien ist soo anders wie wir es hier kennen und es macht einen sehr nachdenklich. Es ist gut geschrieben, man kann sich sehr mit den Protagonisten identifizieren und lacht und weint mit ihnen.

    Sehr zu empfehlen, wenn man mal über den Rand der Welt blicken möchte.

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    Katjuschkas avatar
    Katjuschkavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein beeindruckendes Buch eines grandiosen Erzählers!
    Ein beeindruckendes Buch eines grandiosen Erzählers!

    Das Buch erzählt die Geschichten von mehreren Menschen, die, obwohl sie unterschiedlicher kaum sein könnten, vom Schicksal zusammengeführt werden und in einem Staat leben, in dem Willkür und Brutalität an der Tagesordnung sind. 
    Vor dem realen Hintergrund des Ausnahmezustandes unter Indira Gandhi erfährt der Leser über die Einzelschicksale der Protagonisten hinweg vieles über das Gesamtbild Indiens zwischen Unabhängigkeit, Teilung (in Indien, Pakistan und Bangladesh) und seinem Weg ins 21. Jahrhundert.
    Die Unmenschlichkeit der Ereignisse hat mich an mancher Stelle sprachlos gemacht. Der Staat demonstriert seine Macht ohne nachhaltige Wirkung und seine Maßnahmen zur Bekämpfung des Elends sind unfassbar würdelos. Das Elend, das dort beschrieben wird, ist für uns Westeuropäer unvorstellbar. 
    Mistry beschreibt einen Alltag, den ich in einer Demokratie (und das war Indien ja auch schon zu dieser Zeit - zumindest offiziell) bisher nicht für möglich gehalten habe. Für mich handelte es sich um offen gelebte Anarchie unter dem Deckmäntelchen der Demokratie! 
    Interessant waren für mich auch die ganz unterschiedlicheen Lebensunterschiede, welche allein durch die unterschiedlichen Glaubensrichtungen oder die Kastenzugehörigkeit entstandenen sind....
    Jede in dem Buch auftauchende Person hatte seine eigene individuelle Vorstellung von persönlichem Glück, so einfach und bescheiden diese Vorstellung auch immer gewesen sein mag. Und doch ist jeder am Ende irgendwo gescheitert und das "persönliche" Gleichgewicht der Welt wurde eben aus dem Gleichgewicht gebracht. 
    Das Ende des Buches ist deprimierend. Das Dina sich mit Nusswan arrangieren musste fand ich sehr traurig. Nur die heimliche Freundschaft zwischen ihr und den Schneidern war irgendwie ein kleiner Trost.

    Indien mit seiner Kultur und seinen Menschen, die in einem für mich nicht nachvollziehbaren Kastensystem leben, war mir immer fremd und ein wenig suspekt. 
    Ich hatte noch nie das Bedürfnis das Land zu besuchen, ein Buch über Indien zu lesen oder einen dieser unsäglichen Bollywood-Schmachtfetzen anzuschauen. 
    Fremd ist mir Indien noch immer - und wenn ich ehrlich bin, noch suspekter als vorher! 
    Denn es hat sich nichts geändert. Noch immer leben mehrere Millionen Menschen in Indien in den Slums. Viele davon als "Gehsteigbewohner". Die hygienischen und sozialen Bedingungen der indischen Slums gelten als die furchtbarsten weltweit. Und das, obwohl Indien heute zu den 10 größten Volkswirtschaften weltweit zählt.

    Rohinton Mistry aber ist ein wunderbarer Erzähler. Er erzählt sehr sachlich und leise und ohne offen politisch Stellung zu beziehen, in einem Buch, in dem es nicht nur um Menschen und ihr Leben, sondern eben auch, oder sogar vor allem, um Politik geht. Es gibt keinen wirklichen Höhepunkt, auf den die Handlung zustrebt. Viel eher ist es so, dass sehr ruhig eine Geschichte erzählt wird, bei der man ein Stück aus dem Leben einiger Menschen Indiens mitlebt.

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    MikkaGs avatar
    MikkaGvor 2 Jahren
    Das ureigenste Wesen des Menschen


    Zitat:
    »Man muss ein feines Gleichgewicht zwischen Hoffnung und Verzweiflung einhalten.« Er hielt inne und dachte darüber nach, was er gerade gesagt hatte. »Ja«, wiederholte er, »letztendlich ist alles eine Frage des Gleichgewichts.«

    Ich habe lange darüber nachgedacht, was ich in meiner Rezension zu diesem Buch schreiben könnte - diesem monumentalen Epos, das seine enorme emotionale Wucht gerade dadurch entfaltet, dass es den Blick nicht nur auf die dramatischen Ereignisse, sondern auch auf die kleinsten Dinge richtet. Die feinen Nuancen. Das Nichtgesagte. Die Zwischentöne. Mal ist das Buch ein farbenfrohes Spektakel, dann wieder eine zarte Szenerie leiser Philosophie. Manchmal war ich schockiert von der gnadenlos geschilderten Gewalt und dem Elend, dann wieder musste ich lachen, und mehr als einmal standen mir die Tränen in den Augen. Sei gewarnt, Leser: dies ist kein Buch, das beschönigt, und es ist auch kein Buch für erzwungene Happy Ends. Und dennoch ist es ein Buch, das verzaubert und bereichert. 

    Das Indien, dass Rohinton Mistry hier zum Leben erweckt, wirkte auch mich oft wie eine gänzlich fremde Welt, manchmal fast schon bizarr in ihrer Andersartigkeit. Aber dann stutzt man und erkennt sich auf einmal wieder in den Menschen, die diese Welt bevölkern. Denn deren Wünsche, Träume und Hoffnungen mögen zwar herzzerreißend bescheiden sein, aber dennoch vertraut.

    In meinen Augen ist dem Autor nichts Geringeres gelungen, als das ureigenste Wesen des Menschen auf Papier zu bannen. Was ist Schmerz? Was ist Trauer? Was ist Ungerechtigkeit? Gerade wenn man als Leser glaubt, man könnte nicht mehr ertragen, stellen sich neue Fragen. Was ist Glück? Was ist Freundschaft? Was ist Hilfsbereitschaft? Das Gleichgewicht der Welt. Der Autor belehrt den Leser nicht, sondern lässt ihn die Antworten selber entdecken.

    Im Mittelpunkt der Geschichten stehen vier Charaktere an der unsicheren Grenze zwischen Armut und vollkommener Verelendung.

    Die Augen der Witwe Dina Dalal werden langsam zu schwach zum Nähen, aber ihr Stolz erlaubt es ihr nicht, ihren wohlhabenden Bruder um Hilfe zu bitten. Daher bringt sie in ihrer winzigen Wohnung nicht nur den jungen Studenten Maneck als zahlenden Gast unter, sondern richtet auch eine Werkstatt für zwei Schneider ein, die in ihrem Auftrag nähen - den optimistischen Ishvar und seinen wütenden Neffen Om. Herrscht am Anfang noch gegenseitiges Misstrauen, wächst die ungleiche Zweckgemeinschaft doch schnell zusammen zu einer Art Familie, die gemeinsam den turbulenten Zeiten trotzt.

    Der Autor beschreibt seine Charaktere so lebendig und glaubhaft, dass man einfach mit ihnen mithoffen und mitleiden muss. Er zeigt an ihnen das ganze Elend der niederen Kasten, aber sie verkommen dabei nicht zu Stereotypen. Kein Charakter ist nur böse oder nur gut, egal wie extrem manche auf den ersten Blick erscheinen. Mitgefühl und Hilfe kommen oft aus der unerwartetsten Ecke, und manchmal stellt man fest, dass schreckliche Dinge nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Hilflosigkeit oder Angst geschehen. 

    Ich war sehr beeindruckt davon, was für ein lebendiges Bild vom Indien dieser Zeit das Buch zeichnet, von seiner Politik und seinen gesellschaftlichen Umstürzen. Man kann viel daraus lernen, und dennoch ist es kein trockenes Geschichtsbuch, sondern eine originelle, mitreißende Geschichte, deren Sog ich mich nicht entziehen konnte. Für mich ist es allerdings kein Buch, das man schnell nebenher lesen kann! Man muss jedem Kapitel genug Zeit geben, man muss mitdenken und mitfühlen, sonst betrügt man sich selbst um ein Leseerlebnis, das lange nachhallt.

    Außerdem braucht man ab und zu einfach eine Verschnaufpause, denn immer wenn man denkt, jetzt kann es für unsere Helden doch unmöglich noch schlimmer kommen, kommt es schlimmer. Und dennoch will man weiterlesen, weiterlesen, weiterlesen... Zumindest ging es mir so.

    Der Schreibstil strotzt nur so vor Atmosphäre und ist mal wortgewaltig, mal leise. Er beherrscht die volle Bandbreite der Emotionen, von schwärzester Verzweiflung bis hin zu augenzwinkerndem Humor. Einfach wunderbar, und auch die Übersetzung erschien mir sehr gelungen.

    Fazit:
    Was für ein unglaubliches Epos... Auf 864 Seiten beschwört Rohinton Mistry das Bild einer Welt herauf, die uns gänzlich fremd ist und uns dennoch den Spiegel vorhält: Indien im Jahr 1975, mit all seinen Unruhen und Umstürzen. Zwei Schneider aus der niedersten Kaste, ein junger Student und eine verzweifelte Witwe werden von ihrer jeweiligen Notsituation zu einer widerwilligen Wohn- und Arbeitsgemeinschaft gemacht, und der Leser verfolgt mit angehaltenem Atem, wie sie in den darauffolgenden Jahren vom Schicksal gebeutelt werden.

    Das Buch macht es einem nicht leicht. Meines Erachtens sollte man mit der Erwartung an die Geschichte herangehen, dass sie einem immer mal wieder auf grausamste Weise das Leserherz brechen wird, denn der Autor ist gnadenlos gegenüber seinen Charakteren. Aber es ist dennoch ein lohnendes Leseerlebnis, das ich kein bisschen bereue und das ich auch weiterempfehlen würde! Manchmal sind die bewegendsten Bücher die, die auch ein bisschen wehtun.

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    buchbuntvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Das Buch beschreibt das Leben in Indien, die Kasten, die Armut, aber auch der Anmut dieses wunderbaren Landes.
    Indien <3

    Ein tolles Buch über Indien und das Schicksal von vier Menschen, die sich über den Weg laufen, ein Stück gemeinsam gehen und sich dann doch wieder verlieren.Das Buch beschreibt das Leben in Indien, die Kasten, die Armut, aber auch der Anmut dieses wunderbaren Landes.

    Mein Lieblingsbuch! Und da ich es bereits von einigen Jahren gelesen habe, wird hier sicher ein Reread und eine ausführlichere Rezension erscheinen!

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    luans avatar
    luanvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Eine Geschichte die das Elend in Indien beschreibt.Ein großartiger und trauriger Roman.
    Ausnahmezustand in Indien


    Dinah, eine Witwe die ihre Lebensunterhalt mit dem Nähen verdient, Ishva und sein Neffe Om, gelernte Schneider die in der Stadt auf Arbeitssuche sind und Manek der von seinen Eltern in die Stadt geschickt wird um aufs College zu gehen.Das Buch erzählt detailtreu der vier Personen die im Laufe der Geschichte zusammengeführt werden und Zeigt uns einen Einblick des politischen Ausnahmezustands Indiens.Ein System ohne Perspektive, zum Leid der Menschen die jeden Tag aufs Neue kämpfen um zu überleben, deren Schicksal in der Hand der Korrupten liegt. Verkrüppelung an Menschen um sie zu erfolgreichen Bettler zu machen...

    Ich habe alle vier Protagonisten ins Herz geschlossen, durch die innige Schreibweise fühlte ich mich den Personen nah und mittendrin. Das Schicksal der Menschen hat mich berührt und auch wütend werden lassen.Das Ende ließ mich betrübt zurück, denn leider wollte das Leid die alle mehr oder weniger ertragen mussten, sich nicht zum Guten wenden.

               "ein Opfer, das zu lange währt, kann ein Herz zu Stein machen"


    5*

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    Insider2199s avatar
    Insider2199vor 3 Jahren
    "Verlust ist ein fester Bestandteil dieser notwendigen Kalamität namens Leben"

    "Verlust ist ein fester Bestandteil dieser notwendigen Kalamität namens Leben"

    Der 1952 in Bombay geborene Autor, der in Indien Mathematik und Wirtschaftswissenschaft studierte, wanderte 1975 mit seiner Familie nach Toronto, Kanada aus, wo er zusätzlich noch Anglistik und Philosophie studierte. Der 1996 veröffentlichte Roman, der zweite von insgesamt drei Romanen, gewann den Commonwealth Writers Preis, den Giller Preis, den Buchpreis der Los Angeles Times und den Winifred Holtby Memorial Preis.

    Zum Inhalt: Das Setting des Romans ist Bombay, Indien in der Zeit von 1975-77 (Ausnahmezustand unter Indira Gandhi) und einem abschließenden Epilog in 1984 (Ermordung der Regierungschefin). In dieser politisch und gesellschaftlich chaotischen und aufreibenden Zeit – gekennzeichnet durch eingeschränkte Pressefreiheit, zahlreiche Verschleppungen und Inhaftierungen ohne Gerichtsverfahren, Zwangssterilisationen, um das Bevölkerungswachstum einzudämmen, sowie gewaltsame Säuberungen von Slum-Siedlungen – treffen vier äußerst unterschiedliche Menschen aufeinander: die Witwe Dina Dalal, eine Frau Anfang Vierzig verzweifelt um ihre Unabhängigkeit kämpfend; Maneck Kohlah, ein junger Student aus dem Himalaja; der unglaublich optimistische Ishvar Darji und sein junger und widerspenstiger Neffe Omprakash (Om), zwei Schneider, die vom Land in die Stadt geflüchtet sind.

    Die Kritik an der indischen Kasten-Gesellschaft, der Korruption der Amtsträger und Indira Gandhis Innenpolitik ist zwar deutlich, wirkt aber in keiner Weise aufgesetzt, weil Rohinton Mistry die Kritikpunkte durch Schicksalsschläge seiner grundverschiedenen Figuren veranschaulicht: wir hören u.a. die Geschichten von dem Haarsammler Rajaram, von dem geschäftstüchtigen und mächtigen Bettlermeister oder von Mr. Valmik, dem ehemaligen Anwalt und Korrekturleser, der eine Allergie gegen Druckerschwärze entwickelt. Letzterer bringt die Kernthesen des Romans sehr anschaulich zum Ausdruck:

    "Letztendlich ist unser Leben doch nur eine Reihe von Unfällen, Zufällen und Zwischenfällen – eine klirrende Kette zufälliger Ereignisse. Eine Aneinanderreihung von Entscheidungen, beiläufigen oder absichtlichen, die diese eine große Kalamität ergeben, die wir Leben nennen." (Seite 794)

    "Verlust ist essentiell. Verlust ist ein fester Bestandteil dieser notwendigen Kalamität namens Leben." [...] "Verlieren und immer wieder verlieren, das ist die eigentliche Basis des Lebensprozesses, bis uns nur noch die nackte Essenz der menschlichen Existenz bleibt." (Seite 796)

    Meine Meinung: Der Anfang des Romans ist recht ungewöhnlich, denn bevor die eigentliche Handlung beginnt, liefert der Autor erst einmal eine sehr umfangreiche Background-Beschreibung aller vier Akteure (holt dabei sehr weit aus und fängt meist schon bei den Eltern an) und erzählt nicht parallel – wie es viele andere Romane tun würden – sondern einzeln, nacheinander. Daher sollte der Leser am Anfang ein wenig Geduld mitbringen, die sich jedoch lohnen wird. Überhaupt wird ausschweifend erzählt: Nebenfiguren bzw. Sub-Plots werden so ausgeschmückt, dass man das Gefühl hat, als seien diese eigene Geschichten innerhalb der Geschichte, was sie sicherlich zum Teil auch sind. Obwohl der Autor nicht langweilig erzählt, ziehen diese Nebenstränge die Haupthandlung manchmal etwas zu sehr auseinander und der Plot wirkt zäh und langatmig, aber ich kann hier ausnahmsweise ein Auge zudrücken, obwohl ich eigentlich ein großer Fan von Dramaturgie bin (die hier eindeutig fehlt).

    Der Grund ist einfach: der Autor gewährt einen unheimlich interessanten Einblick in diese chaotische Zeit des Ausnahmezustandes in Indien und gerade durch die detailliert erzählten Lebensläufe der Figuren gewinnt der Leser einen tiefen Einblick in das Denken und die Mentalität der Menschen. Eine Mentalität, die ich für sehr bewundernswert halte, denn obwohl die Figuren in diesem Roman alle mit den politischen Verhältnissen und ihrem Schicksal zu kämpfen haben, verlieren sie nie ihre Freundlichkeit, Demut und Liebe für das Leben. Wie Mr. Valmik treffend sagt, Verlust ist essentiell und gehört zum Leben dazu, aber es kommt eben darauf an, wie wir damit umgehen. Und ich denke genau diesen „anderen“ Umgang mit dem Schicksal will uns der Autor vor Augen führen. Der Schluss lässt einen zwar äußerst traurig zurück, aber gleichzeitig auch voller Hoffnung und Wertschätzung für das eigene Leben.

    Mit anderen Worten, „Das Gleichgewicht der Welt“ kann nur im Wandel von „Gewinn und Verlust“ geschehen, ein Übermaß eines Pols würde unweigerlich zum Ungleichgewicht führen. Meines Erachtens fordert der Roman auch auf, sich und sein eigenes Leben nicht so wichtig zu nehmen – so wie es z.B. Dina Dalal am Anfang tut; sie erfährt übrigens durch die Begegnung mit den drei Männern eine sehr starke Wandlung, die mir besonders gut gefallen hat –, denn diese Geschichte führt uns deutlich vor Augen, wie sehr das Leben Wandlungen unterworfen ist, wie relativ unbedeutend jeder einzelne darin ist (siehe Zitate von Mr. Valmik) und wie selbst unscheinbare Dinge unsere Lebenssituation plötzlich einschneidend verändern können. Es ist eine Aufforderung, im Jetzt zu leben und sein Schicksal in Demut anzunehmen.

    Fazit: Ein gesellschaftskritischer Roman, der einen detaillierten und tiefen Einblick in die Geschichte Indiens und die Mentalität der Menschen gewährt, der uns unser eigenes Leben mit anderen Augen betrachten lässt und uns vielleicht sogar ein Stück weit verändern wird. Was auch immer jeder einzelne Leser aus diesem Roman für sich herausziehen mag, – manch einer wird die Handlung sicher an manchen Stellen zu ausschweifend empfinden, und das nicht ganz zu unrecht –, aber eins ist relativ sicher, es ist ein Roman, den man nicht so schnell vergessen wird. Daher vergebe ich die vollen 5 Sterne und kann ihn jedem empfehlen, v.a. Lesern, die sich so wie ich für Indien oder die östliche, spirituellere Lebensweise interessieren.

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    Andrea-Karminrots avatar
    Andrea-Karminrotvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Eine unglaublich spannende Geschichte. Ganz wunderbar geschrieben. Eines der besten Bücher die in meinem Bücherschrank!
    Indien Im Ausnahmezustand


    Indien ist ein mystisches Land, für uns Europäer nicht ganz durchschaubar. Mit seinen Kasten und Religionen. Als Europäer träumt man von verwunschenen Orten und interessanten Gottheiten. Das echte Leben dort kann sich unsereins kaum vorstellen... 
    Für mich eins der besten Bücher die ich gelesen habe:

    Indien 1975.
    Dina ist Witwe und hat noch ein Zimmer frei, das sie an Maneck einen jungen gut situierten Studenten vermietet, der aus dem Himalaya stammt und in Bombay studieren möchte. Dina, die schon immer sehr eigensinnig war, verdient ihr Geld indem sie Kleider für eine Exportfima näht. Als ihr Augenlicht schlechter wird, stellt sie zwei Schneider ein. Ishvar, der ruhige ausgeglichene ältere Mann und Omprakasch der stets auf Konfrontation gebürstete Neffe, die aus einem Dorf von Bombay weit entfernt stammen. Sie gehörten einer niederen Kaste an. Der Vater von Ishvar sorgte dafür, das Seine Söhne eine Schneiderausbildung bei einem Moslem erhielten und somit aus dem System ausbrechen konnten. Diese Vier erleben eine gemeinsame Zeit in einem Indien das im Ausnahmezustand steckt. Es werden Slums mit den Planierraupen dem Erdboden gleich gemacht, was dazu führt, das mehr Menschen irgendwo in der Stadt einfach auf den Gehsteigen schlafen. Die Menschen werden zu Familienplanungszentren gefahren um dort zu Sterilisationen überredet zu werden. Es gibt Korruption und Ungerechtigkeiten. Mord und Raub sind an der Tagesordnung.

    Mit seinen blumigen Worten, seiner ganz wunderbar mitreißenden Art zu schreiben, macht Rohinton Mistry es uns leicht das Buch empört und zugleich mit einem schmunzeln zu verschlingen.

    Rohinton Mistry zeigt uns ein Indien der Siebziger Jahre. Indien im Aufstand und Unterdrückung.  Er zeigt das wirkliche, schwierige Leben der einzelnen. Die Charaktere denen wir folgen, haben ein nicht leichtes Leben. Ihre Geschichten sind miteinander verstrickt. So werden wir von einer Erzählung in die nächste geführt. Wir treffen auf spannende Charaktere die uns ihre Geschichten erzählen: Den kleinen Bettler, der als Baby schon so verstümmelt wurde, so das er nur herum getragen werden konnte und später mit dem Rollbrett bettelte. Oder den Haarsammler, der immer wieder die Geschichte unserer Hauptfiguren kreuzt. Wir treffen auf Ungerechtigkeiten, die uns den Atem rauben, während der alte Schneider nur mit den Schultern zuckt und daran glaubt das alles einen Sinn hat. Immer auf der Suche nach dem Gleichgewicht der Welt.

    R. Mistry verzaubert und erklärt die Welt in der er groß geworden ist und studiert hat. Ein Indien, wie wir es uns kaum vorstellen können. In einer Zeit als Indira Gandhi versuchte eine Demokratie in ihrem Land aufzubauen. 

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