Roland Borgards Literatur und Wissen

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Inhaltsangabe zu „Literatur und Wissen“ von Roland Borgards

Das Handbuch bietet einen systematischen Überblick über thematische, formale und konzeptionelle Berührungspunkte zwischen Wissenschafts- und Literaturgeschichte vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Damit wird der herkömmlichen Grenzziehung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften bzw. zwischen Wissenschaft und Literatur eine integrale Perspektive auf die Entstehung, Gestaltung und Dynamik kulturellen Wissens entgegensetzt. Im Anschluss an den ‚cultural turn‘ in der Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts präsentiert das Handbuch erstens zentrale Ansätze von Wissenkonzeptionen in Wissenschaft und Literatur (z.B. Metapher, Denkfigur, Schrift), zweitens wissenshistorische Disziplinen in ihrer Vernetzung mit der Literatur (von der Anthropologie bis zu den Wirtschaftswissenschaften), drittens Konzeptionen der Erfassung und Darstellung von Wissen (z.B. Darstellung, Methode, Modell) und viertens 25 exemplarische Analysen literarischer Texte, die deren Bezüge zur Wissenschaftsgeschichte erschließen. Ansätze, Verfahren, Lektüren zum Thema Literatur und Wissen 23 Wissenschaftsdisziplinen und ihr Verhältnis zur Literatur 25 Beispielanalysen von Opitz bis Sebald

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  • Zu den Schnittstellen von Wissenschafts- und Literaturgeschichte

    Literatur und Wissen
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    06. June 2013 um 07:38

      Anders als viele andere Handbücher, die in der Regel den aktuellen Stand der Forschung zu einem klar umrissen Gebiet in ihrem Staus Quo darstellen, bietet dieses interdisziplinäre Handbuch eine zwar Darstellung des akuten Zustandes“ der betrachteten Gebiete und Zusammenhänge, dies allerdings als „Momentaufnahme“ eines dynamischen, in die Zukunft offenen Prozesses. Denn, wie das Vorwort betont, „einen Konsens gibt es in der Forschung derzeit weder hinsichtlich einer letztgültigen Definition der beiden Begriffe „Literatur“ und „Wissen“, noch hinsichtlich der Frage nach dem Verhältnis zwischen Literatur und Wissen“.   So sind die leitenden, „roten Fäden“ im Buch tatsächlich offene Fragen, die allerdings über einen Zeitraum vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart einer intensiven und fachübergreifenden Untersuchung und Darstellung im Buch unterzogen werden.   Ob Literatur auf Wissen reagiert, ob Literatur Wissen enthält, ob Literatur gar Wissen ist, was es bedeutet, dass der Begriff der Literatur selbst wechselnden Interpretationen und Transformationen unterliegt, das sind die Leitfragen, denen das Buch aus verschiedensten Richtungen nachgeht und in diesem Nachgang die Entwicklung zu diesen Fragen und Themen darstellt, ohne selbst den Anspruch zu erheben, letztgültige oder fest umrissene Antworten zu geben.   Wie das Verhältnis der Gebiete ein dynamisches ist, so spiegelt sich dieses Dynamik auch im Handbuch selbst. Auf diesem Weg gelingt es in anspruchsvoller und fundierter Weise, die Schnittstellen, die Divergenzen, die Reibungen zwischen Literatur und Wissen teils sehr präzise zu benennen und den Strom der Entwicklungen, wie auch grundsätzliche Entwicklungselemente darzustellen.   Im Aufbau ist es auf diesen Grundüberlegungen her logisch, dass das Buch mit einer Darstellung der Ansätze in den Bereichen und der Überlegungen zu möglichen Synthesen einsetzt. Gerade die „Poetologie des Wissens“ als kulturwissenschaftliches Verfahren mit seiner Untersuchung der spezifischen Korrespondenz zwischen Wissen und Darstellungsweisen lohnt hier die konzentrierte Erarbeitung als möglicher Ansatz für Schnittpunkte und Synthesen der beiden Gebiete.   Ansätze, die sich in einer Vielzahl von Disziplinen (von der Anthropologie über die Botanik, die Medizin, Meteorologie, Psychologie und vielen anderen bis zur Zoologie hin) durchziehen, wie auch in verschiedensten Paradigmen zum Tragen kommen (Mythologie, Theologie, System, Normalismus, Kybernetik u.a.).   Nach diesen intensiven darstellenden Betrachtungen der Breite des Feldes legen die Autoren und Herausgeber im vierten Hauptteil des Buches den Fokus auf Verfahren und Formen der Herangehensweise. Vom wissenschaftlichen Experiment bis zum Essay, von einer Darstellung des (neuzeitlichen) Begriffes der Kreativität mit seinen Verbindungen zum „Lernen“, zur „Wirtschaft“, vor allem aber als „anthropologische Grundausstattung“, die sich (vor allem, aber nicht nur zur Goethezeit) „singulär im Künstler, kollektiv im Volk“  als „Gestaltungskraft“ zeigt sind in den Einlassungen zur Kreativität grundlegende Dynamiken zu Literatur und Wissen je für sich und zur Verbindung beider ableitbar.   Vor allem hilfreich dann aber ist der „Praxisteil“, den die Herausgeber im fünften Hauptteil des Buches vorlegen.  An 23 „exemplarischen Lektüren“ quer Literaturgeschichte erarbeiten die Autoren das „Wissen“ in der „Literatur“ und legen Erkenntnisse und Hintergründe der Wissensgeschichte und der Erkenntnisse innerhalb fest umrissener literarischer Texte von Goethe bis Büchner, von Shelley bis Musil offen. Gerade dieser exemplarische Teil ist ein Höhepunkt des Handbuches und bildet in sich die Erkenntnisse der Dynamik aus den vorhergehenden Einlassungen überzeugend ab.   Alles in allem eine, auf hohem Niveau sich befindenden, Erfassung der Dynamik des Verhältnisses zwischen Wissen und Literatur, die in gegenseitiger Beeinflussung in grundlegenden Bereichen miteinander verbunden sind, wenn auch eine vollständige Synthese nicht mehr abzusehen ist.

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