Roland Freisitzer

 4,8 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor*in von Frey, Die Befreiung und weiteren Büchern.

Lebenslauf

ROLAND FREISITZER wurde 1973 in Wien geboren und wuchs in Moskau, Warschau, Kapstadt und St. Pölten auf, bevor er sich 1989 erneut nach Moskau begab, um Komposition zu studieren und drei Jahrzehnte als Dirigent und Komponist tätig war. Nach seinem 2021 bei Septime erschienenen Debüt Frey erschien 2023 Die Befreiung. Weiters erschienen bei Septime auch Übersetzungen von Emily Maguire und Dwyer Murphy. Hyänen ist sein dritter Roman.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Roland Freisitzer

Cover des Buches Frey (ISBN: 9783991200055)

Frey

(7)
Erschienen am 09.08.2021
Cover des Buches Die Befreiung (ISBN: 9783991200215)

Die Befreiung

(3)
Erschienen am 01.03.2023
Cover des Buches Hyänen (ISBN: 9783991200574)

Hyänen

(2)
Erschienen am 10.03.2025

Neue Rezensionen zu Roland Freisitzer

Cover des Buches Hyänen (ISBN: 9783991200574)
Natashakorsakovas avatar

Rezension zu "Hyänen" von Roland Freisitzer

Natashakorsakova
Sehr empfehlenswert

Auf das Buch „Hyänen“ von Roland Freisitzer war ich wieder gespannt, nachdem mich seine Romane „Frey“ und „Die Befreiung“ (alle sind im Septime Verlag erschienen) sehr begeistert hatten.
 Zweifellos: auch „Hyänen“ ist grandios. 

Was mich in dem Roman vor allem beeindruckt hat, ist die Atmosphäre. Es ist dicht, intensiv, surreal bis fast Sci-Fi-mässig - und dennoch glaubwürdig. 

Der Protagonist Simon, Beauftragter der Behördenaufsicht, reist in eine entlegene Kleinstadt, um dem Bürgermeister Korruption nachzuweisen. Doch statt Beweise stößt er auf wachsende Absurdität – ob im Hotel, Rathaus oder bei einem opulenten Abendessen mit dem Bürgermeister – und findet sich plötzlich in kafkaesker Verstrickung wieder. Die Realität wird nach und nach verzerrt, während die Mechanismen von Machtmissbrauch sowie die Ohnmacht des Individuums gegenüber autoritären Strukturen hervorgehoben werden. Simon ist ein verlässlicher und unprätentiöser Ermittler. Doch seine anfängliche Beharrlichkeit weicht wachsendem Unverständnis, Bedrohung existentiellem Kampf.

Die Erzählweise ist so lebendig, dass ich von Anfang an stark das Gefühl hatte, mich in einem bestimmten Land zu befinden (obwohl ich noch nie dort war). Das Gefühl war so unheimlich, dass ich den Autor persönlich fragte, ob er beim Schreiben vielleicht an dasselbe Land dachte. Das war es nicht (war also doch ein rein persönliches Empfinden) - aber ich werde trotzdem nicht verraten, um jede Art Spoiler oder Beeinflussung zu vermeiden. 

Roland Freisitzer, der neben der aktiven Autor-Karriere auch Komponist und Dirigent ist, hat in „Hyänen“ tiefgängige Protagonisten, surreale Spannung und moralische Abgründe kreiert. Eine Geschichte, über die man nach dem Ende noch lange nachdenkt. 

Noch eine Anmerkung zum Buch-Cover: beim ersten Blick fragte ich mich, warum und wie es zu diesem Motiv und Farben gekommen ist. Beim Lesen war es dann schnell klar, wie vortrefflich diese Wahl ist. 

Cover des Buches Hyänen (ISBN: 9783991200574)
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Rezension zu "Hyänen" von Roland Freisitzer

aus-erlesen
Beeindruckendes Cover - Inhalt mit Langzeitwirkung

Simon ist der Mann. Er ist der einzige Mann, der diesen Auftrag erledigen. Seine Vorgesetzte schmiert ihm Honig ums Maul bis er nicht mehr anders kann und den Auftrag annimmt. Irgendwo am Ende des Landes. Er landet spät in der Nacht. Fast scheint es als ob man ihn erwartet, doch dann wäre ein Fahrzeug da, das ihn abholt. Eine junge Frau, Rachel, fährt ihn freundlicherweise ins Hotel. Auch hier ist man auf ihn irgendwie vorbereitet und irgendwie auch wieder nicht.

Der nächste Morgen hält für Simon eine weitere Überraschung bereit. Maria, überaus attraktiv, forsch und überhaupt nicht auf den Mund gefallen. Sie und er scheinen die einzigen Gäste hier im Hotel zu sein. In diesem gottverlassenen Tal ohne Anschluss zur Welt da draußen. Am nächsten Morgen soll Simon mit seiner Arbeit beginnen. Er geht zum Rathaus. Alle Türen verschlossen. Eine Dame mit Hund regt sich ungeheuerlich auf, dass das Rathaus immer noch – schon wieder – verschlossen ist. Simon bekommt nach und nach ein klares Bild von der Stadt. Dass hier Korruption eine Rolle spielt, ist klar. Sonst wäre er nicht hierher geschickt worden. Und dass der Bürgermeister seine Finger im Spiel hat, ist ebenso klar. Und Simon soll es ihm nachweisen. Weil … na ja, weil man das so macht, es rechtens ist und weil Simon … wie schon erwähnt … na ja der Einzig ist, der das schaffen kann.

Simons Blick auf die Realität ist getrübt. Wie ein loses Haar, das sich in den Wimpern verfangen hat und einfach nicht zu greifen ist. Auch als er den Bürgermeister – der, dem er Korruption im ganz großen Stil nachweisen soll – kennenlernt, sieht er nicht klar: Der Bürgermeister posiert nackt auf einem Hocker sitzend vor einer nicht dem gängigen Klischee entsprechenden Künstlerin, die ihn auf Leinwand verewigen soll. Die Künstlerin ist übrigens Maria. Es wird nicht die letzte Ablenkung für Simon sein, die ihn davon abhält seiner eigentlichen Tätigkeit nachzugehen… Bis es für ihn sogar richtig gefährlich wird…

Roland Freisitzers Gedankengängen zu folgen, geht mit einem wohligen Gänsehautgefühl einher. Langsam und unaufhörlich stürzt er Simon in ein Jammertal, aus dem er nicht mehr herauszukommen scheint. Sirenen verwirren seine Sinne, knallharte Günstlinge packen ihn da, wo’s wehtut, speichelleckende Lakaien umschwirren ihn wie Schmeißfliegen. Und über allem thront der gottähnliche Bürgermeister. Dass der Dreck am Stecken hat, ist wie in Stein gemeißelt. Es ihm nachzuweisen inmitten der ganzen willfährigen Helfer, bedarf dompteurartiger Fähigkeiten. In der Luft der Gestank des Aases – ein Fest für Hyänen!

Cover des Buches Die Befreiung (ISBN: 9783991200215)
Natashakorsakovas avatar

Rezension zu "Die Befreiung" von Roland Freisitzer

Natashakorsakova
Ein wunderbarer Roman

Klappentext: "Beinahe eine Woche lang beobachtet die in Kambodscha untergetauchte Clara den einsamen Mann an der Theke. Am letzten Abend, bevor sie ihre Mutter aus dem Krankenhaus abholen soll, spricht sie ihn an und stellt überrascht fest, dass der Mann, der sich als Schriftsteller auf der Suche nach einem Sujet für seinen zweiten Roman entpuppt, sie erkennt. Bevor der Abend vorbei ist, erzählt Clara ihre Geschichte. Eine Geschichte, die in ihrer Kindheit beginnt, mit Klavierunterricht und einem tragischen Erlebnis, das sie jäh aus der Bahn wirft, weitergeht. Sie erzählt vom Wiedereinstieg in die Musikwelt und der in einer Männerdomäne hart erkämpften Karriere als Dirigentin. Und sie erzählt von einer Vergewaltigung, die so lange in ihr weiter gärt, bis sie ihre Karriere Jahre später implodieren lässt..."

Wenn ich Roland Freisitzers Roman-Debüt "Frey" (Septime Verlag) sehr geschätzt habe, so hat mich "Die Befreiung" restlos begeistert! Es passiert nicht oft, dass das Buch auch noch Wochen später in mir nachklingt. Und zwar auch im direkten Sinne, denn die Story is voll von Musik.
Das Beste an der Geschichte, abgesehen von der starken und sensiblen Protagonistin, ist die schonungslose Ehrlichkeit. Die Beschreibung der Musikwelt mit all ihren schönen und dunklen Seiten. Doch man muss kein Musiker sein, um von den Ereignissen mitgerissen zu werden. Weil es ist vor allem menschlich ist. Bis zur letzten Seite.

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