Das Grauen, das tief in uns schlummert, auf 141 Seiten: Das liefert die gerade erscheinende Dystopie von Roland Grohs, Jahrgang1993, Dr. phil. und Österreicher. Wie es ihm gelingt, in wenigen Sätzen auf wenigen Seiten eine ganze Welt zu erschaffen, die sich von der unseren unterscheidet und ihr zugleich erschreckend ähnlich ist, ist meisterlich. Ganz feine Töne schlägt er an und lässt uns teilnehmen am Schicksal eines Luka, der im Alter von acht Jahren einen Test durchlaufen muss, der die Menschen in "gut" und "böse" teilt. Luka ist, man ahnt es, "böse", oder könnte es werden. Wie der Test funktioniert, weiß man nicht, erfährt es nicht, es spielt aber keine Rolle. So wird der Junge seiner Familie und der Welt der "Guten" entrissen und in eine Art Arrestanstalt mit vielen anderen Menschen gesteckt, die ebenso wie er etwas "Böses" in sich tragen (könnten), ohne wirklich delinquent geworden zu sein. Grohs wählt den Begriff "prädelinquent". Dieses Motiv ist in Literatur und Film nicht neu, jedoch wird – sehr erfreulich - keine schnöde Actionerzählung daraus, sondern es bleibt eine sprachlich angenehm reduzierte, zeitweise verträumte, an anderen Stellen wieder unerträglich klare Parabel. Ein modernes Gleichnis mit Verweisen in Kultur- und Philosophiegeschichte, die ich hier nicht spoilern möchte. Lässt man sich auf die Geschichte ein, die letztlich auf einer Insel spielt und zeigt, was aus einer Gemeinschaft aus "Prädelinquenten" werden kann, was ich sehr empfehlen möchte, erfährt man eine tiefe, ganz besondere Rührung und eine Konfrontation mit den grundlegenden Fragen des Lebens: Was macht uns als Mensch aus? Wie wirken Kultur, Gelerntes, Geerbtes, Erfahrenes, Erinnertes in einer Gruppe auf diese als Gesamtgefüge, und wohin genau führt uns letztlich der Weg?
Eine philosophisch anstoßende, psychologisch äußerst interessante und eindrückliche Perle aus dem Verlag Johannes Heyn in der Edition Meerauge! Klare Leseempfehlung für alle, die hintergründige Dystopien mögen und gerne über Leben und Sinn nachdenken.
Roland Grohs
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Roland Grohs
Golem
Luka und die Guten
Weltausfall
Neue Rezensionen zu Roland Grohs
In diesem Buch werden einige Leute von der Erde nach andere Orte oder in diesem Fall Planefen die nach verschiedene Orte eingeteilt werden gebracht. Diese Leute sind alle anders auf ihre Art und werden auch demnach einquartiert. Den viele Orte auf der Erde sind zerstört und nicht mehr so zu leben gedacht. Alle versuchen Fuss am neuen Ort zu fasse. Und dort warten mysterien die aufgeklärt müssen, sie bedrohen nämlich die Existenz. Auch wurde allgemeine Probleme aus unserer jetzigen Welt behandelt und gut erörtert. Es regt auch zum Nachdenken an, wohin uny das alles in Zukunft führen mag. Mir hat es gut gefallen und wieder habe ich gesehen, dass es toll ist mal seine Komfortzonen zu verlassen und Genre näher kennen zu lernen, die man sonst selten liest. Das Ende ist sehr verwirrend und überraschend zugleich, ich bin gespannt was noch so kommt im nächsten Band. Eine Leseempfehlung für ScFi Fans 4⭐
Wir schreiben das Jahr 2137. Der Menschheit sind mittlerweile nicht nur interplanetare Reisen möglich. Verschiedene Planeten konnten bis jetzt als Lebensräume erschlossen und besiedelt werden. Es klingt unglaublich und wunderbar. Die Lösung der letzten Rätsel unserer Welt hat die Menschheit allerdings in eine tiefe Sinnkriese gestürzt. Alles ist jetzt anders. Der Fortschritt von Forschung und Technik hat einige Berufsfelder obsolet werden lassen. Künstliche Intelligenzen übernehmen mehr und mehr der täglich anfallenden Aufgaben einer funktionierenden Gesellschaft.
Alle erhalten ein bedingungsloses Grundeinkommen und bezahlbaren Wohnraum. Darüber hinaus ist es jedem selbst überlassen, wie er sich beschäftigen möchte. Darf es ein Beruf sein, bei dem man sogar noch etwas hinzuverdienen kann, oder Zerstreuung in der Spielewelt Wonderland? Hier kann man sich entspannen und Herausforderungen annehmen. Deren erfolgreiches Bestehen kann einen reich und berühmt machen. Doch zunehmend stellt sich die Frage nach dem Sinn des Lebens. Wofür existiert der Einzelne noch? Ist der Mensch überflüssig geworden? Ersetzbar? Wurde man von der Technik überholt, ohne es zu merken?
Auf Goredas, wie man 39B auch nennt, versuchen die Bewohner Sinn in esoterisch angehauchten Religionen zu finden oder holen sich Rat bei den Orakeln. Diese drücken sich erwartungsgemäß schwammig aus und tragen nicht sonderlich zur Motivation ihrer Kunden bei. Das Umfeld derer mit Macht ist von kleineren und größeren Intrigen geprägt und auch das Verbrechen schläft nicht. Doch wo ein Antiheld, da auch ein Held. Ein gewisser Cronos wird in letzter Zeit sehr gefeiert. Der Mann scheint übermächtig.
Mitten in diesem Gezerre landet eine Hand voll neuer Personen bestehend aus Wissenschaftlern und Müßiggängern. Obwohl sie so unterschiedlich sind, scheinen ihre Schicksale miteinander verknüpft. Und dann wächst im Schatten der Wüste eine dunkle Bedrohung heran, die alles vernichten könnte.
Des Pudels Kern
Die Botschaft des Buches ist höchst interessant. Wir bekommen hier einen erschreckenden Spiegel vorgehalten. Die Grundzüge menschlichen Handelns wurden hier sehr gut eingefangen. Diese Science Fiction wird zunehmend dystopisch, obwohl sie uns zunächst als Utopie verkauft wird. Gleichzeitig werden wir in mehrfacher Hinsicht gründlich in die Irre geführt. Sehr geschickt lässt der Autor hin und wieder kleine Bonbons fallen, die einen kurz zweifeln lassen, bevor man wieder von der Geschichte davongespült wird. Kaum merklich baut sich das Finale auf. Den aufmerksamen Leser vermag es zwar nicht mehr zu überraschen, aber die Ausführung war spannend umgesetzt.
Auch ohne nachzuschauen, wird schnell klar, dass der Autor aus dem Süden stammt. Einige grammatische Konstruktionen und Wendungen verraten ihn. Die Sprache hat dadurch ihren eigenen Charme, auch wenn ich immer noch nicht so recht weiß, was man unter 'resch' versteht.
Teilweise waren die Perspektivwechsel ein wenig unbefriedigend. Manchmal hätte ich gerne mehr von einzelnen Personen gesehen, oder sie etwas öfter erlebt. Unterm Strich gaben sie der Geschichte aber genau das, was sie nötig hatte. Schwer fiel mir teilweise die männlichen Protagonisten auseinander zu halten. Ben, Bob und Joe sind nicht nur gleich lang, sondern auch noch relativ ähnlich. Besonders zwischen Ben und Bob saß ich manchmal kopfschüttelnd, bevor ich wieder rein kam. Für das Jahr 2137 hätten die Namen außerdem gerne noch einen Tacken futuristischer sein dürfen.
Nichtsdestotrotz reiht sich das Buch in guter Tradition futuristischer Dystopien ein und konnte mich überzeugen.
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