Roland Schleiffer

 4 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Verhaltensstörungen, Das System der Abweichungen und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Roland Schleiffer

Das System der Abweichungen

Das System der Abweichungen

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Erschienen am 12.03.2012
Der heimliche Wunsch nach Nähe.

Der heimliche Wunsch nach Nähe.

 (1)
Erschienen am 16.03.2009
Fremdplatzierung und Bindungstheorie

Fremdplatzierung und Bindungstheorie

 (0)
Erschienen am 06.10.2014
Verhaltensstörungen

Verhaltensstörungen

 (1)
Erschienen am 01.03.2013
Der heimliche Wunsch nach Nähe

Der heimliche Wunsch nach Nähe

 (0)
Erschienen am 01.01.2014

Neue Rezensionen zu Roland Schleiffer

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M

Rezension zu "Verhaltensstörungen" von Roland Schleiffer

Aufschlüsselung von Verhaltensweisen als Selbstschutzmechanismus
michael_lehmann-papevor 5 Jahren


 

„Das psychische System .... kann nur selbst dafür sorgen, dass und wie es weitergeht“.

Wie Schleiffer in dieser Form treffend bemerkt, führt er im Weiteren aus, dass da, wo eben jenes „psychische System“ sich als „gefährdet“ erlebt, wo „Angst“ in den Raum tritt, ein innere Selbsthilfesystem der Persönlichkeit eingreift, um die „Integrität der Persönlichkeit“ zu schützen. Eine Integrität, die natürlich rein subjektiv zu verstehen ist.

 

Im Verlaufe dieser „Selbstschutzmaßnahme“ werden Verhaltensweisen erzeugt, die sich zu ausgewachsenen Verhaltensstörungen ausformen können, je nachdem, wie eine mögliche Störung bereits in jener „Integrität“ angelegt ist, die vom System des Ich unter Bedrohung und Angst um (fast) jeden Preis geschützt werden muss.

 

Ausgesprochen als Schwerpunkt wendet sich Roland Schleiffer in diesem Band „nicht-psychotischen“ Störungen zu. Basierend auf  der „Systemtheorie“ nach Luhmann erläutert er die „Funktion“ der jeweiligen Störungen (inwieweit sie zum vermeintlichen Schutz der Persönlichkeit beiträgt) unter ebenso den Verweisen auf den „Sinn“ der jeweiligen Störung (inwieweit eine „Persönlichkeit unter Druck“ der Überzeugung ist, mit einem bestimmen Verhalten sich schützen zu können).

 

„Negativ bewertete Wahrnehmungen legen ein Vermeidungsverhalten nahe, dass dieses belastende Erleben beenden könnte“. Wobei ein Vermeidungsverhalten an sich sicherlich fast alttäglich bei jedem und jeder anzureffen sein wird. Sollte ein solches Verhalten allerdings „schädlich“ sein für die eigene Person oder die Umwelt und sich zudem ein solches Verhalten habituell verfestigen, dann kann von einer psychischen Störung ausgegangen werden.

 

Dissozialität, Aufmerksamkeitsprobleme (vor allem ADHS), Depression, selbstschädigendes Verhalten, Süchte, Angststörungen, Zwangsstörungen und „Körpereinsatz“ (Essstörungen bis hin zum Tourette-Syndrom) sind im Folgenden die Bereiche, die Schleiffer einer detaillierten Betrachtung zuführt und sowohl in ihrem subjektiven Sinn als auch in ihrer jeweils biographisch und situationsabhängigen Funktion vor Augen führt.

 

Ebenso deutlich arbeitet Schleiffer heraus, in wie hohem Maße eigentlich jene „Störungen“ und jenes „schädigende Verhalten“ von der auslösenden Person als durchaus „normal“ angesehen werden und wie stark letztendlich das störende Verhalten, das Problem zunächst und überwertig von „den anderen“ wahrgenommen wird.

 

So ist sehr verständlich im Buch auch dargelegt, warum sich Verhaltensstörungen über lange Zeit hinweg manifestieren können, ohne als Leiden oder eben Störung wahrgenommen zu werden. Im Gegenteil, gerade durch die Funktion als „Erleichterung und Schutz“ fällt es dem Betroffenen schwer, die Notwendigkeit eines Gegensteuerns zu sehen.

 

Auch wenn sich Schleiffer bei all dem durchgehend um eine verständliche Sprache und immer wieder um Erläuterungen mit Hilfe auch einfacher Beispiele bemüht (schon der Einstieg in das Buch ist durchaus mit einer einfachen Beispielgeschichte in vielfachen Alternativüberlegungen gestaltet), es ist ein hoch komplexes Thema, dass Schleiffer vorlegt und setzt zum Verständnis beim Leser eine hohe Bereitschaft zur konzentrierten Lektüre und ebenso ein gewisses Abstraktionsvermögen voraus.

 

Deutlich und klar wird im Rahmen der Lektüre allerdings, dass Schleiffer sehr fundiert und überlegt argumentiert, seine Thesen überzeugend begründet und so „Verhaltensstörungen“ tatsächlich in einem überzeugenden und  verständlichem Licht beleuchtet werden.

 

Wenig allerdings geht es um Interventionen im Buch. Im Epilog weist  Schleiffer auf einige praxisrelevante Folgerungen hin, der Schwerpunkt des Buches allerdings gilt der verstehenden Darstellung von Verhaltensstörungen, mithin der Diagnose, im nicht-psychotischen Bereich.

 

Trotz der Komplexität des Themas und der ebenso hohen Komplexität der Darstellung ist das Buch eine fundierte und sehr empfehlenswerte Lektüre zum Thema, die in dieser detaillierten und begründeten Form ihresgleichen sucht.

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M

Rezension zu "Das System der Abweichungen" von Roland Schleiffer

Rezension zu "Das System der Abweichungen" von Roland Schleiffer
michael_lehmann-papevor 7 Jahren

Psychische Störung als Selbsthilfemechanismus im Sinnsystem

Wie Fritz B. Simon im Vorwort des Buches bereits bemerkt, Roland Schleiffer legt eine äußerst innovative Studie und Betrachtung der Psychopathologie vor, auf der Basis systemtheoretischer und konstruktivistischer Konzepte. Dies als „Reflexionsdisziplin der Psychiatrie“ nicht mit dem Ziel konkreter therapeutischer Handlungsanweisungen, sondern mit dem Ziel einer „Entrivalisierung“.

Dass psychische Störungen nicht einfach „krank“ sind, dass keine „Fehlfunktionen“ vorliegen, sondern zunächst, dass psychische Störungen Ausdrucksweisen des Individuums sind, die in der Welt des Individuums durchaus Sinn machen als „Lösungsversuche“ für bestimmte, individuell empfundene Probleme. Als „Selbsthilfemechanismus“, um die eigene Person in ihrer konkreten Befindlichkeit zu schützen.

So ist es ein durchaus wichtiger und bedenkenswerter Zugang zu Verhaltensweisen von Menschen, zunächst die Bewertung der Phänomene außen vor lassen zu können und im ersten Schritt einen rein beschreibenden Arbeitsgang setzen zu können, um dann in einem zweiten Schritt die erhobenen und beschreibbaren Phänomene aus der Systemtheorie abzuleiten im Rahmen einer „Logik von Organisationsprozessen“. So entsteht durch Schleiffer ein Gerüst , in welchem das Verhalten als durch die Organisation biologischer, psychischer und sozialer Prozesse gelenkt verstanden wird und damit den Prozessen selbst zunächst gerecht wird.

Ob nun biologische, psychische oder soziale Prozesse für bestimmte Haltungen und Verhaltensweisen überwiegend verantwortlich sind, es gilt für alle drei Systeme eine gleiche, feststellbare Prozesslogik im Sinne eines sich selbst erschaffenden und selbst erhaltenden Individuums. Mit dem Ziel, dass „die Struktur erhalten bleibt“. So legt das Buch unter anderem dar, wieweit eine konkrete Befindlichkeit, konkrete individuelle Entwicklungen immer als Folge der Geschichte bewältigter Störungen und Anpassungen zu verstehen ist. Gesundheit und Krankheit lassen sich durch „die im Prinzip selben generierenden Mechanismen“ erklären.

Intensiv legt Schleiffer seinen Befund (nach einer ausführlichen Einführung, Begriffsklärung und Darlegung der Methode) an konkreten psychopathologischen Phänomenen dar. Autismus, Psychosen, Depression und affektive Störungen. Und dient hierbei als „funktionale Analyse“ im Rahmen der Psychiatrie als „Leitfaden“ bei der Suche nach funktionalen Äquivalenten

Äußerst komplexe Zusammenhänge legt Roland Schleiffer in ebenso komplexer Sprache vor, die Erarbeitung des Buches bedarf einer hohen Konzentration und eines breiten Hintergrundes im Feld der Psychiatrie, mithin ist dies kein Buch für interessierte Laien, sondern ein ausgewiesenes, innovatives wissenschaftliches Werk, welches die Grundlage einer weiteren und breiten Diskussion über die vorgestellten Thesen im Rahmen der Psychopathologie bildet. In sich fundiert, stimmig und überzeugend argumentiert ist dem Buch die weitere, intensive Diskussion zu wünschen.

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