Tiefenscharf

von Roland Spranger 
4,5 Sterne bei4 Bewertungen
Tiefenscharf
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Baerbel82s avatar

Düster, abgründig und spannend!

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Provinz-Noir. Überzeugend in Figuren und Stil, Handlung hat noch etwas Luft nach oben. Trotzdem lesenswert.

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Inhaltsangabe zu "Tiefenscharf"

Das Leben ist nicht immer fair zu einem. Vor allem, wenn die falschen Entscheidungen getroffen werden. Drogendealer Max mit Nazihintergrund wirft vor einer Polizeikontrolle die Lieferung aus dem Fenster und irrt danach auf der Suche nach dem Crystal Meth durch den Schnee. Als er einem Flaschensammler begegnet, glaubt er, dass der das Päckchen an sich genommen hat, und lässt seine Wut an ihm aus, wird sogar zum Mörder, um einen Zeugen zu beseitigen.
Das Leben des Video­Journalisten Sascha verläuft in ruhigeren Bahnen.
Für ihn stellt sich eher die Frage, was der Journalismus im Zeitalter sozialer Medien noch wert ist, wenn ein Attentat mit einer Wasserpistole voller Urin die Schlagzeilen beherrscht. Als er einem Drogendeal auf die Spur kommt, glaubt er an seine große Chance.
Alles dreht sich um den Rausch, mit dem die innere Leere überdeckt wird. Sie trinken zu viel. Sie nehmen zu viel Crystal Meth. Sie halten schwierige Beziehungen durch, kennen sich bestens in Serien und Musik aus, und werden von der Sehnsucht nach Romantik, Lust und Leidenschaft angetrieben, während Autos und Flüchtlingsheime in Brand gesetzt werden.
Im neuen Kriminalroman des Glauser­Preisträgers Roland Spranger tauchen wir tief in unsere Realität ein, die geprägt von stiller, offener Gewalt und Wut ist.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783945133590
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:260 Seiten
Verlag:Polar Verlag
Erscheinungsdatum:01.02.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Gulans avatar
    Gulanvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Provinz-Noir. Überzeugend in Figuren und Stil, Handlung hat noch etwas Luft nach oben. Trotzdem lesenswert.
    Deutscher Polar.

    Vor knapp fünf Jahren hätte ich mit dem Begriff „polar“ in Verbindung mit Kriminalliteratur noch nichts anfangen können. Doch dann gab es diesen frisch gegründeten Verlag, der sich schon im Namen auf den französischen Kriminalroman in Hardboiled- und Noir-Tradition berief. Der Polar Verlag begann sein Programm mit Übersetzungen außergewöhnlicher amerikanischer, französischer und irischer Autoren. Doch insgeheim war Verleger Wolfgang Franßen immer darauf aus, die Tradition eines „Deutschen Polar“ zu begründen. In 2017 wäre dies beinahe schief gegangen, doch ein Investor rettete den Verlag und damit das Projekt. Nun wurde im Frühjahr mit Roland Sprangers „Tiefenscharf“ der erste Roman des „Deutschen Polar“ veröffentlicht und im Vorwort macht Franßen deutlich, wohin die Reise gehen soll: „Kein popcorngerechtes Gangstertum, zum Konsum angerichtet.“ Vielmehr sollen die Sinne geschärft werden. Er fasst das Credo in zwei Sätzen zusammen: „Wir amüsieren uns nicht zu Tode. Wir rebellieren.“ Nun denn.

    Oberfranken, Grenze zu Tschechien. Früher nannte man das hier Zonenrandgebiet. Ein Begriff, der den Zustand eigentlich auch heute noch treffend beschreibt. Zwar wurde hier und da einiges aufgehübscht: Ehemalige Schuhfabriken, umgebaut zu Lofts und Appartements, in denen Youtuberinnen hausen, renaturierte Schmutzbäche. Allerdings geht es ansonsten durchaus noch prekär zu. Komplizierte Beziehungen, schwierige Arbeitsverhältnisse. Neo-Nazis, Russencliquen. Brennende Autos, brennende Flüchtlingsheime. Bonjour Tristesse. Und immer im Hintergrund: Crystal Meth, der neue Treibstoff fürs Leben. Voller Einsatz, keine Müdigkeit, keine Kompromisse.

    Im Fernseher laufen dauernd Werbefilme der Industrie, die darüber aufklären, wie super Chemie ist. Inspired by your visions. Science for a better life. Und so ist es. Methamphetamin verbessert seit hundert Jahren in der kristallinen Version dein Leben. Haut die Müdigkeit mit einem Schlag kaputt. Macht dich effizienter. Risikobereiter. Bei der Arbeit. Beim Spaß. Beim Alltag. Beim Sex. (S.37)

    In „Tiefenscharf“ kreuzen sich die Wege von Max, Meth-Vertriebschef auf deutscher Seite, und Sascha, Videoreporter eines Regionalsenders. Max hat sich ein profitables Vertriebsnetz aufgebaut. Allerdings hat er auch ein paar Neonazi als Freunde bzw. Kompagnons und mit Kira eine komplizierte Freundin (übrigens die interessanteste „Nebenfigur“ dieses Romans), die gerne nachts Autos abfackelt, und so unnötige Aufmerksamkeit erzeugt. Doch es ist Max selbst, der das Geschäft gefährdet: Als er auf der Autobahn kontrolliert wird, entledigt er sich einer Lieferung Meth durchs Seitenfenster. Er kann die Lieferung später jedoch nicht wiederfinden, stattdessen verprügelt und ermordet er schließlich einen Obdachlosen, den er verdächtigt hatte, das Zeug an sich genommen zu haben. Damit ist die Büchse der Pandora geöffnet.

    Auf der anderen Seite wird Sascha gerade zum zweiten Mal Vater, seine Beziehung zu Ehefrau Lydia ist allerdings durchaus schwierig. Das liegt unter anderem an Saschas Alkoholkonsum. Dieser wird ihm auch beruflich zum Verhängnis. Er ist mit Leib und Seele Reporter, kann sich aber nicht so verwirklichen, wie er es gern hätte. Als er angetrunken mit dem Dienstwagen einen Unfall baut, ist er seinen Job los. Anschließend versucht er, sich als Freelancer durchzuschlagen. Als er eines Abends einen Nazi vom Parolensprayen bei der örtlichen Flüchtlingsunterkunft abhalten will, wird er von diesem böse verprügelt. Durch Zufall bekommt Sascha heraus, dass der Nazi ein Meth-Dealer aus Max' Truppe ist. Fortan will Sascha diese Dealer allein (bzw. mit Hilfe seines Kumpels Carsten) zur Strecke bringen. Ein klarer Fehler, wie der erfahrene Leser schnell erkennt.

    Autor Roland Spranger lebt in Hof in Oberfranken. 2011 gewann er für seinen Roman „Kriegsgebiete“ den Friedrich-Glauser-Preis. Seinen Provinz-Noir „Tiefenscharf“ siedelt er in seiner Heimat an und das ist vom Setting auf jeden Fall überzeugend. Dies gilt auch für seinen Stil von wechselnden Perspektiven und griffigen Dialogen sowie den Figuren des Romans, die allesamt auf der Suche scheinen und dabei nicht wirklich vorankommen. Müsste ich etwas kritisieren, dann am ehesten die Handlung, bei der manche Szenen für mich vielleicht etwas vorhersehbar waren. Doch alles zusammen genommen gelingen Autor und Verleger ein guter Auftakt für den „Deutschen Polar“. Man darf gespannt sein, was da noch nachkommt.

    Kommentare: 4
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    Haverss avatar
    Haversvor 4 Monaten
    ...und keinen Trost für niemand

    Das Grenzgebiet zwischen Oberfranken und Tschechien, ein Mekka für Zigarettenschmuggler und einer der Hauptumschlagplätze für Crystal Meth. Auf die Schnelle einen ordentlichen Batzen Geld verdienen und gleichzeitig der Langeweile des Alltags entkommen, diese Aussicht verleitet dann doch den einen oder anderen dazu, scheinbar kalkulierte Risiken auf sich zu nehmen und im Geschäft mitzumischen.

    So auch Max Thoss, dessen Karriere als Drogenkurier, oder wie er es nennt Sales Manager, ein jähes Ende findet, als er in einer Winternacht in eine Polizeikontrolle gerät und in Panik sein 20.000 Euro Päckchen aus dem Fenster wirft, nicht wissend, dass er sich damit in eine verhängnisvolle Gewaltspirale begibt, die mit einem erschlagenen Flaschensammler und zwei erschossenen Polizisten endet. So schnell wird es dann wohl doch nichts mit Neuseeland…

    Geplatzte Träume, davon kann auch Sascha ein Lied singen. Studierter Geisteswissenschaftler, der sich früher mit „der systemkritischen Analyse von Texten zur alternativen Metaphysik“ beschäftigt hat und nun als schlechtbezahlter Video-Journalist Berichte über Wasserpistolen-Attentäter und zu Brei gefahrene Unfallopfer Primetime tauglich aufbereiten muss. Den täglichen Frust ersäuft er in Alkohol. Hilft aber auch nicht weiter sondern schafft nur noch mehr Probleme: Unfall, Auto kaputt, Führerschein weg, Job verloren. Und in der Klinik wartet seine Freundin mit dem Neugeborenen…

    Diese Leben sind trostlos wie die Umgebung im Grenzgebiet mit den Billig-Bäckern, den Häuserruinen und zweckentfremdeten Turnhallen. Null Perspektive, kein Trost für niemand. Die männlichen Protagonisten sind allesamt gefangen in nicht existierenden Lebensentwürfen. Überschätzen sich, hangeln sich mit den falschen Entscheidungen von Tag zu Tag. Scheitern ist vorprogrammiert, und am Ende gibt es für niemanden Trost.

    Und dennoch, einen kleinen Hoffnungsfunken gibt es. Vielleicht gelingt es Kira, Max‘ Freundin, am Ende doch, diesem Leben zu entkommen: „Sie steigt in den nächsten Fernbus. Die Richtung ist ihr egal. Hauptsache :weg.“

    Nicht gezuckert, unbarmherzig ausgeleuchtet, schwärzer als schwarz –so geht „Deutscher Polar“.

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    Andreas_M_Sturms avatar
    Andreas_M_Sturmvor 7 Monaten
    Bittere Realität vor der eigenen Haustür.

    Seine Leidenschaft für Alkohol wird dem Videojournalisten Sascha zum Verhängnis. Ein Unfall, den er im Suff baut, kostet ihn den Job und das Vertrauen seiner Frau. Verzweifelt versucht er sein Leben wieder in den Griff zu kriegen. Eine aufsehenerregende Enthüllungsstory über Drogengeschäfte im rechten Milieu soll die erhoffte Anerkennung bringen. Gemeinsam mit seinem Kumpel, dem Türsteher Carsten, beginnt er den Crystal-Dealer Max und dessen Vertriebsnetz zu observieren. Doch schon bald entwickelt sich die blauäugige Aktion für Sascha und Carsten zu einer tödlichen Gefahr.

    Roland Sprangers Roman um Verlierer, Normalbürger, Kriminelle und radikale Extremisten zeichnet ein düsteres aber leider reales Bild unserer Gesellschaft. Es ist eine Welt, in der die Anhänger gegensätzlicher politischer Lager längst aufgehört haben miteinander zu reden, und stattdessen voll Hass aufeinander einprügeln. Eine Welt, in der Schmuggler hemmungslos über Leichen gehen, um die Nachfrage nach Methamphetamin zu befriedigen.

    Spannend bis zum verstörenden und überraschenden Ende, beweist das Buch »Tiefenscharf«, dass es guten Noir auch in Deutschland gibt.

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    Baerbel82s avatar
    Baerbel82vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Düster, abgründig und spannend!
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    Gespräche aus der Community zum Buch

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