Rolf Bauerdick

 4.2 Sterne bei 30 Bewertungen
Autor von Pakete an Frau Blech, Wie die Madonna auf den Mond kam und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Rolf Bauerdick

Pakete an Frau Blech

Pakete an Frau Blech

 (19)
Erschienen am 09.03.2015
Wie die Madonna auf den Mond kam

Wie die Madonna auf den Mond kam

 (7)
Erschienen am 09.05.2011
Zigeuner

Zigeuner

 (2)
Erschienen am 26.10.2015
Wie die Madonna auf den Mond kam: Roman

Wie die Madonna auf den Mond kam: Roman

 (1)
Erschienen am 09.12.2009
The Madonna On The Moon

The Madonna On The Moon

 (0)
Erschienen am 01.04.2014

Neue Rezensionen zu Rolf Bauerdick

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Rezension zu "Wenn Gott verschwindet, verschwindet der Mensch" von Rolf Bauerdick

Religiöser Glaube als notwendiger, dynamischer Prozess
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Religiöser Glaube als notwendiger, dynamischer Prozess

Zwei gegensätzliche Ideen christlicher Identitätsbildung zunächst stellt Bauerdick vor die Augen des Lesers.

Einerseits die Haltung einer gewissen behäbigen Traditionsverwurzelung und dogmatischen Ausrichtung, anderseits die Haltung eines sich „Abarbeitens“ im Sinne eines sich „kritischen Einmischens“ in die Konflikte der Geschichte und Gesellschaft. Und klar ist, dass Bauerdick sich auf diese zweite Glaubenshaltung konzentriert und damit wiederum jenen der Leser Recht gibt, die sich an verkrusteten Strukturen und rein äußerlichem Habitus der verfassten Religionen (zu Recht) stören.

Andererseits eröffnet Bauerdick damit auch einem anderen, lebendigen, dynamischen Verständnis des Glaubens eine Tür, die interessant zu betrachten vorliegt und für die die Motivation durch das Buch durchaus vermittelt wird, einmal durch diese Tür zu treten und diese Form des Glaubens „zu wagen“. Eine Form, in der dogmatische Lehrsätze keinen Ewigkeitscharakter in sich tragen, sondern dynamische Entwicklungen je für die konkrete Zeit neue, andere, wiederentdeckte Wahrheiten nach vorne rücken können, dürfen, ja sollen.

Allerdings, und genau dafür bricht Bauerdick Seite für Seite eine Lanze, in Bezug auf eine eigene, zu entfaltende, wichtige persönliche Spiritualität. Diesen „Acker des homo religius“ sieht Bauerdick in der Gegenwart hochgradig gefährdet, in der der Mensch sich mehr und mehr unwidersprochen und ohne Korrektiv zum Maßstab setzt und damit nicht nur eine Individualisierung ihren Lauf nimmt (mit positiven wie negativen Folgen), sondern eine Ego-Zentrierung, die eben nicht nur „den Glauben“ aus dem Blick verliert, sondern, damit einhergehend, auch „den und die anderen“.

„Nur sterben Fragen nicht, wenn alle Antworten sich als falsch erweisen (vom Gottesbeweis bis zum radikalen Atheismus ist alles persönliche Glaubenssache und bar jeder objektiven Beweise), sie sterben, wenn sie niemand mehr stellt“.

Jene Fragen nach einem höheren Wert oder einer höheren Form der Existenz, die sich eben nicht mit dem Erwerb der neuesten Handygeneration abspeisen lassen würde und daher lieber erst gar nicht mehr formuliert werden.

So kommt es, dass „Kirchen wie entlaubte Bäume in unserer postmodernen Landschaft stehen“ und nur mehr ein Randdasein führen. Selbst bei gefüllten Gemeinden eher die „Geselligkeit“ Motivator ist, denn ernsthafte Fragen nach der persönlichen Rolle im großen Geflecht der Unendlichkeit.

Und dennoch bleibt die „Sehnsucht des Herzen nach der Freiheit des inneren Menschen“. Und, folgt man Bauerdick (und dem eigenen Menschenverstand), dann ist zumindest klar, dass Konsumgüter diese Frage nicht beantworten können, sondern nur als mangelnder Ersatz für kurze Zeit die bohrenden Fragen nach Sinn und Wert der eigenen Existenz zum Verstummen bringen.

Wobei Bauerdick im weiteren in bester Weise eben nicht apologetisch vorgeht, nicht alte, „glaubensfeste“ Zeiten heraufbeschwört und dahin „zurückzwingen“ will, sondern auch diesen aktuellen Zustand als Teil der Geschichte des Menschen mit Gott begreift und in der „Freiheit von Gott, den Dogmen und tradierten Gewissheiten“ tauchten neue Möglichkeiten auf.

„Nie waren wir freier, in der Erfahrung des Verlustes nach Gott zu fragen“. Und eben nicht vorgefertigte oder eigene rigorose „Glaubenswahrheiten“ sklavisch befolgen zu müssen.

Aber diese Frage muss dann schon gestellt werden.

Eine Haltung, die sich in Aufbau und Inhalt des Buches widerspiegelt, mit der Bauerdick viele Geschichten aus dem Leben erzählt und immer wieder „gegen den Strich“ denkt und damit immer wieder den Leser aufmuntert, motiviert, provoziert, anders und neu zu denken über Gott, die Welt und sich selbst?

„Was, wenn die Menschwerdung Christi nicht ein „Herabsteigen“ Gottes wäre, sondern aus seiner Sicht ein „Aufstieg“ Für Gott die einzige Möglichkeit, sich von den beklemmenden Zwängen der Ewigkeit zu befreien“?

Eine ganz andere Frage, ein ganz anderes Herangehen. Allerdings im Gesamten auf klar erkennbar theologischer Ebene vorgebracht, so dass, wenn es um Feinheiten der Omnipräsenz und anderer christlich-religiöser Grundfragen geht, für den Laien ein konzentriertes Lesen und eine gewisse Abstraktionsfähigkeit notwendig zum Verständnis sind.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre in einer „Fragenlosen“ Zeit.

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schoensas avatar

Rezension zu "Pakete an Frau Blech" von Rolf Bauerdick

Jesuitenkolleg, Zirkusmanege, DDR, Stasi und schwebende Jungfrauen
schoensavor 3 Jahren

Worum es geht

Kaum haben Maik Kleine und seine ehemaligen Zirkus-Kollegen den ehemaligen Zirkusdirektor Alberto Bellmonti wie von ihm gewünscht mit Parade durch Berlin und Elefanten vorweg beerdigt, beginnen die schlechten Nachrichten: Bellmonti soll für die Stasi gearbeitet haben. Und irgendwie hängt auch alles mit Maiks Kindheit in der DDR zusammen, die tragisch 1978 endete, als seine Geschwister bei einem Brand ums Leben kamen.

Wie es gefällt

Zu Beginn ein Tragikroman, am Ende Klamauk - was hervorragend anfängt, wird immer chaotischer und vor allem unrealistischer. Wer damit leben kann, der bekommt eine abwechslungsreiche und vielseitige Geschichte, bei der man kaum etwas vorhersehen kann.

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Fantasie_und_Träumereis avatar

Rezension zu "Pakete an Frau Blech" von Rolf Bauerdick

Pakete an Frau Blech
Fantasie_und_Träumereivor 3 Jahren

"Doch ich hatte kein Glück. Zu überleben und übrig zu bleiben , was soll das für ein Glück sein?"


Maik Kleine, einst Beleuchter im Zirkus Bellmonti, kehrt dorthin zurück, wo seine Karriere begann. Doch nichts ist mehr wie es war, denn sein Zusammentreffen mit den ehemaligen Kollegin, Kapellmeister Szymbo und Albina, der schwebenden Jungfrau, hat einen eher unerfreulichen Anlass. Die Beerdigung des großen Zirkusdirektors Alberto Bellmonti, der ihnen allen Zuflucht und Zuhause gewährte, wird für Maik Kleine unerwartet zu einer Reise in die eigene Vergangenheit, in der er, der Geschwister an ein Feuer und die Mutter an die Monster des Teufels verlor, ganz heimlich und ohne es zu merken, Opfer von Manipulation und Machtmissbrauchs seiner Heimat der Deutschen Demokratischen Republik wurde.


"Vera lachte höhnisch. 'Die Staatssicherheit war immer schon Meisterschüler im Lügen, Tricksen und Täuschen. Höchst effizient. Mit dem Freikauf politischer Häftlinge fuhr die DDR eine doppelte Strategie. Sie wurde ihre unbequemsten Bürger los und kassierte gleichzeitig harte Devisen. Verkauft haben sie diesen Menschenhandel als humanitäre Maßnahme, finanziert jedoch wird damit ein teuflisches System.'"


Die Spurensuche nach Bellmontis Stasi-Vergangenheit, von der im Klappentext des Romans die Rede ist, die mich überhaupt erst neugierig auf Bauerdicks neustes Werk gemacht hat, beginnt erst recht spät in der Geschichte. Meine Erwartung wird daher nicht erfüllt und dennoch bin ich alles andere als enttäuscht. Denn so bleibt Zeit Maik Kleine kennen zu lernen. Den Maik Kleine, der er jetzt ist, und den Maik Kleine, der er einst war. Sein Lebensweg, von Kindesbeinen an, bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt, fügt sich Kapitel für Kapitel zusammen. Ein interessanter Weg, auf dem Maik viel hinnehmen muss. Handlungsschritte, die dem Leser wie Schicksalsschläge erscheinen und doch in irgendeiner Form auf den Ränkespielen der Machtinhaber der deutschen demokratischen Republik basieren.


"Ich begriff wie Ranke operierte. Um Menschen unter seine Kontrolle zu bringen, kippte er sie aus iher Balance. Er weckte in ihnen düstere Bilder. Mit seinem zersetzenden Mitgefühl."


"Pakete an Frau Blech" ist für mich nicht nur eine sehr interessante Familiengeschichte voller Hohn und Tragik, die einen Menschen mit Charakter hervorgebracht hat, der auf seine Art und Weise immer wieder wie der Phönix aus der Asche entstiegen bzw. dieser im Gegensatz zu anderen Weggefährten gar gleich entkommen konnte, sondern ein spannender Einblick in Machtmissbrauch und Manipulation einer realsozialistischen Diktatur. Politische Machenschaften, die mir möglicherweise aufgrund meines Alters, in dieser Form nicht bewusst waren. Die Beschreibung, dass es sich in "Pakete an Frau Blech" um eine Ausführung historischer Begebenheit der Politik eines Deutschlands handelt, wie ich es nicht mehr kenne, lassen vielleicht stutzig werden, ob 416 Seiten zu diesem Thema nicht etliche zuviel sind, der Faden und das Interesse verloren gehen könnten. Dies ist überhaupt nicht der Fall, denn Bauerdick hat ein gut strukturiertes Konzept in dem sich die Familiengeschichte Maik Kleines als roter Faden durch die Informationen zum Zeitgeschehen ziehen und mit vielen überraschenden Wendungen und unvorhergesehenen Handlungen zu einem Roman zusammenfügen, der einem Spionagekrimi an Spannung definitiv das Wasser reichen kann.

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Gespräche aus der Community

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DVA_Verlags avatar

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

mögt ihr skurrile, lebenslustige Charaktere und habt Lust, euch mit ihnen auf ein Rätselraten einzulassen? Wir starten eine Leserunde für den Roman „Pakete an Frau Blech“ von Rolf Bauerdick und stellen dafür 15 Exemplare zur Verfügung, um die ihr euch hier bis einschließlich 9.4.2015 bewerben könnt, indem ihr uns folgende Frage beantwortet (die auch dem Autor sehr am Herzen liegt): Wann fühlt ihr euch bei einem Roman bestens unterhalten?

(Wenn ihr schon ein eigenes Buch besitzt, seid ihr natürlich sowieso herzlich eingeladen, mitzumachen.)

 

Worum geht’s?

Gerade hat Maik Kleine seinen väterlichen Freund, den Zirkusdirektor und Illusionskünstler Alberto Bellmonti, mit viel Pomp zu dessen letzter Ruhestätte begleitet, da wird das Grab des Toten verwüstet. Verstörende Meldungen über Bellmontis angebliche Stasi-Vergangenheit tauchen auf. Zusammen mit Szymbo, dem Kapellmeister, und Albina, der schwebenden Jungfrau, macht Maik sich auf die Suche nach der Wahrheit. Schon bald muss das Trio erfahren, dass der Meister der Illusionen mit seiner Kunst der Verstellung auch das eigene Leben inszenierte. Maik stößt auf rätselhafte Hinweise, die in seine eigene Vergangenheit zurückführen, zu jener Tragödie in der Neujahrsnacht 1979, als der damals Dreizehnjährige in Leipzig seine beiden Geschwister verlor. 

Ein von unbändiger Erzähllust getriebener Roman, in dem die Helden zu Detektiven werden und auf ihrer abenteuerlichen Spurensuche in Welten gelangen, die eigenen Gesetzen folgen. Ob im Jesuitenkolleg oder in der Zirkusmanege, in einem Apothekenmuseum oder einer Stasi-Giftküche, in einem Berliner Fünfsternehotel oder einem Budapester Hinterhof, überall sammelt Maik Kleine die Puzzleteile seiner Biografie zusammen – und es wird immer klarer, dass jene Pakete, die seine Tante Vera einst aus dem Westen in die DDR schickte, eine tragische Rolle spielen.

 

Wer ist der Autor? 

Rolf Bauerdick, Jahrgang 1957, lebt im Münsterland. Seine Text- und Bildreportagen erscheinen u.a. in Stern, Brigitte, Spiegel, GEO, Playboy und wurden vielfach preisgekrönt, u.a. mit dem Natali-Award (für Menschenrechtsjournalismus) der Europäischen Union und beim Hansel-Mieth-Preis. Sein vielbeachteter Debütroman »Wie die Madonna auf den Mond kam« (2009) wurde in zwölf Sprachen übersetzt und 2012 mit dem Europäischen Buchpreis  ausgezeichnet. 2013 erschien sein Sachbuch »Zigeuner. Begegnungen mit einem ungeliebten Volk«, auch bei DVA. »Pakete an Frau Blech« ist sein zweiter Roman.

 

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Rolf Bauerdick und Britta vom DVA-Team

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