Rolf Hochhuth

 3.5 Sterne bei 71 Bewertungen
Autor von Der Stellvertreter, Die Berliner Antigone und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Rolf Hochhuth

Rolf Hochhuth, geboren am 1. April 1931 in Eschwege, war Verlagslektor, als er 1959 während eines Rom-Aufenthalts sein erstes Drama „Der Stellvertreter“ konzipierte, das, 1963 in Berlin von Erwin Piscator uraufgeführt, weltweites Aufsehen erregte. Hochhuth blickt auf ein umfangreiches dramatisches, essayistisches und lyrisches Werk zurück. Er lebt in Berlin. Ausgezeichnet wurde Hochhuth u.a. mit dem Kunstpreis der Stadt Basel (1976), dem Geschwister-Scholl-Preis (1980), dem Lessing-Preis der Freien Hansestadt Hamburg (1981), dem Elisabeth-Langgässer-Preis (1990) und dem Jacob-Grimm-Preis für Deutsche Sprache (2001).

Alle Bücher von Rolf Hochhuth

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Der Stellvertreter

Der Stellvertreter

 (21)
Erschienen am 11.09.1998
Die Berliner Antigone

Die Berliner Antigone

 (14)
Erschienen am 01.01.1986
Alan Turing

Alan Turing

 (7)
Erschienen am 30.01.2015
Eine Liebe in Deutschland

Eine Liebe in Deutschland

 (5)
Erschienen am 01.10.1983
Wessis in Weimar

Wessis in Weimar

 (2)
Erschienen am 01.05.1994
Anekdoten und Balladen

Anekdoten und Balladen

 (1)
Erschienen am 15.11.2011
Schwarze Segel

Schwarze Segel

 (1)
Erschienen am 18.11.1986
Eine Liebe in Deutschland.

Eine Liebe in Deutschland.

 (1)
Erschienen am 01.01.1981

Neue Rezensionen zu Rolf Hochhuth

Neu

Rezension zu "Alan Turing" von Rolf Hochhuth

Genie, Hexenjagd und viel aufgewirbelter Staub
Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren

Seit ein paar Jahren hat die Öffentlichkeit Alan Turing und seine tragische Lebensgeschichte wiederentdeckt. Der „Vater des Computer“, wie der geniale Mathematiker genannt wird, hat erst kürzlich den Film „The Imitation Game“ inspiriert. Dass nicht alle Werke auf dem Markt, die den Turing-Hype nutzen, entstaubt werden müssen, zeigt Buchstaplerin Maike. Sie hat Rolf Hochhuths Erzählung „Alan Turing“ von 1987 unter die Lupe genommen, das in diesem Jahr in einer Neuausgabe erschienen ist.

Der britische Mathematiker Turing knackt während des Zweiten Weltkrieges die Enigma der Deutschen. Doch als Kriegsheld kann er nicht gefeiert werden: Homosexualität ist zu dieser Zeit kriminalisiert und Turing wird verurteilt und durch chemische Katration bestraft. Ein grausamer Eingriff in seinen Körper und Geist, der zu seinem Selbstmord führt.
Soweit Turings Geschichte. Doch Hochhuth konstruiert sie undurchsichtig, indem er sie größtenteils durch fiktive Tagebücher einer Vertrauten Turings präsentiert. Diese Monica ist unglücklich in den Mathematiker verliebt und sinniert über sein Gefühlsleben und seinen Einfluss auf die Nachwelt.

„Einer, der drei Minuten braucht, einen Brief zu schreiben – aber anderthalb Stunden, um ein Kuvert dafür zu suchen.“

Das Buch kommt als ein sehr kopflastiges Werk daher, das die Lesenden wenig packt. Auch sprachlich verstärkt sich der zähe Eindruck: Die gestelzte Sprache und der komplexe, verschachtelte Satzbau entfremden eher von den handelnden Figuren, als dass man ihnen näher kommt. Der Aufbau der Erzählung – Versatzstücke aus fiktiven Tagebüchern und Notizen – ergibt kein vollständiges Bild über Turings Arbeit an der Enträtselung der Enigma und der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Unzählige Verweise auf Philosophie und Literatur sowie Kriegsanekdoten lenken ab und machen die Lektüre langatmig. Fast meint man den Staub zu riechen, der aus Monicas Tagebüchern aufsteigt.

„Will ich ein künstliches Kind, weil ich kein natürliches haben kann […]?“

Man merkt dem Buch seine fast 30 Jahre an. Die Art und Weise, wie Turings Homosexualität und die daraus resultierende gesellschaftliche Ächtung dargestellt werden, wirkt veraltet und bevormundend. Nur durch die Aufzeichnungen der fiktiven Monica kommt man Turing nahe, und auch das ist oft zumal so verklärt, dass man mit den Augen rollen muss.
Die Reiseaufzeichnungen Turings – ebenfalls rein fiktiv – sind gespickt von hochintellektuellen Überlegungen, sodass Turing sich als Mensch völlig den Lesenden entzieht. Erfrischend positiv dagegen tun sich die Anekdoten über Turings unkonventionellen Charakter hervor, der so herrlich verschroben wirkt, dass sofort Sympathie für ihn erweckt wird. Auch der Gedanke, dass Geist und Körper nicht getrennt, sondern zusammen die besten Resultate erzielen können, wirken dem Klischee des enthaltsamen Wissenschaftlers entgegen. Packend sind die Überlegungen, wie Mensch und Maschine zusammenwirken und die Zukunft beeinflussen können, nicht zuletzt, da viele Voraussagen 2015 schon längst eingetroffen sind.
Getrübt wird das schnell wieder, wenn in der Verzweiflung Turings, keine Kinder haben zu können, geschwelgt wird. Auch, dass Monica und nicht Turing die Hauptfigur ist, verzerrt die Annahme, dass es in dem Buch rein um den Informatiker geht.

Wer eine Biographie über Turing sucht, wird hier nicht fündig. Schade: Gerade, da Alan Turing durch den Film „The Imitation Game“ und nicht zuletzt durch die Rehabilitierung 2013 wieder stark in den Fokus der Medien gerückt ist, habe ich mir von dieser Erzählung mehr versprochen. Stattdessen musste ich mich durch ein vergeistigtes Werk kämpfen, dem ich nie trauen konnte, welche Aussagen Fakt und welche Fiktion sind.

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Rezension zu "Der Stellvertreter" von Rolf Hochhuth

Verbrechen
dominonavor 4 Jahren

Kann die Kirche zusehen wie Juden vergast werden? Sogar als das Problem vor den Papst selbst getragen wird, entstehen nichts als Dialoge. Bedeutet für den Faschismus sein gleich gegen den Kommunismus und was ist das schlimmere Übel? Ein Religionsdrama mit viel zu vielen Opfern und der Titel passt perfekt. Es regt zum Nachdenken an und macht wiedermal deutsche Geschichte bewusst, eine, die nie vergessen sein wird.

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Rezension zu "Der Stellvertreter" von Rolf Hochhuth

Rezension zu "Der Stellvertreter" von Rolf Hochhuth
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren

"Der Stellvertreter" ist ein Klassiker der Aufbereitung der SS-Diktatur und nimmt sich einem besonderen Aspekt an: dem Verhältnis des Papstes als oberster Vertreter der Kirche und Adolf Hitler.

Warum schritt Pius der XII. nicht ein? Warum hat er sich nicht gegen die massenhafte Judenverfolgung ausgesprochen, auch als ihm schon lange klar war, dass der Abtransport in die KZs gleichzusetzen war mit der Vernichtung der Menschen?

In einem Schauspiel breitet Hochhuth die Bemühungen des abtrünnigen Nazis Gerstein und des Paters Riccardo Fontanas aus, die immer wieder versuchen, den Papst dazu zu bringen, ein öffentliches Statement gegen Hitlers Politik abzugeben. Doch sie stoßen auf eine Mauer der Ignoranz.

Dem Papst genügen die Bemühungen der Kirche, schutzsuchenden Juden Unterschlupf zu gewähren. Bei den Ausmaßen, die die Judenverfolgung schon längst angenommen hatte, war diese Haltung eine Farce. Vor allem, weil Hitler um den Einfluss des Papstes wußte und ein eindeutiges Bekenntnis gegen die Vernichtungspolitik erheblichen Druck auf Hitler ausgeübt und sein Ansehen in der Bevölkerung entsprechenden Schaden genommen hätte.

Hochhuth gelingt es, eines der dunkelsten Kapitel der katholischen Kirche, erschreckend nah zu holen. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und prangert die Kirche an ohne auch nur einen Hauch des guten Willens an ihr zu lassen. Nur Pater Fontana macht hier eine Ausnahme, symbolisch für das Gewissen des Einzelnen angesichts der ungeheuerlichsten Verbrechen der Weltgeschichte.

Immer wieder aktuell!

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Gespräche aus der Community

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Ja, der Januar hat es in sich. Anlässlich des Kinostarts von The Imitation Game mit Benedict Cumberbatch und Keira Knightley könnt ihr bei uns von Rolf Hochhuth die literarische Vorlage "Alan Turing" gewinnen. Wir haben 2x je ein Buch und ein Filmplakat auf den Gewinnspieltisch gelegt. Mitmachen könnt ihr hier:
www.booknerds.de/2015/01/the-imitation-game-vorlage-gewinnspiel/
Filmplakat © SquareOne Entertainment

Hinweis: Beim Gewinn handelt es sich um die 2015er Neuauflage des Buchs, deren Cover von oben abgebildetem Cover abweicht.
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