Rolf Lappert Über den Winter

(25)

Lovelybooks Bewertung

  • 33 Bibliotheken
  • 2 Follower
  • 2 Leser
  • 6 Rezensionen
(8)
(11)
(4)
(1)
(1)

Inhaltsangabe zu „Über den Winter“ von Rolf Lappert

Über den WasserLennard Salm ist fünfzig und ein international durchaus erfolgreicher Künstler, doch richtig angekommen ist er nicht, weder äußerlich noch innerlich. Als seine ältere Schwester stirbt, kehrt er zurück nach Hamburg, die Stadt seiner Kindheit, und in die Familie, der er immer entfliehen wollte. So schnell wie möglich will er wieder zurück in sein eigenes Leben – aber was ist das eigentlich? In einem bitterkalten Winter in Hamburg-Wilhelmsburg entdeckt Lennard Salm, dass seine Eltern und Geschwister ihm mehr bedeuten, als er je für möglich gehalten hätte.

Ein Roman über einen Mann, der in der Mitte seines Lebens aus dem Kunstbetrieb aussteigt.

— Barbara62
Barbara62

Stöbern in Romane

Palast der Finsternis

Effektvoller Schauerroman-Genremix - gut geschrieben und mit anfänglicher Sogwirkung. Leider Punkteinbußen in Aufbau und Auflösung.

lex-books

Am Ende der Reise

Eine berührende, tragisch-komische Familiengeschichte, die zwischen den Zeilen zum Nachdenken anregt.

HarleyQ

Der Meisterkoch

Märchenhaft à la 1001 Nacht. Abenteuerlich, phantastisch, romantisch - spricht alle Sinne an. Geheimnisvoll und spannend bis zum Ende.

hasirasi2

Wie der Wind und das Meer

Ein emotionales Drama mit unvergesslichen Protagonisten

Monika58097

Vintage

Musik wird hier nicht mit Noten sondern mit Buchstaben geschrieben!

Laurie8

Der Junge auf dem Berg

Schockierend, geht unter die Haut, Taschentuchalarm!

DaniB83

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht
    GrOtEsQuE

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 24.09.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   239 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  646 Punkte Beust                                          ---   302 Punkte Bibliomania                               ---   201 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  397,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 253 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   130,5 Punkte Code-between-lines                ---  136 Punkte eilatan123                                 ---   53 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   168 Punkte Frenx51                                     ---  82 Punkte glanzente                                  ---   82 Punkte GrOtEsQuE                               ---   78 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   157 Punkte Hortensia13                             ---   130 Punkte Igelchen                                    ---   25 Punkte Igelmanu66                              ---  178 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   122 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte katha_strophe                        ---   53 Punkte Kattii                                         ---   78 Punkte Katykate                                  ---   110 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   142 Punkte Kuhni77                                   ---   114 Punkte KymLuca                                  ---   103 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   259 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   226 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   92 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  131 Punkte Nelebooks                               ---  235 Punkte niknak                                       ----  285 Punkte nordfrau                                   ---   97 Punkte PMelittaM                                 ---   213 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   115 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 65 PunkteSandkuchen                              ---   205 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   178 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   279 Punkte SomeBody                                ---   178,5 Punkte Sommerleser                           ---   198 Punkte StefanieFreigericht                  ---   213,5 Punkte tlow                                            ---   149 Punkte Veritas666                                 ---   117 Punkteverruecktnachbuechern         ---   61 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   179 Punkte Yolande                                       --   171 Punkte

    Mehr
    • 2303
  • Mann außer Gleichgewicht

    Über den Winter
    Babscha

    Babscha

    19. February 2017 um 23:32

    Lennard Salm, Endvierziger, Single, Aktionskünstler, sammelt als Vorbereitung für sein neues Projekt gerade im Nirgendwo der lampedusischen Küste Treibgut gestrandeter afrikanischer Bootsflüchtlinge, als ihn die Nachricht vom Tod seiner ältesten und von Geburt herzkranken Schwester Helene in Hamburg erreicht. In seiner Heimatstadt angekommen, lässt er sein Leben und das seiner Familie noch mal an sich vorüberziehen, taucht ab in den erinnernden Mahlstrom familiärer Probleme, Unzulänglichkeiten. Missverständnisse und Sprachlosigkeiten. Alle sind sie nochmal da zu Ehren von Helene, sein langsam erblindender und von einer polnischen Pflegekraft versorgter Vater, seine verschrobene Mutter, die sich schon vor langem von ihrem Mann getrennt hat und seit Jahren in Florida lebt, seine jüngere, immer noch rastlos überdrehte Schwester Sybille, und sein jüngster Bruder Paul, als Einziger gesellschaftlich solide etabliert, mit dem es allerdings etwas ganz Besonderes auf sich hat, was man aber erst im Laufe der Geschichte erfährt. Salm lässt sich treiben, alles einfach auf sich einwirken, und versucht, den Blick nach vorne zu richten, endlich eine Struktur, einen Sinn, einen klaren Blick für sein weiteres Leben zu gewinnen.      Im typisch lappertschen, gemächlichen und mit feinem Blick für Einzelheiten und Zwischentöne ausgestatteten Erzählstil wird hier die Geschichte eines äußerlich erwachsenen Jungen ausgebreitet, der in einer in sich gescheiterten Familie aufwächst, in der jeder so gerne seine Lebensträume verwirklicht hätte, aber durch die bloße Existenz und die Eigenarten seiner Familienmitglieder daran gehindert wird und in logischer Folge dann irgendwann einfach nur erstarrt. Natürlich in Verbindung mit offener oder stiller Schuldzuweisung an die Anderen. Wir begleiten Salm hier einfach im ruhigen Fahrwasser seines Lebens, das kraft der speziellen Erzählkunst des Autors auch ohne große Wirrungen und Wendungen Seite für Seite an Form gewinnt und gerade dadurch in Bann zu ziehen vermag. Zumindest gilt dies für den allergrößten Teil des Buches. Erst zum Ende hin hätte ich mir dann doch noch ein ganz klein wenig mehr Entwicklung gewünscht, aber da hängt nichts von ab. Insgesamt ein überzeugendes, irgendwie melancholisches Buch, so lapidar wie messerscharf in seiner Pointierung einer Familie, wie sie so oder ähnlich in tausenden deutschen Blutszwangsverbindungen Realität sein dürfte. Emotional nachvollziehbar nur durch eigene Lektüre.

    Mehr
    • 2
  • Rückkehr zu den Wurzeln

    Über den Winter
    Barbara62

    Barbara62

    16. February 2017 um 14:03

    Ein doppelter Tod ist der Ausgangspunkt von Rolf Lapperts 2015 erschienenem Roman Über den Winter, der wie schon 2008 sein Debüt Nach Hause schwimmen auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand. Für den Aktionskünstler Lennard Salm, der gleich nach seinem Studium durch eine Mischung aus Geniestreich und Skandal in die Kunstszene katapultiert wurde und seit mittlerweile 23 Jahren erfolgreich im Kunstmarkt mitschwimmt, werden der Fund einer Säuglingsleiche in einem Flüchtlingsboot irgendwo an einem Mittelmeerstrand und die Nachricht vom Tod seiner älteren Schwester Helene zum Wendepunkt. Zurück in Hamburg und bei der Trauerfeier konfrontiert mit seiner Familie, einem Zusammentreffen, vor dem ihm graut, kulminieren die Irritation, der Verlust klarer Ziele und die zunehmende Entfremdung vom Kunstbetrieb und der Kunst zu einer Lebenskrise: „In letzter Zeit fiel es ihm schwer, seine Lebenssituation einer genaueren Betrachtung zu unterziehen, Pläne zu machen oder auch nur einen klaren, in die Zukunft weisenden Gedanken zu fassen.“ Er verkündet seinem Mäzen und Manager Wieland, dass er kein Künstler mehr sein will, ohne auf dessen immer drängender werdende Frage, was er denn stattdessen sein wolle, eine Antwort zu haben. Nach einer Zwischenstation in einem billigen Hotel zieht er in sein altes Kinderzimmer bei seinem hinfälligen Vater und dessen polnischer Pflegerin in ein ob seiner Bewohner geisterhaft anmutendes, heruntergekommenes Haus in Wilhelmsburg. Lennard, der als einziges der vier Kinder die wahren Gründe für das Auseinanderbrechen der Familie kennt, immer zum Vater gehalten und die Mutter verachtet hat, lehnt auch jetzt ihre Versöhnungsversuche ab. Lediglich seine jüngere Schwester Bille, die nie erwachsen geworden ist, kommt ihm einigermaßen nah. Es bleibt am Ende unklar, ob Lennard der Neubeginn bei seinen Wurzeln gelingt und wohin er ihn führt. Vielleicht ist ja sein durch die Welt irrlichternder Koffer, den Alitalia am Ende doch noch zustellt, ein gutes Omen? Mich konnte der düstere Künstler-, Familien- und zeitweise Gesellschaftsroman, der mir beim Lesen durchgehend eine Gänsehaut beschert hat, nicht überzeugen. Sehr gut gefallen hat mir das dritte Kapitel über die Anfänge der Familie Salm und darüber, wie die jahrelang immer wieder notdürftig reparierte Familienmaschine auseinanderbrach. Hier zeigt Rolf Lappert sein wirklich großes Erzähltalent. Auch seine detaillierten Orts-, Menschen- und Wetterbeschreibungen haben mich immer wieder fasziniert. Doch konnte ich mit Lennard Salms indifferenter Seelenlage, seiner Ziellosigkeit und seinen Alkoholexzessen nichts anfangen und habe während des Lesens zu keiner Zeit verstanden, warum er seinen Neubeginn ausgerechnet aus dem Schoß der Familie heraus beginnen will, vor der er doch aus nachvollziehbaren Gründen einst geflohen war.

    Mehr
    • 4
  • Bäume raus, Bücher rein – LovelyBooks räumt das Bücherregal

    Die letzten Tage von Rabbit Hayes
    LaLeser

    LaLeser

    Wir räumen unser Bücherregal! Habt ihr schon den Weihnachtsbaum vor die Tür gestellt, die Geschenke verstaut und wieder Platz geschaffen, den ihr am liebsten mit neuen Büchern füllen möchtet? Unser Büro hat jedenfalls einen Neujahrs-Putz dringend nötig! Die Bücherregale sind vor tollem Lesestoff am Überquillen und es wäre doch schade, wenn all die schönen Bücher nicht gelesen werden! Deshalb haben wir unsere Bücherregale ausgeräumt und möchten euch mit den Schätzen, die sich dort verborgen haben, glücklich machen!So funktioniert es:Stöbert durch die verschiedenen Genres und Bücher, die wir in den Unterthemen aufgeführt haben. Wenn ihr Bücher entdeckt, die ihr gerne lesen und rezensieren möchtet, teilt uns diese Titel sowie das entsprechende Genre in eurem Bewerbungsbeitrag mit. Ihr könnt euch selbstverständlich auch für mehrere Bücher aus mehreren Genres bewerben!Bewerbt euch bis zum 11.01.2017 über den blauen "Jetzt bewerben"-Button* und nennt uns das Buch/die Bücher (mit entsprechendem Genre), welches/welche ihr gerne lesen und zu dem/zu denen ihr gerne eine Rezension verfassen möchtet! Am Donnerstag, dem 12. Januar, losen wir aus, wer von euch welches Buch bzw. welche Bücher gewinnt und teilen euch die Gewinner hier im Unterthemen "Und die Gewinner sind..." mit. Solltet ihr gewonnen haben, verpflichtet ihr euch, bis zum 1. März 2017 eine Rezension bei LovelyBooks zu allen Büchern, die ihr gewonnen habt, zu schreiben. Postet die Links zu euren Rezensionen bitte ins zugehörige Unterthema in dieser Aktion!Bitte beachtet, dass es sich bei den Büchern auch um Leseexemplare handeln kann! Außerdem verschicken wir in dieser Aktion die Bücher nur innerhalb von Deutschland. Wenn ihr nicht in Deutschland wohnt – nicht traurig sein! Die nächste tolle Aktion, bei der ihr mitmachen könnt, kommt schon bald! Bitte habt Verständnis hierfür und bewerbt euch nicht für diese Aktion.Wenn ihr Fragen zum Ablauf oder zur Aktion allgemein habt, stellt diese bitte im Unterthema "Fragen zur Aktion"!Wir freuen uns, wenn ihr dabei seid und unseren Büchern eine neue Heimat gebt! Ganz viel Spaß beim Stöbern! 

    Mehr
    • 2535
  • Auf der Suche...

    Über den Winter
    Xirxe

    Xirxe

    23. February 2016 um 08:41

    Lennard Salm, ein nicht erfolgloser Konzeptkünstler (oder etwas in der Art), erhält die Nachricht, dass seine ältere Schwester gestorben ist. Er kehrt nach Hamburg zurück, wo sein pflegebedürftiger Vater und seine jüngere Schwester lebt. Sein Leben gerät aus dem scheinbaren Gleichgewicht, in dem es sich die letzten Jahre befand und er ist sich nur bei einem sicher: dass er seinem Vater nahe sein möchte. All das, was sein Leben bisher bestimmte, die Kunst, Reisen, Ausstellungen, interessiert ihn nicht mehr. Doch was statt dessen sein soll, weiß er nicht. Es ist kein ereignisreiches Buch. Man begleitet Salm während seiner Wintertage in Hamburg und erhält Einblick in seine Gedanken- und Gefühlswelt, wobei letztere eher wenig ausgeprägt ist. Ich empfand ihn als einen Menschen auf der Suche nach dem, was er wirklich will. Seine Vergangenheit war bis dahin mehr durch Zufälligkeiten geprägt, die ihn dahin und dorthin brachten, ohne dass wirkliche Entscheidungen zu treffen waren. Wie bei seinem verloren gegangenen Koffer, der durch die Welt reist und ihn erst am Ende des Buches wieder erreicht. Und auch jetzt ist es keine aktive Suche. Vielmehr ein Sichtreibenlassen ohne sich tatsächlich offen zu etwas bekennen zu müssen. Vieles in diesem Roman hängt mehr miteinander zusammen als man auf den ersten Blick ahnt, zumindest habe ich es so wahrgenommen (siehe auch den verlorenen Koffer). Im Prolog befindet sich Lennard an einer nicht näher bezeichneten Küste im Süden Europas (?). Und im ersten Kapitel ist es auf den ersten drei Seiten völlig unklar, wo er sich befindet: Noch immer in dem unbekannten Land? Nun aber im Hotel? Erst in der Mitte auf Seite 50 wird deutlich, dass es sich um Hamburg handelt. Alles scheint austauschbar, nichts von Bestand - ganz so wie Lennards Leben. Es ist eine langsame Entwicklung, die der Protagonist hier durchläuft und damit umso glaubwürdiger. Sein Erschrecken, dass auch Menschen in seiner unmittelbaren Nähe teils existentielle Probleme haben. Oder die unerwartete Freundlichkeit und das aufrichtige Interesse an seiner Person, die ihn zu deutlich überhöhten Trinkgeldern greifen lässt. Erlebnisse, die sein bisheriges Leben in Frage stellen, ohne dass er diese laut äussert. Die Lektüre regte mich zum Nachdenken an: zum Einen über das Buch selbst, zum Andern über mich. Nicht das Schlechteste, was man über ein Buch sagen kann :-)

    Mehr
  • Eine Lanze brechen

    Über den Winter
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    Liest man die Besprechungen der großen deutschen Zeitungen zu Rolf Lapperts Roman "Über den Winter", der es 2015 immerhin auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat, dann schien die Jury damit eine denkwürdige Fehlentscheidung getroffen zu haben. Sentimentalität, Selbstfindungskitsch, Langeweile, Flachheit, gar ein "Buch von Männern für Männer" mit "ausgelutschten Darstellungen von Virilität" sind einige der Vorwürfe, die dem Buch in großem Stil gemacht werden. Etwas freundlicher sieht es in den schweizerischen Medien aus. Nun, der Autor ist Schweizer - oder haben die Rezensenten das Buch, ähnlich wie ich, ganz anders gelesen? Nun, worum geht es? Der 50jährige Lennart Salm ist der "Held" der Geschichte. Und hier greift vielleicht schon einer der Einwände, die man dem Buch gegenüber haben könnte, zum ersten Mal: seine Überdeutlichkeit. Salm, natürlich verbindet man damit die Lachse, jene Fische, die gegen alle Hindernisse zum Laichen an ihren Geburtsort zurückkehren. Ein Akt des Schaffens neuen Lebens, aber für viele der Fische auch den Tod bedeutend. Salm, nun nicht einfach nur ein Name, denn auch Lennart Salm kehrt nach Jahren des unsteten Wanderns durch die Welt als Konzeptkünstler nach Hause zurück. Zunächst lernen wir ihn aber an einem nicht näher benannten Strand kennen. Er steckt in einer Schaffenskrise, hat sich ins Feriendomizil seines Mäzens zurückgezogen und arbeitet an einer neuen Idee. Strandgut, Fundstücke, die das Meer ans Land wirft, seit den großen Flüchtlingsströmen übers Mittelmeer auf makabere Weise "ergiebig" geworden, sollen in einer großen Installation ausgestellt werden. Als Mahnung, zur Erinnerung an die Opfer. Aber eben auch als Kunstprojekt, das Lennart eher lustlos und wenig überzeugt verfolgt. Da stößt er bei einem seiner Beutegänge am Strand auf einen toten, ertrunkenen Säugling. Eine Erschütterung die noch durch die Nachricht vom Tod seiner älteren Schwester Helen verstärkt wird. Lennart verlässt die heruntergekommene Feriensiedlung, die sich auch durch Stacheldraht und Wachmänner nicht vor den Angriffen nicht näher identifizierter Banden und dem eigenen Niedergang bewahren kann. Ein paar wackere, durchaus aber auch irgendwie lächerliche Villenbesitzer halten hier Stellung. Auch hier wieder ein vielleicht allzu deutliches Sinnbild für das Europa, das mehr oder weniger hilflos gegen inneren Zerfall und Ansturm von außen zu kämpfen hat. Zuhause in Hamburg Wilhelmsburg angekommen wird Lennart mit seiner äußerst schwierigen Familiensituation konfrontiert, der er sich jahrelang durch Arbeit und Auslandsaufenthalte entzogen hat. Seine überschwängliche, leicht chaotische Schwester Bille, der farblose Bruder Paul, die kalte Mutter und der Lennart sehr zugetane Vater, der aber mittlerweile sehr gebrechlich ist. Durch eine Affäre der Mutter, von der die Geschwister nichts wissen, wurde die Familie vor langer Zeit auseinander gerissen: Bille und Lennart blieben beim Vater, Helen und Paul bei der Mutter, die später nach Florida zog. Die Bindungen innerhalb der Familie sind eher lose, der Kontakt zwischen Mutter und Lennart, der ihr nie verzeihen konnte, praktisch null. Nun trifft man auf der Beerdigung aufeinander und die tiefen trennenden Gräben. Zögerlich nähert sich Lennart seiner Schwester, will vor allem den Kontakt zum alten Vater, der mit seiner polnischen Pflegerin Bascha lebt, intensivieren. Es kommt zu Begegnungen, die Lennart sich langsam öffnen lassen, seine Abkehr von der Kunst festigen, ebenso seinen Wunsch, zur Familie zurückzukehren. Ja, das könnte man als eine Art Selbstfindungskitsch lesen, wäre da nicht die ruhige, nahezu nüchterne und doch in manchen Beschreibungen geradezu poetische Art zu erzählen. Es ist Winter in Hamburg. Und Lennart Salm ist selbst ein wenig wie eingefroren. Rolf Lappert lässt ihm Zeit. Zeit um etwas aufzutauen, sein Leben neu zu positionieren. Viel mehr als die Selbstfindung eines Mannes der sogenannten mittleren Jahre habe ich das Buch aber als eines über Entwurzelung  gelesen, auch über Fremdheit - da ist Lennart bei den Bootsflüchtlingen vom Beginn -, eines über Bindungslosigkeit und eines über Verlust. Denn Lennart verliert nicht nur sein Fluggepäck, dessen Ortung duch allitalia so etwas wie einen running gag darstellt, sondern auch so manche Gewissheit und vor allem den Glauben an den Sinn seines künstlerischen Schaffens. Und da ist natürlich auch der Verlust der Schwester, der drohende Verlust des Vaters. Die Uhr tickt lauter und Lennart entdeckt zum ersten Mal so etwas wie Verantwortung. Rolf Lappert erzählt wie gesagt mit einer großen Ruhe, die der Leser auszuhalten in der Lage sein muss. Ich habe sie sehr genossen. Ebenso wie die vielen stimmungsvollen settings, die teilweise ins leicht Surreale kippen. Und auch Musik spielt eine große, schöne Rolle im Roman. Da kann ich über die manchmal tatsächlich etwas große Überdeutlichkeit gerne hinwegsehen. Und eine Lanze brechen für "Über den Winter": Auf der Shortlist stand das Buch völlig zu recht.

    Mehr
    • 3
  • Gewinnt die 15 Lieblingsbücher des LovelyBooks-Teams aus dem Jahr 2015!

    Lua und die Zaubermurmel
    Daniliesing

    Daniliesing

    Die Vorweihnachtszeit ist doch die schönste Zeit im Jahr für tolle Buchempfehlungen, oder? Da es ja schon eine kleine Tradition geworden ist, möchten wir vom LovelyBooks Team euch auch 2015 wieder unsere Lieblingsbücher des Jahres empfehlen und einen von euch sogar mit einem Buchpaket, das alle 15 Bücher enthält, glücklich machen! Bevor es mit den einzelnen Lieblingsbüchern losgeht, möchten wir euch aber ein wunderbares Kinderbuch ans Herz legen, das uns alle bezaubert hat und das Klein und Groß mit seiner berührenden Geschichte in seinen Bann zieht! "Lua und die Zaubermurmel" ist unser gemeinsamer Buchtipp für das Jahr 2015. Unsere Buchempfehlungen: 1. kultfigur empfiehlt: "Unterwerfung" von Michel Houellebecq Ein hochinteressantes Gedankenspiel zum schlummernden Konfliktpotential in unserer Gesellschaft und der Anpassungsfähigkeit des Einzelnen. Zeitlos und aktuell zugleich. Für mich ein geniales Buch, gerade weil es stellenweise auch banale und langweilige Seiten hat - denn so sind wir Menschen nunmal. 2. Daniliesing empfiehlt: "Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel" von Bradley Somer Ein Goldfisch fällt aus dem 27. Stock - vorbei an den vielen Fenstern des Hochhauses und den Geschichten der Menschen dahinter. Gekonnt verknüpft Bradley Somer die einzelnen Schicksale dieser Menschen - mal ganz gewöhnlich, mal total abstrus und verbindet sie zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk, das man in dieser Form bestimmt noch nicht gelesen hat! Genial! 3. TinaLiest empfiehlt: "Im Frühling sterben" von Ralf Rothmann Ralf Rothmann hat mich mit seinem sprachlich sehr beeindruckenden Roman "Im Frühling sterben" aus einer Leseflaute geholt: Ich habe ebenso gebannt wie erschüttert von den Erlebnissen des Protagonisten Walter während der letzen Monate im zweiten Weltkrieg gelesen & auch nach dem Lesen hat mich der Roman nicht so schnell losgelassen. Ein beeindruckendes, leises und sehr starkes Buch! 4. doceten empfiehlt: "Chaos" von David Mitchell In "Chaos" erzählt David Mitchell in neun Geschichten über den freien Willen des Einzelnen in einer deterministisch-chaotischen Welt - nicht das kleinste Thema für einen Debütroman. Nahezu mikroskopisch klein sind jedoch oft die verbindenden Elemente zwischen den Geschichten, bis sie sich in ein großes Ganzes fügen, das wir wohl Leben nennen. Wer die Erzählweise aus dem bekannteren "Cloud Atlas" mag, wird auch von "Chaos" begeistert sein - ich bins! 5. Malista empfiehlt: "Die schönste Art, sein Herz zu verlieren" von Mamen Sánchez Es gibt Bücher, die liest man und am Ende waren sie gut. Und es gibt Bücher wie Mamen Sanchez' "Die schönste Art sein Herz zu verlieren", erschienen im Thiele Verlag, welches einen auf eine Reise mitnimmt, die niemals enden soll! Die Faszination des Buches liegt in den pointierten Beschreibungen der Protagonisten, ihrer Herkunft und ihrer Lebensstile, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Unbedingt lesen! 6. ValerieLiebtLesen empfiehlt: "Das achte Leben (Für Brilka)" von Nino Haratischwili Ich habe das Familienepos dieses Jahr im Sommerurlaub in Portugal gelesen und war vom ersten Moment an gefesselt von dieser spannenden Geschichte rund um acht beeindruckende Frauenfiguren. Die 1200 Seiten habe ich verschlungen und danach war ich fast ein wenig wehmütig, dass die Geschichte "schon" rum war. Grandios! 7. Sophia29 empfiehlt: "Das Geheimnis des weißen Bandes" von Anthony Horowitz In diesem Jahr bin ich auf den Sherlock Holmes-Geschmack gekommen. Deswegen zählt „Das  Geheimnis des weißen Bandes“ von Anthony Horowitz zu meinen absoluten Lesehighlights 2015. Die ersten Seiten dieses Buches haben ausgereicht, um mich voll und ganz in seinen Bann zu ziehen:   London im November 1890 – der unvergleichliche Detektiv Sherlock Holmes und sein alter Freund Dr. Watson setzen alles daran, das Geheimnis um „Das weiße Band“ schnellstmöglich zu lüften, um   weitere Morde zu verhindern. Ich habe die beiden wirklich gerne auf ihrer Verfolgungsjagd begleitet und von Seite zu Seite mehr der Auflösung dieses dubiosen Falls entgegengefiebert. Dieses Buch bietet nicht nur durch und durch sympathische Protagonisten und einen einzigartigen Stil des Autors, sondern garantiert vor allem auch Spannung bis zum Schluss. 8. HannaBuecherwurm empfiehlt: "Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss Lasst euch nicht vom schleppenden Anfang des Buches trügen! Sobald ihr diesen einmal hinter euch habt, wird euch das Buch vollkommen fesseln und bis zur letzten Seite nicht mehr loslassen. Vor allem der originelle Schreibstil macht dieses Buch aus, macht euch darauf gefasst, wiederholt in Lachen ausbrechen zu müssen. Das Buch ist der Auftakt zu einem fantastischen Fantasy-Epos, auf dessen Fortsetzung ich nun richtig gespannt bin! 9. aba empfiehlt: "Die Straße der Geschichtenerzähler" von Kamila Shamsie Gegen Ende des Jahres nur ein Lieblingsbuch zu nennen, fällt einem oft schwer, wenn fast jedes gelesene Buch diese Auszeichnung verdienen könnte. Dieses Mal ist es bei mir nicht so, ich musste keine Sekunde lang überlegen, die Entscheidung stand schon im Frühjahr fest. "Die Straße der Geschichtenerzähler" von Kamila Shamsie ist mein absolutes Lieblingsbuch aus 2015. Für so viel Leidenschaft, so konsequente und menschliche Charaktere, und eine glaubhafte und spannende Entwicklung habe ich dieses Buch sehr geliebt. 10. Kathycaughtfire empfiehlt: "Wer die Nachtigall stört ..." von Harper Lee Eines der Bücher, das man in seinem Leben unbedingt gelesen haben sollte. Es ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur, aber einer, den man schlichtweg lieben muss. Die Geschichte ist wunderschön, die Botschaft nach wie vor eine unglaublich wichtige und Harper Lee eine grandiose Autorin. 11. markusros empfiehlt: "Vom Inder, der auf dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden" von Per J. Andersson Das Buch und speziell der so mutige Pikay haben mir die eigene Lust am Abenteuer und an fernen Ländern nicht nur in den Lesestunden zurückgebracht. Ich bewundere den Mut, sich aus Überzeugung für eine Sache in Situationen zu begeben, ohne vorher alle Eventualitäten intellektuell durchdacht und durchdrungen zu haben. 12. Tree_Trunks empfiehlt: "Altes Land" von Dörte Hansen Für mich ist "Altes Land" von Dörte Hansen eines der besten Bücher 2015 gewesen. Die Geschichte beschreibt die kleinen Wunden, die sich die Generationen einer Familie gegenseitig zufügen können und erzählt von der Bürde der Vergangenheit. Gleichzeitig hat Dörte Hansen einen tollen Humor, der mich wirklich laut zum Lachen gebracht hat und der von einer ungetrübten Menschenkenntnis zeugt. Ein großartiges Buch über menschliche Stärken und Schwächen! 13. Tasmetu empfiehlt: "Ich bin Malala" von Malala Yousafzai Dieses Buch war so viel mehr als das, was ich erwartet habe und ließ mich tief berührt und nachdenklich zurück. Es ist die Geschichte des Swat Lands, es ist die Geschichte der Taliban, des Islams, es ist die Geschichte ihres Dorfes, ihrer Eltern, ihrer Freunde, ihrer Heimat, ihrer Flucht. Sympathisch, aufrüttelnd, aktuell. 14. nordbreze empfiehlt: "Bora" von Ruth Cerha Die Frankfurter Verlagsanstalt sollte dieses Buch nur zusammen mit einem Flugticket nach Kroatien verkaufen. Obwohl ich schon immer eine Wasser-Sehnsucht hatte, war diese noch nie so stark wie beim Lesen von "Bora". Ich möchte auch eine Insel erkunden, klettern, schwimmen, Wein trinken (ich mag gar keinen Wein ..) und Fisch essen. Ruth Cerha beschreibt das Inselleben einfach, alltäglich, aber trotzdem prägnant, so dass man das Gefühl hat, schon einmal dort gewesen zu sein (was ich für mich ausschließen kann. Ich war noch nie in Kroatien). Hinzu kommen mit Mara und Andrej zwei unaufdringliche Protagonisten, deren Liebesgeschichte so dezent aufgestellt ist, eigentlich will ich das gar nicht Liebesgeschichte nennen. Zwischen den beiden herrscht einfach eine große Vertrautheit, die ohne große Worte auskommt. Seid ihr neugierig auf unsere 15 Lieblingsbücher 2015 geworden? Dann habt ihr bis einschließlich 6. Januar Zeit, bei der Verlosung eines tollen Buchpakets mit allen 15 Büchern mitzumachen. Jetzt müsst ihr uns über den "Jetzt bewerben"-Button ganz oben nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei: Da wir selbst immer so gerne Bücher verschenken, würden wir von euch gern wissen, welche Bücher ihr dieses Jahr zu Weihnachten verschenkt und wieso ihr euch für genau diese entschieden habt? Welche sind eure Buchgeschenktipps des Jahres? Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!

    Mehr
    • 990
  • Porträt eines Ratlosen

    Über den Winter
    alasca

    alasca

    25. September 2015 um 11:48

    Porträt eines Ratlosen Lennard Salm, Ende vierzig, hat sich mit spektakulären Installationen und Inszenierungen einen Namen als bildender Künstler gemacht. Im Prolog des Romans begegnen wir ihm in der Alptraumversion eines Ferienresorts irgendwo in Beinah-Sichtweite Afrikas. Das Voyeuristisch-Fragwürdige seines künstlerischen Tuns geht ihm auf, als er nach einem Sturm, beim Sammeln von Treibgut für eine Installation, ein gekentertes Rettungsboot mit einem toten Säugling darin findet. Die Nachricht vom Tod seiner älteren Schwester Helene bringt Lennard zurück in den kleinbürgerlichen Teil Hamburgs, dem er damals um jeden Preis hat entfliehen wollen. Bei der Beerdigung trifft die Familie sich wieder – Lennards Eltern sind seit langer Zeit geschieden. „Salmland“, wie Lennards Mutter die Familie nannte, ist wie viele andere: leidlich normal von außen, kompliziert von innen. Salms Verhältnis zum Vater Albert und der anarchischen jüngeren Schwester Bille ist liebevoll, das zu seiner überkontrollierenden Mutter feindselig und zu seinem bürgerlichen Bruder Paul distanziert. Salms Namen habe ich spontan mit dem Fisch assoziiert, der sich nach langer Odyssee endlich den heimatlichen Fluss zu seinem Ursprung hochkämpft, – um dort, ja, was? Die Antwort darauf bleibt der Roman schuldig. Jedenfalls will Salm kein Künstler mehr sein – was er stattdessen sein will, weiß er nicht so genau, und einen titelgebenden Winter lang macht er Suchbewegungen. Möglichkeiten scheinen auf, aber er nutzt sie nicht. Er zieht in sein altes Kinderzimmer und entdeckt seine humanistische Ader, die ins Leere läuft, denn niemand (SPOILER AN) scheint ihn zu brauchen: Seine Schwester verliebt sich und reist zur Mutter nach Florida, die alte Nachbarin kann er nicht retten, sein Vater begleitet Bascha, seine polnische Betreuerin, nach Polen; seine neue Nachbarin Nadja, in die er sich halb verliebt, geht zu ihrem Mann zurück; seine New Yorker Bleibe fällt einem Gebäudeabriss anheim (SPOILER AUS) … es ist ein Prozess der Entropie, der sich vollzieht, so dass ich schon argwöhnte, all dieses Loslassen(-müssen) Salms münde am Ende in einen Suizid. Virtuos variiert Lappert in seinem Roman Bilder der Fremdheit und des Zerfalls. Da gibt es das Motiv des Treibgutes, und da gibt es – als running gag – Salms Koffer, der auf seinem Heimflug nach Hamburg fehlgeht und eine Weltreise ohne ihn antritt. Ein weiteres wiederkehrendes Motiv sind Vulkane, die eruptive Veränderung bringen können, aber auch den Weltuntergang. Lappert malt schöne Fremdheitsbilder, etwa das exotisch-schäbige „Hotel Babylon“ in einem multiethnischen Viertel Hamburgs; und die türkische Schneiderei, bei der Salm seinen Beerdigungsanzug kauft, und der griechische Herrenfriseur in seinem fast schon antiken Salon sind szenische Kabinettstückchen. Zwischendurch blitzen durch Salms Wahrnehmung Graffiti auf wie “DU GEHÖRST NICHT HIERHER!“ oder „KEIN LICHT! KEIN ENDE! NUR DER TUNNEL.“ Die melancholische Grundstimmung wird aufgelockert mit schrägen Ideen wie die klapprige herrenlose Stute, die der Nachbarsjunge in der Garage untergebracht und ganz ironiefrei nach einer Fantasy-Serienheldin „Xena“ getauft hat. (Salms naive Aufbaukur – eimerweise! Hafer – hätte übrigens jedes reale Pferd umgebracht;-)) Zum Schmunzeln manche Wortschöpfungen von Albert: RÜCKZUGSGEBIETER, DACHBODENLOSIGKEIT oder Bille: KUHTRITT VERBOTEN! Mit Bille gibt es obendrein witzige Dialoge: „Hast du Whisky im Haus?“ - „Hab ich Bücher im Haus?“ Amüsant auch die gnadenlos praktische Bascha, der Lappert schöne Fehler in den Mund legt, etwa wenn sie den Beerdigungsanzug von Salm als „vornehmlich“ bezeichnet. Am Ende des Romans ist der Koffer angekommen, aber Salm (und die Leserin) immer noch nicht; ich fühlte mich so ratlos wie der Protagonist in seiner Zwischenwelt, und das angedeutet versöhnliche Ende war mir zu glatt. Dennoch: Lapperts Humor macht einfach Spaß, man muss die kunstvolle Konstruktion bewundern, und die szenische Schreibe ist ein Genuss.

    Mehr
  • Deutscher Buchpreis 2015 - Die Longlist: Fragerunde mit Rolf Lappert zu "Über den Winter"

    Über den Winter
    Fussel1986

    Fussel1986

    Fragerunde mit Rolf Lappert, dem Autor von "Über den Winter" Im Rahmen unserer Aktion rund um die Longlist des Deutschen Buchpreises 2015 habt ihr die Chance, den Autoren, die mit ihren Werken nominiert sind, Fragen zu stellen und ihre Bücher zu gewinnen. Hier könnt ihr für euren Longlist-Favoriten abstimmen! Wir freuen uns sehr, am Sonntag, dem 13.09. Rolf Lappert in unserer Fragerunde begrüßen zu dürfen! Sein Roman "Über den Winter" ist ein eindrückliches Buch über das fragile und doch so unverwüstliche Gebilde, das man Familie nennt. Habt ihr Lust, mehr über den Autoren, seine Arbeit oder seinen zarten, großen Familienroman zu erfahren? Dann verpasst nicht die Chance, eure Fragen in hier in unserer Fragerunde loszuwerden! Mehr zum Buch Lennard Salm ist fünfzig und als Künstler weltweit durchaus erfolgreich. Als seine älteste Schwester stirbt, kehrt er zurück nach Hamburg und in die Familie, der er immer entkommen wollte. So schnell wie möglich will er wieder zurück in sein eigenes Leben. Aber was ist das, das eigene Leben? Salms jüngere Schwester Bille verliert ihren Job, sein Vater nähert sich immer schneller der Hilflosigkeit. Einen funkelnden Winter lang entdeckt Salm, dass niemand jemals alleine ist. Er lernt seine Eltern und Geschwister neu kennen. Rolf Lappert erzählt vom Wunder der kleinen Dinge und von dem, was heute Familie bedeutet. Lust auf mehr? Hier geht es zur Leseprobe! Mehr zum Autor Rolf Lappert wurde am 21. Dezember 1958 in Zürich, Schweiz geboren. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Grafiker. Bereits im Alter von 20 Jahren begann er Kurzgeschichten, Romane und Erzählungen als freier Autor zu verfassen. 1982 erschien sein Debütroman "Folgende Tage".  Neben dem Schreiben seiner Romane und Gedichtbände arbeitete er auch für Literaturzeitschriften, Zeitungen und Magazine. Im August 2015 erscheint sein neuer Roman "Über den Winter" im Hanser Verlag. Zusammen mit dem Carl Hanser Verlag verlosen wir unter allen, die Rolf Lappert über den blauen "Jetzt bewerben"-Button mindestens eine Frage stellen, 3 Exemplare von "Über den Winter"! Wer bei allen Fragerunden mit den Longlist-Autoren mitmacht, hat zusätzlich die Chance auf ein großes Buchpaket, vollgepackt mit allen nominierten Werken! Rolf Lappert wird am Sonntag, dem 13. September 2015 voraussichtlich bis ca. 20 Uhr eure Fragen beantworten - die Fragerunde wird also gegebenenfalls nicht bis Mitternacht geöffnet sein! Bitte habt Verständnis dafür, dass wir die Fragerunde dann dementsprechend auch schließen. Wir wünschen allen Teilnehmern viel Spaß und freuen uns auf eure Fragen!

    Mehr
    • 124
  • Am Wendepunkt

    Über den Winter
    serendipity3012

    serendipity3012

    04. September 2015 um 19:00

    Am Wendepunkt Lennard Salm ist Anfang 50 und lebt seit vielen Jahren als Künstler in den USA. Zu seiner Familie hat er sporadischen Kontakt. Als seine ältere Schwester an einem angeborenen Herzfehler stirbt, reist er eher widerwillig in die Hamburger Heimat. Dort trifft er auf seine Schwester Bille, zu der er das engste Verhältnis hat, auf seinen Vater Albert, den das Alter inzwischen gezeichnet hat und der die Hilfe der Polin Bascha benötigt, die für ihn sorgt. Die Eltern hatten sich getrennt, als Lennard noch ein Kind war. Die Beziehung zur Mutter ist distanziert, Lennard ist der Einzige der Geschwister, der vom wahren Grund der Trennung der Eltern weiß, mit der sein jüngster Bruder Paul zu tun hat, auf den er nun ebenfalls wieder trifft. Nachdem Lennard also halbherzig nach Gründen gesucht hat, nicht nach Deutschland fliegen zu müssen, fällt es ihm zunächst schwer, seiner Familie entspannt gegenüber zu treten. Was als Stippvisite geplant war, dauert aber an und schließlich stellt Lennard fest, dass er in sein altes Leben nicht mehr zurück will und dass er seine künstlerische Laufbahn beenden möchte. Er verbringt viel Zeit mit Bille, die sich von einem Job zum nächsten hangelt und er beschließt, bei seinem Vater einzuziehen. Plötzlich besteht das Leben aus den einfachsten Tätigkeiten und Lennard lebt zunächst in den Tag hinein, wartet auf sein Gepäck, das die Fluggesellschaft fehlgeleitet hat und irgendwie auch darauf, ganz plötzlich zu wissen, wie sein Leben weitergehen soll. „Über den Winter“ bleibt Lennard in Hamburg und von diesem Winter erzählt Rolf Lappert in seinem neuesten Roman, mit dem der Autor zum zweiten Mal seit 2008 (damals mit „Nach Hause schwimmen“) für den Deutschen Buchpreis nominiert ist. Lappert erzählt seine Geschichte in stets ruhigem, unaufgeregten Ton, beschreibt das Leben Lennards gerade heraus. Vordergründig sind es Alltäglichkeiten, Gespräche mit den Geschwistern, der Kontakt zu einer Nachbarin und ihrem pubertierenden Sohn und anderen Hausbewohnern. Auch der Versuch, seinem Geschäftspartner Wieland aus dem Weg zu gehen, der eine Art Mäzen seiner Kunst ist. Darüber hinaus aber beschreibt Lappert gekonnt eine Familie mit ihrer ganz speziellen Dynamik. Lennard ist an seine Familie gebunden und kann diese Verbindung nicht einfach kappen – selbst wenn er das wollte, was aber, wie deutlich wird, gar nicht der Fall ist. Das Verhältnis zur Familie mag kompliziert sein, das Verhalten in ihr folgt eigenen Gesetzen. Es ist nicht immer einfach, sich in diesem Gebilde, dessen Regeln vor langer Zeit festgesetzt wurden, zu behaupten bzw. sich eben diesen Regeln zu entziehen oder in der Familie plötzlich eine andere Rolle einnehmen zu wollen. Lennard steht an einem Wendepunkt. Als Wieland ihn fragt, was er denn mit seinem Leben nun tun möchte – in seinem Alter – weiß Lennard darauf keine Antwort. Kann er das, einfach so ein anderes Leben leben? „Über den Winter“ konnte mich nicht ganz so mitreißen wie 2010 Lapperts letzter Roman für Erwachsene „Auf den Inseln des letzten Lichts“. (2012 erschien das Jugendbuch „Pampa Blues“) Auch dort war Familie, in dem Fall eine enge Geschwisterbeziehung, Thema der Geschichte. In Lapperts neuem Roman hatte ich zuweilen das Gefühl, ein wenig ziellos umherzutappen. Wo führt diese Geschichte mich hin? Wohin geht diese Reise? Genau genommen überträgt sich in dieser Ziellosigkeit, die ich beim Lesen manchmal gespürt habe, aber nur die seelische Verfassung des Protagonisten auf den Leser. So hat auch das Gefühl des vorübergehenden Verlorenseins seinen Sinn. Lapperts erzählerische Leichtigkeit und Unaufgeregtheit machen „Über den Winter“ zu einem sehr lesenswerten Buch über einen Mann in der Mitte des Lebens.

    Mehr
  • Deutscher Buchpreis 2015: Fragerunden mit den Autoren der Longlist

    TinaLiest

    TinaLiest

    Seit dem 19. August steht es fest: Die Jury des Deutschen Buchpreises 2015 hat die Longlist aus 20 Büchern zusammengestellt. Hier seht ihr die komplette Liste! Wir haben für euch nun wie im letzten Jahr eine besondere Aktion erdacht: Ihr habt in den ersten Septemberwochen die Möglichkeit, den Autoren, die es mit ihren Büchern auf die Longlist geschafft haben, Fragen zu stellen & auch ihre Bücher zu gewinnen! Wir haben bereits Zusagen von Autoren aus dem Klett-Cotta Verlag, dem Verbrecher Verlag, dem Literaturverlag Droschl, dem Verlag Matthes & Seitz und dem Hanser Verlag. Diese Liste ist aber noch nicht final und wird womöglich noch um weitere Fragerunden und Termine ergänzt. Hier die Termine für die Fragerunden, die bisher feststehen: Dienstag, 1. September 2015: Anke Stelling - "Bodentiefe Fenster" Hier geht es zur Fragerunde! Montag, 7. September 2015: Gertraud Klemm - "Aberland" Hier geht es zur Fragerunde! Dienstag, 8. September 2015: Monique Schwitter - "Eins im Andern" Hier geht es zur Fragerunde! Mittwoch, 9. September 2015: Steffen Kopetzky - "Risiko" Hier geht es zur Fragerunde! Donnerstag, 10. September 2015: Frank Witzel - "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" Hier geht es zur Fragerunde! Sonntag, 13. September 2015 Rolf Lappert - "Über den Winter" Hier geht es zur Fragerunde! Dienstag, 15. September 2015 Vladimir Vertlib - "Lucia Binar und die russische Seele" Hier geht es zur Fragerunde! Sobald die Fragerunden eröffnet sind, werden wir sie auch hier verlinken. Ihr könnt den Autoren am jeweiligen Tag im entsprechenden Thema (also nicht hier im Thema!) Fragen stellen, die sie euch dann natürlich auch beantworten. Wenn ihr an der Verlosung teilnehmen möchtet, achtet bitte darauf, dass ihr eure Fragen über den blauen "Jetzt Bewerben"-Button stellt. Bitte beachtet außerdem, dass die Fragerunden teilweise nicht bis Mitternacht geöffnet sein werden, sondern die letzten Fragen schon am Abend gestellt werden müssen! Wie auch bei unseren Fragefreitagen werden wir unter allen Fragestellern einige Exemplare der Bücher verlosen, mit denen die Autoren nominiert sind. Unter den Teilnehmern an allen Fragerunden verlosen wir 1 riesiges Buchpaket mit ALLEN Büchern aus der Longlist 2015: Alina Bronsky - "Baba Dunjas letzte Liebe" Ralph Dutli - "Die Liebenden von Mantua" Jenny Erpenbeck - "Gehen, ging, gegangen" Valerie Fritsch - "Winters Garten" Heinz Helle - "Eigentlich müssten wir tanzen" Gertraud Klemm - "Aberland" Steffen Kopetzky - "Risiko" Rolf Lappert - "Über den Winter" Inger-Maria Mahlke - "Wie ihr wollt" Ulrich Peltzer - "Das besondere Leben" Peter Richter - "89/90" Monique Schwitter - "Eins im Andern" Clemens J. Setz - "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre" Anke Stelling - "Bodentiefe Fenster" Ilija Trojanow - "Macht und Widerstand" Vladimir Vertlib - "Lucia Binar und die russische Seele" Kai Weyand - "Applaus für Bronikowski" Frank Witzel - "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" Christine Wunnicke - "Der Fuchs und Dr. Shimamura" Feridun Zaimoglu - "Siebentürmeviertel" Hier im Thema könnt ihr zwar keine Fragen stellen, aber ganz wunderbar diskutieren! Habt ihr schon eines oder sogar mehrere der Bücher gelesen? Welches ist euer Favorit für den Buchpreis? Ich wünsche euch ganz viel Spaß bei den Fragerunden und bin gespannt auf eure Meinungen!

    Mehr
    • 72