Roma Ligocka Die Handschrift meines Vaters: Verräter oder Held? - Ein Jahr der Suche

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Inhaltsangabe zu „Die Handschrift meines Vaters: Verräter oder Held? - Ein Jahr der Suche“ von Roma Ligocka

Nachdenklich machend auf jeden Fall. Teilweise nur ein wenig zu sentimental. Weicht auch vom Thema ab. Ansonsten ganz gutes Buch.

— rumble-bee
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    Die Handschrift meines Vaters: Verräter oder Held? - Ein Jahr der Suche
    rumble-bee

    rumble-bee

    08. August 2014 um 15:51

    Insgesamt hat mir dieses Buch recht gut gefallen. Aber leider kann ich nicht die volle Punktzahl geben, weil es am Ende doch etwas Anderes war, als im Klappentext angegeben. Roma Ligocka ist eine mittlerweile recht bekannte Persönlichkeit. Sie hat schon mehrere Bücher geschrieben, unter anderem über ihre Kindheit im Warschauer Ghetto. Und - sie hat Steven Spielberg zu ein paar sehr traurigen Szenen in seinem Welterfolg "Schindlers Liste" inspiriert, denn sie war das "Mädchen im roten Mantel". Ich hatte mit diesem Buch eine Auseinandersetzung mit dem Vorleben ihres Vaters erwartet, eine Diskussion dessen, was es heißt, Kind eines im Krieg verfolgten Juden zu sein. Das habe ich nur teilweise bekommen. Roma Ligocka beschreibt in diesem Buch ein ganzes Jahr ihres Lebens, und zwar von Juni bis zum darauffolgenden Mai. Jedes Kapitel ist grob einem Monat gewidmet. Nun geht es aber in diesem Jahr bei weitem nicht nur um ihren Vater, und um Recherchen zu seiner Verhaftung und seinem Prozess. Nein, es geht eben auch in weiten Teilen um Romas Privatleben. Das war zwar ganz nett, aber für mich eben auch oft zu privat, zu sentimental. Denn Roma lernt in diesem Buch, in diesem Jahr, auch ihren Freund, ihren Geliebten, kennen. Der ist zwar auch Jude und hat einiges mitgemacht. Aber in weiten Teilen ist es einfach eine Liebesgeschichte. David ist noch verheiratet, und dann erkrankt seine Frau auch noch an Krebs... Das ist ja alles ganz hübsch zu lesen. Aber was geht mich das an? Und worüber beklagt sie sich denn bitteschön, wenn sie sich "mal eben" für ein Wochenende in Rom oder ein Treffen in Krakau verabreden, und um die halbe Welt reisen, um einander zu sehen...? Oder mal eben eine Woche Luxusurlaub zusammen machen? Für mich ist das alles "Jammern auf hohem Niveau", und hat für mich primär in einem Buch über einen jüdischen Vater nichts zu suchen. Überhaupt ist Roma sehr weinerlich veranlagt, und das hat mir nicht so gut gefallen. Wohlgemerkt, ich bewerte hier nicht ihr Leben, ihr Schicksal. Aber aus meiner Sicht ist es so, dass sie ihren Bekanntheitsgrad und Autorenstatus dazu benutzt, rührselige Tagebucheinträge gleich mit zu vermarkten. Ich persönlich hätte das Buch um mindestens ein Drittel gekürzt, und wirklich nur die Suche nach der Vorgeschichte des Vaters beschrieben. Die Kapitel, die von ihrem Vater, von ihren Lesereisen und ihren Recherchen handeln, sind eigentlich gut. Es ist verblüffend, wie sehr das "Jüdischsein" noch heute vom Fernsehen, von Verlagen, etc. "ausgeschlachtet" und vermarktet wird! Hier habe ich oft mitfühlen können. Aber oft habe ich auch den Kopf geschüttelt. Da bekommt sie gleich einen halben Nervenzusammenbruch, nur weil ihr die vom Verlag zugesagte Wohnung in Amerika nicht passt... und ruft weinend bei ihrem Sohn in Deutschland an... Manches war einfach schwer nachzuvollziehen. Ich pendle mich auf eine mittlere Bewertung ein. Man kann das Buch sicherlich gut lesen. Man sollte sich aber auf zahlreiche Abweichungen vom Thema gefasst machen.

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