Romain Gary

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Autor von Frühes Versprechen, Du hast das Leben noch vor dir und weiteren Büchern.

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Frühes Versprechen

Frühes Versprechen

 (9)
Erschienen am 01.08.2010
Du hast das Leben noch vor dir

Du hast das Leben noch vor dir

 (6)
Erschienen am 01.01.2004
La vie devant soi

La vie devant soi

 (5)
Erschienen am 01.01.1992
Du hast das Leben vor dir

Du hast das Leben vor dir

 (4)
Erschienen am 21.02.2018
Die Liebe einer Frau

Die Liebe einer Frau

 (4)
Erschienen am 01.08.2009
Das Gewitter

Das Gewitter

 (2)
Erschienen am 18.01.2011
Die Wurzeln des Himmels

Die Wurzeln des Himmels

 (1)
Erschienen am 01.01.1957
Lady L

Lady L

 (1)

Neue Rezensionen zu Romain Gary

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Du hast das Leben vor dir" von Romain Gary

Selten habe ich mich so traurig amüsiert
Gwhynwhyfarvor 14 Tagen

Der erste Satz: »Als allererstes kann ich Ihnen sagen, dass wir immer 6 Treppen rauf mussten, und zwar zu Fuß, und für Madam Rosa mit ihren ganzen Kilos und nur zwei Beinen fing da der Alltag mit Kummer und Sorgen schon an.«

Eine wundervolle Geschichte von 1975 aus der Sicht eines illegalen Jugendlichen, der in ärmsten Verhältnissen in Paris lebt. Der Roman von Romain Gary, der ihn unter dem Pseudonym Émile Ajar veröffentlichte, hat damals den Prix Goncourt gewonnen. Ein Skandal, denn diesen Preis darf man nur einmal im Leben gewinnen, und Romain Gary hatte ihn bereits mit »Die Wurzeln des Himmels« 1956 erhalten. Er gab den Preis nach einer saftigen Trickserei zurück. Dieser französische Bestseller, wurde mit Simone Signoret in der Rolle der Madame Rosa verfilmt. Auch in Deutschland war der Roman zu jener Zeit ein Bestseller. Ein Buch in der Neuauflage, mit Recht, Romain Gary, ein Schriftsteller, den man nicht vergessen sollte.

»Lange Zeit wusste ich gar nicht, dass ich Araber war, weil mich niemand beleidigte. Erst in der Schule hat man es mir beigebracht. Aber ich hab mich nie geprügelt, es tut immer weh, wenn man jemand schlägt.«

Selten habe ich mich so traurig amüsiert. Denn die Geschichte ist traurig, allerdings mit so tiefgehendem schwarzen Humor geschrieben, dass man die inneren Tränen wegschmunzelt. Es ist die Erzählung über eine Liebe, die Liebe zwischen dem Jungen Momo, der eigentlich Mohamed heißt, und Rosa, einer alternden jüdischen Hure, die seine Ziehmutter ist. Rosa hat früher einmal ihren Arsch hingehalten, wie sie sich ausdrückt, sie wurde während der Hitlerzeit ins KZ verschleppt, überlebte und ging zunächst wieder auf den Strich. Irgendwann hat sie eine Pflegestelle für Hurenkinder aufgemacht. Damals wurden Prostituierten vom Jugendamt die Kinder weggenommen und ins Heim gesteckt. Die Frauen wollen ihre Kinder nicht verlieren und so werden sie bei Madame Rosa geparkt, gegen Entgelt. Aber auch andere, wie ein verwitweter Müllwerker, die nicht wissen, wo sie die Sprösslinge tagsüber lassen sollen, bringen sie zu Rosa. Manche der Kleinen werden täglich abgeholt, einige wohnen bei Rosa. Manche kann sie in eine gute Familie vermitteln, die sich Kinder wünschen. Momo lebt bei ihr, seit er drei Jahre ist. Er weiß nichts über seine Eltern, nur dass er Araber ist, hofft, irgendwann herauszufinden, wer seine Erzeuger sind. Rosa wohnt in der Rue Bisson in Paris, ein Viertel das Farbige, Araber und Juden beherbergt, sogar ein waschechter Franzose ist dort zu Hause.

»Ich bin noch eine ganze Weile dageblieben und hab die Zeit verrieseln lassen, die immer so langsam unterwegs ist und sicher nicht aus Frankreich kommt. Monsieur Hamil sagte mir oft, die Zeit kommt langsam aus der Wüste mit ihren Kamelkarawanen und hats nicht eilig, weil sie die Ewigkeit im Gepäck hat.«

Lesen und schreiben lernt Momo bei dem arabischen Teppichhändler Monsieur Hamil, der gern Victor Hugo zitiert, von dem er einen Roman zusammen mit dem Koran in der Tasche trägt, später, leicht dement, die Passagen aus den Büchern beim Zitieren verwechselt. Momo ist illegal, wie meisten im Viertel. Für Madame Rosa ist er etwas Besonderes, denn Momo ist schlauer als der Rest der Bande. Und er glaubt, er sei zehn Jahre alt, denn das behauptet Rosa. Später wird er erfahren, dass er bereits vierzehn ist, denn Rosa hat Angst, er würde abhauen, wenn er alt genug sei. Die Frau hat es nicht einfach mit den Kindern, immer wieder geben Frauen ihre Sprösslinge ab, zahlen nicht die monatliche Betreuung, die Mütter sind unauffindbar. Und Rosa ist in die Jahre gekommen, ebenso Monsieur Hamil. Körperliche Schwächen, erste Zeichen von Demenz, Rosa kann das alles nicht mehr schaffen. Nun bleiben außerdem die monatlichen Raten für Momo aus nach all den Jahren. Aber sie behält ihn, denn die beiden verbindet eine tiefe Zuneigung. Und wo soll der Junge auch hin? Mit Rosas Gesundheit geht es weiter bergab, sie kann nicht mehr die Treppen gehen und ihr Köper versagt gleichermaßen an anderen Stellen - demente Zustände, komatöse Zustände. Ohne die bezahlenden Mütter geraten Rosa und Momo ins Elend – wären da nicht die vielen hilfreichen Seelen aus dem Viertel. Eins muss Momo Rosa versprechen: Nie im Leben will sie ins Krankenhaus gehen, egal was Doktor Katz auch erzählen wird, traumatische KZ-Erlebnisse dringen immer wieder in Rosas Alltagsleben ein.


»Ich bin so lang neben ihr sitzen geblieben, wie es ohne Schiffen oder Essen ging. Ich wollte da sein, wenn sie wiederkommt, damit ich das Erste bin, was sie sieht.«

Wir tauchen in diesem Roman tief in die damaligen Stadtteile der Einwanderer ein, ein geordnetes Chaos der Illegalität. Menschen die sich durch das Leben kämpfen, fein beschriebene Charaktere legt Romain Gary hier vor. Juden, Araber, Christen, Nutten, Händler, Transvestiten, Illegale, Legale, Schwarze, Weiße, Bunte, Menschen wie du und ich mit einer Hoffnung im Herzen. Eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig schützt und stützt, und natürlich gibt es auch solche, die andere verpfeifen. Ein Drama, so böse und doch so humorvoll, scharf hingesehen auf die gesellschaftlichen Details. Ein Erwachsener, der aus der Sicht eines Kindes für Erwachsene erzählt, für die meisten Schriftsteller ein sprachlicher Akt, der nicht zu schaffen ist. In der Regel wird das nichts, es klingt kitschig-trivial, naseweis oder unecht. Romain Gary gelingt es mit diesem Roman, sich empathisch in die Gedanken und Sprache von Momo hineinzuversetzen, die Welt mit seinen Augen zu sehen, ganz ohne Kitsch - Gefühle mit voller Breitseite, ein Staunen über die Welt.

Romain Gary wurde als Roman Kacew in Wilna, damals Polen, heutigen Litauen, geboren. Seine jüdische Mutter war ehrgeizig mit ihrem Sohn, hatte viel vor mit dem kleinen Roman. Sie war zeitlebens sein Antreiber. Violinenspieler, Dichter, Diplomat, ein berühmter Maler oder Tänzer, solche Vorstellungen spukten in ihrem Kopf. Darum wanderte sie mit ihrem Sohn nach Frankreich aus, er war damals dreizehn, der Vater verließ die Familie, als Roman elf war. Er machte sein Abitur in Nizza und studierte Jura, wurde 1938 Pilot bei der französischen Luftwaffe. Als die Deutschen Frankreich besetzten, floh der junge Mann 1940 nach England und wurde Pilot der englischen Luftwaffe unter dem Decknamen Romain Gary. Der Traum der Mutter ging letztendlich auf. Roman Kacew arbeitete nach dem Krieg als Diplomat, war gezwungen wieder den jüdischen Namen anzunehmen, und konnte dann aber doch Romain Gary als Namen legalisieren, unter dem (und 5 Pseudonymen) er über 30 Romane mit großem Erfolg schrieb, und er war nebenbei Filmregisseur und Übersetzer. Er war ein Lebemann und Frauenheld, war zweimal verheirtet, in zweiter Ehe mit der berühmten Schauspielerin Jean Seberg, die Ehe ging nicht gut.

Für dieses Buch, »Du hast das Leben vor dir«, erhielt er unter dem Pseudonym Émile Ajar das zweite Mal den Prix Goncourt. Die Presse wollte natürlich wissen, wer dieser Schriftsteller ist, war ihm auf der Spur. Er schob geschickt einen entfernten Verwandten vor, Paul Pavlowitch, der zurückgezogen in Südfrankreich lebte. Die Kritiker ließen sich aber nicht täuschen und Pavlowitch hatte nicht das Format, sich zu verstellen und in Szene zu setzen, also gestand er seine Lüge. Der größten Skandal der französischen Literaturgeschichte lief zur Hochform auf und der wahre Verfasser wurde enttarnt. 1980 nahm sich Gary das Leben, indem er sich in seinem Auto erschoss. Zwei Jahre zuvor hatte bereits Jean Seberg Selbstmord verübt.

Er hinterließ einen Abschiedsbrief: »Für die Presse. D-Day. Kein Zusammenhang mit Jean Seberg. Die Anhänger des gebrochenen Herzens mögen sich woanders hinwenden. Offensichtlich kann man dies einer nervösen Depression anlasten. Allerdings muss man dann zugeben, dass sie andauert, seitdem ich das Mannesalter erreicht habe, und dass sie mir erlaubt hat, mein literarisches Gesamtwerk zu vollenden. Warum also? Vielleicht muss man die Antwort im Titel meines autobiographischen Werkes suchen: ›Ruhig wird die Nacht sein,‹ und in den letzten Worten meines letzten Romans: ›Man könnte es nicht besser sagen.‹ Ich habe mich endlich vollständig ausgedrückt.«

Der Skandal um das Buch geht aber auch nach Garys Tod weiter. Der Roman »Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran«, von dem französischen Schriftsteller Eric-Emmanuel Schmitt geschrieben, wurde 2001 nicht nur ein Bestseller. Schmitt wurde mit Plagiatsvorwürfen überschüttet, denn sein Roman ähnelt auffällig dem von Romain Gary. Nur Gary konnte es eindeutig besser, ganz ohne Kitsch.

»Er hat in der Tat etwas von einem Virtuosen, der sich seines Publikums bewusst ist und die Effekte anstrebt mit Mitteln, die vom Purzelbaum bis zur Sentimentalität reichen – ein Stück Clown, ein Stück Held, ein Stück geigender Zigeuner. Was ihn als Schriftsteller vor seinen Gefahren und seiner eigenen Geschicklichkeit immer wieder rettet, das ist sein Gefühl für das Absurde der eigenen Existenz, sein paradoxaler Humor.« (François Bondy)

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miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Du hast das Leben vor dir" von Romain Gary

Romain Gary/Émile Ajar - Du hast das Leben vor dir
miss_mesmerizedvor einem Jahr

Wie alt er genau ist, weiß der kleine Mohammed, genannt Momo, nicht. Auch wer seine Eltern sind, hat er nie erfahren. Aber das ist auch nicht so wichtig, denn er hat ja Madame Rosa, die sich in Belleville um eine ganze Reihe von Kindern kümmert, deren Mütter als Prostituierte arbeiten und keine Zeit für den Nachwuchs haben. Mit einer gehörigen Portion Cleverness und einer guten Beobachtungsgabe gesegnet, berichtet er dem Leser in einer kindlich-unbeschwerten Weise vom Leben im Haus, vom Stadtviertel und natürlich von Madame Rosa und deren Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg, die bei ihr als polnischer Jüdin deutliche Spuren hinterlassen hat. Zunehmend geht es der alten Frau schlechter und Momo ist mehr auf sich gestellt und muss ihre Fürsorge für die anderen Kinder mittragen. Doktor Katz begleitet ihn beim älter werden ebenso wie Nachbar Hamid. In dem bunten Pariser Stadtteil fällt das seltsame Gespann eines arabischen Jungen und einer alten Jüdin nicht weiter auf, doch sie sind etwas Besonderes in einer Zuneigung und Sorge für einander.


Der Roman „Du hast das Leben noch vor Dir“ wurde von Christoph Roeber neu übersetzt und erscheint nun zum ersten Mal unter dem tatsächlichen Namen des Autors Romain Gary. Bei der Erstveröffentlichung 1975 nutze Gary das Pseudonym Émile Ajar, wie unzählige andere Pseudonyme, was ihn jedoch recht bald in eine schwierige Situation brachte: bereits mit dem renommierten Prix Goncourt ausgezeichnet, konnte er diesen gemäß der Statuten nicht ein zweites Mal erhalten. Émile Ajar lehnte ihn daraufhin ab, die tatsächliche Identität wurde jedoch erst nach Garys Tod bekannt und gilt seither als einer der großen französischen Literaturskandale des 20. Jahrhunderts. Romain Gary als öffentliche Figur hatte ebenso wie seine Bücher einen großen Unterhaltungswert wie François-Henry Désérable in seinem Roman „Un certain M. Piekielny“ beweist und mich so an den kleinen Momo erinnerte.


Auch nach über 40 Jahren und bei der wiederholten Lektüre hat der Roman nichts von seinem Charme eingebüßt. Er lebt vor allem durch die Unbedarftheit seines Ich-Erzählers, der nach und nach versucht, die Welt um ihn herum zu begreifen. Dies führt für den Leser immer wieder zu amüsanten Aussagen, hinter denen jedoch auch tiefe Einblicke in die Französische Gesellschaft zutage treten:

Lange Zeit wusste ich gar nicht, dass ich Araber war, weil mich niemand beleidigte. Erst in der Schule hat man es mir beigebracht. Aber ich hab mich nie geprügelt, es tut immer weh, wenn man jemand schlägt.

Was seine Zukunft angeht, ist er noch unentschlossen:

Wenn ich volljährig bin, werde ich vielleicht Terrorist, mit Flugzeugentführung und Geiselnahme wie im Fernsehn, irgendwas erpressen, ich muss mir nur noch überlegen was, aber es wird sicher nicht nur ein Sonntagsfrühstück sein. Sondern was richtig Großes halt. Im Moment kann ich noch nicht sagen, was man erpressen muss, denn ich hab ja noch keine Ausbildung.

Es zeigt, in welchem Milieu er lebt und was er dort lernt, doch kann man ihm seine Gedanken kaum übelnehmen, in der bezaubernden Naivität, mit der er sie vorträgt. Er ist kein schlechter Junge, aber dass er durch sein Umfeld geprägt wird, versteht sich von selbst.

Seine Herkunft bleibt insgesamt mysteriös, vor allem sein Alter wird später deutlich nach oben korrigiert werden. Bei der Nachfrage, warum Madame Rosa ihm ein falsches Datum genannt hat, wird seine Rolle und Bedeutung für die alte Frau deutlich:

»Warum haben Sie gesagt, ich wär zehn, wo ich doch vierzehn bin?«
Sie werdens kaum glauben, aber da ist sie ein bisschen rot geworden.
»Ich hatte Angst, dass du mich verlässt, Momo, also hab ich dich ein bisschen kleiner gemacht. Du warst immer mein kleiner Mann. Ich hab nie einen andern geliebt. Also hab ich die Jahre gezählt und Schiss gekriegt. Ich wollte nicht, dass du zu schnell erwachsen wirst. Verzeih.«

So wie er auf sie angewiesen ist, braucht sie auch ihn, nicht nur, um den zunehmend schwierigeren Alltag zu bewältigen, sondern auch als emotionale Stütze, denn die Erfahrungen in Ausschwitz sitzen tief und die Angst vor den Deutschen hat sie nie abgelegt. Dass sie das Herz am rechten Fleck hat, beweist sie mit ihrer Pension für Prostituiertenkinder, die nach damals gültiger Gesetzeslage nicht bei ihren Eltern leben durften und so wenigstens vor der Inobhutnahme durch das Amt geschützt waren.

Große Literatur aus dafür ungewöhnlicher Perspektive und immer noch lesenswert.

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Rezension zu "Du hast das Leben vor dir" von Romain Gary

Das Herz ist stärker als kulturelle Fesseln
Buecherherbstvor einem Jahr


Wenn man den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern beobachtet, die (milde ausgedrückt) gegenseitige Skepsis zwischen Juden und Muslimen – man könnte vermuten, dass ein „normales“ Zusammenleben nur schwer möglich ist. Vorurteile scheinen teilweise tief verwurzelt. Wirft man einen Blick auf die historische Entwicklung der Beziehungen, ist diese mit zahlreichen Konflikten gepflastert. So tobte Ende der 1960er Jahre der Sechstagekrieg zwischen Israel sowie den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien; immer wieder nahmen palästinensische Terroristen Juden zu Geiseln; 1973 flammte der israelisch-arabische Krieg wieder auf. In dieser Zeit, 1975, schrieb der französische Autor Romain Gary Du hast das Leben vor dir und betrachtete damit das Zusammenleben von Juden und Arabern aus der Innenperspektive. Denn auf kleiner Bühne, im Alltäglichen des Paris‘ der 1970er Jahre, können beide Parteien ohne Konflikte nebeneinander und miteinander leben. Das Buch ist nun in Deutschland bei Edition Blau in überarbeiteter Übersetzung neu erschienen.


[Die vollständige Rezension unter www.buecherherbst.blog/gary-du-hast-das-leben-vor-dir]


Es ist die ungewöhnliche Geschichte einer abstrusen Lebensgemeinschaft: Der Araberjunge Mohamed, kurz Momo genannt, wächst Mitte der 70er Jahre bei der ehemaligen Prostituierten Madame Rosa in dem Pariser Viertel Belleville auf. Die ältere Frau ist Jüdin. Und Auschwitz-Überlebende, womit sie jedoch ihr Leben lang nicht zurecht kommt. Momo ist ein ungefähr zehnjähriges Kind einer Prostituierten und wohnt mit anderen „Hurenkindern“ zusammen bei Madame Rosa, die von den Eltern Geld erhält für die Betreuung. Momo lebt in den Tag hinein und macht viel Blödsinn. Eine Schulbildung erhält er nicht, sondern lernt von den älteren Menschen um ihn herum. Das Stadtviertel ist ein Getto mit widrigsten Lebensbedingungen. [...]


Mit klarer, derber Sprache, teils schonungslos schildert Autor Romain Gary das Geschehen aus der Sicht eines Jugendlichen ohne Perspektive. Auch jetzt, vierzig Jahre später, kann man sich noch vorstellen, wie Kinder und Jugendliche, die in einem solch hoffnungslosen Umfeld in Paris oder anderswo auf der Welt aufwachsen, auf die schiefe Bahn geraten und sich wirklich einer extremistischen Organisation anschließen. Es geht auch anders. Das Zusammenleben der Kulturen kann gelingen und kann mehr werden als eine reine Zweckgemeinschaft, wie Romain Gary in seinem abgedrehten, verrückten und doch liebenswerten und zugleich immer noch aktuell wirkenden Roman Du hast das Leben vor dir beweist.

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Gespräche aus der Community

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L
Zusammenfassung von: du hast das Leben noch vor Dir auf Deutsch? Von Romain Gary
sabatayn76s avatar
Letzter Beitrag von  sabatayn76vor 8 Jahren
Genial. Die Hausaufgaben-Abstauber werden immer dreister :-)
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