Romain Rolland Das Leben Michelangelos

(1)

Lovelybooks Bewertung

  • 2 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(0)
(1)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Das Leben Michelangelos“ von Romain Rolland

Eine zeitlose Biografie - über 100 Jahre alt und immer noch lesenswert

— gst
gst
  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Das Leben Michelangelos

    Das Leben Michelangelos
    gst

    gst

    „Er war die Beute jener an Raserei grenzenden Genialität, die ihm bis zu seinem Tod nicht mehr erlaubte, zu Atem zu kommen.“ (Seite 31) Michelangelo war Aristokrat des Geistes und hatte alle Vorurteile des Kaste. Er ging so weit zu sagen: „Die Kunst müsste durch die Adeligen ausgeübt werden und nicht durch Plebejer.“ Er sammelte Aufgaben an und nahm mehr Aufträge an, als er ausführen konnte. Er wollte alles selber tun, alles ganz allein. Er war reich, lebte aber wie ein Armer, an seine Arbeit gebunden. Als Folge davon litt er an vielen Krankheiten und wurde frühzeitig alt: bereits mit 42 Jahren litt er an Altersschwäche und großem Misstrauen allen anderen gegenüber. Das machte ihn einsam. Man bewunderte und fürchtete ihn, liebte ihn aber nicht. Melancholie bestimmte sein Leben. Geboren wurde er am 6. März 1475 in Caprese. Sein Vater war Bürgermeister dieses östlich von Florenz, am Kamm des Apennin gelegenen Ortes. Seine Mutter starb, als er sechs Jahre alt war. Gestillt wurde der zweite von fünf Brüdern von der Frau eines Steinmetzes. Dieser Nahrung schrieb er später im Scherz seine Bildhauerbegabung zu. In der Schule beschäftigte er sich hauptsächlich mit Zeichnen, was dem Vater und den Brüdern nicht gefiel, weil ihnen der Künstlerberuf verhasst war. Doch er war hartnäckig und trat mit 13 Jahren als Lehrling bei Domenico Ghirlandajo ein – dem größten und gesündesten unter den Florentiner Malern. Nach einem Jahr trennten sie sich, weil der Meister angeblich eifersüchtig auf Michelangelos Erfolg war. Michelangelo wollte nicht mehr malen und begann in der Bildhauerschule des Lorenzo die Medici. Er wohnte im Palast und beschäftigte sich mit den Platonikern. Über Venedig kam er später nach Rom. 1504 trafen Michelangelo und Leonardo da Vinci aufeinander. Die beiden Männer liebten sich nicht gerade. Dabei hätte die ihnen gemeinsame Vereinsamung sie einander nähern können. Leonardo, 30 Jahre älter als Michelangelo, war laut Biograph der einsamere. Im März 1505 wurde Michelangelo durch den größenwahnsinnigen Papst Julius II. nach Rom berufen, um ein überdimensionales Grabmahl zu bauen. Nachdem Michelangelo in Carrara dafür Marmor besorgt hatte, ließ der Papst den Plan fallen. Michelangelo blieb auf einem Berg Schulden sitzen und sollte nun eine Bronzestatue gießen, die 1511 von Julius' Feinden zu einer Kanone umgeschmolzen wurde. Während Michelangelo unter großen Schwierigkeiten die Wölbung der Sixtinischen Kapelle bemalte, lebten sein Vater und die ganze Familie auf seine Kosten. Der Biograph schreibt sogar, dass er von drei Brüdern regelrecht ausgebeutet wurde. Trotz der körperlichen Verbiegungen wurde Michelangelo fast 89 Jahre alt. Bis wenige Monate vor seinem Tod schrieb er noch Gedichte, die ihm seit Kindheit an ein dringendes Bedürfnis waren. Rolland hat einige davon in seiner Biographie aufgenommen, obwohl Michelangelo bereits 1518 die größte Zahl seiner Jugendgedichte verbrennen ließ. Dem Biographen gelingt es, dem Leser Michelangelos Charakter und seine persönliche Entwicklung nahe zu bringen. Der Leser erfährt in der bereits 1905 geschriebenen Abhandlung von der Freundschaft zu Thomaso Cavalieri und der 17 Jahre jüngeren Vittoria Colonna. Der mit 60 Jahren zum Ersten Architekten, Bildhauer und Maler des apostolischen Papstes ernannte Michelangelo widmete seine letzten Lebensjahre dem Dienste Gottes. „Viele glauben – und ich glaube es auch – dass ich von Gott auf diesen Posten gestellt worden bin“, schrieb er als 70jähriger. Angeblich nahm er keinerlei Bezahlung für die heiligen Aufgaben. Dafür weihte er auch niemanden in seine Pläne ein, was ihm zahlreiche Feinde bescherte, die ihn aus Rom drängen wollten. Nach der Lektüre dieses Buches bin ich voller Informationen und staune, wie gut sich diese über 100 Jahre alte Biographie doch lesen ließ. Sie gleicht mit ihren 43 Seiten Anmerkungen einer wissenschaftlichen Abhandlung. Der Autor, der 1915 als dritter Franzose den Nobelpreis für Literatur erhielt, war laut Wikipedia Schriftsteller, Musikkritiker und Pazifist. 

    Mehr
    • 3