Vorweg: Ich hatte viel zu spät gesehen, dass es eine "Neuerzählung" der Nibelungen-Sage ist. Demnach war ich zwar enttäuscht, dass Siegfried nicht mehr in Drachenblut gebadet hat, richtig genervt war ich allerdings, von der veralteten Perspektive des allwissenden Erzählers. Ich konnte dadurch keine Verbindung zu den Charakteren aufbauen, die teilweise sehr naiv Handelten. Sie bleiben alle Oberflächlich. Von einer Neuerzählung hätte ich da anderes erwartet.
Roman Wolf
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Roman Wolf
Die Nibelungen
Die Nibelungen: Historischer Roman
Neue Rezensionen zu Roman Wolf
Deutsche Sagen – „Die Nibelungen“ gehört zweifelsfrei zu einer der bekanntesten Überlieferungen. Die Ursprünge dieser Sage reichen bis zur Völkerwanderung zurück. Das alte „Rom“ gibt es nicht mehr – die militärische Macht im mittelalterlichen Europa ist aufgeteilt unter vielen Herrschern und Regionen. Die Hunnen, die Burgunder, die Sachsen und die Ostgoten und auch die skandinavischen Länder spielen eine Rolle in diesem mörderischen Spiel um Macht.
Wer die Sage kennt, weiß um die Ortschaften wie Worms und der Rhein – diese Schauplätze sind historisch gesehen allerdings wenig haltbar. Weiterhin weicht die Sage stark von bekannten, historischen Ereignissen ab. Analysiert man die Sage, zeigt sich hier ein Drama in mehreren Akten. Siegfried und sein Sieg über den Drachen und seine Unverwundbarkeit, dass Königreich Burgund, Kriemild, der Schatz des Drachen, der Mord an Siegfried durch Hagen, die alles versengende Rache von Kriemhild….alles Steps in einem Drama, einer Tragödie, die fast alle beteiligten Charaktere vernichtete.
Es gibt unzählige Verfilmungen, noch mehr Überlieferungen und Interpretationen und sicherlich auch viele Bücher, die vieles anders, aber nicht neu erzählen.
Roman Wolf hat den alten Sagenstoff neu verpackt und in seinem neuesten Roman: „Die Nibelungen“ verarbeitet.
Siegfried von Xanten hat nur ein Ziel: Er möchte der mächtigste Krieger in seinen Landen sein. Deshalb kämpft er gegen einen Drachen und erbeutet dabei einen fluchbeladenen Goldschatz. Dann zieht er in den Suavawald, um sich bei einem sagenumwobenen Schmied ein Schwert anfertigen zu lassen. Doch zu seiner Überraschung ist der Schmied eine schöne Frau – die Königin Brunhild selbst. Die beiden verlieben sich. Brunhilds Seherin aber prophezeit, dass Siegfried die Königin einst verraten wird. Als Siegfried wenig später dem Königreich Burgund gegen die Sachsen zu Hilfe eilt, verliebt sich die Königstochter Kriemhild in ihn – und das Schicksal, das ganze Völker ins Unglück reißen wird, nimmt seinen Lauf. (Verlagsinfo)
„Die Nibelungen“ orientiert sich sehr gut an die Grundzüge der Überlieferung. Diese würde ja hervorragend für eine Trilogie eignen, aber in dem vorliegenden Roman überschlagen sich die Ereignisse in einem hohen Tempo.
Mythos und Legende – und ein paar Fakten, z.B. der Völkerwanderung und dadurch resultierende Bedrohung des Machtbereichs Roms. Dass hier die Legionen und Befehlshaber Roms eine kleine Rolle spielen, ist ungewöhnlich, aber gut platziert. Die vielen erzählerischen Perspektiven der Protagonisten vertiefen die Handlung sehr, bzw. vereinfachen die eigentliche Komplexität. Sehr oberflächlich sind leider auch die Figuren geschildert. Jeder, aber auch wirklich jeder Charakter handelt überhastet, ist emotional viel zu tief involviert und denkt einfach nicht über seine Taten nach. Jeder formt sich sein eigenes Ego und eskaliert damit durch die Sage von vorn bis hinten ohne Rücksicht auf Verluste.
Eine Sage hat nicht den Anspruch authentisch zu sein, doch darf wie hier die Dramatik auch nicht überzogen geschildert sein. Ich vermisse in der Handlung einen Zwerg, einen Tarnmantel und noch einiges mehr – damit bleibt die Magie gänzlich verborgen. Schade – denn gerade solche Mythen haben sich schon immer einer alten Magie bedient.
Ein bisschen Politik darf auch nicht fehlen. Einfallende Sachsen und Dänen, die Völkerwanderung die Rom bedroht, die verschiedenen kleineren Königreiche mit seinen Verbündeten usw. dass wird natürlich mehr ausgespielt, als wenn man sich nur auf den Kern der Saga bezieht.
„Die Nibelungen“ ist ein leichter, aber auch spannender Roman mit einem gehörigen Anteil an Kämpfen, Blut und Schwert schwingenden Helden. In jede Richtung aber auch sehr oberflächlich und umreist damit nur viel Potenzial. Ich hätte mir an dieser Stelle eine Trilogie gewünscht, von mir aus auch mit vielen fantastischen Elementen, sowie noch mehr perspektivischer Themen.
Fazit
„Die Nibelungen“ in einem überholenden Tempo erzählt. Viel Action – solide Spannung, aber viel zu oberflächlich.
Michael Sterzik
Es gab mal eine Fassung, in der wurde Siegfried zu Arminius oder umgekehrt. Dann die interessante über 1000seitige Fassung RHEINGOLD von Stephen Grundy, in der nordische und germanische Sagenkreise eng verbunden wurden. Die erste, die ich las hieß DIE NIBELUNGEN und GUDRUN -Sage. Da fand sich, glaube ich, obiges Bild drin. Wolfgang Hohlbein hat eine verfasst, in der Hagen von Tronje ein Schwarzalb war.
Roman Wolf erzählt die Geschichte mal wieder etwas anders. Der Siegfried stößt auf einen Drachen, erringt auch einen Schatz, die Unverwundbarkeit beruht aber auf einem von Brunhild geschmiedeten superleichten Kettenhemd, das in seinen Eigenschaften an Mithril erinnert, welches Frodo von Bilbo einst in Mittelerde erhielt. Weil das Hemd beschädigt ist, ist Siegfried verwundbar, siehe oben, wobei nicht geklärt ist, ob das Hemd ansonsten den gesamten Körper schützt, was das Drachenblut in früheren Versionen vermochte.
Nach dem Fortgang der Geschichte heiratet auch bei Wolf die Kriemhild den Attila und bürgt für den Ausgang der Geschichte.
Ansonsten hat die Zauberei des Anfangs keinen Fortgang, warum also überhaupt erwähnen? Zumal Roman Wolf etwas Interessantes unternimmt, er führt nämlich Flavius Aetius, einen weströmischen Heermeister (390 bis 454) ein, was uns eine zeitliche Einordnung der Handlung ermöglicht. Im Roman kämpft Aetius am Ende mit Hagen von Tronje und findet dabei fast den Tod. In der realen Geschichte besiegt Aetius den Burgunderkönig Gundahar um 435, im Jahr darauf erobert Attila das Burgunderreich.
Unter den bekannten Figuren tritt Rüdiger von Bechelaren auf, der bei Gunter einst für Attila um Krimhilds Hand warb und den Burgundern Gastfreundschaft zusicherte. In der Sage waren sonst noch Dietrich von Bern und sein Waffenmeister Hildebrand dabei. Pate für die Figur Dietrichs ist allerdings Theoderich der Große, welcher erst später lebte. Vielleicht hat Wolf auf die Figur verzichtet, weil er den realen Flavius Aetius einführte, der in der Schlacht auf den katalaunischen Feldern (451) gegen die Hunnen kämpfte.
Die Nibelungen sind hier übrigens die Leibgarde unter der Führung Nibels, die Brunhild dem Siegfried mitgibt und mit der er seinen Ruhm im Kampf gegen Sachsen und Dänen erweitert.
Soviel zur Handlung des Buches von Roman Wolf.
* * *
Die Geschichte ist durchaus spannend erzählt und gibt den Kern der Nibelungensage wieder, die, wie bereits erwähnt, eher unzählige Versionen erhielt. Es ist der Debütroman des Autors.
Persönlich bin ich allerdings der Auffassung, dass sie origineller gewesen wäre, wenn zum Beispiel auf den zauberischen Aspekt der schmiedenden Brunhilde zugunsten realer burgundisch-hunnisch-gallisch-römischer Geschichte verzichtet worden wäre, soweit diese bekannt ist. Das wäre nur ein Vorschlag, wie man mit der Geschichte umgehen könnte, wenn es denn schon eine neue Version werden soll.
Gespräche aus der Community
Welche Genres erwarten dich?
Community-Statistik
in 24 Bibliotheken
auf 1 Merkzettel
von 1 Leser*innen aktuell gelesen






