Es heißt ja, dass einem kurz vor dem Lebensende sein Leben im Schnelldurchlauf präsent wird. Das scheint das Motto von Romuald Giulivo gewesen zu sein, als er die Texte für die Graphic Novel über den bekannten Horror-Schriftsteller Howard Phillips Lovecraft ersonnen hat.
Zu Lebzeiten war die Familie nicht vom Schicksal verwöhnt worden. Ganz im Gegenteil. Auch Lovecraft selbst sollte nicht mehr erleben, dass seine Texte bei einer Reihe von Lesern gut ankamen. Es ist ein düsteres und deprimierendes Leben, dass der Autor fristet. Und es scheint, als wäre er kein besonders sympathischer Mensch gewesen.
In dieser Graphic Novel gibt es immer wieder Rückblenden, in denen sich der Autor an markante Ereignisse aus seinem Leben erinnert. Diese stammen zum Teil aus den Briefen, die er der Nachwelt hinterlassen hat. Einige dieser Briefe finden sich (natürlich übersetzt) in dieser Graphic Novel und geben einen Eindruck von seinem Wesen.
So abstrakt und teils verworren seine Bücher sind, so sind auch die Illustrationen in dieser Graphic Novel sehr abstrakt und ähneln dem Expressionismus mit seinen bizarren Formen, markanten Bildern und einer durchweg düsteren Farbgebung.
Es ist zwar faszinierend, in das Leben von Lovecraft zu schauen, aber wie schon erwähnt, scheint er nicht besonders sympathisch gewesen zu sein. Ein Umstand, den auch diese Graphic Novel vermittelt. Außerdem wird seinem offenen Rassismus Raum gegeben, der teils der Zeit geschuldet ist, in der Lovecraft lebte, aber gleichfalls auch zu seinem Wesen. Denn bis zuletzt folgte er der Ideologie, dass der weiße Mensch über allen anderen Menschen steht.
Ich finde, dass diese biografische Graphic Novel vornehmlich an seine Fans richtet, die wissen wollen, die Lovecraft gelebt hat und mit welchen Fantasien er »gesegnet« war. Für Leser bzw. Leserinnen, die gerne Biografien lesen, werden obgleich der abstrakten Darstellung vermutlich weniger Freude an diesem Werk haben.







