Romy Wolf Zechengeister

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Inhaltsangabe zu „Zechengeister“ von Romy Wolf

Ende des 19. Jahrhunderts geht im Ruhrgebiet Seltsames vor sich: Reihenweise fallen Menschen der „Narrenkrankheit“ zum Opfer, einem todesähnlichen Schlaf, aus dem sie nicht wieder erwachen. Die Angst ist in der Zechensiedlung allgegenwärtig, munkelt man doch, der Teufel gehe um. Der junge Bergmann Micha muss seit dem Tod seines Vaters für den Lebensunterhalt der Familie sorgen. Für dummes Gerede und Aberglauben an eine übernatürliche Welt hat er keine Zeit. Dabei kann ausgerechnet seine zwölfjährige Schwester Neni Geister sehen, und die Geschwister sind die Einzigen, die die Narrenkrankheit aufhalten könnten.

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    Zechengeister
    renie

    renie

    16. June 2016 um 11:49

    Romy Wolf hat mit „Zechengeister“ einen atmosphärischen Fantasyroman geschrieben, der den Leser von Anfang bis zum Ende in seinen Bann zieht. Allein schon die Vorstellung, sich Tausende von Metern unter der Erde aufzuhalten, in nahezu völliger Dunkelheit und inmitten eines riesigen Stollenlabyrinths, lassen den Adrenalinspiegel drastisch ansteigen. Die Fantasie läuft zur Höchstform auf, und plötzlich ist der Gedanke an Wesen, die durch Bergwerksstollen geistern, gar nicht mehr so abwegig.  Worum geht es in diesem Roman?Micha Keller lebt mit Mutter und Schwester Neni in einer Siedlung der Zeche Alba irgendwo im Ruhrgebiet. Er ist Bergarbeiter und fährt jeden Tag in den Stollen, um seine Familie ernähren zu können. Seine jüngere Schwester Neni ist eine Geisterseherin. Sie ist in der Lage, mit den Geistern der Verstorbenen zu kommunizieren. Anfangs als Absonderlichkeit abgetan, stellt Micha irgendwann fest, wie wertvoll Neni’s einzigartige Fähigkeit ist. Denn die Familien der Zeche Alba werden von einer merkwürdigen Krankheit epidemischen Ausmaßes heimgesucht. Die Narrenkrankheit geht um. Menschen erwachen nicht mehr aus dem Schlaf und vegitieren in einer Art Wachkoma vor sich hin. Die Ursache für diese Krankheit ist irgendwo in den Tiefen des Bergwerkes zu finden. Als auch ihre Mutter in den todesähnlichen Schlaf fällt, begeben sich Micha und Neni unter Tage, um den Kampf gegen die Verursacher dieser schrecklichen Seuche aufzunehmen. Unterstützung finden sie dabei in Falkor und Jaris, zwei merkwürdige Wesen, die seit Jahrhunderten unter der Erde leben. „Der Lärm, der die Gebäude der Zeche und der angrenzenden Kokerei zu jeder Tageszeit umgab, bedeutete Leben. Er bedeutete, dass Männer in den Stollen herab fuhren, hundert, tausend Meter und mehr, und am Ende der Schicht schwarz vor Kohlenstaub wohlbehalten wiederkehrten. Dass die Männer Lohn mitbrachten. Geld, von dem Brot gekauft und die Miete bezahlt werden konnte. Er bedeutete, dem Tod wieder einmal ein Schnippchen geschlagen zu haben. Es mochte nicht viel von dem Lärm nach außen dringen. aber im Innern tobte die Zeche.“ (S. 7) Schauplatz ist die Zeche Alba im Ruhrgebiet zum Ende des 19. Jahrhunderts - eine fiktive Zeche, die es aber genauso gegeben haben könnte. Der Bergbau boomt. Gastarbeiter werden ins Land geholt. Dabei handelt es sich vorwiegend um Familien aus Polen und Italien. Anfeindungen zwischen den Bevölkerungsgruppen sind an der Tagesordnung. Toleranz ist ein Fremdwort. Den deutschen Bergarbeiterfamilien sind die „Polacken“ und „Itaker“ ein Dorn im Auge. Nicht nur aufgrund des Sprachproblems leben die Bevölkerungsgruppen unter sich in ihren eigenen Vierteln. Angriffe gegenüber Polen und Italienern sind an der Tagesordnung. Mit Ausbruch der Narrenkrankheit sind die deutschen Kumpel schnell bei der Hand, den polnischen und italienischen Familien die Schuld zu geben, auch wenn diese genauso viele Opfer zu beklagen haben. Denn zumindest der Narrenkrankheit ist die Nationalität der Menschen egal. „Die Wolken bluteten und der Himmel war erleuchtet, nicht völlig schwarz, wie er hätte sein sollen. Lange Schornsteine bohrten sich wie Lanzen in den Bauch des Gestirns, einer nach dem anderen. Rauch zeichnete sich dämonisch vor dem brennenden Himmel ab. … Und dann waren da die endlosen Reihen von niedrigen Backsteinhäusern, in denen die Menschen zu Tausenden eingepfercht warteten wie auf dem Weg zur Unterwelt. Kleine Zellen, die Seelen einsperrten und ihnen all die Hoffnung nahmen. Straßenzüge, ein Labyrinth gebaut aus Elend und Trostlosigkeit.“ (S. 92) Man merkt diesem Roman an, dass die Autorin Ruhrgebietlerin durch und durch ist. Bei der Schilderung des Bergarbeiter-Daseins ist sie sehr authentisch. Dazu trägt ihr sehr bildhafter Sprachstil bei, der das Zechenleben einzigartig in Szene setzt. Der Leser hört den Höllenlärm, er spürt das Vibrieren der Dampfmaschinen, er sieht die kohlestaubverkrusteten Gesichter der Kumpel vor sich. Lärm, Dreck und Schweiß – die ständigen Begleiter der Bergarbeiter.Gerade die Szenerie in den Bergwerksstollen ist sehr eindringlich beschrieben. Unbehagen macht sich breit, wenn der Lärm plötzlich durch Momente der Stille abgelöst wird. Stille, die einen fast erdrückt und bewusst macht, wie tief man unter der Erde ist, wieviel Gestein über einem lastet und wie entsetzlich weit das Tageslicht entfernt ist. Gruselig! Das ist nichts für Leser mit Platzangst!Man hat fast den Eindruck, dass sich Stille und Dunkelheit unter Tage auf den Schreibstil der Autorin auswirken. Romy Wolf konzentriert sich bei der Beschreibung dieser Szenerie auf Geräusche und Gerüche, Schatten und Bewegungen, die aus dem Augenwinkel wahrgenommen werden. Man sieht nicht weiter als die Grubenlampe leuchtet. Als Leser erahnt man in diesen Momenten eher das Geschehen als dass man es vor seinem geistigen Auge sehen kann. Das ist sehr geschickt von der Autorin gemacht, da der Leser dieses bedrohliche Gefühl, mit dem die Protagonisten in diesen Momenten zu kämpfen haben, am eigenen Leib erfährt, was diesen Roman gerade in den Szenen unter Tage extrem spannend machen. Fazit:Ich lebe im Ruhrgebiet und finde daher die Idee, eine Zeche zum Schauplatz eines Fantasyromanes zu machen, einfach nur großartig. Romy Wolf hat mich mit ihrer Darstellung des Bergarbeiterlebens des 19. Jahrhunderts überzeugt. Sie schafft es mit einer sehr bildhaften Sprache den Leser in eine schaurig-schöne Stimmung zu versetzen, die einen bis zum Ende nicht mehr loslässt. Freunde historischer Fantasy und Fans des Ruhrgebietes werden diesen Roman lieben. © Renie

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  • Historie, Fantasy und ein Hauch Grusel

    Zechengeister
    loralee

    loralee

    04. November 2015 um 09:08

    19. Jahrhundert im Ruhrgebiet. Kohlenstaub, Gestank, unwürdige Arbeitsbedingungen, Leben auf engstem Raum. Der beste Nährboden für Gruselgeschichten und geheimnisvolle Krankheiten. Wenn diese auch noch wahr werden und sich Druiden und eine Horde nimmersatter Wesen dazu gesellen, braucht es tapfere offenherzige Kinder, die alles daran setzen, die Rätsel zu lösen. Romy Wolf hat einen Roman mit Fantasy Elementen hingelegt, der mich überzeugt hat. Die Geschichte mag ganz furchtbar nach Horror klingen, wenn nicht immer eine winzige Portion Sympathie für die Geschöpfe der Nacht mitschwingen würde. Als kleines Kind habe ich lange Zeit geglaubt, der „Ruhrpott“ sei ein riesengroßer Kessel mit brennenden Kohlen, in dem hunderte von Menschen mit langen Stangen herum rührten. Seitdem hatte das Ruhrgebiet für mich immer eine gewisse magischen Anziehungskraft. Wenn ich heute an den stillgelegten Zechen und Halden vorbeifahre, bekomme ich immer noch Gänsehaut und denke an die Geschichten von Geistern, Gnomen und anderen Wesen der Unterwelt, die hier kursiert haben müssen. So ist auch diese Geschichte um den 20jährigen Micha und seine Schwester Neni (12) aufgebaut. Man erfährt viel über die Lebensbedingungen der Menschen Über- und Untertage gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Man erfährt auch einiges über Wesen, die in den Gruben hausen und Unheil über die Menschen bringen, wenn man ausversehen ihren Frieden stört. In diesem Fall bemerken die Geschwister Micha und Neni, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, als nach und nach die Bewohner ihrer Siedlung der „Narrenkrankheit“ verfallen und Neni von den Geistern der Verstorbenen vor den geheimnisvollen Seelenfressern gewarnt wird. Micha und Neni sind sehr sympathische Charaktere, aber zu Beginn der Geschichte nicht die allerbesten Freunde. Die Aufgabe, der sie gegenüberstehen, lässt sie aber im Verlauf der Handlung enger zusammenrücken. Auch die anderen Charaktere sind sehr lebendig beschrieben – selbst die Toten. Mir sind ganz besonders die beiden Druiden Falkor und Jaris, die durch ein Verbrechen und Versprechen seit 800 Jahren aneinander gefesselt sind, sehr ans Herz gewachsen. Und selbst die kleinen gemeinen Seelenfresserchen haben einen Hauch sympathisches an sich. Der Stil ist lebendig und warmherzig, nur leider an einigen wenigen Stellen für meinen Geschmack etwas zu einfach. Die Handlung überrascht mit unerwarteten Wendungen und bleibt bis zum Schluss spannend. Zechengeister hat mich begeistert. Die Kombination aus Historie und Fantasy mit einem Hauch Grusel sowie der Schauplatz der Geschichte haben mir besonders gut gefallen. Wenn es dir so geht wir mir, und du ungewöhnliche Konstellationen magst und dich zusätzlich gerne überraschen lässt und nicht vor ein kleines bisschen Gänsehaut zurückschreckst, dann kann ich dir diesen Roman nur empfehlen.

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  • Liebevoll ausgearbeitete Charaktere und eine einzigartige Handlung machen das Buch zu einem Muss.

    Zechengeister
    Johannisbeerchen

    Johannisbeerchen

    17. September 2015 um 21:13

    Meinung: Der Verlag ist relativ neu und hat mich und andere Blogger angeschrieben, ob sie nicht Lust hätten, einen Bloggernewsletter, Rezensionsexemplare, und, und, und zu erhalten. Da mich Zechengeister sehr ansprach war ich nicht abgeneigt und erhielt es auch als digitales LeseExemplar. Mich glaubt nicht an Geister, nicht an Übersinnliches und auch nicht an Magie jeglicher Art. Aber bald muss er feststellen, dass seine Schwester Neni Geister nicht nur sehen, sondern sogar mit ihnen reden kann. Aber Micha hat andere Sorgen. Die Arbeit im Stollen ist hart und in ... geht die Narrenkrankheit um. Als die Mutter der Geschwister erkrankt, muss Micha Wege gehen, mit denen er nie gerechnet hat. Die Handlung ist einzigartig, spannend und für mich etwas völlig Neues. Zwischenzeitlich empfand ich es als etwas langatmig, aber dennoch war immer Spannung vorhanden. Durch die historischen Aspekte und der Tatsache, dass dies nicht unbedingt mein liebstes Genre ist, war ich ab und an gelangweilt. Liebhaber des Genres werden aber voll auf ihre Kosten kommen. Die Charaktere Micha und Neni sind liebevoll ausgearbeitet und sehr symphatisch gestaltet. Micha entwickelt sich im Laufe des Buchs stark weiter und ist offener für die Welt. Neni ist einem von Anfang an ans Herz gewachsen. Das Mädchen übernimmt ein wenig die Mutterrolle, ist aber sehr verletztlich und hat trotzdem ihren eigenen Kopf und Willen. Fazit: Liebevoll ausgearbeitete Charaktere und eine einzigartige Handlung machen das Buch zu einem Muss für Historik-Fantasy-Fans.

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