Ron Markus

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Interview mit Ron Markus

Fragen an den Autor Ron Markus im Frühjahr 2011

1) Wie lange schreibst Du schon und wie und wann kam es zur Veröffentlichung Deines ersten Buches?

Ich verdiene seit circa zehn Jahren meinen Lebensunterhalt als Drehbuchautor. An dieser Stelle muss ich mit zwei Vorurteilen aufräumen, denen ich ständig begegne: Vorurteil eins: Vom Drehbuchschreiben kann man nicht leben. Doch kann man, aber man muss schon ziemlich fleißig sein. Vorurteil zwei: Vom Drehbuchschreiben wird man stinkreich. Stimmt leider nicht. In manchen Monaten kann ich mir kaum die Tankfüllung von meinem Ferrari leisten. Okay, müder Gag. Zurück zum Buchschreiben: „Romantik für Anfänger“ ist mein Debütroman. Anfangs hatte ich etwas Bammel vor dieser Herausforderung, doch dann flossen die Zeilen in den Laptop. Na ja, ich übertreibe ein bisschen. War schon recht mühsam, manchmal.

2) Welcher Autor inspiriert und beeindruckt Dich selbst?

Ich bin ein großer Fan von Sebastian Haffner, dem großen deutschen Geschichte-Publizisten. Ich habe schon etliche Geschichte-Bücher gelesen, aber keiner der anderen Autoren vermag in so knapper Sprache so spannend geschichtliche Zusammenhänge darzustellen wie er.

3) Woher bekommst Du die Ideen für Deine Bücher?

Als Drehbuchautor ist man gefordert, Ideen am laufenden Band zu produzieren. Das klingt jetzt wenig künstlerisch, möglicherweise sogar etwas beliebig, beschreibt aber die Arbeitsrealität. Immerhin, das ständige Ideenerfinden entwickelt den kreativen Muskel. Wenn mir eine Idee für einen neuen Stoff kommt, trage ich sie in einer Liste auf meinem Laptop ein. (Man lernt übrigens noch etwas anderes ganz hervorragend als Drehbuchautor: Kritik einstecken. Beschimpft mich also ruhig, ich kann damit umgehen.)

4) Wie hältst Du Kontakt zu Deinen Lesern?

Ich schätze, als Debutautor muss ich diesen Kontakt erst aufbauen, freue mich aber sehr, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Das ist eine ganz neue Erfahrung für mich, als Drehbuchautor wirkt man doch eher im Schatten und alle glauben, die lustigen Dialoge haben sich die Schauspieler in der Drehpause ausgedacht.

5) Wann und was liest Du selbst?

Am liebsten lesen ich sonntagmorgens den frischen „Spiegel“ (erscheint in Berlin schon am Sonntag.)

6) Gab es denn schon einmal eine furchtbar nervige oder peinliche Frage während eines Interviews?

Ich gebe es ja nur ungerne zu: Dieses ist eines meiner ersten Interviews. Frag mich doch noch mal in einem Jahr: Dann bin ich hoffentlich um einige Erfahrungen reicher.

7) Kommen wir nun zu deinem Roman. In dem Text findet sich folgendes Zitat: "Die wichtigste Regel beim Drehbuchschreiben lautet: Der wahre Charakter eines Menschen offenbart sich unter Druck." Wie sieht dein wahrer Charakter aus, der sich unter Druck offenbaren würde?

Wenn ich das wüsste! Leider verläuft mein Leben so unspektakulär, dass ich noch nie in einer lebensbedrohlichen Situation (Vulkanausbruch, Flugzeugabsturz, U-Bahn-Entführung) war. Ich stand also noch nie unter echtem Druck, hoffe aber doch, dass ich erst alle 186 Frauen, Kinder und Greise aus dem Flammeninferno retten würde, bevor ich selbst mit einem verschmitzten Lächeln aus dem brennenden Hochhaus kommen würde.

8) Und über welche Charaktereigenschaften verfügt der relaxte Ron?

Der relaxte Ron ist ein totaler Widerspruch, wie vermutlich die meisten Menschen: Häufig sehr gut gelaunt und witzig, aber hin und wieder auch tief traurig. Manchmal stark und selbstbewusst, dann wieder ganz unsicher. Meistens ziemlich großzügig, aber ab und zu auch mal gemein. Leider. Ich schäme mich.

9) Als Drehbuchautor zählt es sicher zu einer Grundkompetenz, Empathie für andere Menschen zu entwickeln. Aber wie ist es dir als Mann darüber hinaus gelungen, eine derart sympathische Protagonistin zu schaffen und damit die weibliche Psyche so gut zu verstehen?

Viele Jahre hartes Training. Ich war fast meine gesamte Schulzeit von Frauen umringt. In unserer Klasse gab es 2 Jungs und 26 Mädchen. Es blieb mir gar nichts anders übrig, als zu verstehen, wie „frau“ tickt.

10) Charlotte arbeitet im gleichen Berufsfeld wie du selbst. Gibt es weitere Übereinstimmungen zwischen Realität und Fiktion?

Natürlich. Um originell zu schreiben (ist mir hoffentlich gelungen), habe ich bewusst aus meinem Leben und meinen Erfahrungen geschöpft. Alles andere wirkt doch sofort schal und abgegriffen. Jetzt möchtest du bestimmt konkrete Beispiele wissen? Ich gebe zu, dass ich gewisse, versnobbte Züge von Charlotte trage, allerdings wohl etwas dosierter als bei Charlotte. Trotzdem: Höchste Zeit, dass auch in meinem Leben eine Huber Sabine auftaucht und mich läutert. Stichwort „Huber Sabine“: Für die Huber Sabine hatte ich ein konkretes Vorbild, eine bayerische Köchin, die sich um mich gekümmert hat, als ich noch ein Kind war und unsere Familie in Bayern gewohnt hat. Durch sie habe ich meine Liebe für Reiberdatschi (Kartoffelpuffer) entdeckt. Und diese Köchin war wirklich eine klasse Frau, die die gleiche unglaubliche Güte wie die Huber Sabine ausgestrahlt hat. Ich war sehr traurig, als ich vor einigen Jahren erfahren musste, dass sie schon vor etlichen Jahren gestorben ist.

11) Wie ist es dir gelungen, so viele humorvolle Szenen zu entwickeln, gerade vor dem eher negativen Ereignis in Charlottes Leben? Gibt es da einen Trick, den man auch im Alltag nutzen könnte, um Humor und Lebensfreude nicht zu verlieren?

Ich gebe jetzt mal eine Weisheit zum Besten, die man in jedem Drehbuch-Lehrbuch zum Thema Humor nachlesen kann: Humor entsteht aus Schmerz. Eine Figur, die keinen eigenen Leidensdruck hat oder unter deren Schusseligkeit auch keine andere Figur zu leiden hat, ist vermutlich keine wirklich lustige Figur. Ob die Erkenntnis, dass Humor aus Schmerz entspringt, einem helfen kann, den harten Alltag zu meistern? Ich bin mir nicht sicher.

12) Wie kam es zu der wundervollen Idee, das Partnerverhalten der Pinguine in den Text zu integrieren?

Diese „wundervolle Idee“ war eine glückliche Fügung: Der Verlag hat mir das Cover zu „Romantik für Anfänger“ gezeigt und ich musste mit Überraschung feststellen: Da ist ein Pinguin drauf, auch wenn im ganzen Buch nicht ein einziger Pinguin vorkommt – dafür allerdings jede Menge Hyänen, Frösche und Eisbären. Also habe ich den Pinguin im Manuskript ergänzt. Er hat sich perfekt in die Geschichte eingefügt, als monogames, romantisches „Gegentier“ zur angriffslustig-aggressiven Hyäne.

13) Wie lange hast du an diesem Text gearbeitet?

Ungefähr ein Jahr. Allerdings mit etlichen Pausen dazwischen.

14) Entspricht das Endergebnis der ursprünglichen Idee oder haben sich Handlungen geändert?

Die grobe Geschichte hatte ich von Anfang an im Kopf, aber wichtige Elemente kamen erst später dazu, zum Beispiel die Idee, dass auch die Huber Sabine betrogen wird.

15) Was tust du in weniger kreativen Phasen?

Klingt wie ein Frage nach meinen Hobbys. Ich treibe jeden Tag Sport, ich kann sonst nicht schlafen und die „Love Handles“ an meinen Hüften mag ich auch nicht. (Hey, auch hier eine Übereinstimmung mit Charlotte.) Ansonsten beschäftige ich mich viel mit Geschichte, wir haben eine Geschichtegruppe und treffen uns alle zwei Wochen. Im Moment geht’s gerade um die russische Geschichte und morgen fahre ich sogar für eine Woche nach Russland und werde mir das alles mal vor Ort anschauen.

16) Ist ein zweiter Roman geplant? Wenn ja, worum wird es gehen?

Ein zweiter Roman? Ja, die Planung dafür ist schon recht weit fortgeschritten. Worum es geht? Um Liebe! Aber mehr möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten.