Ron Paul

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Schwerter zu Pflugscharen

Schwerter zu Pflugscharen

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Erschienen am 23.02.2017

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Rezension zu "Schwerter zu Pflugscharen" von Ron Paul

Ron Paul und die libertäre Traumwelt
R_Mantheyvor 2 Jahren

Liberales oder libertäres Denken hat sich noch nie nachhaltig politisch durchgesetzt. Sehr deutlich kann man das in der deutschen Geschichte am Beispiel des unglücklichen Ludwig Ehrhard darstellen. Ehrhard gilt als Vater des deutschen Wirtschaftswunders. Nach ihm sind Preise, Plätze, Straßen und Schulen benannt. Doch die Wahrheit ist: Seine eigene Partei hat ihn gnadenlos verraten und sein Erbe zerstört. Über seine Ansichten ist heute kaum noch etwas bekannt, denn wenn es anders wäre, würde man diesen Verrat mehr als deutlich sehen.


Nun kann man darüber rätseln, warum sich ein politisches und wirtschaftliches Gedankengut, das sich wie in Deutschland wenigstens einmal kurz in seinen positiven Wirkungen entfalten konnte, nicht nachhaltig durchsetzen kann. Eine gewisse Antwort gibt Ron Paul unbeabsichtigt mit diesem Buch. Seine Analyse der US-Politik ist hervorragend, seine politischen Schlussfolgerungen dagegen erweisen sich als in hohem Maße naiv. Libertäres Denken stellt die Freiheit des Menschen in den Mittelpunkt. Doch Freiheit kann sich nur verwirklichen, wenn sie sich mit der Übernahme von konsequenter Verantwortung für das eigenen Schicksal vereint. Selbst wenn Menschen dazu kraft ihrer Fähigkeiten in der Lage wären, so neigt doch eine große Mehrheit von ihnen dazu, diese Verantwortung gerne auf die Gemeinschaft abzuwälzen. Darüber kann man klagen oder aber einsehen, dass in der genetischen Programmierung des Menschen andere Bedürfnisse höher gewichtet wurden als der Hang zur persönlichen Freiheit. Zum Beispiel Sicherheit in der Gemeinschaft. Darin muss man wohl den Grund sehen, warum viele Menschen immer wieder auf sozialistische Versprechen hereinfallen, die auf Dauer nicht eingehalten werden können und letztlich immer zu allgemeinem Verfall und Armut führen. Und weil das so ist, gehen die Mächtigen in solchen Gesellschaften früher oder später immer zu diktatorischen Herrschaftsformen über. 


Wenn etwas seit mehreren Jahrtausenden immer auf dieselbe Weise abläuft, dann kann es sich wohl kaum noch um einen Zufall handeln. Wer sich nur ein wenig mit Massenpsychologie und Massenmanipulation auseinandergesetzt hat, wird die wahren Zusammenhänge gut verstehen. Doch Ron Paul glaubt immer noch daran, dass sich die Menschheit anders besinnt. Am Ende seines Buches schreibt er: "Fahren die Autoritäten weiterhin fort, ihre Macht trotz verfassungsmäßiger und moralischer Grenzen zu missbrauchen, dann bleibt den Menschen als einziges Mittel, in den Streik zu treten und sich zu weigern, irgendetwas mit den Kriegen und dem Raub zu tun haben zu wollen. Verweigert den Diktatoren euer Geld und eure Körper. Wenn genug Menschen das tun, wird die Zeit kommen, dass die Macht der Diktatoren ihr Ende findet." Und dann, so glaubt Ron Paul, werden diese Menschen verstehen, dass nur eine Welt wie er sie bevorzugt, die lichte Zukunft sein wird. Offenbar ist ihm noch nicht aufgefallen, dass es Situationen, wie er sie beschreibt, schon oft in der Geschichte der Menschheit gab. Aber noch nie ist es so gekommen, wie er nun hofft.


Ist der Mensch von Natur aus friedlich? Warum fallen Menschen immer wieder auf Kriegspropaganda herein? Solche Fragen findet der Leser bereits am Anfang des Buches. Pauls Antworten darauf fallen nicht durch eine besondere Tiefenschärfe auf. Darüber muss man sich nicht wundern. Kollidiert eine gedankliche Analyse mit der Weltanschauung eines Menschen, dann kann man oft erleben, dass das Gehirn in eine Verweigerungshaltung eintritt. Auch Ron Paul stoppt bei der Hälfte der Wahrheit, weil der Rest ihm die Hoffnung auf eine Revolution in seinem Sinne nehmen würde. Und das will er nicht. Lieber ersetzt er die andere Hälfte durch naive Appelle an die Menschheit: "Wir müssen ... den Staat so gestalten, dass kein Mensch, egal ob gut oder schlecht, ... Macht über andere Menschen überhaupt erlangen kann." Einen solchen Staat kann es schon deshalb nicht geben, weil es ein Gebilde ohne Regeln wäre, die im Ernstfall auch durchgesetzt werden müssen. Was märchenhaft klingt, ist es meistens auch.


Sieht man einmal von diesen naiven und weltfremden Forderungen und Appellen ab, dann bleibt Ron Pauls Analyse. Und die ist fast immer sehr treffend. Kriege sind eine unfassbare Verschwendung von Leben und Wohlstand. Sie bringen nie das von den Kriegstreibern Erwünschte. Sieht man sich die vielen Kriege an, die von den USA direkt oder indirekt in den letzten 20 Jahren angezettelt wurden, dann haben sie überall nur Chaos verursacht, kein Problem gelöst, dafür aber unzählige neue entstehen lassen. Neben den vielen Toten wurde der von Generationen geschaffene Wohlstand vernichtet, auch wenn das noch nicht in seiner ganzen Tragweite sichtbar ist, weil es den Eliten immer wieder gelingt, die wahren Kosten zu verschleiern.


Statt "Nation Building", was nichts weiter als ein Euphemismus für völkerrechtswidrige Aggressionen ist, verlangt Paul eine strikte Politik der Nichteinmischung und der militärischen Zurückhaltung. Die Schweiz erscheint ihm als ein geeignetes Vorbild. Ob das nicht ebenso naiv ist, wie seine oben erwähnten Appelle, sei einmal dahingestellt. Tatsache bleibt allerdings, dass die Mittel, die die USA für ihre fruchtlosen Kriege eingesetzt haben, mehrfach ausreichen würden, um die dahinsiechende Infrastruktur des Landes zu erneuern.


Kurz gesagt: ein naives Buch, das jedoch in der Analyse durchaus starke Seiten besitzt.

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