Ronald M. Schernikau Kleinstadtnovelle

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Inhaltsangabe zu „Kleinstadtnovelle“ von Ronald M. Schernikau

die schwulen, verkündet b. im biologieunterricht, weil keine aufklärung stattfindet, die schwulen machen genau das, was eben auf diesem dummflachen dia ein ballettänzer demonstriert hat: sie schminken sich, sie kleiden sich auffällig, sie werden zu tunten. und weiter, jetzt ganz dramatisch: wir alle haben sie dazu gemacht. die jungs verlangen gewohnheitsmäßig, dass sie bedient werden. also ziehen sich die mädchen die albernsten sachen an, um beachtet zu werden.und genau das tun die schwulen, mit der gewißheit, es doch nicht zu schaffen. b. setzt sich wieder und denkt: nichts ist selbstzerstörerischer als die männerherrschaft, die verhältnisse belacht, die sie selbst produziert hat. über diese moral werden einmal die sechsjährigen lachen, und die forscher werden ernsthaft am verstand ihrer vorfahren zweifeln: werft den schwulen in einer unvernünftigen welr nicht vor, sich unvernünftig zu verhalten! (Quelle:'Buch/01.03.2013')

"Kleinstadtnovelle" empfehle ich Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern und Lehrpersonen zur Lektüre. Sie ist nach wie vor brandaktuell

— Samtpfote

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    Kleinstadtnovelle

    Samtpfote

    23. April 2016 um 00:23

    Meine Meinung: Vor einiger Zeit, wahrscheinlich vor ca. zwei bis drei Jahren, habe ich eine Dokumentation über Ronald M. Schernikau gesehen und war sofort fasziniert von dieser spannenden Person. Dann habe ich mir die "Königin im Dreck" und die Kleinstadtnovelle bestellt. Die Königin habe ich auch gleich gelesen, weil ich für eine Lesechallenge ein schwarzes Buch benötigte. Nun kam ich endlich dazu, mich mit Schernikaus Novelle zu befassen und ich war auch von diesem Buch total fasziniert. Schernikau beobachtet genau und beschreibt seine Umgebung aus seiner Sicht und mit vielen persönlichen Anmerkungen. Seine Beschreibungen sind genau und pointiert und stellen gesellschaftliche Missstände an den Pranger, berichtigen oder überspitzen Vorurteile und lassen in die Gedanken eines jungen Mannes blicken, der sich in verschiedene Rollen gedrängt fühlt, seinen Platz in der Gesellschaft aber gar nicht definieren will. Durch die Unterstützung seiner Mutter erfährt der Protagonist b. was es heisst, akzeptiert zu werden und durchaus ein Recht auf Liebe und Sexualität ausserhalb engstirnig definierter Normen zu haben. Die starke und fortschrittliche Frau setzt sich für genau diese Rechte ihres Sohnes ein und enttabuisiert und entkriminalisiert die Homosexualität von b. indem sie seine Mitmenschen dazu zwingt, darüber zu sprechen oder sogar Position zu beziehen. Eine kunstvolle Sprache, intelligente Bilder und Vergleiche und das immer noch sehr aktuelle Thema machen diese Novelle aus und auch noch Jahre nach dem viel zu frühen Tod des Autors sollte dieses kleine Büchlein Pflichtlektüre in allen Schulen sein. Meine Empfehlung: Die "Kleinstadtnovelle" empfehle ich Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern und Lehrpersonen zur Lektüre. Sie hat nichts von ihrer Aktualität eingebüsst und bietet eine gute Diskussionsgrundlage für Themen, die junge Menschen beschäftigen und vielleicht auch einschüchtern. Sie sollte heute noch ein Muss in jedem Schulzimmer sein und zwar nicht nur, weil sie das Erwachsenwerden und die Selbstfindung von jungen Menschen thematisiert, sondern auch, weil sie spannende und wunderschöne Sprachcollagen und Wortschöpfungen beinhaltet, die durch ihre intelligente Gestaltung überzeugen. Zusätzliche Infos: Titel: Kleinstadtnovelle Autor: Ronald M. Schernikau Broschiert: 96 Seiten Sprache: Deutsch Verlag: Konkret Literatur Verlag Preis: SFr 21.20 ISBN: 978-3-89458-216-6

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  • Rezension zu "Kleinstadtnovelle" von Ronald M. Schernikau

    Kleinstadtnovelle

    wollsoeckchen88

    06. November 2010 um 13:44

    Klappentext: Kleinstadtnovelle, 1980 erstmals veröffentlicht, ist ein subtiler Text über die Schwierigkeiten, die eigene Persönlichkeit gegen festgeschriebene Normen und Werte durchzusetzen. Als schwuler Klassiker gefeiert und als eine der ersten Coming-Out-Geschichten gerühmt, ist Kleinstadtnovelle mehr noch präzise und vielschichtige Analyse der ausweglosen Situation Jugendlicher in einer Gesellschaft, die nur auf Anpassung und Stillstand, nicht auf Veränderung und Fortschreiten gerichtet ist. Der Autor: Ronald M. Schernikau, geboren 1960 in Magdeburg, DDR, aufgewachsen in Hannover, BRD. Nach dem Abitur 1980 Umzug nach Westberlin, Studium der Germanistik, Philosophie und Psychologie. Ab 1986 Studium am Institut für Literatur Johannes R. Becher in Leipzig, DDR. 1989 Erwerb der Staatsbürgerschaft der DDR und Übersiedlung nach Berlin. Dramaturg Hörfunk und Fernsehen bis zu seinem Tod 1991. Veröffentlichungen: Die Tage in L. (1989 und 2001), Legende (1999). In "Kleinstadtnovelle" erzählt Ronald M. Schernikau indirekt autobiographisch die Geschichte von b. b. steht kurz vor dem Abitur, vor allem mit Mädchen befreundet, interessiert sich für Philosophie und Strickmuster und b. ist verliebt in Leif. Alle ahnen, was während der Abschlussfahrt öffentlich bekannt wird: b. ist schwul. Niemand ist wirklich überrascht, b. wird scheinbar akzeptiert, sieht sich im Kreise seiner Freunde noch immer als der Clown, der Spaßmacher, der nicht wirklich ernst genommen wird. Es kommt zu Treffen mit dem geliebten Leif, der auf Sex aus ist, aber, wie er selbst beteuert, ganz und gar nicht schwul. Doch b. will mehr als das, b. will Liebe. Da eskaliert die Situation. Leif beichtet alles seinen Eltern, für die klar ist: b. ist ein widerlicher schwuler Verführer, eine Unart der Natur und soll von der Schule fliegen. Ein Kampf gegen Intoleranz beginnt. "Kleinstadtnovelle" ist auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich geschrieben. Der Text ist ausschließlich klein geschrieben, Interpunktion gibt es nur wenig. Ronald schreibt, wie er denkt, Gedankensprünge, Neologismen, Onomatopoesien machen es nicht immer leicht, dem Geschehen zu folgen. Doch besticht die Geschichte durch ihre nichts beschönigende Realität. b.s Situation und seine Einsamkeit darin konnte ich gut mitfühlen und nachvollziehen. Die Reaktion von b.s Mutter, die laut ihres Sohns, zwar nicht genau weiß, was Schwulsein überhaupt bedeutet, sich aber bedingungslos für b. einsetzt, ist beeindruckend. Auch heute, 19 Jahre nach Ronald M. Schernikaus Tod, engagiert sich seine Mutter weiterhin im Kampf gegen die Diskriminierung von Homosexuellen. Alles in allem ist es ein Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte, der sich für das Thema Homosexualität und Coming Out interessiert. "Kleinstadtnovelle" ist nicht dafür ausgelegt, es gleich zu verstehen. Mehrmaliges Lesen ist hier fast Pflicht, denn durch Schernikaus einzigartigen Schreibstil wird man immer wieder etwas Neues entdecken.

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