Ronald Piechulek Rostock - Eins, zwei, drei, vier Eckstein

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Inhaltsangabe zu „Rostock - Eins, zwei, drei, vier Eckstein“ von Ronald Piechulek

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  • Rezension zu "Rostock - Eins, zwei, drei, vier Eckstein" von Ronald Piechulek

    Rostock - Eins, zwei, drei, vier Eckstein

    Heike110566

    02. July 2011 um 08:52

    Geschichte ist immer erinnerte Geschichte. Was aber meist übrigbleibt sind besondere Eckdaten und die Extreme, aber selten das normale, das alltägliche Leben der Menschen in der Zeit. Vielen Historikern scheint das Alltagsleben wohl einfach zu profan, um es für die Nachwelt zu bewahren. Das Überleben des Alltags erfolgt oftmals daher nur in der Weitergabe von derartigen Erinnerungen innerhalb der Familie oder kleinen Vereinen, die sich dafür einsetzen, dass auch das Alltagsleben der Vergangenheit im kulturellen Gedächtnis, aber leider oft nur eines kleinen Insiderkreises, bewahrt wird. Ronald Pichulek (geb. 1961), Museologe im Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum Rostock und ein Mensch, der sich für die Bewahrung der Vergangenheit der Geschichte der Stadt Rostock und speziell auch seines Heimatstadtteiles Warnemünde auf vielfältige Weise einsetzt, hat mit "Eins, zwei, drei, vier Eckstein ... ... und sonntags nur nicht schmutzig machen" ein Buch vorgelegt, das auf unterhaltsame Art und Weise Geschichten und Anekdoten aus dem alten Rostock und Warnemünde der 1920er, 1930er und frühen 1940er Jahre erzählt. Es sind die kleinen Geschichten, die im Mittelpunkt stehen. Die kurzen, oftmals auch ein Schmunzeln verursachenden Geschichten berichten von der Entstehung der "Trotzenburg", einer beliebten Rostocker Ausflugsgaststätte, Kinderspielen auf der Straße, von den Wohnverhältnissen, sogar der "großen Wäsche", von unpünktlichen Straßenbahnen, miserablen Straßenzuständen, vom Teppich-Klopf-Streit, der sogar die Rostocker Stadtoberen beschäftigte, von der nur noch in der Erinnerung erhaltenen, denn leider heute nicht mehr existenten Kirche St. Jacobi, davon wie Weihnachten in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts gefeiert wurde und vielen anderen kleinen bewahrenswerten Momenten. Dazu gibt es reichlich Fotos aus der Sammlung des Autors, der seit seiner Jugend auch ein leidenschaftlicher Fotograf ist. Trotz des sehr starken unterhaltsamen Charakters des Büchleins, sind in ihm aber auch Ereignisse zu finden, auf die man als Rostocker nicht stolz sein kann, die aber leider eben zur Geschichte gehören, wie die von den Nationalsozialisten angeordneten "Eintopf-Sonntage", wo nur Eintöpfe von der Bevölkerung gegessen werden durften und das eingesparte Geld (gegenüber einen Sonntagsbraten) dann als "Spenden" von den Nazis zwangskassiert wurden, die Errichtung eines Aufmarschplatzes für die Nazis, wo am 12. November 1944 das letzte Aufgebot, der Rostocker Volkssturm, vereidigt wurde. Und natürlich gehört zu einer solchen Geschichte, die über den Alltag berichtet, auch ein Artikel zu den Bombardierungen Rostocks und Warnemündes durch die Alliierten in den 1940er Jahren, die große Teile der Stadt, besonders auch des alten Stadtkerns, unwiederbringlich in Schutt und Asche legten. Geschichte ist aber nicht korrigierbar. Ereignisse, wie das Leid, das der deutsche Nationalismus über die Welt gebracht hat, und das der Auslöser für die Angriffe der Alliierten auf Rostock auch war, gehören zu unserer Vergangenheit. Wir müssen mit der Vergangenheit leben. Wir können aber eben aus ihr lernen, damit so etwas nicht wieder geschieht. Dies geht allerdings nur, wenn man Positives wie Negatives im kulturellen Gedächtnis bewahrt. Und genau dies leistet dieses Buch und der Autor mit seiner Arbeit. Auch wenn am Ende ein bisschen Traurigkeit aufkommt bei der Lektüre, so ist dieses Geschichtenbändchen ein sehr schöner, unterhaltsam dargebotener Blick auf das Alltagsleben in Rostock in den 1920er, 1930er und frühen 1940er Jahren.

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