Ronen Bergman

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Ronen BergmanDer Schattenkrieg
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Der Schattenkrieg
Der Schattenkrieg
 (4)
Erschienen am 22.01.2018

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Rezension zu "Der Schattenkrieg" von Ronen Bergman

Mossad, Schin Bet, AMAN und die Geschichte Israels
ban-aislingeachvor 5 Monaten

„In vielerlei Hinsicht war die Geschichte von Israels Geheimdiensten, wie sie in diesem Buch erzählt wurde, eine lange Kette beeindruckender taktischer Erfolge, aber auch katastrophaler strategischer Fehlschläge“ (S. 733)

 

Das Sachbuch „der Schattenkrieg – Israel und die geheimen Tötungskommandos des Mossad“ wurde von dem Journalisten Ronen Bergman geschrieben. Das Buch ist am 22.01.2018 auf Deutsch im DVA Verlag erschienen und umfasst 735 Seiten.

 

Ronen Bergman erblickte 1972 in Tel Aviv, Israel, das Licht der Welt. Nach seinem Schulabschluss studierte er an der Universität Haifa Jura und arbeitete dann für den israelischen Generalstaatsanwalt. Seine Promovierung schrieb er über den Mossad an der Universität Cambridge. Inzwischen arbeitet er als Chefkorrespondent im Bereich des Militär- und Geheimdienstes bei der gemäßigt konservativen israelischen Tageszeitung Yediot Acharnonot. Er hat sich einen Namen als der führende Experte für Fragen über Geheimdienste und Sicherheit im Nahen Osten gemacht. Analysen von ihm werden unter anderem in SPIEGEL, in der Zeit und in der New York Times veröffentlicht. Zudem hat er mehrere Bücher geschrieben und für diese auch einige Preise gewonnen, u.a. den Sokolow-Preis, welcher Israels wichtigster Preis für Journalisten ist.

 

Das Sachbuch ist in einem wundervollen Schreibstil geschrieben, welcher sich flüssig lesen lässt und wodurch es mir nicht schwer gefallen ist ein so dickes Sachbuch zu lesen, denn normalerweise schrecke ich vor solch dicken Büchern dieses Genres zurück.

 

Was ich sehr genial fand, aber was mich sehr gewundert hat, war die Tatsache, dass das Buch zu einer Zeit beginnt als der Staat Israel noch nicht geplant war. Über diesen Teil der Geschichte wusste ich nur wenig, aber durch das Buch habe ich nun viel dazu gelernt. So zum Beispiel von der Tatsache, dass die Juden in Europa als feige verurteilt wurden, weil sie sich in den Konzentrationslagern, wo sie die Mehrheit waren, nicht gewehrt haben. Ich wusste auch nicht, dass es im Britischen Heer eine Abteilung nur für Juden gab, welche heimlich und ohne das Wissen der Briten Jagd auf Nazis gemacht haben, als sie nach dem Ende des Krieges in Deutschland stationiert waren.

 

Dann fing es mit der Geschichte Israels an und zwar damit wie es überhaupt zur Gründung gab und wie es nach der Gründung verlief. Gleich zu Beginn mussten sie gegen die arabischen Nachbarländer Krieg führen und da wundert es nicht, dass die Israelis diesen bis heute nicht wirklich über den Weg trauen. Dann berichtet der Autor über die Gründung der Geheimdienste und zwar über den bekannten Mossad (Auslandsgeheimdienst), den Schin Bet (Informationsdienst) und den AMAN (Nachrichtendienst des Militärs). Schon am Anfang erklärt er sehr gut die Unterschiede zwischen den verschiedenen Diensten und deren Aufgabe. Im Laufe des Buches lernt man natürlich wie sich diese im Laufe der Zeit verändert haben. Es wurden sehr viele Fälle genannt um nur zwei bekannte zu nennen die Entführung von Adolf Eichmann und dann die später die bekannten Bilder aus Dubai. Was mich sehr überrascht hat war die Tatsache, dass der israelische Geheimdienst, im geheimen natürlich ,manches Mal mit den Geheimdiensten der arabischen Länder zusammengearbeitet hat.

 

Mir hat sehr im Buch gefallen, dass sich manche Stellen spannend wie ein Thriller lesen ließen, da man nicht wusste wie es ausgehen würde. Dann kam im Buch natürlich die Bombenentwicklung vor und aus welchen Gründen sie auf Briefbomben verzichtet haben und dann ging es um Drohnen. Da habe ich wieder etwas Neues gelernt, denn ich wusste nicht, dass Israel diese erfunden hat und schon jahrelang militärisch nutzt. Im Buch lernt man auch die verschiedenen Präsidenten kennen und deren Gesinnungen, da gibt es zum Beispiel den sehr interessanten Ariel Scharon, welcher sich im Laufe seines Lebens sehr geändert hat. Was fast immer galt, war die Tatsache, dass Israel versuchte Kollateralschäden, wie es im Militärjargon heißt, zu vermeiden, vor allem wenn Frauen und Kinder dabei waren. Außerdem galt und gilt vielleicht bis heute die Devise, dass man versuchen muss jeden Israeli zu retten.

 

Das Buch bleibt meiner Meinung nach stets objektiv, denn wir lernen auch die Seite der Moslems kennen. So kommt natürlich im Buch auch die PLO, Hamas und Fatah vor, bei welchen man sogar erfährt wie diese gegründet wurden und von wem. Auch dies liest sich sehr spannend. Was ich ebenfalls erst nach dem Lesen des Buches weiß ist die Tatsache, dass Baschar al-Assad eigentlich gar nicht als Präsident Syriens vorgesehen war, sondern seine Brüder. Und ein großes Lob gibt es von mir für die wundervollen Fotos. Mir hat hier sehr gefallen, dass sowohl Israelis wie auch Moslems gezeigt wurden.


Ich spreche für dieses grandiose Buch eine klare Leseempfehlung aus. Ich lege es vor allem jenen Lesern ans Herz, welche mehr über die Geschichte Israels und deren Geheimdienste lernen wollen. Übrigens man kann in dem Buch sowohl Gründe für als auch gegen Israel finden.

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M

Rezension zu "Der Schattenkrieg" von Ronen Bergman

Was man immer schon ahnte nun in fundierter Darstellung
michael_lehmann-papevor 8 Monaten

Was man immer schon ahnte nun in fundierter Darstellung

Der Staat Israel hat, seit seiner Gründung, oft und oft offen gezeigt, dass er sich zu wehren, zu verteidigen und, in Angriffszügen, seine Sicherheit zu wahren versteht. Auch wenn in jüngeren Vergangenheit Feldzüge sich festfuhren und je einen eher zähen Verlauf nahmen.

„Sicherheit“ ist das oberste Gebot der handelnden Verantwortlichen und auch dies ist ob der eher feindlich gesinnten Anrainerstaaten und der speziellen Geschichte des jüdischen Volkes und des Staates Israel nachvollziehbar.

Und ebenso, nicht erst seid Gründung des „Mossad“, effizient strukturiert aber dann durch diesen, vollzieht Israel auch eine „Ausschaltung von (bekannten oder befürchteten) Bedrohungen „im Geheimen“. Nicht nur als Vergeltung, wie in den Aktionen gegen die Attentäter von München, sondern über die Jahre hinweg als markante Waffe gegen ausgemachte Bedrohungen.

„Wenn jemand kommt, dich zu töten, steh auf und töte ihn zuerst“.

Ein Zitat aus dem Talmud, dass Bergmann völlig zu Recht und themengebend seinem Werk voranstellt.

Denn wie das genau abläuft, welche mannigfaltigen „Aktionen“ (in weiten Teilen auch völlig an der öffentliche Wahrnehmung vorbei) durchgeführt wurden, welche Überlegungen dahinterstehen, wer plant und wie ausgeführt wird und, auch, welchen Preis das letztlich kostet und welche Gefahren einer solch einseitigen und erbarmungslosen Haltung (so verständlich diese in Teilen auch sein mag) innewohnt, all das legt Bergmann sorgfältig recherchiert, verständlich in der Darstellung und fundiert in den Querverbindungen vor die Augen des Lesers.

„Die fast vollständige Intransparenz ihres (/der „Geheimdienstgemeinde“) Handelns wird durch einen Komplex von Gesetzen und Verhaltensregeln gesichert. Durch Militärzensur, durch Einschüchterung, Befragung und strafrechtlicher Verfolgung von Journalisten…..“

Eine Haltung und ein System, dass Bergmann selbst zu spüren bekam im Verlauf der Arbeit am Buch (und das nicht nur in den Versuchen, offizielle Quellen zu befragen und entsprechende Dokumente einsehen zu können. Da wurde die Spanne der Geheimhaltung flugs von 50 auf 70 Jahre per Gesetz verlängert, was durchaus mit Bergmanns Recherchen zu tun hatte).

So liegen dem Buch als wichtigste Quellen rund 1000 Interviews zu Grunde, aus denen Bergmann überzeugend einzelne Fälle, Strukturen und eine gesamte Geistes- und Denkhaltung rekonstruiert, die immer nah an der Praxis offengelegt wird.

Dabei geht Bergmann Misserfolgen (4.9.1997, 27. Mission seit Erstellung der „Tötungsprotokolle“ (von denen 20 Missionen erfolgreich verlaufen waren) mit dem Ziel der Ausschaltung eines eher unbedeutend wirkenden Mannes der Hisbollah im Libanon. Dies als tödliches Beispiel, wenn die Aufklärung des israelischen Geheimdienstes „versagte“ (samt der Gründe für solches „Versagen“, die Bergmann detailliert nachvollzieht).

Bis hin zu kühlen, erfolgreichen Missionen, die Bergmann schildert und immer wieder, wie im Falle der Regierungsübernahme durch Ehud Barak, der einerseits durchaus „den Frieden“ mit im Sinn hatte und doch den Realitäten gegenüber sich halbherzig beugen musste, bis Ariel Sharon bewusst eine Form der „Intifada“ auslöste, israelische Reservisten gelyncht wurden und, nach der Wahl Sharons, der „Schattenkrieg“ heftig wieder aufflammte.

Über 3000 „ausgeschaltete Zielobjekte“ stehen im Rahmen dieser „Geheimoperationen“, dem Schutz Israels „um jeden Preis“ im Raum. Und auch wenn Bergmann, verständlicherweise, nicht jedem einzelnen dieser Fälle im Buch Raum geben kann, das „Warum“, das „Wie“, das „Wer“ und was das bedeutet arbeitet her bestens heraus.

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