Der Muslim und die Jüdin

von Ronen Steinke 
5,0 Sterne bei4 Bewertungen
Der Muslim und die Jüdin
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Eine unglaublich packende Geschichte, die das Leben selbst schrieb.

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Inhaltsangabe zu "Der Muslim und die Jüdin"

Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat bis heute mehr als 25 000 mutige Männer und Frauen geehrt, die während des Zweiten Weltkriegs Juden retteten. Diese Geschichte ist trotzdem einzigartig. Unter den »Gerechten unter den Völkern« ist bislang nur ein Araber: Mohammed Helmy. Er lebte in Berlin. Den ganzen Krieg über blieb er in der Stadt. Der Ägypter balancierte ständig auf einem schmalen Grat zwischen Anpassung und Subversion, und er vollbrachte ein wahres Husarenstück, um die Nazis auszutricksen. So rettete er die Jüdin Anna Boros.
Dieses Buch wirft ein Licht auf eine fast vergessene Welt, das alte arabische Berlin der Weimarer Zeit, das gebildet, fortschrittlich und in weiten Teilen alles andere als judenfeindlich war. Einige Araber in Deutschland stellten sich in den Dienst des NS-Regimes. Aber eine nicht unbedeutende Gruppe – und von ihr handelt diese Geschichte – bildete einen Teil des deutschen Widerstands gegen den NS-Terror.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783827013514
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:208 Seiten
Verlag:Berlin Verlag
Erscheinungsdatum:01.08.2017

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    michael_lehmann-papevor 10 Monaten
    Ein herausragendes Verhalten

    Ein herausragendes Verhalten

    Das es auch im dritten Reich nicht wenige Menschen gab, die, oft unter Gefahr für das eigene Wohl und Leben, vom Regime verfolgten halfen, dass ein Oskar Schindler als „Gerechter“ in Israel gilt, dass viele einfach Bürger jüdische Mitbürger versteckten oder ihnen zur Flucht verhalfen, das dürfte breit bekannt sein.

    Das aber ein Moslem im dritten Reih eine Jüdin mitten in Berlin beschützt und rettet, das ist zum einen weder sonderlich bekannt noch sonderlich alltäglich.

    Zum einen, weil Mohammed Helmy, Arzt in Berlin, aufgrund seiner Herkunft und seines Glaubens schon auf sich selbst bezogen keinen besonders leichten Stand zur damaligen Zeit in Deutschland hatte. Und zum anderen, weil bis auf den heutigen Tag und aus der Geschichte heraus seit Urzeiten bekannt, Moslems und Juden sich in breiten Teilen feindlich gegenüberstehen.

    Und dabei war Helmy bereits aufgefallen und stand unter Beobachtung der Sicherheitskräfte des Reiches.

    Dennoch galt auch: „Das muslimische Berlin war ein Schmelztiegel gewesen. Gut für Anna (die „zu versteckende“ Jüdin“. Es war eine Welt der fließenden Übergänge entstanden“, mit Tarnnamen und Tarnidentitäten, infolge derer Anna zu „Nadja“ wurde. Was gerade dadurch begünstigt wurde, dass in den Jahren zuvor der Islam einen gewissen Zulauf erhalten hatte. „Ein Drittel der Muslime Berlins waren Konvertiten“. Eine Menge Menschen, in der der ein oder die andere Einzelne, wie im Buch prägnant und überaus spannend beschrieben, mit einem gewissen Erfolg versuchen konnte, ein- und unterzutauchen.

    Wobei, auch das sei erwähnt, damit im Buch dem Leser ebenjene muslimische Gemeinde der damaligen Zeit in Berlin in ihrem alltäglichen Leben ebenso nähergebracht wird, wie auch deutlich wird, dass Helmy kein „Alleintäter“ war, sondern sich auf ein übersichtliches Netzwerk stützen konnte mit seinem mitmenschlichen Versuch, Menschen vor Schaden im Regime zu bewahren.

    Lebendig erzählt Steinke diese Geschichte und lässt den Leser ein ums andere Mal die Spannung der gefährlichen Momente nachspüren. Wenn die jüdische Mutter mitsamt gelbem Davidstern an der Tür eben jener Anna klingelt, die als vermeintliche Muslimin „Nadja“ nur durch „die dünne Hülle dieser Tarnung“ geschützt war.

    Wenn man die Luft anhält, ob falsche Papiere ihre Wirkung nicht verfehlen. Und ebenso gelingt es, Person und Werdegang dieses außerordentlichen Arztes und Menschen in Berlin (der als bis her einziger Araber ebenfalls den Titel eines „Gerechten“ in Israel erhielt) im Buch nachzuvollziehen.

    Eine der Geschichten, die am Ende den Leser zufrieden das Buch sinken lassen wird mit der klaren Erkenntnis, das echte Mitmenschlichkeit möglich ist, dass dabei zu Zeiten immer viel, „das Ganze“ riskiert wird und zwischenmenschliche Grenzen religiöser oder nationaler Ausgestaltung ihre Bedeutung verlieren, wenn es um die Entscheidung geht, anderen das Leben zu retten.

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    Klusivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine unglaublich packende Geschichte, die das Leben selbst schrieb.
    Der Muslim und die Jüdin

    Was Ronen Steinke in diesem Buch beschreibt, hat sich wirklich ereignet. Während überall in Deutschland Massendeportationen der Juden stattfanden, hat der muslimische Arzt eine junge Frau vor den Augen der Gestapo versteckt. Wie er das zustande gebracht hat, ist geradezu unglaublich. Es war ein gewagtes Unterfangen, bei dem sich Mohammed Helmy selbst immer wieder in Gefahr brachte.
    Der Autor schildert das ganze so authentisch, so nah, als wäre er selbst dabei gewesen. Ein Blick in die Anmerkungen am Ende des Buches, die 31 Seiten umfassen, zeigt, wie ungeheuer riesig der Rechercheaufwand für diese Geschichte sicher war. Neben dem Schicksal der jungen Jüdin Anna, die unter Helmys Schutz die Zeit des zweiten Weltkriegs überlebte, beschreibt der Autor auch sehr detailliert die allgemeine Situation der Muslime zur damaligen Zeit in Deutschland. Es geht im weiteren Sinn auch um das Verhältnis der Nazis zur muslimischen Bevölkerung Berlins und auch die Beweggründe dafür. Gerade bedingt durch die erstaunlich positive Einstellung der Nazis zu den arabischen Ländern, die nicht von ungefähr kam, sondern von einer gewissen Erwartungshaltung her rührte, gelang Helmy dieses Husarenstück. Ein weiterer Aspekt, der hier zur Sprache kommt und die Realität ganz ungeschönt zeigt, ist die Tatsache, dass sich selbst jüdische Familienmitglieder oft gegenseitig in Gefahr brachten, wohl selten bewusst, sondern meist unabsichtlich. Es war eine schlimme Zeit, aber das, was Ronen Steinke hier erzählt, macht offensichtlich, was wahre Nächstenliebe ist und dass Zivilcourage manchmal auch kleine Wunder vollbringen kann.
    Dieses Buch über die Jüdin Anna Boros und den Arzt Mohammed Helmy hat mich sehr berührt und nachdenklich gemacht, und es zeigt, dass die unglaublichsten Geschichten das Leben selbst schreibt.

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    WinfriedStanzickvor einem Jahr
    Ein empfehlenswertes Buch



    Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat bis heute mehr als 25000 mutige Männer und Frauen geehrt, die während des Zweiten Weltkriegs Juden retteten. Diese Geschichte ist trotzdem einzigartig. Unter den "Gerechten unter den Völkern" ist nämlich bislang nur ein Araber verzeichnet: Mohammed Helmy. Er lebte in Berlin. Den ganzen Krieg über blieb er in der Stadt. Der Ägypter balancierte ständig auf einem schmalen Grat zwischen Anpassung und Subversion, und er vollbrachte ein wahres Husarenstück, um die Nazis auszutricksen. So rettete er die Jüdin Anna Boros, indem er sie als eine Muslimin ausgab.

    Ronen Steinke erzählt diese wahre Geschichte warmherzig und spannend und wirft mit seinem Buch einen Blick auf eine fast vergessene Welt, die des arabischen Berlin der Weimarer Republik. Diese Araber waren gebildet dachten fortschrittlich und waren alles andere als judenfeindlich. Manche von ihnen stellten sich in den Dienst des Nazi-Regimes, das selbst mit vielen arabischen Ländern gute Beziehungen pflegte.

    Aber eine nicht unbedeutende Gruppe - und von ihr handelt diese Geschichte - bildete einen Teil des deutschen Widerstands gegen den NS-Terror.

    Ein empfehlenswertes Buch.


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    glanzentes avatar
    glanzentevor 7 Monaten

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