Ronja von Rönne

 3.4 Sterne bei 75 Bewertungen
Ronja von Rönne

Lebenslauf von Ronja von Rönne

Ronja von Rönne wurde 1992 in Berlin geboren und wuchs in Oberbayern auf. Dort absolvierte sie als letzter G9-Jahrgang 2011 das Abitur und studierte anschließend an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Theaterwissenschaften, Publizistik und Rechtswissenschaften. Die Studiengänge schloss sie jedoch nicht ab, auch aufgrund von Depressionen und Angstzuständen. 2013 begann sie erneut ein Studium an der Universität in Hildesheim für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus, das sie jedoch ebenfalls nicht beendete. Seit 2012 betreibt Rönne den Blog "Sudelheft" und ist seit 2015 bei der "Welt" als Journalistin angestellt. Sie nahm 2015 am Wettbewerb zum "Ingeborg-Bachmann-Preis" in Klagenfurt teil und trug den Text "Welt am Sonntag" vor. Anfang 2016 veröffentlichte sie ihren ersten Roman: "Wir kommen".

Alle Bücher von Ronja von Rönne

Wir kommen

Wir kommen

 (58)
Erschienen am 04.12.2017
Wir kommen

Wir kommen

 (6)
Erschienen am 04.03.2016

Neue Rezensionen zu Ronja von Rönne

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Buchstabenliebhaberins avatar

Rezension zu "Wir kommen" von Ronja von Rönne

Die Abgründe hinter den hübschen Fassaden
Buchstabenliebhaberinvor einem Monat

Nora ist so passiv, dass es weh tut. Dass ich sie schütteln möchte. Ich mag solche Menschen nicht, die immer abwarten, was andere sagen, die ihr Fähnchen in den Wind hängen, die mitmachen, die reagieren. Die niemals agieren, vorangehen, eigene Entscheidungen treffen. Furchtbar!


"Wir kommen" ist aus der Sicht von Nora geschrieben. Nora arbeitet beim Fernsehen, ist jung, erfolgreich, attraktiv. Sie ist etwas besonderes, denn sie lebt polyamor mit Karl, Jonas und Leonie. Eine Viererbeziehung. Allerdings nicht ihre Idee, Karl ist der Macher, die treibende Kraft und Kontrollinstanz dieser Beziehung. Die drei anderen trudeln mit. Aber irgendwie ist die Luft raus. Ein Aufenthalt im Haus am Meer soll frischen Wind in die angeschlagene Beziehung bringen.

"Selbst das Strandhaus versprach nichts, als wir schließlich ankamen, sondern stierte uns nur ratlos an."(S.59)

"Der Tag lag leer vor mir herum, nur notdürftig strukturiert von Grundbedürfnissen."(S.132)

Parallel dazu erzählt Ronja von Rönne Szenen aus Noras Kindheit, ihre Freundschaft mit der wilden Maja, die Farbe und Action in ihr schon damals sehr ödes, stilles Leben bringt. Maja, Tochter einer alleinerziehenden Alkoholikerin, schlägt ständig böse über die Stränge und weiß genau, was sie will. Nora folgt ihr, dankbar, dass endlich jemand Leben in ihr Leben bringt.

Später löst der Junge Karl Maja ab, bis Leonie in Karls junges Erwachsenenleben tritt. Karl beschließt allerdings, dass er beide Frauen behalten will, und die beiden ordnen sich unter. Für Nora wird der missmutige Jonas hinzugefügt, der aber lieber mit Leonie und ihrem Kind Emma-Lou seine Zeit verbringt. Kein idealer Zustand, aber besser als nichts, außerdem lässt sich diese Konstellation als außergewöhnlich und besonders verkaufen. Keine gewöhnliche, langweilige Zweierbeziehung, hurra. Und gegen die Langeweile wird eine große Party ausgerichtet, um sich und den anderen zu beweisen, wie toll man doch ist.

Ronja von Rönne beschreibt das Innenleben von Nora auf eine fantastische Art und Weise. Als Paniktagebuch. Jede Nacht wird Nora von der Panik geweckt. Kein Grund für sie, nicht wie gewohnt weiterzumachen, etwas anderes hat sie nie kennen gelernt. Einfach abwarten, ob sich etwas von alleine ändert oder ein anderer die Richtung ändert. Das gesamte Buch wartet sie auf eine Nachricht von Maja - obwohl sie weiß, dass keine kommen wird? Oder doch?

Ich mag es, wenn mir die Protagonistin so zutiefst unsympathisch ist. Wenn mir jemand Charaktere und deren Beweggründe (tolles Wort für passive Menschen!), die herrlich idiotisch und sich selbst in die Tasche lügend sind, so begreiflich machen kann. 


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Anne-Sophie_Fuchss avatar

Rezension zu "Heute ist leider schlecht - Beschwerden ans Leben" von Ronja von Rönne

Ein grobkörniges Analysieren feiner Dinge.
Anne-Sophie_Fuchsvor 8 Monaten


„Die Frage nach der Generation Y ist so langweilig wie ein Töpferkurs ohne Ton, bei dem dann auch noch alle anderen Teilnehmer absagen, weil sie doch lieber Stehpaddeln lernen wollen.“

Nicht schon wieder ein Generationen-Kritik-Pamphlet! – ist das, was ihr jetzt vielleicht denkt. Was sicher viele denken, die wie ich angeblich genau zu der Generation zählen, die Ronja von Rönne in ihrem zweiten Buch mal ordentlich in die Mangel nimmt. Zum Glück macht sie es so ironisch und messerscharf, dass wir Yler am Ende gar nicht anders können, als uns von Seite zu Seite kräftig durch die Nase auszulachen.

„Also plant man die Horizonterweiterung, man könnte mit dem Rucksack durch Südostasien trampen, mit Finnen in die Sauna und mit Zweiflern den Jakobsweg gehen, Reisen ist billig, und was möglich ist, muss erledigt werden. Das Leben ist kurz und das absolute Maximum die Minimalanforderung.“

Eingeteilt ist das knapp 200-seitige Werk in drei große Teile. Warum es schlimm ist, Wo es schlimm ist und Was gegen das Schlimme hilft. Auch, wenn der Untertitel „Beschwerden ans Leben heißt“, meckert Frau von Rönne nicht in einer Tour. Generell ist es weniger ein Meckern als ein grobkörniges Analysieren feiner Dinge. Dinge, die sich in ihr, um sie herum und wegen ihr abspielen.

„Ich bin neidisch auf sie, wer so lange überlegt, ob ihm noch etwas zum Glück fehlt, und dem dann lediglich eine Postfiliale einfällt, hat alles richtig gemacht.“



Irgendwo am Ende der Mitte hing es etwas. Umso bissiger und witziger ging es nach dem inhaltlichen Mini-Löchle weiter. „Heute ist leider schlecht“ trifft sehr, sehr genau meinen Humor und spricht mir nicht selten volle Kanne aus meiner einfühlsamen, kritischen, menschenhassenliebenden Seele. Eine kurzweilige Lektüre, die die Sicht der eigenen Dinge teils ein paar Zentimeter zur Seite rückt, oder ihnen punktuell die Lupe rüberhält.

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eulenmatzs avatar

Rezension zu "Wir kommen" von Ronja von Rönne

Mal wieder zwiegespalten
eulenmatzvor 10 Monaten

INHALT:


In Noras Heimatort gehört es sich, den Nachbarn zu grüßen, den Rasen zu mähen und am Ende des Lebens zu sterben. Dass sich plötzlich ausgerechnet Maja, Noras beste Freundin aus Kindheitstagen, an diese althergebrachten Regeln hält und einfach stirbt, kann Nora nicht glauben. Für eine Beerdigung hat Nora ohnehin keine Zeit: Nachts wecken sie Panikattacken, sie muss sich um eine Schildkröte kümmern und ihre einst so progressive Beziehung zu viert droht auseinanderzubrechen. Und dann fährt auch noch ihr Therapeut in Urlaub. Bis zu seiner Rückkehr soll Nora ihre Tage in einem Tagebuch dokumentieren. Also berichtet sie, wie sie sich mit Karl, Leonie, Jonas und einem schweigenden Kind ans Meer flüchtet, um das Verschworene zwischen ihnen zu retten. Doch statt hoffnungsvoller Zukunft drängt sich immer mehr Noras Vergangenheit in den Vordergrund. Es muss doch etwas geben, denken die vier, das sie wieder zusammenzuschweißen vermag, ein großes Fest etwa. Oder ein Mord.


MEINUNG:


Ich habe von Ronja von Rönne bereits Heute ist leider schlecht gelesen, wobei dies nicht ganz vergleichbar, denn Wir kommen ist ein Roman, dennoch erkennt man Ronja von Rönnes Erzählerstimme definitiv wieder. Schon bei erst genannter Veröffentlichung bin ich geschwankt zwischen „Super geschrieben. Mehr davon.“ und „Mhm, erreicht mich jetzt gar nicht. Habe ich Morgen schon wieder vergessen.“


Der Einstieg in das Buch gelang mir recht leicht. Auch die Sprache faszinierte mich sofort und ich dachte, dass das hier etwas ganz Großes werden wird. Leider trat dann doch die Ernüchterung ein. Zunächst war für mich gar nicht so klar, ob Maja wirklich tot war. Nora verkaufte es mir in ihrer Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens als könnte es tatsächlich nicht passiert sein. Auf jeden Fall merkt man, dass Maja eine wichtige Person für Nora war. Immer wieder schwelgt Nora in Erinnerungen und lässt den Leser daran teilhaben.


In der Gegenwart leidet Nora unter Panikattacken. Ihr Therapeut hat ihr aufgetragen diese zu Papier zu bringen. Das macht sie auch. Das Buch liest sicher daher wie ihr Tagebuch, da es auch in der Ich-Perspektive geschrieben ist. Und hätte Nora nicht schon genug Probleme, kommt noch diese Beziehung zu viert dazu, bei der sofort spürbar ist, dann hier etwas im Ungleichgewicht ist. Die Idee war zumindest mal etwas Neues. Nora war zuerst mit Karl zusammen, ihr Freund aus Kindheitstagen, der auch Maja kannte. Dann kam Leonie mit ihrer kleinen Tochter, die nicht spricht, dazu und Karl führte auch mit Leonie eine Beziehung. Dann gibt es noch Jonas, der scheinbar der Vater von Leonies Kind ist und in den Nora sich dann verliebt. Das Konstrukt ist mehr als schwierig und niemand scheint wirklich glücklich zu sein. In meinen Augen leider ein ziemlich verkorkster Haufen, der Nora nicht den nötigen Halt, Liebe und Geborgenheit bietet.


Das wäre ja noch alles ok, wenn es irgendwie eine Handlung gegeben hätte. Für mich war die nicht so richtig erkennbar. Ging es um die Rettung der Vierer-Beziehung oder um den Umgang mit dem Abschied von Maja? Vielleicht etwas von Beidem. Dennoch verliert sich das Buch oft in Belanglosigkeiten und ist dann auch relativ abrupt zu Ende. Für mich mehr ein Tagebuch als ein Roman bzw. eine in sich abgeschlossene Handlung.


FAZIT:

Hier hat sich leider gezeigt, dass ein großes Sprach- und Schreibtalent wie Ronja von Rönne es definitiv ist, nicht immer ausreicht, um eine Geschichte mit nachvollziehbarer Handlung aufs Papier zu bringen. Trotzdem würde ich gerne noch etwas von ihr lesen wollen.


Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

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Zusätzliche Informationen

Ronja von Rönne wurde am 16. Januar 1992 in Berlin (Deutschland) geboren.

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