Ronja von Wurmb-Seibel Ausgerechnet Kabul

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Inhaltsangabe zu „Ausgerechnet Kabul“ von Ronja von Wurmb-Seibel

Afghanistan Was bleibt nach dem Abzug der Truppen?§§Ronja von Wurmb-Seibel ist 27 Jahre alt, als sie nach Kabul zieht. Die junge Reporterin hat sich vorgenommen, Afghanistan nach Geschichten zu durchstöbern, die anderes erzählen als Burka, Taliban und Bundeswehr. Sie findet Geschichten zum Staunen und erlebt Momente zum Verzweifeln. "Ich kann den Krieg beobachten, ich kann versuchen, ihn zu beschreiben; aber ich habe keine Ahnung davon, wie es ist, im Krieg zu leben", heißt es in Ausgerechnet Kabul. "Und ich glaube immer weniger daran, dass wir Deutschen beurteilen können, was unser Krieg am Hindukusch gebracht hat. Ich denke, es gibt bessere Experten für diese Frage: die neunjährige Madina etwa, die jeden Tag vor dem NATO-Hauptquartier in Kabul bunte Armbänder verkauft; oder Kommandeur Hakimi, dem die Leute unter der Hand wegsterben, seit die Bundeswehr aus Faizabad abgezogen ist und die Aufständischen an Macht gewinnen." Ronja von Wurmb-Seibels Buch ist eine Hommage an den Lebensmut der Afghanen, ein Plädoyer gegen den Krieg und eine ungewöhnliche Bilanz des deutschen Afghanistan-Einsatzes.§§

...enttäuscht. Zu viel von deutschen Stützpunkten, Soldaten, und Ausländern die dort leben, dafür zu wenig von den Menschen in Afghanistan.

— sanrafael
sanrafael

Ein wunderbares Porträt eines kriegsgebeutelten Landes mit vielen Porträts Einheimischer. Klare Leseempfehlung!

— Anchesenamun
Anchesenamun

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  • Rezension: "Ausgerechnet Kabul" (R. von Wurmbs-Seibel)

    Ausgerechnet Kabul
    Anchesenamun

    Anchesenamun

    18. April 2015 um 14:32

    Zum Inhalt: „Ausgerechnet Kabul!?“ - das war die Reaktion von Ronja von Wurmb-Seibels Familie und Freunden, als die junge Journalistin 2013 verkündet, in die afghanische Hauptstadt ziehen zu wollen. Seit ihrem ersten Besuch hat sie dieses faszinierende Land gepackt, und trotz der Gefahr wird Kabul für mehr als ein Jahr ihre neue Heimat. Meine Meinung: In diesem Buch erzählt die Autorin nun von ihren Erlebnissen in diesem Land, über die Menschen, die sie kennen- und schätzen gelernt hat, aber auch über die Hintergründe der Einsätze westlicher Truppen. Sie begleitet einerseits die Bundeswehr und trifft sich andererseits mit vielen Einheimischen. Die Autorin hat großen Respekt für das Land und seine Menschen, sie stellt nicht sich und ihre journalistische Arbeit in den Vordergrund, sondern die Menschen, über die sie erzählt. Sie lernt die Landessprache Dari, bewegt sich fernab der Sicherheitszonen und mischt sich unter das einheimische Volk. Das Buch ist in drei Hauptteile gegliedert: In „Wir und Die“ erzählt sie von den Afghanen, von den Unterschieden zwischen Einheimischen und Ausländern, die in Afghanistan arbeiten. In „Wir Gehen“ dreht sich vieles um den Einsatz der NATO-Truppen und der Bundeswehr. Ein Kapitel z. B. dreht sich um die besondere Freundschaft zwischen einem deutschen Soldaten und seinem afghanischen Übersetzer. In „Die bleiben“ geht es um die Einheimischen, wie es ihnen nach dem Rückzug der westlichen Truppen ergeht, was sie tun, um ihr Land in den Frieden zu führen. Um ehemalige Auswanderer, die nun wieder nach Afghanistan zurückkehren, um ihrem Land zu helfen. Ronja von Wurmb-Seibel gibt Gespräche und Interviews so weit wie möglich in der direkten Rede wieder, so dass sie die Leute für sich sprechen lässt. Sie selbst versucht relativ neutral zu schreiben, so dass die Erzählungen nie zu weinerlich oder rührig daherkommen. Emotional wird es bei der Autorin vor allem dann, wenn sie von ihrer Faszination und Liebe zu diesem Land spricht. Ich denke, es tut dem Buch nur gut, dass die Verfasserin so viele positive Gefühle für Afghanistan hegt und dadurch dem Leser auch die schönen Seiten eines Landes aufzeigt, das wir aus den Nachrichten nur als kaputtes, terrorisiertes Kriegsgebiet kennenlernen. Sie will klarmachen, dass die Afghanen nicht prima mit dem Krieg klarkommen, wie es viele unwissende Westler unterstellen, denn es kann ja nicht anders sein, wo sich die Einheimischen ja schon längst daran gewöhnt haben. Der Unterschied ist einfach: Die Afghanen haben genauso Angst vor Terror und Tod wie wir, doch irgendwie müssen sie damit klarkommen, denn bei ihnen ist das Alltag. Kein Einheimischer, den die Autorin trifft, der nicht schon ein Familienmitglied oder einen Freund verloren hat oder zumindest Augenzeuge eines Anschlags geworden ist. Sie will aufklären, dass die NATO und die Bundeswehr den Menschen in diesem Land nicht nur helfen. Ich wusste z. B. nicht, dass die Deutschen (und auch die Heere anderer Länder) nach ihrem Abzug Tausende von Minen einfach liegen gelassen haben und sich nun aus der Verantwortung ziehen für die zahlreichen Minenopfer, unter ihnen vor allem Kinder. Hierzu ein Auszug aus dem Gespräch zwischen der Autorin und R. Wolski, General bei ISAF: „Haben Sie keine Bedenken, dass es dem Ruf der ISAF-Mission schaden könnte, wenn Blindgänger Zivilisten töten?“ „Der Großteil der zivilen Opfer in Afghanistan geht immer noch auf das Konto der Taliban.“ „Die Taliban sind hoffentlich nicht der Maßstab für die NATO?“ „Nein. Aber man muss das ja im Gesamten betrachten. Außerdem haben die Afghanen einen ganz anderen Umgang mit dem Tod als wir. Wenn jemand stirbt, ist das nicht so schlimm. Die regen sich eher darüber auf, wenn jemand den Koran verbrennt.“ […] Ich merke, wie ich sauer werde, beschließe aber, mich zusammenzureißen. „Ich habe mit vielen Familien gesprochen, die jemanden verloren haben“, sage ich. „Mein Eindruck ist nicht, dass sie einen anderen Umgang haben als wir. Sie weinen, sie trauern. Und viele von ihnen sind wütend, auch Jahre später noch.“ „Das kann ja sein, dass Ihr Eindruck so ist“, sagt Wolski. „Mein Eindruck ist ein anderer.“ (S. 158/159) Ich habe viel von diesem Buch gelernt, und habe mit der Autorin viele interessante Persönlichkeiten getroffen. Durch die Autobiographie „Sie konnten mich nicht töten.Als Afghanin im Einsatz für die Bundeswehr“ von Soraya Alekozei habe ich schon einiges über das Land Afghanistan und die Hintergründe zu dem langjährigen Krieg gelesen. „Ausgerechnet Kabul“ hat mein Wissen über Afghanistan nun erweitert und mir die Einheimischen und ihre Lebensumstände noch näher gebracht. Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen, vor allem denjenigen, die über Afghanistan nichts oder nur sehr wenig wissen. Denjenigen, die sich für Zeitgeschichte, Politik und fremde Länder interessieren. Und ich lege es vor allem den Menschen ans Herz, die dagegen sind, dass der Westen Flüchtlinge aus Kriegsgebieten wie Afghanistan aufnimmt, da es ja uns in Deutschland auch nicht soooo dolle geht und die Leute sich „da drüben“ doch eh schon an den Krieg gewöhnt haben...

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