Ronya Othmann

 4,2 Sterne bei 133 Bewertungen
Autor*in von Die Sommer, Vierundsiebzig und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Ronya Othmann, geboren 1993 in München, studiert am Literaturinstitut Leipzig. Sie erhielt unter anderem den Lyrik-Preis des open mike und den Publikumspreis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs. Gemeinsam mit Cemile Sahin schreibt sie für die ›taz‹ die Kolumne ›Orient Express‹ über Nahost-Politik.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Ronya Othmann

Cover des Buches Die Sommer (ISBN: 9783446267602)

Die Sommer

(111)
Erschienen am 17.08.2020
Cover des Buches Vierundsiebzig (ISBN: 9783499012099)

Vierundsiebzig

(16)
Erschienen am 16.09.2025
Cover des Buches Die Sommer (ISBN: 9783423148221)

Die Sommer

(0)
Erschienen am 20.07.2022
Cover des Buches die verbrechen (ISBN: 9783446270831)

die verbrechen

(0)
Erschienen am 25.10.2021
Cover des Buches Rückkehr nach Syrien (ISBN: 9783498006976)

Rückkehr nach Syrien

(0)
Erschienen am 14.10.2025

Neue Rezensionen zu Ronya Othmann

Cover des Buches Vierundsiebzig (ISBN: 9783499012099)
LeserinLus avatar

Rezension zu "Vierundsiebzig" von Ronya Othmann

LeserinLu
Wichtiges Buch

Vierundsiebzig war für mich ein sehr dichtes und zugleich schwer auszuhaltendes Buch - im positiven Sinne. Obwohl das Buch offiziell als Roman bezeichnet wird, kam es mir immer wieder wie ein Sachbuch vor, das eine Vielzahl an Stimmen, Eindrücken und historischen Linien miteinander zu verbinden versucht. Othmann reist immer wieder in die jesidischen Gebiete, besucht Camps, Gedenkorte und Dörfer und spricht mit Menschen, die den Angriffen des IS knapp entkommen sind. Die Autorin schreibt dabei klar und präzise, fast nüchtern, was mir gut gefallen hat.


Gleichzeitig ist Vierundsiebzig kein reines Buch über die jüngere Vergangenheit. Es geht auch um die lange Geschichte der Verfolgung der Jesiden, den Genozid an den Armeniern, die Verbrechen des Saddam-Regimes oder die Unterdrückung der Kurden. Diese Fülle an Themen hat mich durchaus überfordert und beansprucht. Vierundsiebzig ist also insgesamt kein leichtes Buch, weder thematisch noch von seiner Form her, aber es ist ein wichtiges Buch über Erinnerung und Verantwortung. Für mich war es sehr anspruchsvoll und absolut lesenswert. Mehr Menschen sollten sich insbesondere mit der Geschichte der Jesiden auseinandersetzen, z.B. mit diesem Buch.

Cover des Buches Die Sommer (ISBN: 9783446267602)
Paperboats avatar

Rezension zu "Die Sommer" von Ronya Othmann

Paperboat
Über das êzîdische (jesidische) Leben in zwei Welten

Wir sind wieder als feministischer Buchclub zusammengekommen, um über „Die Sommer“ von Ronya Othmann zu sprechen.

Leyla lebt ein geteiltes Leben. Zu drei Vierteln lebt sie mit ihren Eltern nahe München ein deutsches Leben, während die Sommer der Familie des Vaters in einem kleinen Dorf im Mittleren Osten gehören. Besonders der Großmutter fühlt Leyla sich tief verbunden. Kommt das Mädchen jedoch nach dem Sommer zurück nach Deutschland und erzählt nach Ferienende von der Zeit in Kurdistan, bekommt sie von türkischen Mitschüler:innen vorgeworfen, sie lüge, denn Kurdistan gibt es nicht. Leyla lernt, ihre êzîdische Herkunft nur noch bedingt zu erwähnen.
Als êzîdische Kurd:innen haben alle Menschen im Dorf von Leylas Großmutter einen gepackten Koffer mit den Notwendigkeiten, denn das Risiko von Verfolgung besteht immer.
Weder in der einen noch in der anderen Welt gewollt und geduldet, wächst Leyla mit einer inneren Zerrissenheit auf, die sie auch nach dem Auszug von zu Hause nach der Aufnahme ihres Studiums nicht abschütteln kann. Und dann, eines Tages, sind die Nachrichten voll vom Ausbruch des Krieges in Syrien und der durch den IS ausgelösten Völkermord an den Êzîd:innen. Leylas Vater, der auch zuvor die Nachrichten im Fernsehen verfolgt hat, ist nun gar nicht mehr vom Fernseher wegzubekommen. Wie auch er, empfindet Leyla eine zunehmende Verzweiflung, für die sie allerdings ein anderes Ventil benötigt als aus der Ferne zuzuschauen, wie ihr Volk vernichtet wird und geht den ersten Schritt ihrer ganz eigenen Empanzipation.

Einheitlich fanden wir Ronya Othmanns Debütroman sehr wertvoll. Ganz abgesehen davon, dass sich die Geschichte der vielen Sommer so liest, als wäre man mittendrin im Hause von Leylas Großmutter, enthält das Buch so viel Wissenswertes über eine Kultur, eine Ethnie, ein Volk, das bisher keine von uns wirklich kannte. Ich selbst habe beim Lesen immer wieder innegehalten und im Internet beispielsweise recherchiert, wie das Haus von Leylas Großmutter wohl aussehen mag, wenn es im Text hieß, im heißen Sommer schlafe die Familie nachts auf dem Dach; oder was die hochgelobte Stimme des kurdischen Musikers ausmacht, dessen Kassetten im Laufe der Handlung zum politischen Problem werden.
Dieser Roman hat uns allen, die wir im Buchclub anwesend waren, mehr gegeben als eine lesenswerte Geschichte.

Cover des Buches Vierundsiebzig (ISBN: 9783498003616)
Aenna612s avatar

Rezension zu "Vierundsiebzig" von Ronya Othmann

Aenna612
Ein wichtiges, bewegendes Buch über den Genozid an den Êzîden, das mir aufgrund des anspruchsvollen Stils jedoch nur schwer zugänglich war.

"Vierundsiebzig" von Ronya Othmann behandelt mit dem Genozid an den Êzîden ein wichtiges, immer noch aktuelles und dabei viel zu oft vernachlässigtes Thema. Da ich mich mit der Geschichte der Êzîden noch viel zu wenig beschäftigt habe, war ich sofort interessiert an diesem Buch. Besonders reizvoll fand ich die Idee, aus der Perspektive einer persönlich Betroffenen zu lesen, die ihre eigenen Erfahrungen einfließen und auch weitere Betroffene zu Wort kommen lässt.

Leider fiel es mir schwer, einen Zugang zum Buch zu finden. Der Schreibstil, der sicher für viele Leser:innen authentisch und kraftvoll wirkt, war für mich herausfordernd. Die Kapitel empfand ich als sehr lang, und die Gedanken der Autorin erschienen mir oft sprunghaft. Die Übergänge zwischen Erzählungen und indirekter Rede waren fließend, was mir das Lesen zusätzlich erschwert hat. Diese subjektive und persönliche Erzählweise, die sicherlich die innere Zerrissenheit und das Chaos widerspiegelt, das das Thema mit sich bringt, hat es mir persönlich schwer gemacht, mich auf den Inhalt einzulassen.

Ein weiterer Aspekt, der mir zu schaffen gemacht hat, war die Vielzahl an Personen und Erlebnissen, die in schneller Abfolge eingeführt wurden. Während das die Vielschichtigkeit der persönlichen Leidensgeschichten der Êzîden unterstreicht, hatte ich Schwierigkeiten, mich in diese persönlichen Erzählungen einzufinden, da die Charaktere für mich blass blieben.

Trotz meiner Schwierigkeiten mit Stil und Struktur möchte ich betonen, dass "Vierundsiebzig" ein wichtiges Buch ist, das eine notwendige Aufmerksamkeit auf ein weitgehend übersehenes Thema lenkt. Die detaillierten und schmerzhaften Schilderungen der Verfolgung und des Leids sind essenziell, um das Bewusstsein für die Tragödie der Êzîden zu schärfen, auch wenn sie für mich persönlich durch die genannten Punkte schwer greifbar blieben.

Insgesamt bin ich froh, dass Ronya Othmann dieses Buch geschrieben hat und hoffe, dass es viele Leser:innen erreicht, die einen leichteren Zugang finden als ich. Es ist zweifellos ein wichtiges Werk, das einen wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung eines dringlichen Themas leistet.

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