Rory Stewart Soweit die Knie tragen

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Inhaltsangabe zu „Soweit die Knie tragen“ von Rory Stewart

Tausend Kilometer zu Fuß von Herat nach Kabul: Der junge Historiker und Diplomat Rory Stewart suchte sich für seine Wanderung ausgerechnet Afghanistan aus – im tiefsten Winter, kurz nach dem Einmarsch der internationalen Truppen – und schrieb ein ungeschönt ehrliches, ernsthaftes und komisches Buch darüber.
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  • Abenteuerbericht vs. Literatur

    Soweit die Knie tragen

    pfudel

    02. November 2016 um 17:49

    Zwischen Taliban, Landminen und Durchfall, muss der Autor vor allem mit Machtspielchen hochnäsiger Militärangehöriger und Warlords, marodierenden Kinderbanden und zornigen Hundemeuten kämpfen. Dennoch zeigt uns Stewart ein Afghanistan fernab von Kriegen, Anschlägen und Entführungen. Überrascht über den Besucher aus einer anderen Welt und sein Vorhaben, wird Stewart beinahe immer gastfreundschaftlich von der Bevölkerung aufgenommen. Großzügig werden die wenigen vorhandenen Lebensmittel mit dem Gast aus Schottland geteilt. Sein gut fundiertes Wissen über Afghanistan und ausreichende Persischkenntnisse helfen Stewart nicht nur in der Sozialisierung, sondern auch brenzlige Situationen zu meistern.  Wer von diesem Buch einen Abenteuerbericht erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Rory Stewarts Fußmarsch durch Afghanistan ist eine Ansammlung von geschichtlich fundierten Erläuterungen zur Kultur dieses zerrüttelten Landes. Authentisch, intelligent, informativ, ehrlich und aus anthropologischer Sicht sehr interessant. Eine ordentliche Portion aus Mut, Kraft, Wille und Glück lassen den jungen Mann schließlich sein Ziel - Kabul - erreichen, wo er später eine NGO zur Erhaltung des kulturellen Erbes Afghanistans gründet.

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  • Rezension zu "Soweit die Knie tragen" von Rory Stewart

    Soweit die Knie tragen

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    30. March 2011 um 16:06

    Wenn es ein Reiseland gibt, das schon seit Jahren ganz weit unten auf der Hitliste des Otto-Normaltouristen steht, so ist das sicherlich Afghanistan. Rory Stewart ist jedoch mitnichten Otto-Normaltourist, denn da er sowieso schon zu Fuß durch Asien (inkl. Iran, Pakistan, Nepal) unterwegs ist, wollte er Afghanistan nicht alleine schon deswegen auslassen, weil gerade die Taliban gestürzt worden waren und – gelinde gesagt – unsichere Zustände herrschten. Stewart war natürlich auch gut vorbereitet: Als Historiker mit profunden Kenntnissen über die Region und nicht zuletzt die Sprache(n), die die Menschen dort sprechen, konnte er zumindest die gröbsten Fallstricke vermeiden. Trotzdem nötigt seine Entscheidung, innerhalb von zwei Monaten von Herat im Westen nach Kabul im Osten zu wandern, Respekt ab – oder nur ein Kopfschütteln, je nachdem. Stewart bricht im Januar 2002 auf – es liegt Schnee, es ist kalt und auf seinem Weg muss er auch Gebirge durchqueren. Anfangs wird er von zwei Soldaten begleitet, später dann von einem großen, zahnlosen Hund namens Babur. Er trifft manchmal auf Gastfreundschaft, manchmal aber auch auf das Gegenteil (Menschen, die selbst nur das Nötigste zum Essen haben, sind schließlich nicht sonderlich scharf drauf, noch einen Besucher zu bewirten), manchmal gerät Stewart sogar in brenzlige Situationen, wobei ihm aber wider Erwarten nie etwas Schlimmes passiert. Die damals aktuellen politischen Entwicklungen – das Bombardement der USA und ihrer Verbündeter in der Folge des 11. September – werden eher am Rande gestreift, der Krieg ist jedoch als Kulisse immer präsent. Über seine Reise hat er diesen sehr lesenswerten Bericht geschrieben. Sehr angenehm und auch angemessen fand ich, dass er sich selbst extrem zurücknimmt und dadurch seinen Beschreibungen über Landschaft, Menschen, Sitten und Gebräuche umso mehr Raum gibt. Dieser Stil hat mir enorm gut gefallen – es nervt mich, wenn Leute so eine Reise machen, dann aber in ihren Berichten vor allem um die eigenen Befindlichkeiten kreisen. Obwohl er die Sprache meist versteht, so erschließt sich Stewart nicht immer alles, was er erlebt. Er kommentiert dies, ohne zu verklären – mal ironisch, mal mit einem Augenzwinkern, mal aber auch sehr ernst und kritisch. Er berichtet von brenzligen Situationen genauso ehrlich wie von irgendwelchen Skurrilitäten, die ihm auf dem Weg begegnen. Nur manchmal was mir der Schreibstil etwas zu inkonsistent: er springt von Personenbeschreibungen zu historischen Abhandlungen und dann weiter zu Landschaftsbeschreibungen. Hier hätte man etwas mehr Feintuning reinstecken sollen, so dass die Geschichte wirklich immer flüssig zu lesen bleibt. Um es ganz ehrlich zu sagen: Irgendwie näher gekommen bin ich Afghanistan durch dieses Buch nicht. Es lag vielleicht daran, dass Stewart durch eine extrem arme und rauhe Gegend gewandert ist, wo es wenig anderes gibt als ein paar abgelegene Lehmhütten und Männer mit Kalaschnikows. Und das ist eine komplett fremde Welt, in die man sich nur schwer hineinversetzen kann, wenn man sie nicht kennt. Überhaupt: Stewart bewegt sich in einer Welt nahezu ohne Frauen. Er kommentiert das auch des Öfteren selbst, aber es ist schon auffällig und sorgte bei mir für ein ziemlich beklemmendes Gefühl – ich will hier gar nicht darüber philosophieren, was es bedeutet, wenn die Hälfte einer Gesellschaft letztlich unsichtbar bleibt. Alles in allem ein sehr interessantes, außergewöhnliches und lesenswertes Buch.

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