In ihrer Autobiografie "In der sibirischen Kälte" führt uns Rosa Ananitschev nach Russland, in das Dorf Schönfeld, wo sie mit sechs Geschwistern aufwuchs. Die Eltern waren strenggläubige Baptisten, was sich in der Erziehung widerspiegelte. Alles Fröhliche war nicht erwünscht.
Von Seiten der Mutter gab es wenig Wärme und offene Zuneigung, was aber die kleine Rosa so sehr gebraucht hätte. Sie war ein stilles Kind, schon in sehr frühen Jahren depressiv, was aber damals niemand erkannte. Dennoch suchte sie stets den Kontakt zu anderen Menschen, vermutlich, um der Trostlosigkeit und Enge des Elternhauses zu entfliehen. Als Rosa in die Schule kam, entdeckte sie die Welt der Bücher und ihr Talent zum Schreiben, beides ist ihr bis heute geblieben.
Sehr berührend schildert die Autorin in Momentaufnahmen Begebenheiten aus ihrer Kindheit und Jugend und schließlich ihr Ankommen in Deutschland, Erinnerungen, die sich zu einem Ganzen konstituieren. Als Leserin kommt mir Rosa sehr nah. Ich erlebe ihre Ängste, ihre Traurigkeit, aber auch die kleinen schönen Augenblicke. Erlebe den Schock, als ein in früher Kindheit erfolgter und zunächst verdrängter Missbrauch an die Oberfläche kommt.
Beim Lesen von Rosas Geschichte wird deutlich, wie stark sie im Grunde ist, eine Kämpfernatur, die immer wieder die Hand ergriff, die das Leben ihr zuweilen hingestreckt hat. Es war ein langer Weg, doch heute ist Rosa Ananitschev eine Frau, die bei sich angekommen ist. Die ein gutes Leben mit ihrer Partnerin hat, wenngleich auch die alten Wunden nicht völlig verheilt sind.
Es ist kein leichtes Buch, es stimmt sehr nachdenklich, ruft Emotionen wach.
Alles das, was die Autorin beschreibt, hat mich stark berührt, auf sehr subtile Weise hat mich Rosa Ananitschev mitgenommen und durch ihr Leben geführt. Bewundernswert empfinde ich den Schreibstil. Mit ihrer ausdrucksvollen, zum Teil poetischen Sprache versteht sie es, Gefühle und Erlebnisse darzustellen, ohne zu überborden.
Diese Autobiografie birgt zudem viel zwischen den Zeilen, bricht mit dem Schweigen, legt dar, was man lieber nicht sehen möchte. Ein Buch, das Anerkennung und Aufmerksamkeit verdient.
Von mir eine absolute Leseempfehlung.














