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anarosa

vor 3 Jahren

Bewerbung/Ich möchte mitlesen

So manches Mal kann es passieren, dass Verdrängtes plötzlich wieder an die Oberfläche gelangt und den Betroffenen zuweilen fassungslos zurücklässt. Vergessenes bleibt nicht immer vergessen, mag die Erinnerung an etwaig Schreckliches auch oft recht lange in uns schlummern; eine Handbewegung vielleicht oder ein unbedachtes Wort vermögen sie unversehens zu wecken und dann zeigen sie, dass sie nichts von ihrer Kraft eingebüßt haben.
Rosa Ananitschev versteht es meisterhaft, den Leser an der Hand zu nehmen und behutsam in die dunklen Erinnerungen eines Kindes hineinzuführen. Erinnerungen, die spät erst anklopfen und Einlass begehren. Doch auch Erinnerungen, die – so schmerzlich sie auch sein mögen – durch die Hand eines Freundes zum Verschwinden gebracht werden können. Aber wer, bitteschön, sollte dieser Freund denn sein …?

(Aus "Making of - Andersrum" des Verlages)

Verlost werden 5 Taschenbuchausgaben von "Andersrum"



Autor: Rosa Ananitschev
Buch: Andersrum

anarosa

vor 3 Jahren

Leseprobe

Als Leseprobe - aus Kapitel 3 "Der Stein" - die Stelle, wo Lisa Duh aus ihrem Tagebuch vorliest:

„25. August 1960, Donnerstag.
Heute ist ein ganz, ganz besonderer Tag. Ich fand einen Stein, aber einen anderen Stein. Ich denke, dass Duh ihn mir geschickt hat. Er hat mir einmal gesagt, dass Freunde seelenverwandt sind und fühlen können, wenn es einem schlecht geht. Ich weiß, Duh hat es gefühlt. Er wollte, dass ich diesen Stein finde. Damit ich ihn rufen kann. Jetzt werde ich Duh jeden Tag sehen und ihm alles erzählen. Er versteht mich und erklärt mir Dinge, die ich nicht weiß. Das ist gut. Weil es mir dann besser geht. Ich habe Duh so sehr vermisst. So sehr ...“

Bei den letzten Sätzen zittert Lisas Stimme, dann hält sie inne, schaut ihren großen Freund an und sagt schüchtern: „Das ist zwar für mich bestimmt, Duh, aber ich wollte es dir vorlesen, weil ich möchte, dass du es weißt.“
Duh antwortet nicht. Lisa wartet einen Moment und fragt dann ängstlich: „Habe ich was Falsches gesagt?“
„Nein, Liebes, Du hast alles richtig und sehr schön gesagt und geschrieben … Nur … weißt Du … ich musste mich ein bisschen sammeln … innerlich.“
Lisa versteht nicht, was Duh meint und sieht ihn etwas ratlos an.
Seine Erklärung folgt rasch. „Auch wenn ich schon erwachsen bin, so berühren mich manche Dinge doch sehr. Ich möchte dir gern helfen, und ich hoffe, dass ich das kann.“
Duhs Stimme klingt irgendwie anders und Lisa denkt, dass auch er einen Kloß im Hals hat.
„Soll ich weiter lesen?“, fragt sie vorsichtig, und Duh nickt zustimmend.

„Duh hat mir eine Aufgabe gegeben. Ich soll über Menschen aus dem Dorf nachdenken, ob es jemand gibt, der böse zu mir ist. Ich habe sie mir alle vorgestellt. Manche sind komisch, manche mag ich nicht, manche sind ganz lieb. Aber keiner tut mir etwas, auch Onkel Johann nicht. Onkel Johann ist unser Nachbar. Vor ihm habe ich ein bisschen Angst, weil er seine Jungs schlägt. Sie sind wilde Kerle und stellen immer etwas an. Sie tun mir leid. Wenn ich sie schreien und weinen höre, dann weiß ich, dass ihr Papa sie wieder verprügelt. Mich hat er aber nie geschlagen. Ich bin ja auch ein Mädchen. Keiner hat mich geschlagen, denke ich. Oder habe ich es doch vergessen, und es ist diese Erinnerung, die wieder zurückkommen will?“

Lisa verstummt, schaut Duh an. Er ist ganz Ohr. So sagt Lisas Papa immer, wenn er jemandem gut zuhören will – ‚ich bin ganz Ohr‘. Lisa atmet tief durch und liest weiter.

„Dann habe ich doch an einen Menschen gedacht, den ich gar nicht mag. Warum ich ihn nicht mag, weiß ich aber nicht genau. Auch er tut mir nichts, trotzdem will ich ihn nicht sehen, ich will nicht, dass er in meiner Nähe ist. Ob ich mich vor ihm fürchte? Irgendwie schon. Er macht mich unruhig, und ich fühle mich so ganz anders. Wenn er mich anguckt oder anspricht, will ich sofort weglaufen. Ich weiß, dass es so nicht richtig ist, weil er mein Bruder ist und Brüder und Schwestern haben sich doch lieb. Er liebt mich ja auch, aber warum liebe ich ihn nicht? Ich weiß nicht, ob ich das für Duh aufschreiben soll, aber ich habe es trotzdem getan.“

Lisa schließt ihr Tagebuch und sieht Duh fragend an. Sie erschrickt, als sie seine Haltung wahrnimmt. Duh hat sich nach vorne gebeugt, sein Körper ist angespannt, er strahlt Bedrohung aus. Wie eine Faust, denkt Lisa, wie eine Faust, die bereit ist zuzuschlagen. Sie wundert sich selbst, dass ihr so etwas in den Sinn kommt.
Im gleichen Moment merkt Duh, dass er dem Mädchen Angst macht und sein Körper entspannt sich wieder. „Alles gut“, sagt er, „alles gut, ich habe dir nur sehr aufmerksam zugehört. Erzähl mir mehr über deinen Bruder. Wie alt ist er? Wo wohnt er?“ Duhs Stimme klingt scharf, und Lisa schaut ihn wieder ängstlich an.

VictoriaSuffrage

vor 3 Jahren

Bewerbung/Ich möchte mitlesen

Ich lese gern mit, habe mir das Buch schon gekauft.

Liebe Grüße
Victoria

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anarosa

vor 3 Jahren

Wie gefällt dir das Cover?
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@VictoriaSuffrage

Das Cover haben meine Herausgeberin Renate Zawrel und die Zeichnerin Jutta E. Schröder entworfen und es ist ihnen sehr gut gelungen :-)

LeseeuleNatascha

vor 3 Jahren

Kapitel 5: Asil
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@anarosa

Mir hat das Buch prima gefallen, danach musste ich erst mal nachdenken. Die kleine Lisa und Duh sind mir srhr ans Herz gewachsenund ich hoffe für dich das du noch viele tolle Bücher schreibst. Werde dich mir aufjefenfall merken. Und ich weiß jetzt schon das dass nicht das letzte malgewesen iist das ich das Buch gelesen hab :)
Ist eigentlich schon ein neues Buch von ihnen in Sicht? :D
Rezi kommt morgen ;)

Ganz lieben Gruß Natascha

anarosa

vor 3 Jahren

Kapitel 5: Asil
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@LeseeuleNatascha

Liebe Natascha,
ja, es wäre toll, wenn Du ab und zu mal wieder die kleine Lisa in ihrer Welt besuchen würdest, darauf würde sie sich besonders freuen ;-) Und es ist schön, dass Du Dir über das Mädchen Gedanken machst, ich freue mich, dass das Buch Dir etwas gebracht hat.
Bestimmt werde ich noch weitere Bücher schreiben, habe ja auch schon vieles im Internet veröffentlicht (Kurzgeschichten und Autobiografisches), wenn Du magst, schau vorbei: http://www.bookrix.de/-anarosa/ oder besuche meine Homepage: http://www.rosa-andersrum.de/
Herzliche Grüße
Rosa

LeseeuleNatascha

vor 3 Jahren

Deine Rezension

Hier die Rezension zu dem Buch :)

http://www.lovelybooks.de/autor/Rosa-Ananitschev/Andersrum-1098781986-w/rezension/1101492024/

anarosa

vor 3 Jahren

Deine Rezension
@LeseeuleNatascha

Herzlichen Dank, liebe Natascha. Du weißt ja, über Deine Rezension freue ich mich besonders :-)

LeseeuleNatascha

vor 3 Jahren

Deine Rezension
@anarosa

Das freut mich :)

britta70

vor 3 Jahren

Mein Buch mit der netten Widmung ist auch da. Herzlichen Dank!
Ich poste in Kürze :-)

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