Lautlose Nacht

von Rosamund Lupton 
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Lautlose Nacht
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Positiv (50):
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Eis, Schnee und Sturm: Wer extremes Wetter und Spannung mit einem Schuss Poesie mag, ist hier richtig.

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Laaaaangweilig... Da hilft auch die liebenswerte Ruby nicht.

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Inhaltsangabe zu "Lautlose Nacht"

»Ein wahres Kleinod inmitten des gigantischen Krimiangebots.« Ingrid Müller-Münch in ›Deutschlandfunk‹

Die britische Physikerin Yasmin fliegt mit ihrer zehnjährigen Tochter Ruby nach Alaska, um ihren Mann Matt zu treffen, der dort einen Dokumentarfilm dreht. Doch die Polizei empfängt sie mit der Nachricht, dass Matt jenseits des Polarkreises umgekommen ist. Yasmin will das nicht glauben: Sie ist davon überzeugt, dass Matt am Leben ist und ihre Hilfe braucht. Zusammen mit Ruby macht sie sich auf eine höchst riskante Reise durch ewiges Eis und ewige Nacht, um ihn zu finden. Und irgendwann bemerkt sie, dass sie nicht allein sind in dieser eisigen Hölle – sondern verfolgt werden.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423217477
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:26.10.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 24.11.2016 bei Argon erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    stachelbeermonds avatar
    stachelbeermondvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Eis, Schnee und Sturm: Wer extremes Wetter und Spannung mit einem Schuss Poesie mag, ist hier richtig.
    Schneestürme, Spannung und Poesie

    „@Words_No_Sounds
    650 Follower
    AUFREGUNG: Schmeckt wie bitzelndes Brausepulver, fühlt sich an wie das Hups-Rumms, wenn ein Flugzeug aufsetzt, und sieht aus wie die große, flauschige Kapuze von Dads Inupiaq-Parka.“

    Es ist kalt in diesem Buch, sehr, sehr kalt. Yasmin ist mit ihrer zehnjährigen Tochter Ruby von London nach Alaska geflogen, um ihren Mann zu besuchen. Er ist Tierfilmer und will in der Schneewüste am Polarkreis das Leben in der ewigen Nacht filmen, die dort ein halbes Jahr dauert. In Alaska angekommen, erfährt Yasmin, dass Matt bei einem Brand in einem kleinem Dorf ums Leben gekommen sein soll. Sie kann das nicht glauben, und ohne ihrer Tochter davon zu erzählen, beschließt sie, trotz zweistelliger Minusgrade, Schneestürmen und Dunkelheit dorthin aufzubrechen, um ihn zu suchen. Ruby ist taub und kommuniziert mit Vorliebe über ihr Notebook, dass ihr Vater ihr geschenkt hat. Sie nutzt sämtliche Technikvorteile, die solch ein Gerät mit sich bringt und twittert ihre Sicht der Welt und ihre Definition von für sie nicht hörbaren Worten. Yasmin dagegen würde das Notebook am liebsten zerstören, denn sie möchte, dass ihre Tochter ihre Stimme nutzt und sich der Welt der Sprechenden anpasst.

    Es ist reiner Irrsinn, was Yasmin sich und ihrer Tochter zumutet, denn nach Anaktue kommt man nicht mal eben mit dem Bus oder dem Flugzeug. Das Innuit-Dörfchen liegt abseits sämtlicher Straßen und der Wetterbericht sagt einen gigantischen Schneesturm voraus, aber Yasmin lässt sich nicht beirren. Sie bahnt sich ihren Weg, und als sie dafür einen Truck stehlen muss, den sie dann selber weiterfährt, tut sie das. Auch, als sie einen Verfolger hinter sich bemerkt, der nie näher kommt, aber auch nie verschwindet, kehrt sie nicht um, und ab einem bestimmten Punkt gibt es dann keine Möglichkeit zur Umkehr mehr.

    Die klaustrophobische Enge des kleinen Führerhauses könnte erdrückend wirken, aber zum einen werden immer wieder kurze Rückblenden in das familiäre Leben vor der Alaska-Reise eingestreut, zum anderen wechselt die Erzählperspektive zwischen Ruby und Yasmin ständig hin und her. So entsteht ein eigener kleiner Kosmos, in dem der Vater und Ehemann trotz seiner Abwesenheit nie weit entfernt ist. Ruby vergöttert ihren Vater, der sie ermuntert hat, ihre eigene Stimme in der Welt der Sprache zu finden, abseits vom reinen gesprochenen Wort. Yasmin schwankt zwischen Liebe, Eifersucht, Wut und Sorge, und genauso extrem wie ihre Gefühle ist das Wetter. Es schneit, stürmt, hagelt und ist mit minus 40 Grad so kalt, dass die Luft aus Glassplittern zu bestehen scheint, wie Ruby gleich zu Beginn des Buches erzählt. Manchmal könnte man anfangen zu zweifeln an der Geschichte, zu abwegig erscheint es, dass eine Mutter ihre Tochter freiwillig in solch ein Szenario hineintreibt, aber Rosamund Lupton hält die Spannung aufrecht, bis die Geschichte sich zum Schluss hin öffnet in einen weit größeren Kontext als nur die Suche nach einem geliebten Menschen. Eisig sind die Konsequenzen und die Fragen, die sich hier auftun angesichts von unermesslichen Rohstoffvorräten im Boden des Polarkreises. Zum Schluss noch einmal Ruby:

    „@Words_No_Sounds
    650 Follower
    ANGST: Sieht aus wie ein Schachbrett mit hin und her springenden Feldern, fühlt sich zitternd und schweißig an, schmeckt wie Prickel-Eis.“


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    SalanderLisbeths avatar
    SalanderLisbethvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Die gnadenlose Kälte, Weite und Stille Alaskas wird in spektakulären Bildern lebendig.
    Spannender Roadtrip von Mutter und gehörloser Tochter

    Die Kälte war ein Schock. Sie hatte gedacht, Kälte sei weiß wie Schnee oder vielleicht blau wie der Punkt auf einem Kaltwasserhahn. Aber diese Kälte entsprang einem Ort der Nacht und war schwarz, ohne jegliche Farbe oder Licht.
    Ein gellendes Kreischen ertönte, dann begriff sie, dass es der Wind war, der Neuschnee über den festgefahrenen Schnee am Boden trieb, weiße Geister, die über Straße und Ödnis tanzten. (Auszug Seite 198)


    Spannender Roadtrip

    Die englische Astrophysikerin Yasmin Alfredson fliegt mir ihrer zehnjährigen Tochter Ruby nach Alaska, um ihren Mann zu besuchen. Matt Alfredson arbeitet dort als Naturfilmer und soll sich zuletzt in einem kleinen Inupiat-Dorf am Polarkreis aufgehalten haben. Als die beiden in Fairbanks am Flughafen ankommen, erfahren sie durch die Polizei, dass bei einer katastrophalen Explosion alle Dorfbewohner ums Leben gekommen sind. Obwohl alles darauf hindeutet, dass auch Matt unter den Opfern ist, will Yasmin das nicht wahrhaben.

    Da alle Flüge gestrichen wurden, macht sie sich gegen alle Widerstände auf den lebensgefährlichen Weg über den Highway nach Anaktue, um nach ihrem verschollenen Mann zu suchen. Ihre Tochter nimmt sie mit, denn sie kann die Kleine nicht da lassen, da Ruby gehörlos ist. Die beiden finden in einem gutmütigen Trucker eine Mitfahrgelegenheit. Bei einer kurzen Pause auf einem Rasthof erfährt Yasmin von anderen Truckern, dass sich unter Anaktue Tausende Tonnen Schieferöl befinden sollen. Die Dorfbewohner lehnen aber die Fracking-Pläne, ein umstrittenes Verfahren der Erdgas- und Erdölförderung ab. Als ihr Fahrer ausfällt, kapert Yasmin einfach den Sattelzug und macht sich mit ihrer Tochter auf den Höllenritt durch die Eiswüste. Das ist der Ausgangspunkt dieses spannenden Roadtrips.


    Extremsituationen

    In dieser Extremsituation, bedingt durch die eisige Kälte und endlose Dunkelheit steuert Yasmin den 50-Tonnen-Truck auf fünf Achsen über vereiste Flüsse, durch Schneestürme und Lawinen und der daneben verlaufenen Transalaska-Pipeline. Zwischendurch muss sie immer wieder aussteigen und die Eisklumpen von den Reifen abschlagen sowie die Scheinwerfer säubern.


    Beim Kriechen stieß sie an den Hammer, der ihr aus der Tasche gefallen war. Sie hob ihn auf und wühlte sich unter den Laster. Hier war es windgeschützt. Ihre Augen waren zugefroren – die Wimpern klebten zusammen und ließen sich nicht mehr trennen. Sie rieb sich das Gesicht am Ärmel, wieder und wieder, aber es half nichts. Das einzig Warme, was sie besaß, war ihr Atem. (Seite 221)


    Verschlimmert wird die Situation noch durch einen bedrohlichen Verfolger. Ein unbekannter Tankwagen hält sich immer im gleichen Abstand hinter ihnen auf. Steven Spielberg lässt grüßen! Ich musste sofort an seinen Kult-Thriller ‚Duell‘ aus den 70er Jahren denken, in dem ein Reisender ohne erkennbaren Grund von einem anonymen Tankwagen verfolgt und drangsaliert wird. In Alaska zieht auch noch ein orkanartiger Schneesturm auf, der die Temperaturen unter minus vierzig Grad fallen lässt. Das ist derart gefährlich, dass die erfahrenen Trucker, die auf der Eispiste unterwegs sind, eine Pause einlegen. Nur Yasmin verlässt die Straße nicht und fährt weiter und begibt sich und ihre Tochter in große Gefahr. Außerdem erhält Ruby auf ihrem Notebook kryptische Mails mit toten Tieren.


    Rubys Welt

    Während die beiden der Eishölle des tosenden Polarsturms trotzen, werden einige Rückblicke auf die kriselnde Beziehung von Yasmin und Matt geworfen. Richtig interessant wird es durch die Erzählperspektive der gehörlosen Ruby, die immer abwechselnd eingeschoben werden. Passagen aus Kindersicht finde ich oft nicht authentisch. Aber hier ist der Einblick in die Welt der aufgeweckten Zehnjährigen wirklich gelungen und Rubys Handicap bringt neue und interessante Elemente in den Handlungsverlauf.

    Zu ihrem Vater hat sie eine engere Beziehung als zu der strengeren Mutter. Yasmin ermahnt sie ständig, ihre mühsam erlernte Stimme zu benutzen. Matt dagegen akzeptiert, dass ihr das unangenehm ist, und hat ihr das Twittern beigebracht und will mit ihr einen Blog starten. Das Notebook hat sie immer dabei, denn es hilft ihr bei der Kommunikation mit anderen. Ruby twittert in regelmäßigen Abständen, wie sich Sprache anfühlt, wenn man sie gebärden muss. Sie sinniert darüber, wie Worte, die man nicht hört und nicht laut ausspricht, schmecken oder riechen könnten. Dadurch gelingt es der Autorin, Gehörlosigkeit nicht als Behinderung, sondern als eine andere Form der Wahrnehmung zu begreifen.


    Fazit

    Große Realitätsnähe kann man der Autorin wahrlich nicht vorwerfen. Dafür ist der Plot auch an einigen Stellen zu konstruiert. Der Thriller ist auch nichts für den hartgesottenen Liebhaber des hardboiled Krimis, dazu ist die Spannung zu kuschelig und die Dramaturgie an einigen Stellen zu berechnend. Trotzdem ist Rosamund Lupton mit ‚Lautlose Nacht‘ ein ansprechender Mainstream-Thriller gelungen, der seine Spannung aus dem aussichtslosen Kampf gegen das unwirtliche Klima zieht.


    Die Autorin punktet mit spektakulären Schauplätzen und findet in ausgereifter Sprache immer neue und fast schon poetische Bilder, die nicht nur die Bedrohung und Gefahr durch die Naturgewalten, sondern auch deren Schönheit beschreiben. Die gnadenlose Kälte, Weite und Stille Alaskas kann man geradezu nachfühlen. Ihr gelingt es hervorragend, die riesigen Dimensionen Alaskas lebendig werden zu lassen. Ohne Anzeichen von Zivilisation, das Fehlen von jeglichen Gerüchen und Farben wirkt die arktische Tundra mitunter furchterregend.


    Die Autorin hat sich über viele unterschiedliche Themen gut informiert. Die Gebärdensprache, die Inupiag-Kultur, die Natur und Tiere Alaskas oder die Machenschaften der Ölkonzerne am Polarkreis werden geschickt in den Krimiplot eingewebt, ohne ihn zu überfrachten.


    Rosamund Lupton wurde 1964 in England geboren und lebt aktuell mit ihrer Familie in London. Nach einem Studium in Cambridge arbeitete sie als Literaturkritikerin und schrieb zahlreiche Drehbücher. Ihr Debütroman ‚Liebste Tess‘ war ein New York Times-Bestseller. Der vorliegende Thriller heißt im Original ‚The Quality of Silence‘.

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    ConnyKathsBookss avatar
    ConnyKathsBooksvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine Mutter und ihre gehörlose Tochter kämpfen in arktischer Kälte und Dunkelheit um ihr Leben - sehr spannend!
    Packender Thriller in arktischer Kälte und Dunkelheit

    "Die Kälte umgab sie ganz, sie war wie ein Raubtier aus Finsternis." (S. 221)

    Die Astrophysikerin Yasmin fliegt gemeinsam mit ihrer 12jährigen gehörlosen Tochter Ruby nach Alaska, um dort ihren Mann und Naturfilmer Matt zu treffen. Doch nach ihrer Ankunft in Fairbanks erfahren sie etwas Schreckliches. Das kleine Dorf hoch oben im Norden, in dem sich Matt zuletzt aufhielt, ist vollständig abgebrannt und es soll keine Überlebenden geben. Yasmin weigert sich, das Offensichtliche zu akzeptieren und begibt sich mit Ruby auf eine riskante Rettungsmission quer durch die arktische Kälte und Dunkelheit. Dem nicht genug, werden sie bald auch noch verfolgt. Doch warum? 

    "Lautlose Nacht" stammt aus der Feder von Rosamund Lupton, die hier einen atmosphärisch dichten, raffiniert aufgebauten und superspannenden Thriller vorlegt.

    Allein der arktische Schauplatz ist grandios. Eine endlos erscheinende tiefschwarze Ödnis aus Eis und Schnee, in der Ruby und Yasmin bald um ihr Leben kämpfen. Die wunderbar-schreckliche Atmosphäre Alaskas hat die britische Autorin hier ganz toll eingefangen. Man bibbert bei minus 30 Grad und mehr richtig mit den Protagonisten mit und hofft, dass beide die 800 km per Laster bis zu Matts Dorf schaffen.

    Besonders die gehörlose Ruby habe ich gleich in mein Herz geschlossen. Ein aufgewecktes, kluges und mutiges Mädchen, dass zwar ein Leben in Stille führt, doch besonders gut mit Computern umgehen kann und schon bald über sich hinauswächst. Mit zunehmender Handlung konnte ich auch Yasmin immer besser verstehen und ihre recht unverantwortlich wirkenden Entscheidungen nachvollziehen. Denn die bedingungslose Liebe zu Ruby und Matt lässt sie das fast Unmögliche wagen und nie die Hoffnung aufgeben, musste sie doch schon einmal einen großen Verlust verkraften. Das kann ich nur bewundern. Mutter und Tochter wachsen auf der Reise eng zusammen und lernen viel voneinander, was alles sehr einfühlsam beschrieben wird.

    Das Ganze liest sich angenehm flüssig, wobei ich mich erst an die verschiedenen Zeit- und Erzählformen gewöhnen musste, welche für die einzelnen Perspektiven von Ruby, Yasmin und weiteren Figuren verwendet werden. Doch später kam ich damit immer besser zurecht und die Seiten flogen nur so dahin. Lawinen, Polarstürme, spiegelglatte Pisten und dann auch noch ein unbekannter Verfolger, der vermutlich Böses im Schilde führt - die Ereignisse spitzen sich bald dramatisch zu und das Kopfkino läuft auf Hochtouren. Geschickt werden auch aktuelle Umweltschutzthemen mit reingepackt und die Geschichte entwickelt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Das Ganze gipfelt dann in einem atemberaubenden Showdown, der noch für so manche Überraschung sorgt und an Spannung kaum zu überbieten ist.

    Insgesamt kann ich daher "Lautlose Nacht" uneingeschränkt empfehlen. Ein packender "eiskalter" Thriller, für den ich klare 5 Sterne vergebe.

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    walli007s avatar
    walli007vor einem Jahr
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    Yasmin fliegt mit ihrer zehnjährigen Tochter Ruby nach Alaska. Matt, ihr Mann, soll sie vom Flughafen abholen. Doch statt ihres Ehemannes wartet die Polizei. Eine Polizeibeamtin teilt Yasmin mit, dass es einen schweren Brand in dem Inuit-Dorf gegeben habe, in dem Matt sich aufgehalten hat, um einen Naturfilm zu drehen. In Yasmins Kopf dreht sich alles, das kann nicht sein. Matt hat doch versucht, sie anzurufen als die Katastrophe schon ihren Lauf genommen hatte. Yasmin muss das mit eigenen Augen sehen, sie glaubt einfach nicht, dass ihr Mann unter den Toten sein soll. Gegen alle Vernunft und Widerstände machen Yasmin und Ruby sich auf den Weg nach Norden.


    Wenn man schon einmal eine Dokumentation über die Lkw-Fahrer gesehen hat, die ihre fahrenden Festungen durch die Eiswüste steuern und allen Gefahren trotzen, kann man sich recht bildhaft vorstellen, was Yasmin und ihrer gehörlosen Tochter bevorsteht. Eine Fahrt durch eine gleißende weiße Stille, in der Mutter und Tochter dasselbe hören. Yasmin, die damit hadert, dass ihre Tochter lieber mit den Händen spricht, die sich nach ihrem Mann sehnt und fürchtet, ihre Ehe könne am Absterben sein. Mit viel Glück schaffen die Beiden auch ohne große Hilfe der Behörden ein Stück auf ihrem Weg voranzukommen. Bald schon aber wissen sie nicht mehr, wer ihnen hilft oder wer ihnen eher Steine in den Weg legen möchte.


    Ein Lkw fährt sich nicht von selbst, auch wenn eine Mutter in der Gefahr über sich selbst hinauswächst, um ihr Kind und ihren Mann zu beschützen oder zu retten, wirkt es doch etwas weit hergeholt, dass sie mit einem unbekannten Fahrzeug in unbekanntes und unwirtliches Gelände fährt. Das ist allerdings auch der einzige Kritikpunkt, der sich ein wenig aufdrängt. Davon abgesehen ist die Höllenfahrt von Yasmin und Ruby einfach nur packend und dramatisch ohne Ende. Man verschlingt eine Seite nach der anderen unfähig aufzuhören. Man begegnet hilfsbereiten Menschen und solchen, die nur so tun. Nicht immer ist es leicht zu unterscheiden, wer auf welcher Seite steht und welches die Seiten überhaupt sind. Man fragt sich anhand der bekannten Tatsachen, ob es überhaupt eine Hoffnung für Matt geben kann oder ob Yasmin und Ruby schließlich doch die leidvolle Erfahrung machen müssen, dass er keine Chance hatte. Während der ganzen Zeit hört man förmlich das Brummen der Motoren oder man fühlt es wie Ruby. Man hält den Atem an, man zittert und bangt. Man versinkt in dem Buch, klasse.


    4,5 Sterne

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    buchbaron69s avatar
    buchbaron69vor einem Jahr
    "Packender Alaska Thriller, super spannend.


    Klappentext
    Eine Frau, die alles riskiert. Ein Kind, das über sich hinauswächst. Eine lebensgefährliche Fahrt durch die arktische Nacht.Die britische Physikerin Yasmin fliegt mit ihrer zehnjährigen Tochter Ruby nach Alaska, um ihren Mann Matt zu treffen, der dort einen Dokumentarfilm dreht. Doch die Polizei empfängt sie mit der Nachricht, dass Matt weit oben im Polarkreis umgekommen ist. Yasmin will das nicht glauben. Sie ist überzeugt, dass Matt am Leben ist und ihre Hilfe braucht. Zusammen mit Ruby macht sie sich auf eine lebensgefährliche Reise durch ewiges Eis und ewige Nacht, um ihn zu finden. Und irgendwann bemerkt sie, dass jemand sie verfolgt. Jemand, der ihnen Böses will... Atmosphärisch, hochspannend – mit einem spektakulären Plot: der neue Roman von Bestsellerautorin Rosamund Lupton.

    Die Autorin
    Rosamund Lupton studierte in Cambridge, arbeitete als Literaturkritikerin und schrieb zahlreiche Drehbücher für Film und Fernsehen. Gleich mit ihrem Romandebüt ›Liebste Tess‹ wurde sie zur internationalen Bestsellerautorin mit Millionenauflage weltweit. Es wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in London.

    Meine Meinung

    Story
    Yasmin möchte ihren Mann Matt in Alaska treffen der dort als Naturfilmer arbeitet, doch am Flughafen wird ihr von der Polizei mitgeteilt, dasihr Mann vermisst wird, ja möglicherweise ums Leben gekommen ist.Yasmin will das nicht wahrhaben. Zusammen mit ihrer Tochter der gehörlosen aber hochbegabten Ruby macht sich die Astrophysikern auf dem Weg durch die ewige Nacht, und das ewige Eis um Matt zu finden , denn sie ist.est davon überzeugt, das Matt lebt und ihre Hilfe braucht.

    Schreibstil
    Das Buch ist einfach zu lesen, die Geschichte wird aus der Sicht von Ruby und Yasmin erzählt.Die lebensfeindliche Landschaft wird gut beschrieben und man kann sich gut darin wiederfinden.

    Charaktere
    Die Geschichte wird aus der Sicht von Mutter und Tochter erzählt. Nicht nur die unterschiedliche Beschreibung der Suche, auch das unterschiedliche Verhältnis von Mutter und Tochter zu Matt, werden gut vermittelt.

    Mein Fazit

    Die Suche nach einem vermissten Menschen ist nicht neu und schon mehrfach in Buch und Film erzählt worden. Dennoch kann man aus dem Stoff mit den richtigen Mitteln eine spannende Geschichte machen, wie z.B Rosamund Lupton in ihrem neuen Triller "Lautlose Nacht". Beeindruckend, wie es ihr gelingt, die Atmosphäre einzufangen, die Kälte, die trostlose Landschaft, die Hoffnungslosigkeit hinsichtlich der enormen weiten der Arktischen Tundra. Das und wie Menschen dort leben und dass ihr Lebensraum doch die Erdöl und Erdgas Förderung bedroht wird, hat Rosamund Lupton in einen spannenden Triller eingearbeitet. Ein Triller der von mir 5 von 5 Leseratten/Sterne bekommt.

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    Steffi1611s avatar
    Steffi1611vor einem Jahr
    Alaska, Schneesturm und eine Mutter mit Kind

    Die wichtigsten Charaktere dieser Geschichte sind Yasmin und Ruby.
    Yasmin zweifelt an der Liebe von Matt und an ihrer Ehe. Sie ist Astrophysikerin und hübsch (da dies so oft erwähnt wird, schreibe ich es hier mit auf). Aber ebenso stur, eigensinnig und selbstsüchtig.
    Ruby ist die 10 jährige taube Tochter der beiden. Sie steht ihrem Vater näher als der Mutter und hat sich sehr auf die Reise nach Alaska gefreut.
    Als die beiden in Alaska landen, ist Matt nicht vor Ort um sie abzuholen. Dafür erfahren beide nach kurzer Zeit, dass es ein Unglück gab und Matt Tod ist. Yasmin kann dies nicht glauben und macht sich mit Ruby auf den Weg quer durch Alaska. Die Strecke, welche beide zurücklegen wollen, ist eine der gefährlichsten Straßen der Welt. Noch erschwerend hinzukommt die Dunkelheit und die -40 Grad.

    Erzählt wird aus der Sicht von Yasmin sowie Ruby. Nach einigem Lesen hat man raus, wer wann an der Reihe ist. Der Einstieg in die Geschichte gelang mir sehr leicht, aber mit der Zeit wurde es langatmig und stellenweise sehr unrealistisch. So kann Yasmin einen LKW fahren. Woher kann sie das? Noch dazu auf einer so gefährlichen Straße?
    Weiterhin beschäftigte mich beim Lesen immer die Frage, wie eine Mutter so eine Tour ihrer Tochter zumuten kann.
    Gut dargestellt und realistisch fand ich die Tierwelt, sowie die Sterne und das Polarlicht in Alaska. Da hat man beim Lesen wirklich noch etwas gelernt. Ebenso über das Fracking und die damit verbundenen Gefahren.
    Das Ende der Geschichte kam dann doch sehr abrupt und wirkte wieder sehr gestellt. Außerdem bleibt das tatsächliche Ende offen und bei dieser Geschichte stört es mich wirklich.

    Cover sowie Titel sind passend gewählt. Grade durch das doch sehr dunkel gehaltene Cover wird eine Atmosphäre erzeugt, welche die Umstände in Alaska gut darstellt.
    Den Titel würde ich in zwei unterschiedliche Richtungen deuten. Zum einen natürlich Ruby mit ihrer Gehörlosigkeit und zum anderen die Einsamkeit und Stille auf der Stecke, welche die beiden zurücklegen.

    Mich hat das Buch nicht überzeugen können. Für mich leider nur Durchschnitt mit dem einzigen Highlight in Form von Ruby.

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    Croelis avatar
    Croelivor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein junges Mädchen ohne Stimme, dafür mit großem Mut und Herz. Eine Liebe, die den Kampfgeist weckt. Herzerwärmend und zugleich spannend!
    Stille, Kälte, Überlebenskampf und eine unaussprechliche Liebe

    Eine Eiseskälte wie Nadelstiche auf der Haut 

    „Lautlose Nacht“ von Rosamund Lupton, deutschsprachig erstmals 2016 im dtv Verlag erschienen, handelt von Yasmin, einer Astrophysikerin, die mit ihrer Tochter Ruby eine wagemutige Reise antritt, die zum Überlebenskampf wird.

    Als Yasmin und Ruby in Alaska ankommen, weil sie ihren Ehemann und Vater Matt besuchen wollen, der sich als Tierfotograf dort aufhalten soll, erfahren sie von der Polizei, dass es in Anaktue einen Brand gegeben hat und alle Menschen in diesem Dorf umgekommen sind, darunter auch Matt. Yasmin und Ruby können dies jedoch nicht glauben und nachdem die Polizei nichts Weiteres mehr unternimmt, nehmen das Mutter-Tochter-Gespann es selbst in die Hand, machen sich auf den Weg nach Anaktue und nehmen die Gefahr eines schlimmen Sturmes, der eisigen Kälte, eines Verfolgers und der endlosen Dunkelheit in Kauf.

    Bei dem Mädchen Ruby handelt es sich um eine gehörlose Zehnjährige, die in der Schule keinen Anschluss findet, ihre Stimme nicht einsetzen möchte und sich als „Words_No_Sounds“ bei Twitter mitteilt, indem sie Gefühle mit alltäglichen Dingen und Sinneswahrnehmungen skurril beschreibt, z.B. „AUFREGUNG: Schmeckt wie bitzelndes Brausepulver, fühlt sich an wie das Hups-Rumms, wenn ein Flugzeug aufsetzt, und sieht aus wie die große flauschige Kapuze von Dads Iñupiaq-Parka“.

    Sie liebt ihren Vater, teilt seine Vorliebe für Tiere und freut sich ungemein auf ein Wiedersehen mit ihm. Ihr Verhältnis zur ihrer Mutter ist etwas angespannter, da diese immer wieder von Ruby verlangt, ihre Stimme statt der Gebärden zu verwenden, gegen Rubys ständige Verwendung des Laptops ist und kein gemeinsames Hobby oder spezielle Gesprächsthemen mit ihr hat.

    Ruby ist diejenige, die das Buch zu etwas ganz Besonderem macht. Das Mädchen wächst, wie schon der Klappentext anmerkt, über sich hinaus. Sie beweist Mut, Ausdauer und vor allem Herz in der Dunkelheit und Eiseskälte von Alaska. Ohne ihren tollen Charakter, wäre das Buch vielleicht nicht einmal halb so spannend. Sie wächst dem Leser von Kapitel zu Kapitel ans Herz und die Tatsache, dass sie gehörlos ist, bringt neue und spannende Elemente in den Handlungsverlauf.

    Mit ihrer Mutter Yasmin muss man erst einmal warm werden. Je mehr man jedoch über sie erfährt und je länger sie mit Ruby unterwegs ist, desto greifbarer wird ihr Charakter, zumal dieser sich in solch einer Ausnahmesituation zwangsläufig auch weiterentwickeln muss.

    Zu Beginn zieht sich der Handlungsaufbau ein wenig in die Länge, vor allem, weil nicht jede der Figuren sofort greifbar ist. Im Verlauf der Geschichte, wenn Ruby und Yasmin sich auf die Suche nach Matt begeben, kommt aber – im wahrsten Sinne des Wortes – immer mehr Fahrt auf. Als Leser bekommt man zunehmend das Gefühl, live dabei zu sein und die Minustemperaturen zu spüren und absolute Stille zu vernehmen. Die Beschreibung Alaskas lässt dem Leser einen Schauer über den Rücken jagen, und das nicht nur wegen der Wetterverhältnisse, sondern wegen der durch Rosamund Lupton erzeugten Spannung.

    Bei „Lautlose Nacht“ fällt es mir schwer, nicht zu viel zu verraten. Man muss es gelesen haben, um die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen und mit dem Mutter-Tochter-Gespann zusammenzuwachsen und mitzufühlen. Die Autorin hat große Arbeit geleistet, sowohl was die Erfindung des Charakters Ruby betrifft, als auch die unfassbar realistische Beschreibung Alaskas und zu guter Letzt der Einbau von Themen wie Astrologie, Gebärdensprache, Iñupiaq-Kultur und Fauna.

    Allerdings stören ein wenig Logikfehler wie die Tatsache, dass eine Frau, die nie zuvor einen LKW gefahren hat, es auf Anhieb und unter solchen Bedingungen schafft und dazu auch noch so verantwortungslos ist und ihre kleine Tochter mitnimmt.

    Insgesamt aber ein tolles, zu Tränen rührendes Buch (ich würde es eher als einen Thriller denn als einen Roman bezeichnen), das ein ernstes Thema behandelt, das an dieser Stelle jedoch nicht genannt werden soll.

    Leider kann man keine halben Sterne vergeben, weshalb ich einen ganzen für die Startschwierigkeiten in Bezug auf den Spannungsaufbau abziehen muss.

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    Annejas avatar
    Annejavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: spannend, eisig und bewegend
    Spannung, Kälte und eine unvergessliche Reise der Gefühle

    Was tut man wenn man erfährt das der Partner bei einem tragischen Unfall verstorben ist? Die meisten würden trauern, doch viele wollen Beweise, wollen genau wissen das es wirklich ihr Partner ist. Doch was macht man wenn alles darauf zeigt das er es ist? Würde man ihn trotzdem suchen? Fragen über Fragen die man sich selbst hoffentlich nie stellen muss.
    Der Einstieg in das Buch erwies als etwas holprig, da man direkt in das Geschehen geworfen wird. Ich wusste zuerst garnicht mit welchen Personen ich es zutun habe und wo ich genau bin. Doch ein paar Seiten weiter fand ich meinen Weg in das Buch und konnte es danach nur noch schwerlich aus der Hand legen.
    Die Geschichte handelt von Yasmin, einer Astrophysikerin und ihrer Tochter Ruby, welche gehörlos ist. Beide wollen in Alaska ihren Vater Matt abholen, der dort die arktische Tierwelt fotografieren wollte. Doch statt ihm zu treffen, erfahren sie von der Polizei das er bei einem Brand umgekommen sei. Alle Beweise deuten darauf hin, doch niemand kann den Hoffnungsschimmer von Yasmin zerstören, welche fest glaubt das ihr Mann lebt. Schließlich begeben sie sich auf eine waghalsige Tour durch Alaskas Eiswüste. Angetrieben von Hoffnung, finden Tochter und Mutter zu einander und meistern den gefährlichen Weg gemeinsam.
    Die Charaktermenge im Buch fand ich sehr überschaulich, was sehr angenehm war, da man sich so sehr gut auf Yasmin und Ruby einlassen konnte. Zuerst muss ich allerdings gestehen das mir Yasmin nicht von Anfang an sympatisch war. Sie wirkte sehr kalt und unfreundlich. Das dazu immer erwähnt wird, das sie eine Schönheit ist machte es da nicht besser. Erst im Laufe der Geschichte konnte ich mich langsam an sie gewöhnen und war zwischendurch sogar sehr fasziniert von Wissen über Sterne und unsere Welt.
    Ruby dagegen musste man einfach mögen. Sie ist clever, neugierig und hat sich mit ihrer Gehörlosigkeit abgefunden. Doch außer ihre Eltern, wissen nur Leute auf ihrem Blog und bei Twitter wie sie ihre Welt mitbekommt. Sie postet in regelmäßigen Abständen wie sie Wörter sieht und wie sie schmecken. Ein Umstand der mich teilweise zum grinsen brachte.
    Die Menschen die man zwischendurch erlebt, wirken sehr real und man hatte zwischendurch das Gefühl das das Geschehene tatsächlich passiert ist. Gerade die Momente in denen Yasmin klar wurde das sie verfolgt wird, bannten mich und man hoffte einfach das sie sich irrt.
    Ich empfand das Buch als zweigleisige Geschichte da man zum einen die Suche nach dem Vater erlebt und zum anderen einen genauen Einblick in Ruby´s Welt bekommt. 
    Hier möchte ich der Autorin ein Lob für ihre Recherchen geben. Denn es war sehr interessant was man über die Tierwelt Alaskas und über die Sterne, den Mond oder das Polarlicht erfährt. 
    Wie bereits angedeutete hatte ich anfangs einige Probleme in die Geschichte hinein zu kommen, da mich der Schreibstil etwas verwirrte. Nachdem man sich allerdings daran gewöhnte kam man sehr gut in der Geschichte voran. Die Wechsel de Charaktere waren manchmal etwas zu schnell und zu unübersichtlich, man wusste nicht gleich aus wessen Sicht man das Geschehene gerade erlebt.
    Was mir leider garnicht gefiel war das Ende, welches viel zu schnell endete und offene Fragen hinterließ. Da die Geschichte sonst sehr detailtreu war und vieles erklärte, hätte ich mir dies auch für den Schluss gewünscht.
    Außer Einstieg und Ende konnte mich das Buch wirklich überzeugen. Die Geschichte hatte Biss und wurde nie langweilig. Ein Buch das Hoffnung spendet und dabei gleichzeitig fasziniert.

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    PaulaAbigails avatar
    PaulaAbigailvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Thriller der anderen Art; nicht Mord und Totschlag, sondern die unendlichen, dunklen Weiten Alaskas und die Stille. Grossartig!
    Dunkelheit & Stille

    Yasmin will ihrem Mann die Meinung sagen, Tochter Ruby möchte mit ihm einen Blog starten, in dem sie über die Woche in Alaska berichtet.

    Die bedrohlichen Mails und der Tanklaster hinter ihnen waren zwar beängstigend, nährten aber auch ihre Hoffnung, dass Matt am Leben war, denn nur dann würde ja jemand verhindern wollen, dass sie ihn fand. (S.206)

    Ursprünglich sollten sie am Flughafen abgeholt werden, doch Matt erscheint nicht. Man informiert sie, dass es in dem Dorf, in dem Matt zuletzt gelebt hat, zu einer Explosion - möglicherweise durch eine Frackingstation - gekommen ist und es 24 Opfer gab; 23 Einwohner, ein Auswärtiger. Zudem wurde Matts Ehering gefunden - alles deutet darauf hin, dass Matt bei dem Brand ums Leben gekommen ist, doch daran wollen die beiden nicht glauben und begeben sich auf die Suche nach Ehemann und Vater.
    Da auch die Polizei ihnen in dieser - vermeintlich aussichtslosen - Situation nicht weiterhelfen will oder kann, wendet sich Yasmin verzweifelt an die Trucker und wird tatsächlich von einem mitgenommen.
    Durch einen Vorfall an einer der Raststätten, beschliesst Yasmin, sich nicht aufhalten zu lassen und fährt den Truck kurzerhand selbst - dies mag erstmal unlogisch erscheinen, aber als ehemalige Astrophysikerin kann sie ihr Physikwissen anwenden und hat den Fahrer zuvor beobachtet, sodass sie den Truck relativ sicher steuern kann.
    Schnell bemerken die zwei aber, dass ihnen jemand folgt - doch wer das ist und zu welchen Zwecken... Dazu erfahrt ihr mehr in diesem hochspannenden Thriller.

    Aber ich weiss gar nicht, ob zu Hause wirklich Nacht ist. Ich weiss nicht mal, ob hier Nacht ist. Es ist, als wäre überall Nacht, als hätte die Nacht alle Tage verschlungen. (S.272)

    Dadurch, dass kürzere Passagen aus Rubys Sicht erzählt werden, fühlt man sich den beiden näher, die neutrale Erzählweise wiederum macht deutlich wie dunkel und kalt es tatsächlich ist und in welche Gefahr sie sich begeben. Zwar kann Ruby sprechen, da sie aber ihre eigene Stimme nicht hören kann - sie ist taub -, redet sie meist in Gebärdensprache oder via Sprachsoftware auf ihrem Laptop.
    Ruby hat auch einen eigenen Twitteraccount auf dem sie die Wörter, die sie nicht aussprechen kann, umschreibt.

    @Words_No_Sounds
    LÄRM: Sieht aus wie eine blinkende Neonwerbung, fühlt sich an wie herunterrieselnder Schutt, schmeckt wie die ausgeatmete Luft anderer Leute.

    Lautlose Nacht ist ganz sicher kein gewöhnlicher Thriller, denn anstatt Mord und Totschlag, findet man hier viel eher das beklemmende Gefühl der Dunkelheit und des Ungewissen vor. Durch Rubys Gehörlosigkeit wird der Stille noch viel mehr Kraft verliehen; die Stille, die auch Yasmin zu spüren bekommt, mit der ihre Tochter tagtäglich zu leben hat.
    Dadurch, dass das Fracking zum Thema gemacht wird, hat der Thriller einen zusätzlichen politischen Aspekt.

    Die Personen sind eher blass, was aber nicht so eine grosse Rolle spielt, da sich die Geschichte eh meist um Ruby und Yasmin im Führerhaus dreht. Dafür sind eben diese sehr klar gezeichnet, bilden durch die Seiten einen Charakter und man schliesst - vor allem die kleine, starke Ruby - sehr schnell ins Herz und fiebert mit den beiden Frauen mit. Wie gehen sie mit den Minusgraden um, können sie sich bei einer Lasterpanne selbst helfen - und was hat das mit dem Verfolger auf sich? Und lebt Matt noch? Lohnt es sich denn überhaupt? Ruby und ihre Mutter zweifeln nicht an Matts Überleben und begeben sich in die unendlichen Weiten Alaskas, um zu suchen - und schlussendlich auch zu finden.

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    MikkaGvor 2 Jahren
    Die Qualität des Schweigens


    Der Klappentext klingt nach einem rasanten Thriller, aber wenn ich jetzt an "Lautlose Nacht" zurückdenke, kommt mir als erstes die kristalline Klarheit der Geschichte in den Sinn: zeitlos, schwerelos, oft beinahe poetisch, und dennoch mit einer ganz eigenen Art von Spannung.

    Denn Rosamund Lupton erzählt mit dichter Atmosphäre von der archaischen Gnadenlosigkeit der Eiswüste, der Unbedeutsamkeit des Menschen in der unendlichen Weite der Polarnacht, der Qualität der Stille, aber es ist auch eine packende Geschichte von Verrat und Tod, Flucht und Jagd. Kein Thriller, aber durchaus ein fesselnder Roman, den ich nicht mehr weglegen konnte.

    Zugegeben, die Geschichte ist nicht immer hunderprozentig glaubwürdig. Denn im Mittelpunkt stehen Yasmin und Ruby, eine junge Mutter und ihre gehörlose Tochter, die sich aufmachen, mitten im arktischen Winter im Norden Alaskas nach Matt zu suchen - Rubys Vater, der angeblich bei einem Brand zu Tode gekommen sein soll, was sie aber nicht glauben wollen. Die beiden überwinden die unglaublichsten Gefahren, und Yasmin, die in ihrem Leben noch nie einen LKW gefahren hat, steuert einen 40-Tonner über vereiste Flüsse, durch Lawinen und Schneestürme... Im echten Leben wäre ihr das schwere Gefährt wohl schon nach 500 Metern in den Graben gerutscht.

    Aber das hat mich weit weniger gestört, als ich selber erwartet hätte, denn dadurch verstärkte sich für mich das Gefühl, ein spannendes modernes  Märchen zu lesen.

    Die Autorin spricht viele interessante, ganz unterschiedliche Themen an: Fracking (ein sehr umstrittenes Verfahren der Erdgas- und Erdölförderung), Gehörlosigkeit (nicht als Behinderung, sondern als andere und ebenso reiche Form der Wahrnehmung), die aussterbende Kultur der Inupiat, (indigener Ureinwohner der Polarregionen Nordamerikas) und vieles mehr. Die Mischung fand ich sehr originell und gelungen. 

    Die Geschichte wird zum Teil in der Ich-Perspektive aus Rubys Sicht erzählt, und durch sie gewinnt man einen wunderbaren Einblick in das Leben eines gehörlosen Kindes. Obwohl sie sich weigert, laut zu sprechen, empfindet sie sich nicht als sprachlos, denn sie sieht ihre Gebärdensprache als ihre Stimme. Ihre Sicht auf die Welt ist keine eingeschränkte - nur eine andersartige. Genau das ist aber ein häufiger Streitpunkt zwischen ihr und ihrer Mutter, denn Yasmin glaubt, Ruby müsse sich an die Welt der Sprechenden anpassen, um in ihr bestehen zu können.

    Ehrlich gesagt fand ich dieses Thema fast spannender als die Frage, ob Matt  noch lebt und was wirklich hinter der Brandkatastrophe steckt, die ihn angeblich getötet hat! Das Sahnehäubchen waren für mich die Tweets, in denen Ruby beschreibt, wie sie verschiedene Wörter wahrnimmt.

    Zitat:
    @Words_No_Sounds
    650 Follower
    LÄRM: Sieht aus wie eine blinkende Neonwerbung, fühlt sich an wie herunterrieselnder Schutt, schmeckt wie die ausgeatmete Luft anderer Leute.

    Auch Yasmin ist in meinen Augen ein gut geschriebener, komplexer Charakter. Die anderen Charaktere bleiben eher blass, aber das liegt meines Erachtens daran, dass sich die Handlung zu großen Teilen ausschließlich um Yasmin und Ruby dreht, denn die verbringen viel Zeit ganz alleine im Cockpit eines Trucks.

    Zitat:
    Die Kälte war ein Schock. Sie hatte gedacht, Kälte sei weiß wie Schnee oder vielleicht blau wie der Punkt auf einem Kaltwasserhahn. Aber diese Kälte entsprang einem Ort der Nacht und war schwarz, ohne jegliche Farbe oder Licht. Ein gellendes Kreischen ertönte, dann begriff sie, dass es der Wind war, der Neuschnee über den festgefahrenen Schnee am Boden trieb, weiße Geister, die über Straße und Ödnis tanzten. 

    Den Schreibstil fand ich wunderbar, mit starken und dabei oft lyrischen Bildern. Für mich sind besonders die Passagen sehr gelungen, die aus Rubys Sicht erzählt werden. Oft finde ich in Büchern die "Stimmen" von Kindern nicht glaubhaft oder authentisch, aber Rosamund Lupton hat mich mit Ruby überzeugt. 

    Fazit:
    "Lautlose Nacht" ist in meinen Augen vielleicht kein Thriller, aber dennoch auf ganz eigene Art und Weise spannend. Die Autorin erzählt von einer Extremsituation, beschreibt aber nicht nur Bedrohung und Gefahr sehr fesselnd, sondern auch die einzigartige, harsche Schönheit Nordalaskas im Polarwinter - und die Geschichte, wie sich eine Mutter und ihre kleine gehörlose Tochter in der endlosen Stille aneinander annähern, denn das Schweigen der Tochter und ihr Beharren auf der Gebärdensprache waren bisher ein steter Streitpunkt.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    dtv_Verlags avatar
    Liebe Leserinnen und Leser,

    in diesen grauen und düsteren Novembertagen laden wir alle Thrillerfans dazu ein, gemeinsam mit uns ein hochspannendes und atmosphärisches Buch zu lesen. ›Lautlose Nacht‹ von Rosamund Lupton spielt im Eis und Schnee Alaskas und erzählt von der lebensgefährlichen Suche der Physikerin Yasmin und ihrer Tochter Ruby nach ihrem Mann und Vater in den Weiten Alaskas. Sie sind überzeugt, dass Matt noch lebt und dringend ihre Hilfe braucht. Doch schnell merken sie, dass jemand sie verfolgt. Jemand, der ihnen Böses will ...

    Wieso möchtet ihr bei dieser Leserunde dabei sein? Erzählt es uns und mit etwas Glück gewinnt ihr eins von 25 Buchexemplaren.

    Viele Grüße
    Die Online-Redaktion vom dtv Verlag
    Zur Leserunde

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