Rezension zu "153 Formen des Nichtseins | Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2022" von Roschal Slata
AischaSlata Roschal schwimmt mit ihrem Romandebüt erfolgreich auf der hochaktuellen thematischen Welle der Identitätssuche, immerhin hat es für eine Nominierung für den Deutschen Buchpreis gereicht. Ihre Protagonistin Ksenia sucht ihre Nationalität (Russisch? Deutsch?), ihren Glauben (Zeugin Jehovas? Jüdin? Atheistin?), ihren Platz im Leben (Tochter, Frau, Mutter, Schriftstellerin, Wissenschaftlerin?).
So vielfältig, so interessant, könnte man denken. Ist es aber leider nicht. Die Form ist - wie der Titel - kreativ. Roschal bringt ihre Erzählung in 153 sehr kurzen und formal höchst unterschiedlichen Kapiteln zu Papier. Neben Gedanken(fetzen) der Hauptfigur präsentiert sie ihrer Leserschaft unter anderem: Weblinks zu offiziellen Seiten der Zeugen Jehovas, ebay-Kleinanzeigen, die den Suchbegriff "russisch" enthalten, Einkaufslisten, Bibelzitate und literaturwissenschaftliche Diskurse.
All das könnte eine abwechslungsreiche und anregende Lektüre sein, doch leider ist es einfach nur anstrengend, wirr und kryptisch. Protagonistin Ksenia kreist verkopft um sich selbst, und ich bleibe genervt und ohne wirklichen Erkenntnisgewinn zurück.


