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CulturalNoise

vor 9 Monaten

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Ich kenne bisher zwei Romane der Autorin – "Stolen Love" und "Craving for Sex – oder ist es Liebe", das Gemeinschaftswerk von Rose Bloom und D. L. Andrews. Dieser erste Verlagstitel ist schwächer.

Die Übergänge zwischen Gegenwart und Vergangenheit empfand ich als zu abrupt. Der kurze Abschnitt der Gegenwart am Anfang ist völlig überflüssig und hat mich eher verwirrt, als die Neugierde zu steigern. Ich hatte dadurch lauter Fragen im Kopf: Was ist da passiert? Eben waren Lena und ihre beste Freundin Selina doch noch im Brautmoden-Geschäft und nun, wie aus dem nichts, ist nur noch die Rede von Trennung und Urlaub. Irgendwie habe ich bis zum Wechsel zurück zur Hochzeitsvorbereitung nicht kapiert, dass der Urlaub auch noch Teil der Rückblende ist. Schließlich war der erste Abschnitt davon – überschrieben mit 3 Jahre zuvor – kursiv gedruckt, der Rest aber nicht mehr. Das hat mich ziemlich durcheinander gebracht. Was vermutlich daran liegt, dass ich den Klappentext vorher nicht gelesen habe – das tue ich nie, bevor ich mit einem Buch beginne. Stattdessen schlage ich die Seiten auf und lese in die Geschichte hinein. Denn sollte ein Roman nicht auch ohne das Wissen aus dem Klappentext eindeutig und verständlich sein?

Die Ich-Erzählerin Lena mochte ich während ihres Urlaubs sehr – na ja, meistens. Auch Selina, Dominik und Milan habe ich sofort ins Herz geschlossen. Eric dagegen ... na, lassen wir das. Was danach jedoch aus der etwas schüchternen, aber offenen jungen Frau geworden ist, die über ihren Schatten springen und ihre Träume leben wollte, weiß ich beim besten Willen nicht. Sie ist einfach verschwunden. Ihren Platz hat ein weinerliches, selbstsüchtiges Biest eingenommen, das bemitleidet werden will und keine Rücksicht auf andere nimmt. Ich nenne so ein Verhalten gerne Bella-like, denn schon in der Bis(s)-Reihe hat es mich enorm aufgeregt. Dominik bemerkt Lenas Wandel ebenfalls – er hat ja auch am meisten darunter zu leiden. Es gibt eine sehr treffende Textstelle, die ich gerne mit euch teilen möchte:

»Irgendwo muss doch noch die alte Lena sein, deren Augen gestrahlt haben, als sie endlich mal etwas Verrücktes getan hat. Ich mochte sie ...«
»Ich mochte sie auch«, erwiderte ich leise. Mit dem Finger hob er mein Kinn ein Stück an.
»Wieso sind deine Augen jetzt so leer?«

(Zitat Kapitel 24)

Zum Glück ist die Erzählweise unverändert gut und konnte mich trotz allem mitreißen. Stil und Ausdruck sind besser, geschliffener als bei den Independent-Veröffentlichungen der Autorin. Das Cover ist wunderschön und weckt sofort ein Gefühl von Sommer, Strand und Sonnenschein. Auch die Moral von der Geschichte hat mir gut gefallen – nämlich, dass man für das eigene Glück nur selbst kämpfen kann und dafür auch manchmal gewohnte Pfade und die trügerische Sicherheit verlassen muss. Wie Lena sollten wir uns alle von Zeit zu Zeit fragen, ob das eigene Leben tatsächlich erfüllend ist oder es sich dabei nur um Gewohnheit und den immer gleichen Trott handelt, mit dem wir uns soweit abgefunden haben und zufrieden geben.

Die Thematik Selbstbestimmung vs. Kontrolle von außen und Übergriffigkeit wird ebenfalls behandelt. Lena lässt sich die Entscheidungen gerne abnehmen, weil sie damit in ihrem Privatleben überfordert ist. Das geht gut, bis sie an einen bestimmten Punkt kommt und erkennt, dass sie ihre eigenen Träume verloren hat. Ist es nun zu spät dafür? Ein nervenaufreibendes Hin und Her beginnt, für meinen Geschmack zu dick aufgetragen. Daher eine kleine Warnung: Es gibt Drama, Drama und noch mehr Drama. Dafür kommt das Happy End dann umso plötzlicher.

Ich bin enttäuscht. Dabei hatte "Zwei Wochen im Sommer" so viel Potenzial und hätte ein wirklich gutes Buch werden können. So jedoch hat es mich zwar unterhalten, mich aber mindestens genauso sehr aufgeregt. Bisher durfte ich bei den Titeln der Autorin immer ein Hochgefühl erleben, das es hier einfach nicht gibt. Die Dreiecksbeziehung wird viel zu stark ausgereizt. Dominik mutiert zwischenzeitlich zum Softie, Lena zum Jammerlappen und ... die schöne Stimmung vom Anfang verpufft. Das liegt allerdings nicht allein an dem emotional verkrüppelten Verhalten der Ich-Erzählerin, sondern auch an den fehlenden Beschreibungen. So schön die Urlaubsbilder auch gemalt sind, zurück in Deutschland finden sich kaum noch Eindrücke der Außenwelt in der Geschichte. Das ist so schade, denn der gesamte Fokus liegt nun auf Lenas Zweifeln. Vermutlich sollte der erzählerische Tunnelblick Lenas Gemütslage widerspiegeln, aber mir fehlen die Bilder im Kopf.

Etwas Gutes hat dieses ewige Grübeln jedoch, denn Lena beschäftigt sich mit Treue und der Frage, an welchem Punkt Betrug beginnt – erst beim körperlichen Fremdgehen oder schon in Gedanken? Ein wichtiges Thema, das oft viel zu leichtfertig abgetan wird. Anderseits ist es wirklich anstrengend, einer Erzählerin zu folgen, die einfach nicht weiß, was sie will.

Fazit:
Es ist eine Liebes- und Lebensgeschichte, bei der die Ich-Erzählerin an einem Scheideweg steht. Das vorherrschenden Gefühl ist Kummer, doch Verwirrung spielt auch eine Rolle. Es geht um Selbstständigkeit, das eigene Leben, Zukunftsträume, Freundschaften und Liebe. Die Romantik kommt zu kurz, dafür sind Ängste und Zweifel übermächtig. Am Ende trifft Lena zum Glück die richtige Entscheidung. Wer Lust auf eine solche Charakterentwicklung hat, der wird Freude an diesem Buch haben. Wer jedoch auf Herzklopfen und Leichtigkeit hofft, der kann bei den anderen Titeln der Autorin etwas Passenderes finden.

Wertung: 3 Punkte

(Diese Rezension ist erschienen auf www.cultural-noise.de)

Autor: Rose Bloom
Buch: Zwei Wochen im Sommer
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