Rose Tremain Adieu, Sir Merivel

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Inhaltsangabe zu „Adieu, Sir Merivel“ von Rose Tremain

Die Aussichten sind nicht rosig: Sir Robert Merivel, Medicus, Lebemann und Vertrauter Charles’ II., hat bessere Zeiten gesehen. War er nicht der Mann, der den König von England zum Lachen brachte? Soll er sich jetzt mit nur 57 Jahren bereits zurückziehen und auf seinem Landgut Trübsal blasen? Merivel denkt nicht daran und begibt sich nach Frankreich, zum Sonnenkönig in dessen soeben erbautes Wunderwerk Versailles. Statt mit Pomp und Zeremoniell empfangen zu werden und gar zum Leibarzt Ludwigs XIV. aufzusteigen, muss er sich jedoch im Gesindehaus den Nachttopf mit einem holländischen Uhrmacher teilen! Als er der charmanten Louise de Flamanville begegnet, glaubt er an einen zweiten Frühling – der jäh zu enden droht, als ihn ein Ruf des englischen Hofes erreicht: Sir Merivel soll umgehend ans Krankenbett Charles’ II. eilen …

Das erste Buch, welches ich nicht geschafft habe komplett zu lesen.

— Ein LovelyBooks-Nutzer

Alter Mann wird wieder jung und nimmt den Leser mit auf seine Reise.

— Ikopiko

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  • Mir fiel das "Adieu" schwer...

    Adieu, Sir Merivel

    HK1951

    28. October 2015 um 09:34

    1683 // Sir Robert Merivel, seinerzeit der Leibarzt des Königs Charles II. ist mittlerweile fast Ende 50 und hadert ein wenig mit seinem Leben. Er lebt mit seinem Diener Charles auf einem großen Anwesen Bidnold Manor und verfällt zusehends in Depressionen. Als seine Tochter zu einer längeren Reise aufbrechen will, nutzt er die Gelegenheit und möchte sein Leben endgültig ändern. Er braucht eine Veränderung, um nicht vollends in seinen dunklen Gedanken gefangen zu werden... Er geht an den Hof von Versailles, um dort sein Glück zu finden und trifft dort auf die mondäne Lady Louise de Flamonville, zu der er sich sofort hingezogen fühlt. Doch Louise ist gebunden... Wie ich schon in meinem Leseeindruck vermutet hatte, fällt es mir recht schwer, eine Rezension zu schreiben, die diesem Buch gerecht wird... Es ist so vielfältig und facettenreich, dass ich es nach dem Lesen erstmal „sacken lassen“ musste. Solche Bücher findet man nicht oft. Auf jeden Fall ein besonderes Buch und für mich bislang DIE Überraschung 2013. Die Lebensgeschichte von Sir Robert Merivel war weit unterhaltsamer, als ich es anfangs vermutet hatte. Er ist ein Gentleman alter Schule und für sein Alter noch recht agil und rüstig. Er lässt sich nichts vormachen und verfolgt seine Ziele mit einer gewissen Ernsthaftigtkeit, kann aber auch mal über sich selbst lachen. Er ist für seine Lieben immer da und steht fest und loyal zu König und Familie. Auch die anderen Charaktere sind schön ausgearbeitet und detailliert beschrieben, ohne langweilig zu wirken. Sir Merivel war mit von Anfang an sympathisch. Man liest gerne, wie er sich schlägt und wünscht ihm nur das Beste. Trotz dass er in die Jahre gekommen ist, schätzt man ihn anhand seiner Handlungsweisen jünger. Rose Tremain hat ihre Hauptperson mit einigen Schwächen und doch auch etlichen Stärken ausgestattet, so dass er rundherum eine glaubhafte Persönlichkeit darstellt. Ich finde, „Adieu Sir Merivel“ ist ein historischer Roman mit allem, was dazu gehört: Liebe, Intrigen, auch Lust, Spannung, alles dabei. Mir fiel es jedenfalls schwer, Sir Robert nach 445 Seiten „Adieu“ zu sagen...

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  • Zusatzaufgabe und Buchverlosung zum Lesesommer 2015 - Woche 6

    Das Mädchen, das nach den Sternen greift

    Marina_Nordbreze

    Der LovelyBooks Lesesommer geht in die sechste Runde und auch diese Woche heißt es wieder: Buchtipps bekommen, Aufgabe lösen, Zusatzpunkte sammeln und Buchpakete gewinnen! In der 6. Woche hat der Insel Verlag auf unserer Übersichtsseite fünf brandaktuelle Buchtipps für euch - lasst euch diese Chance auf Zusatzpunkte und phänomenalen Lesestoff nicht entgehen!  Zusammen mit dem Insel Verlag verlosen wir diese Woche 3 Buchpakete bestehend aus: "Das Mädchen, das nach den Sternen greift" von Pep Bras "Ein englischer Sommer" von Gabriele Diechler (hier läuft gerade eine Leserunde) "Dieser eine Sommer" von CJ Hauser (auch hier gibt es eine Leserunde) "In jenen hellen Nächten" von Roy Jacobsen (zur Leserunde) "Cottage mit Kater" von Hermien Stellmacher (Facebook-Seite zum Buch) Mehr Infos zu den Büchern findet ihr hier!  Wenn ihr euer Glück versuchen möchtet, beantwortet uns einfach folgende Frage:  Bei so vielen neuen Insel Büchern, die es diese Woche zu entdecken gibt, interessiert uns natürlich, welches Buch aus dem Insel Verlag euch in letzter Zeit so richtig begeistert hat. Nennt uns doch Titel und Autor und warum ihr das Buch so toll findet. Wer möchte, postet ein Foto von diesem Buch bei Instagram, Twitter oder bei Facebook mit dem Hashtag #LBLesesommer und verlinkt den Insel Verlag. Für diese Aufgabe gibt es beim LovelyBooks Lesesommer 100 Punkte, wer zusätzlich ein Foto bei Instagram/Twitter/Facebook postet und hier im Thema den Post verlinkt, erhält insgesamt 300 Punkte!  Wenn ihr nicht am Lesesommer teilnehmt, könnt ihr natürlich trotzdem gerne hier bei der Verlosung mitmachen!  Bitte gebt in eurer Antwort an, ob ihr auch Punkte für den LovelyBooks Lesesommer sammeln oder nur an der Verlosung der Buchpakete teilnehmen möchtet. Und wenn ihr nur die Punkte für den Lesesommer sammeln, aber nicht an der Verlosung teilnehmen möchtet, schreibt das ebenfalls dazu.

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  • Adieu, Sir Merivel

    Adieu, Sir Merivel

    Ikopiko

    22. April 2015 um 13:51

    „Ich wusste, wonach ich mich in diesen mir noch verbleibenden Jahren sehnte: Ich wollte durch Wunder in Erstaunen versetzt werden. In Versailles würden sie sich gewisslich finden lassen.“ Sir Merivel, ein etwas in die Jahre gekommener Mann, ist einsam. Er lebt allein mit seinem Personal, langweilt sich und wird depressiv. Doch er reißt sich selbst an seinem Haarschopf aus der misslichen Lage, indem er eine große Reise antritt: Er möchte den Sonnenkönig in Versailles besuchen. Dort angekommen findet er alles völlig anders vor, als er erwartet hatte. Jede Ecke ist mit Menschen belegt, die das gleiche Ziel haben. Sir Merivel jedoch ist ein Lebemann und macht immer wieder das Beste aus seiner Situation. Und wie zur Belohnung, lernt er seine große Liebe kennen. Rose Tremain hat mit „Adieu, Sir Merivel“ einen ungeheuer leichtfüßigen Roman geschrieben. Mich hat der Sir immer wieder an den Lügenbaron Münchhausen erinnert. Nicht, dass er sich Lügenmärchen ausdenkt, nein, er erlebt tatsächlich die komischsten Dinge. Sollte der Roman jemals verfilmt werden, wünsche ich mir Jan-Josef Liefers als Hauptbesetzung. Ich habe beim Lesen viel geschmunzelt und gelacht, hatte immer dazu die Filmszenen im Kopf.

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  • Tremain, Rose - Adieu, Sir Merivel

    Adieu, Sir Merivel

    Emili

    02. November 2013 um 09:13

    In ihrem neuen Roman entführt die Autorin den Leser in eine andere Welt, und zwar nach England in die Jahre 1680. Der Roman ist in einer damaligen Zeit angepassten Sprache geschrieben und ist eher von leisen Tönen beherrscht. Anfangs hatte ich etwas Schwierigkeiten mich in die Geschichte einzulesen, und dachte schon, das Buch wird mir nicht gefallen. Zum Glück ist es doch anders gekommen, nach etwa einem Drittel des Romans, habe ich mich gut in die Geschichte eingefunden und mit dem Hauptprotagonisten Sir Robert Merivel gelitten, gelacht und das Leben, so wie es war, gelebt. Sir Merivel hat ein bewegtes Leben geführt, das keines Falls langweilig war. Als es für ihn mit seinen 57 Jahren drohte eintönig zu werden, hat er dafür gesorgt, dass es anders wird und eine Reise nach Frankreich und zwar nach Versailles eingetreten, um dem König Louis XIV zu dienen... Er hat Schicksalschläge erleiden müssen, hat Liebe und wahre Freundschaft kennen gelernt, Beziehungen geführt und eine Tochter Margaret, die er sehr liebte, großgezogen. Mit Sir Robert Merivel ist der Autorin ein sehr symphatischer Charakter gelungen, den ich gerne hatte. Ein liebenswürdiger Mann, ehrlich, gerecht und ehrenhaft, ein loyaler Freund und Herr, ein kluger und witziger Zeitgenosse, ein liebevoller Vater und ein Mensch, der nicht ohne Fehler ist. Ein Satz über ihn fand ich sehr treffend: "Die Welt ist, wie sie ist, und er war einer, der sie gut kannte." Abgesehen von der Schwierigkeiten mich in die Geschichte einzulesen, und manchen langatmig wirkenden Stellen, hat mir der Roman insgesamt recht gut gefallen. Die Autorin kannte ich bis jetzt nicht, aber ich finde es schön ein Buch von ihr gelesen zu haben. Ihre Art zu erzählen hat mich angesprochen.

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  • Drastisch und trostlos

    Adieu, Sir Merivel

    rumble-bee

    30. July 2013 um 19:59

    Von Rose Tremain hatte ich nur Gutes als Autorin von Historischen Romanen gehört. Nach dem Lesen dieses Buches bin ich aber leider nicht sehr dazu angetan, in das allgemeine Loblied einzustimmen. Ich möchte es einmal so sagen - ich bin "auf hohem Niveau" enttäuscht von diesem Buch. Es ist nicht "schlecht", das will ich nicht gesagt haben. Aber es ging so völlig an dem vorbei, was ich erwartet hatte. Und daran sind der Verlag, die Vermarktung, der Klappentext, nicht ganz unschuldig. Versprochen wird dem Leser eine spannende Episode aus dem Leben eines alternden englischen Arztes und Lebemannes. Er reist nach Frankreich, an den Hof des Sonnenkönigs, und begegnet dort der Liebe seines Lebens. Soweit die Behauptung des Verlags. Zudem hatte ich mich, der Leseprobe entsprechend, auf viel Witz und eine Midlife-Crisis "auf historische Art" gefreut. Doch was ich bekommen habe, wich doch sehr davon ab. Von Witz keine Spur, stattdessen haufenweise Zynismus, zerquälte Rückblicke, und mangelnde Entschlussfreudigkeit. Oder völlig überstürzte Handlungsweisen. Das alles umrahmt von einer derart drastisch-derb-vulgären Handlung, dass es mir die Mittelalter-Romantik für alle Zeiten höchst wirkungsvoll ausgetrieben hat. Streng betrachtet, spielt der Roman natürlich nicht im Mittelalter, sondern im Barock - aber es wird sicherlich verständlich, was ich meine. Es ging mir persönlich einfach eine Spur zu viel um Körper und ihre Flüssigkeiten. Und um höchst fragwürdig ausgeführte medizinische Prozeduren. Ein wenig ärgerlich bin ich auf den Verlag, weil er den Klappentext "ins Spannende hinein" manipuliert hat. Die Episode am Hof des Sonnenkönigs nimmt nicht einmal ein Viertel des Buches ein! Und Louise de Flamanville ist mitnichten die "große Liebe" von Sir Merivel. Im Gegenteil, auch mit ihr vergnügt er sich wie mit vielen anderen. Und scheut ausdrücklich davor zurück, sie zu heiraten! Überhaupt - was nicht alles schief geht in diesem Buch...! Die Kutsche auf dem Weg nach Frankreich wird ausgeraubt. König Ludwig bekommt Sir Merivel nie persönlich zu sehen. Louise ist verheiratet, ihr Gatte wirft Merivel hinaus. Merivels Tochter erkrankt lebensbedrohlich. Briefe kommen nicht an. Es gibt Missverständnisse und finanzielle Engpässe. Merivel landet beinahe fälschlich im Armenhaus. Und den Tod der Menschen, die ihm am liebsten waren, verpasst er samt und sonders. Sogar eine alte Freundin stirbt ihm unter den Händen weg. Meine Güte, da wird man ja trübsinnig...! Das ganze Buch strahlte für mich eine extrem hohe "Rückwärtsgewandtheit" aus. Und erst nach Beendigung der Lektüre fand ich einen Grund dafür heraus. Der Verlag verschweigt uns Lesern nämlich auch noch, dass dieser Band eine Fortsetzung ist... Mit Verlaub, das hätte ich gerne vorher gewusst. Zumal der erste Band ja sogar schon verfilmt wurde! (Unter dem Titel "Zeit der Sinnlichkeit".) Warum es bei mir dann doch drei Sterne werden? Nun, ich gestehe dem Buch zu, dass es eigentlich weniger um Sir Merivel geht, sondern um das Ende einer ganzen Epoche. Worauf auch die abblätternde Tapete auf dem Cover hinweist. Denn nahezu zeitgleich mit Merivel stirbt König Charles, und allerorten ergeht sich das Volk in trüben Vermutungen über Englands Zukunft. Nun wird der Herzog von York König. Ich müsste nachlesen, bin historisch nicht allzu bewandert. Aber das müsste in etwa mit den Religionskriegen in England zusammenfallen. Zudem war zumindest die schriftstellerische Technik auf erkennbar höherem Niveau angesiedelt. Die Sprache fand einen ganz eigenen Rhythmus aus Lesbarkeit und historischer Echtheit; das war insofern schon ansprechend zu lesen. Auch die Charakterisierungen waren glaubwürdig, alle Figuren mit zahlreichen Details erdacht. Nur schade, dass mir keine einzige davon wirkllich sympathisch wurde. Ich empfehle das Buch letzten Endes doch zähneknirschend weiter. Vielleicht habe ich es einfach auf falschem Fuß erwischt. Oder sollte noch einmal meine Kenntnisse in englischer Geschichte auffrischen. Wie dem auch sei, ich möchte das Buch so bald nicht wieder zur Hand nehmen.

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  • Adieu Sir Merivel

    Adieu, Sir Merivel

    Pixibuch

    28. July 2013 um 18:42

    Ich habe dieses Buch mehr als genossen. Es enführt uns in eine andere Zeit im 17. Jahrhundert. Sir Merivel entstammt einer einfachen Familie. Da er aber König Charles II immer zum Lachen bringt und ihm ein guter Freund ist, bekam er von diesem das Gut Bidnold Manor und ein jährliches Loyer. Merivel war schon einmal pro forma verheiratet, aber es war die Geliebte des Königs und er durfte dieses schöne Frau nicht berühren. Aus einer anderen Beziehung hat er die Tochter Margaret, die er über alles liebt und für die er alles tut. Als Margaret mit ihren Freundinnen verreist, bekommt er wieder die Melancholie. Merivel ist von Beruf Arzt. Er möchte nach Frankreich zum Sonnenkönig und ihm seine Dienste anbieten. Aber leider läßt ihn der König nicht vorsprechen und er haust elendlich in den Dienerquartier und lebt nur von Erbsen. Doch dann lernt er Louise de Flamaville kennen und verliebt sich in sie. Louise und er werden ein Liebespaar, aber Louises Schwägerin steckt alles ihrem Bruder und so muß Merivel fliehen. Zuhause angekommen, ist seine Tochter an Typhus erkrankt und schwebt zwischen Leben und Tod. Leider geht das Buch nicht so aus, wie es der Leser gerne hätte. Mehr möchte ich nicht verrraten. Die Autorin hat das Buch sehr flüssig geschrieben,. Es entführt uns in eine andere Welt. Merivel ist ein sehr guter Mensch. Man sieht es daran, dass er seinen alten Diener, der kaum mehr für etwas taugt, nicht entläßt, sondern ihn weiterhin auf dem Gut behält. Auch rettet er einen Bären, der erschossen werden soll und nimmt ihn mit nachhause. Er ist dem König ein sehr treuer Diener und Freund. Als der König von den Regierungsgeschäften total entkräftet ist, läßt in Mervil auf seinem Gut wochenlang wohnen und betreut ihn. Auch an sehr deftiger Erotik fehlt es an diesem Buch nicht. Merivel ist manchmal ein Bruder Leichtfuß und sehr unstet. Auch dies wird hier hervorragend zur Geltung gebracht. Einfach zum Abschalten. Wenn man mit dem Buch begonnen hat, kann man nicht mehr aufhören. Mervel is auch der Melancholie verfallen. Jedoch soll er ein begnadeter Liebhaber sein. Das Ende war nicht ganz in meinem Sinne. Gerne hätte ich weiteres über Merivel gelesen.

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  • Don't judge a book by its cover ...

    Adieu, Sir Merivel

    Bri

    12. April 2013 um 20:35

    Man schreibt das Jahr 1683, Sir Robert Merivel, einst Unterhalter, Hofnarr und Leibarzt (der Hunde) des englischen Königs Charles II, lebt in seinem geliebten und prunkvoll eingerichteten Haus auf Bidnold Manor. Er ist gealtert – genau wie seine Dienerschaft. Einzig seine 17 jährige Tochter scheint ihn vor der Trübsal des Alters zu bewahren. Als diese aber immer häufiger und länger bei einer befreundeten Familie mit vier Töchtern weilt, wird dem einstigen Lebemann klar, dass er etwas tun muss, um dem Trübsinn nicht ganz anheim zu fallen. Selbst seine Dienerschaft wird mit jedem Tag gebrechlicher und Sir Merivel quälen die Fragen um deren Zukunft. War er einst ein Mann von Welt – Zeit der Sinnlichkeit heißt der vor Jahren bereits erschienene erste Band um Robert Merivels Leben am Hofe Charles II von England – so empfindet er sein Leben nun eher als Qual. Einzig die Liebe zu seiner Tochter erfreut sein Herz. Er sucht Rat bei seinem guten Freund und König – Charles II, der ihm eine Reise nach Frankreich empfiehlt. Merivel erhofft sich durch ein Empfehlungsschreiben Charles`II eine Anstellung als Arzt am Hof Ludwigs XIV. Die Anstellung bleibt aus, dennoch belebt ihn die Reise ungemein, lernt er doch die reizende Louise de Flamanville kennen und lieben … Rose Tremains im Barock angesiedelter historischer Roman um den nicht immer ganz sympathischen englischen Arzt ist kein klassischer Pageturner. Gemächlich wie das Leben des 57 Jährigen zieht sich auch die Handlung dahin – vollkommen miteinander im Einklang. Die einzelnen Stationen der Hauptfigur auf dem Weg bis zum Ende sind durchzogen von alltäglichem Freud und Leid. Tremain beschreibt den barocken Prunk, die Lebenssucht, die Oberflächlichkeit, den Überfluss am französischen Hof des Sonnenkönigs und die dazu im vollkommenen Gegensatz stehende Lebenswelt der einfachen Leute, die sich nur ein wenig von dessen Glanz erhaschen wollen sprachlich Stil sicher und authentisch. Sie blickt hinter die Kulissen, legt die wahre Tristesse hinter der glänzenden Tapete frei … ganz wie es der wunderschön gestaltete Schutzumschlag des Romans auch tut. Entfernt man diesen, tritt ein goldglänzendes Buch zu Tage. Dazu bietet die Geschichte und deren Umsetzung aber leider keine Analogie. Man sucht während der Lektüre immer wieder nach diesen goldenen Stellen, nur leider sind diese nicht zu finden. Zumindest war ich bei der Suche nicht erfolgreich. Adieu Sir Merivel hätte ich beinahe ein wenig früher gesagt, als von der Autorin beabsichtigt. Habe ich doch bisher mit historischen Romanen immer mehr Spannung verbunden. Die Oberflächlichkeit der Höflinge übertrug sich für mich auf die ganze Geschichte. Schade, aber leider nicht zu ändern. Dennoch sei das Buch jedem Leser empfohlen, der gut zu lesende, unspektakuläre, historische Lebensgeschichten mit einem Anflug von Extravaganz goutiert.

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  • Ach, Merivel...!

    Adieu, Sir Merivel

    Nuigurumi

    04. April 2013 um 22:32

    Es ist das Jahr 1683. Sir Robert Merivel war einmal Arzt am Hofe Charles II., aber jetzt ist er in die Jahre gekommen, seine einzige Tochter wird erwachsen und er fragt sich, was sein Lebensabend ihm bringen wird. Er ist noch nicht bereit, sich zur Ruhe zu setzen, sondern möchte noch etwas erleben, solange er kann, daher beschließt er nach Versailles zu fahren, um sich „durch Wunder in Erstaunen versetzen“ zu lassen. Doch Versailles ist eine große Enttäuschung, mehr Schein als Sein. Das einzige Positive, das er in Frankreich findet, ist Louise, aber sie ist verheiratet und ihr Mann duldet keine Nebenbuhler, aber Merivel wäre nicht Merivel, wenn ihn das davon abhalten würde, mit ihr ein Verhältnis einzugehen… "Adieu, Sir Merivel“ ist ein sehr englischer historischer Roman. Er vereinigt Romantik, Komik, Intrigen und viele Emotionen in sich, ist mit augenzwinkerndem Humor geschrieben, und auch die fleischlichen Gelüste kommen trotz Merivels fortgeschrittenen Alters nicht zu kurz. Merivel mag zwar gesellschaftlich hohes Ansehen genießen, ist aber trotzdem ein Mensch wie du und ich. Er tritt gerne mal ins Fettnäpfchen, nimmt sich aber selbst auch nicht so ernst. Er kann sehr egoistisch sein, aber gleichzeitig würde er für seine geliebte Tochter, den König oder seinen alten Diener alles tun und geben. Da das Leben auch für ihn nicht immer leicht ist, versinkt er ab und zu in eine tiefe, dunkle Verzweiflung. Was für ein liebenswerter Mensch dieser Merivel ist! Ich hätte nie gedacht, dass mir der Protagonist eines Buches einmal so ans Herz wachsen könnte - dabei ist er 57 Jahre alt "mit dünnen Beinen und dickem Bauch“ (O-Ton Merivel). Das Buch ist aus Merivels Sicht in der Ich-Form geschrieben und ich habe mit ihm gelacht und mit ihm gelitten. Obwohl Rose Tremain historisch angemessen in einer etwas altertümlichen Spache schreibt, ist der Stil überhaupt nicht langweilig. Ihre Beschreibungen sind bildhaft und ihre Dialoge spritzig und geistreich. Das findet man selten in historischen Romanen und dieser ist wirklich ein Meisterstück seines Genres. Ich habe in der letzten Zeit wenige Bücher gelesen, die mich wirklich begeistern konnten, aber "Adieu, Sir Merivel" gehört definitiv dazu.

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  • Hin und her gerissen...

    Adieu, Sir Merivel

    KathrinBolte

    25. March 2013 um 19:42

    zwischen „ein super Buch“ oder „war nett es gelesen zu haben, aber mehr nicht“. Die Geschichte ist in vier Teile aufgeteilt und ebenso viergeteilt ist auch meine Meinung. Im ersten Teil wird der Leser in die Geschichte und das Leben der Protagonisten eingeführt. Dieser Abschnitt ist stellenweise sehr langatmig. Im zweiten Teil konnte ich schon wesentlich mehr lachen, denn es ist überaus amüsant, da es aus der Sicht des Sir Merivel geschrieben ist. Dieser nimmt in seinen Gedanken nicht ein Stück Rücksicht auf den Anstand und die Etikette bei Hofe. Er erzählt in einer ganz erfrischenden Sprache, was in ihm vorgeht. Merivel ist sehr depressiv und auch wenn es im Kern um gerade diesen Zustand geht, stört dies die Geschichte – diesen Eindruck werde ich einfach nicht los. Der zweite Teil ist lustig, macht Spaß und neugierig. Man will endlich wissen wie es mit seinem Liebesleben weitergeht und was mit seiner Tochter passiert. Der dritte Teil ist ebenfalls witzig, zugleich aber auch langatmig. Dann wieder spannend und stellenweise wieder langweilig. Es gab einige Seiten, bei denen es mir sehr schwer fiel, mich auf die Geschichte zu konzentrieren. Und dennoch gelingt es der Autorin mit ihrer Sprache und Phantasie den Leser zu fesseln und in mit in das Geschehen zu nehmen. Auch im vierten Teil schafft es Rose Tremain durch ihre lebendige Sprache Spannung aufzubauen, die aber schnell wieder abebbt. Am Schluss gibt es dann eine sehr unerwartete Wendung. Tja, also ich weiß nicht so recht was ich von dem Buch halten soll. Ich denke, jeder sollte sich sein eigenes Bild machen.  

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  • Adieu, Sir Merivel

    Adieu, Sir Merivel

    GrisusGirl

    23. March 2013 um 13:29

    16 Jahre nachdem er sein Buch von seinem Diener Will verstecken lassen hat, taucht es wieder auf. Das Buch, welches einen Teil von Merivels Leben erzählt. Er, ein Lebemann, immer auf der Suche nach einem neuen Abenteuer. Doch einiges hat sich geändert. Merivel ist einsam, denkt über das Leben, welches er jetzt führt, nach und flüchtet immer mehr in seine Depression. Als seine Tochter mit den Nachbarn eine mehrwöchige Reise antreten möchte, muss sich was ändern. Anstatt Trübsal zu blasen, macht er sich auf den Weg nach Frankreich um dort, als Arzt im Dienste des Königs, eine Anstellung zu finden. Doch leider verwehrt man ihm den Zutritt zum Hof, doch er trifft auf die schöne Louise und verliebt sich in sie. Das Buch beschreibt Merivels Lebensgeschichte und er persönlich erzählt seine Geschichte als Arzt, Lebemann und Vertrauter König Charles. Es ist der 2. Band von Sir Merivel, den 1. Band kenne ich nicht. Deswegen kann ich auch nur dieses Buch bewerten, ohne irgendwelche Informationen zum Vorgängerband zu geben. In dem Buch kann man sich sehr gut zurecht finden auch ohne Teil eins gelesen zu haben und ich hatte nicht das Gefühl, etwas wesentliches verpasst zu haben. Treu an Merivels Seite ist sein wirklich betagter Diener Will, immerhin schon 74 Jahre alt. Er ist meine absolute Lieblingsfigur. Wie gut konnte ich mir den ein wenig senilen, teils auch nur gespielt senilen, hutzeligen alten Mann vorstellen. Die Dialoge zwischen Will und seinem Herren sind so humorvoll und auch, wenn Will der Diener des Hauses Bidnold ist, sagt er offen seine Meinung. Er ist nicht nur ein Diener, er begleitet Merivel schon sehr lange Zeit und ist ihm ein Freund und Vertrauter geworden. Merivel erlebt viel in diesem Band. Seine Reise nach Frankreich endet anders als geplant und er verliebt sich in die schöne Louise. Es scheint, als hätte er in dieser Frau seine wahre Liebe gefunden, denn bis zu diesem Zeitpunkt hegte er zu keiner Frau so tiefe und innige Gefühle, ausgenommen zu seiner Tochter. Deren Wohl ihm besonders am Herzen liegt und das merkt man sehr. Für sie würde er alles tun, mit ihr leidet und freut er sich mit. In vier Abschnitten erzählt Merivel nun seine Lebensgeschichte. Jedem Abschnitt wird dabei einen besonderen Teil gewidmet. Sie fängt mit dem Fund seines ersten Buches im Jahre 1680 an und endet 1682, in dem wir Sir Merivel durch die Jahre begleiten dürfen. Die Geschichte wird durch die humorvollen Dialoge, besonders zwischen Merivel und Will aufgelockert und auch die Liebelei zu Louise bringen ein wenig Licht in die ansonst sehr düstere und teils auch depremierende Geschichte von Merivel. Das Buch an sich ist anders als ich erwartet habe, aber es hat mir dennoch sehr gefallen. Der Schreibstil ist sehr flüssig und gut zu lesen, trotz der teilweise gehobeneren Ausdrucksweise, die mir besonders in den Dialogen und den Briefen, die er schreibt und erhält, aufgefallen ist. Sehr stolz erzählt Merivel von seiner Vergangenheit, als er noch der Lebemann war und man spürt die Stimmungsschwankungen sehr. Wirkliche Spannung kommt nicht auf, aber das habe ich bei diesem Buch auch nicht erwartet. Wenn ich Spannung möchte, dann bevorzuge ich doch eher einen Krimi oder einen Thriller. Aber trotz dieser Tatsache wurde es für mich nicht langweilig. Ich habe Sir Merivel sehr gerne in diesem Lebensabschnitt begleitet und seine Geschichte gelesen. Mein Fazit: Ich fand es ein ganz tolles Buch und "Adieu, Sir Merivel" hat mir einige schöne Lesestunden bereitet.

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  • Rezension zu "Adieu, Sir Merivel" von Rose Tremain

    Adieu, Sir Merivel

    Nefret

    16. March 2013 um 20:22

    1683: Sir Merivel ist Arzt, nicht mehr der jüngste und benötigt Geld. Er bitten seinen Freund, den englischen König um ein Empfehlungsschreiben und reist nach Versailles, um am französischen Hof eine Anstellung zu finden. Die Hauptfigur in „Adieu, Sir Merivel“ ist Robert Merivel, der ein Großteil seines Lebens hinter sich hat und teilweise darauf zurückblickt, aber immer noch lebenslustig und voller Tatendrang ist. Merivel, der sich selbst nicht unbedingt als Adonis beschreibt, ist ein unglaublich liebenswerter Lebemann. Mitunter schildert Rose Tremain durchaus deftige Szenen, wenn Merivel sich mal wieder mit einer Dame amüsiert. Der gute Arzt liebt das gute Leben und ganz besonders die Frauen. Obwohl seine Moral in dieser Beziehung nicht die beste ist, wächst er dem Leser dennoch sehr ans Herz. Denn Merivel hat ein weiches Herz. Er liebt seine Tochter innig, ist mit seinem Diener freundschaftlich verbunden und versucht ein gefangenes Tier zu retten. Doch nicht immer hat er die nötige Konsequenz, um seine Pläne so durchzusetzen, wie er es möchte, denn er hat durchaus seine Schwächen. Merivel ist bei seinen Mitmenschen aufgrund seines Humors so beliebt. Auch deshalb hat die Freundschaft seines Königs gewonnen. Rose Tremain hat diesen Humor wohldosiert. Hier jagt nicht eine Pointe die andere, sondern verbirgt sich häufig zwischen den Zeilen. Manchmal kann es aber auch deftig zugehen. „Adieu, Sir Merivel“ ist kein Buch, dass man vor Spannung kaum aus den Händen legen kann. Aber das kann auch kein Leser erwarten. Ich habe es gerne und eifrig gelesen, da ich an Merivals Schicksal und das seiner Mitmenschen Anteil genommen habe. Ich habe den Eindruck, dass es Rose Tremain gut gelingt, die Sprache der damaligen Zeit wiederzugeben. Nebenbei wird das etwas brach liegende Geschichtswissen über Charles II. und seine Regentschaft aufgefrischt.

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  • Rezension zu "Adieu, Sir Merivel" von Rose Tremain

    Adieu, Sir Merivel

    vielleser18

    15. February 2013 um 09:18

    Sir Robert Merivel, Kaufmannssohn, dank der Gnade Seiner Majestät König Charles II in den Landadelstand erhoben, ist ein alternden Mann, der auf seinem einsamen Landgut nicht viel Abwechslung hat. Daraufhin beschliesst er, mit des Königs Erlaubnis und seinen Referenzen, an den Hof in Versailles zu ziehen, um dort sein Glück zu suchen. Dort lernt er Louise de Flamonville kennen und lieben. Doch schon bald trennen sich ihre Wege, aber Merivel und ihre Wege kreuzen sich bald ein weiteres Mal! Adieu, Sir Merivel ist ein historischer Roman, der anschaulich das Leben des einfachen Adels am Ende des 17. Jahrhunders schildert. Rose Tremain gelingt es mit britischem, teils schwarzen Humor nicht nur den Zustand am englischen und französischem Hof zu skizzieren, auch viele andere Details des Lebens zu dieser Zeit werden hier porträtiert. Das Buch ist manchmal derb, manchmal lustig, manchmal bedrückend, manchmal melancholisch. Es gelingt der Autorin ein Gefühl jener Epoche widerzuspiegeln. Wer hier ein spannungsgeladenen historischen (Kriminal)Roman erwartet, liegt sicherlich falsch, doch wer vergnügliche und nachdenkliche Stunden mit Sir Merivel verbringen will, der liegt hier richtig. Das gebunden Buch hat übrigens ein sehr schönes Format, das beim Lesen gut in der Hand liegt, das Goldeinband und der ansprechend gestaltete Schutzumschlag gefallen mir gut.

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  • Rezension zu "Adieu, Sir Merivel" von Rose Tremain

    Adieu, Sir Merivel

    Ninni89

    08. February 2013 um 12:49

    Zitat: "Wie glühend hätte ich mir gewünscht, dass er nicht so, hingestreckt auf einen Haufen dreckiger Wäsche, verblichen wäre, aber dagegen konnte ich nichts machen. Die Welt ist, wie sie ist, und er war einer, der sie gut kannte." Inhalt: Robert Merivel war ein einfacher Mann, Arzt von Beruf, der lange Zeit mit seinem Freund Pearce in einem Irrenhaus tätig war. Doch eine Begegnung mit dem erkrankten Hund des Königs verändert sein Leben. König Charles II. stellt den Mann als Arzt für seine geliebten Tiere an und so erlangt Merivel Besitz und Titel. Doch schnell lernt er, dass die Gunst des Königs nicht ewig andauert. Nach einem Vertrauensbruch wird ihm alles genommen, und er arbeitet erneut in dem Irrenhaus, wo er auch seine Frau kennenlernt. Die Wogen glätten sich mit der Zeit und Merivel erhält seinen Besitz wieder, doch je älter er wird, um so mehr hat er das Gefühl in eine tiefe Melancholie zu versinken, weshalb er sich auf eine Reise an den französischen Hof begibt, wo die Bekanntschaft einer jungen Frau sein Leben erneut verändern soll. Zum Buch: Noch einmal bedanke ich mich für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars vom Insel Verlag und von Vorablesen. Ab und an stöbere ich dort durch die neuen Bücher und dieses hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt. Als Geschichtsstudentin interessiere ich mich an sich für vieles historisches, doch ganz besonders die Epoche des Absolutismus in Frankreich hat es mir angetan, ebenso wie die Geschichte Englands im Allgemeinen. Also war die örtliche und zeitliche Anordnung dieses Romans für mich natürlich ein gefundenes Fressen. Um so mehr hat es mich gefreut, dass ich aus dem Lostopf gezogen wurde und dieses Buch vorab lesen durfte und euch nun vorstellen kann. Das Cover des Buches finde ich recht raffiniert gestaltet. Es würde mich vielleicht im Buchhandel nicht direkt ansprechen, doch diese ablösende, teure Tapete passt wunderbar zu Merivels Leben, das sich immer mehr ablöst und verfällt. Die Charaktere innerhalb der Handlung wurden von der Autorin mit sehr viel Liebe gestaltet und sehr tiefgründig geschrieben. Sie handeln nachvollziehbar und ihren Rollen entsprechend, was für mich in historischen Romanen immer besonders wichtig ist. Obwohl die Hauptfigur Merivel nicht vom Beginn seines Lebens, bis zum Ende, begleitet wird, streut Tremain immer wieder passend Informationen über das Leben ihres Protagonisten ein. Auch die beiden Könige hat sie meiner Meinung nach sehr gut porträtiert. Die Geschichte baut natürlich nicht in dem Sinne Spannung auf, dass man gespannt ist was wohl auf der nächsten Seite passieren wird, doch trotzdem ist ein gewisser Spannungsverlauf da. Es ist eben nicht wie in einem Krimi, wo man wissen möchte wer der Mörder ist. Viel mehr hängt die Geschichte hier von den Schicksalsschlägen ab. Immer wieder ereilen Merivel große Schläge und man will zuerst wissen wie sich die Situation klärt und direkt danach wartet man gespannt darauf womit der arme Merivel als nächstes konfrontiert wird. Dabei fehlt es gerade wegen der lockeren Sprüche des Protagonisten auch nicht an Humor, der die düstere Stimmung im Buch immer wieder etwas auflockert. Von König Charles und auch dem Sonnenkönig Louis XIV. gibt es bereits viel zu lesen, doch der Blick auf die Gesellschaft und die beiden Könige aus Sicht des Arztes und Freundes des Königs zeichnet ein originelles und neues Bild der Zeit. Die Geschichte des Mannes, der so viel Freude und auch Lied in seinem Leben erfahren hat, wird schlüssig von Anfang bis Ende erzählt und wird dabei auf keiner Seite langweilig. Mit Feingefühl und den richtigen Worten erzählt die Autorin die bewegende Geschichte und schafft es dabei zumindest mich zu berühren. Auch wenn ich auf die genauen Beschreibungen von Operationen und solcherlei mehr hätte verzichten können. Die Kapitel sind recht kurz gehalten mit meist knapp 10 Seiten und lassen sich so fließend und schnell lesen. Die Wortwahl und der Satzbau erscheint mir recht passend und fügt sich wunderbar in die Zeit ein. Es entsteht so also ein zusammengefügtes Bild des Lebens im 17. Jahrhundert. Fazit : Dieser historische Roman erzählt mehr als nur die Geschichte eines Arztes. Er zeigt wie man ein leben meistern kann, in dem man viel Freud und Leid gesehen hat und er zeigt auch, dass die starken Männer nicht immer so stark sind wie sie nach außen hin scheinen. Eine Geschichte, die noch nach dem lesen weiter wirkt. Aussehen: ♥♥♥ Charaktere: ♥♥♥♥♥ Spannung: ♥♥♥♥ Humor: ♥♥ Schlüssigkeit: ♥♥♥♥ Originalität: ♥♥♥♥ Emotionale Tiefe: ♥♥♥♥♥ Schreibstil: ♥♥♥♥ Umsetzung: ♥♥♥

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  • Rezension zu "Adieu, Sir Merivel" von Rose Tremain

    Adieu, Sir Merivel

    a.schmalzbauer

    06. February 2013 um 19:17

    Vorneweg ist anzumerken, dass „Adieu, Sir Merivel“ eine Fortsetzung des Romans „Des Königs Narr“ ist, den Rose Tremain schon vor einigen Jahren veröffentlicht hat. Er wurde unter dem Namen „Zeit der Sinnlichkeit“ verfilmt. Es wird aber weder beim Verlag noch auf dem Klappentext darauf hingewiesen, was sehr schade ist. „Zeit der Sinnlichkeit“ wurde jetzt als Taschenbuch neu aufgelegt. Es ist aber nicht notwendig den ersten Teil vorneweg zu lesen, denn Robert Merivel beschreibt zum Teil sehr ausschweifend sein Leben in jungen Jahren. Der Roman spielt sich in der Zeit der arrangierten und gekauften Ehen ab, um Mätressen des Königs allzeit bereit unterzubringen. Auch Sir Merivel hat seinen Besitz einer solchen Ehe zu verdanken, auch wenn er ihn kurzzeitig verloren hatte. Hinrichtungen werden als Spektakel gefeiert. Doch Pomp und Gloria verblassen schon, es herrscht Armut unter den Untertanen des Königs. Und dieser ist des Regierens müde. Das Cover macht diesen Verfall, mit der abblätternden Tapete, deutlich. Sir Merivel ist ein alternder, melancholischer Lebemann und Arzt, der mit seiner Tochter auf seinem Anwesen Bidnold dem Müßiggang frönt. Er ist viel zu sehr damit beschäftigt sich selbst leid zu tun, als sich um seine Patienten zu kümmern. Er lebt mehr schlecht als recht vom Loyer des Königs, den er für seine Dienste am König und dessen Hunden bekommt. Um sich einen Tapetenwechsel zu gönnen reist er nach Frankreich und erwartet dort schnurstracks zum Sonnenkönig durch zu marschieren. Doch er ist ein Bittsteller und wird auch so behandelt. Dabei lernt er Louise de Flamanville kennen, die sich seiner annimmt. Der Charakter des Robert Merivel ist nicht besonders sympathisch. Egoistisch, melancholisch und meine Erachtens ein wenig dumm, aber arrogant. Er trauert seinem früheren, ausschweifenden Leben hinterher. Er ist mit nichts zufrieden und denkt immer noch etwas Besseres zu bekommen. Dabei ist er nur ein Möchtegern, auf Äußerlichkeiten bedacht und oberflächlich. Die Sprache des Romans ist der damaligen Zeit angepasst, manchmal etwas holprig, aber doch ganz gut zu lesen. Es fehlt auch nicht an feinem Humor, der aber durch vulgäre Ausdrücke sofort wieder zunichte gemacht wird. Außerdem fehlt mir bei diesem Erzählstil das gewisse Etwas, ich fühle mich als Leser nicht mitgenommen. Winterfieberfrost hat mich bei der Lektüre von „Adieu, Sir Merivel“ auch ab und an befallen. Ich habe die Lektüre mit anderen Erwartungen begonnen. Im Klappentext wird seine Reise nach Frankreich sehr hervorgehoben, doch nimmt diese nur einen kleinen Bruchteil des Buches ein. Der Rest ist die recht farblose und wenig spannende Geschichte des Sir Merivel von 1683 bis 1685. Historisches erfährt man wenig bei der Lektüre. Ein Buch mit wenig Spannung und keineswegs glanzvoll, mit einem Hauptprotagonisten, der mir äußerst unsympathisch war.

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  • Rezension zu "Adieu, Sir Merivel" von Rose Tremain

    Adieu, Sir Merivel

    SinjeB

    05. February 2013 um 21:30

    Was von sinnlicher Dekadenz übrig blieb ... Zum Inhalt: Robert Merivel hat weit aufregendere Zeiten hinter sich. Ehemals Leibarzt der königlichen Hundemeute und Unterhalter Seiner Majestät genoss er neben den Ausschweifungen am Hof auch die Gunst des Königs. Bis Charles ihn mit seiner Mätresse Celia vermählt und Merivel, trotz ausdrücklichen Verbots, seiner Frau Avancen macht. Ende 1683 stehen der Arzt und der König zwar wieder auf gutem Fuße, aber auf Merivels Landgut Bidnold wird es einsam. Tochter Margaret verlässt das Haus, und dem alternden Merivel bleiben sein noch älterer Diener Will, eine überschaubare Dienerschaft und seine Patienten. Den 57-Jährigen packt noch einmal das Abenteuerfieber. Mit einem Empfehlungsschreiben Charles' in der Tasche macht er sich auf nach Versailles. Den Sonnenkönig will er kennenlernen, seinen prunkvollen neuen Hof erleben und vielleicht sogar in seine Dienste treten. Kaum in Frankreich angekommen, platzt auch schon Merivels Seifenblase. Versailles quillt über vor Audienzsuchenden, und Louis XIV. hat keineswegs auf einen alternden englischen Arzt wie Merivel gewartet. Während Merivel sich mit einem Niederländer eine enge Absteige teilt und sich von Erbsen und Marmelade ernährt, lässt er sich die Gewänder nach neuester französischer Mode ändern und begegnet der charmanten Louise de Flamanville. Der Lebemann in Merivel wird von der intelligenten Französin (und ihrem sexuellen Appetit) neu geweckt, und die Affäre mit ihr lenkt ihn erfolgreich von der Enttäuschung, keine offizielle Audienz bei Louis erhalten zu haben, ab. Doch Louise ist - wenn auch unglücklich - verheiratet, und nicht zuletzt dieser Umstand veranlasst den Engländer zur Heimkehr. Gute Neuigkeiten erwarten ihn allerdings dort nicht. Seine Tochter Margaret ist an Typhus erkrankt, und für Merivel beginnt ein Winter des Kampfes um das Überleben seines einzigen Kindes, ein Winter, in dem die Freundschaft zu König Charles wieder auflebt und Louise, die er für die große Liebe seines Lebens geglaubt hatte, beinahe in Vergessenheit gerät. Doch das Ende hat bereits seinen Anfang genommen ... Meine Meinung: Ich möchte vorausschicken, dass "Adieu, Sir Merivel" die Fortsetzung von Rose Tremains 1989 erschienenen Roman "Zeit der Sinnlichkeit" ist. Dieser ist nun etwa zeitgleich mit der gebundenen Ausgabe von Rose Tremains neuem Werk bei Insel Taschenbuch als Taschenbuch in Neuauflage erschienen. Im Übrigen wurde "Zeit der Sinnlichkeit" 1995 mit Robert Downey Jr. verfilmt. Leider wird das weder im Buch noch auf dem Umschlag erwähnt. Im Grunde ist die Kenntnis des ersten Romans nicht notwendig, da der Ich-Erzähler Robert Merivel die wichtigsten Ereignisse der vergangenen zwanzig Jahre noch einmal zusammenfasst, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die Lektüre des Vorgängers hilfreich sein kann, um die Entwicklung des Charakters Merivel vom jungen Lebemann hin zu einem gereiften Mann, dem als Arzt sehr an seinen Patienten gelegen ist, der aber andererseits das Gefühl hat, auf seinem Landgut zu versauern, eingehender für sich zu erschließen. Allerdings muss ich sagen, dass ich nach "Adieu, Sir Merivel" kaum Lust auf noch mehr historisches England verspüre. Mit dem gealterten Robert Merivel hat Rose Tremain einen Charakter geschaffen, der nur schwer zu ertragen ist. So sehr er sich durch seine Zuneigung zu seiner Tochter, die er per Kaiserschnitt entbinden musste und dabei ihre Mutter opferte, seine treue Verbundenheit mit seinem fast väterlichen Diener und seine immer wieder durchscheinende Kompetenz als Arzt hervortut, so sehr bekleckert er sich doch auch mit einiger Überheblichkeit, Anhänglichkeit gegenüber dem König und Unentschlossenheit. Er ist der Inbegiff eines alten Mannes, der meint, etwas verpasst zu haben und jetzt noch einmal so richtig auf den Putz hauen muss. Letzten Endes aber hat er trotz aller Loyalität keinen Arsch in der Hose, sodass es schwerfällt, diesem Charakter Sympathie entgegen zu bringen. Dem Umstand, diesem Charakter zu folgen, der zwischen Jammern und Arroganz in antiquierter Sprache seinen Lebensweg über zwei Jahre hinweg schildert, ist es geschuldet, dass ich für die 445 Seiten gut zwei Lesewochen benötigte. Über den gesamten Roman hinweg wurde ich den Eindruck nicht los, Merivel sei sehr bemüht, auch ja nichts in seinen Memoiren zu vergessen. So nutzt er die unter Berücksichtigung der zeitgenössischen Verkehrsmittel recht lange Reise, die ihn von Bidnold über Charles' Hof und den Ärmelkanal nach Versailles führt, um ausschweifende Rückblicke auf jene Zeiten zu werfen, in denen der König und er noch jung und potent gewesen waren. Dann wieder scheint ihm jede noch so kurze Begegnung wichtig. Wie er auch lernen wir neue und alte Charaktere kennen, wobei es unerheblich ist, ob diese im Verlauf der Geschichte noch einmal auftreten oder nicht. Dabei ist man rasch geneigt, den Faden zu verlieren. "Adieu, Sir Merivel" gehört auch zu jenen Romanen, an die ich mit falschen Erwartungen herangegangen bin. Fälschlicherweise hatte ich mir von Rose Tremains historischem Roman die Geschichte eines Engländers in Frankreich erhofft, und der Dämpfer, der Merivel bei Ankunft aufgesetzt wurde, versprach im ersten Moment einen netten kleinen Kulturschock. Merivels Aufenthalt in Frankreich ist jedoch nicht mehr als ein kurzes und oberflächliches Zwischenspiel. Selbst die Affäre mit Louise de Flamanville weiß nicht mit Leidenschaft oder Sinnlichkeit zu bestechen, was ich jedoch Merivels leicht arroganter, leidenschaftsloser Erzählweise zuschreiben möchte. Diese vereitelt es denn auch, sich in die zahlreichen weiteren Charaktere hineinzufühlen. Kaum ein Charakter aus Merivels näherem Umfeld konnte sich mir mit einem einem Gesicht einprägen, und es entstand ein allgegenwärtiges Bild von Verbitterung und Ressentiments, in dem die Suche nach subtileren Zwischentönen zu anstrengend wurde. Anstrengend ist auch die Sprache des Romans, denn aufgrund der Ich-Erzählung hält sich auch die Übersetzung an verstaubte Ausdrücke und Sprachkonventionen. Das verleiht der Erzählung zwar einen authentischen Touch, macht "Adieu, Sir Merivel" aber nicht unbedingt zu flüssiger Lektüre. Dazu trägt außerdem der gehäufte Zeitwechsel zwischen Präsenz und Vergangenheitsformen bei, der dazu führt, dass man sich zunächst auf den Erzählebenen verliert. Etwas befremdlich fand ich zudem, dass in der Übersetzung die Namen der Könige im Original belassen wurden, wo Karl und Ludwig im Deutschen doch durchaus üblich sind. Da ich nun aber kein passionierter Historienromanleser bin, ist es nicht auszuschließen, dass mir hier gegenteilige Üblichkeiten entgangen sind. Positiven Eindruck konnte Rose Tremain jedoch mit ihrer Darstellung des ausgehenden 17. Jh.s. hinterlassen. Wie auf dem Schutzumschlag, der eine marode Tapisserie zeigt und einen goldenen Festeinband freigibt, bröckelt die Fassade. Dabei ergeht sie die Autorin jedoch nicht in historischen Fakten oder Begleitgeschehnissen, sondern konzentriert sich vorrangig darauf, ihre Geschichte um Merivel abzuschließen. Wie die Charaktere selbst, wirken auch das Land und seine Gesellschaft zunehmend gealtert. Von ausschweifender Dekadenz und Opulenz ist wenig zu spüren. Im Gegenteil, Merivel ist kaum in der Lage, den König, der ihn überraschend besucht, als Margaret im Krankenbett dahinsiecht, angemessen zu bewirten. Er lebt quasi ausschließlich vom Loyer, das der König ihm für sein Landgut zukommen lässt, achtet ansonsten aber kaum auf ein vernünftiges Mahnwesen und behandelt seine Patienten oft, ohne sein Honorar einzufordern. Dann wieder schießt er sich mit dem vom König bezahlten Opium lieber selbst ab und steht dann, als er es für eine Patientin bräuchte, vor einem zusammengeschrumpften Vorrat. (Angesichts solcher Exzesse habe ich mich oft gefragt, wie denn der gute Merivel seine Tochter groß bekommen hat.) Gleichzeitig wirken die Handlungsstränge in England geradezu dunkel, während nur die Szenen mit Louise etwas Sonne bekommen. Merivels Arbeit wird mit ihren unsauberen Details beschrieben, so hat er beispielsweise eine Brustkrebsoperation durchzuführen, die stellvertretend sein Können illustriert, aber auch seine Grenzen aufzeigt und den Ausgangspunkt von Verlusten markiert, mit denen sich Merivels Zeit ihrem Ende zuneigt. Gern hätte ich mehr von der Figur Louise de Flamanville gelesen. Die Mitvierzigerin vertritt ein eher fortschrittliches Frauenbild, ist vielseitig interessiert, kann Merivel sogar mit ihrem Wissen unterstützen, und verhehlt ihre Bedürfnisse nicht. Leider fällt sie Merivels Loyalität zum König, die oft nur wie irrationale Anhänglichkeit wirkt, und wahrscheinlich auch seinem Trauma, das er weder für Celia, seine königlich angetraute Ehefrau, noch für Katharine, die für ihre gemeinsame Tochter starb, gut genug war und deshalb auch für Louise nicht gut genug sein kann, zum Opfer. Aber "Adieu, Sir Merivel" ist nun mal keine Liebesgeschichte, sondern der Abschied von Sir Robert Merivel. Allerdings fällt der mir nicht allzu schwer. Fazit: Historischer Roman im England des ausgehenden 17. Jh.s., dessen Handlung leise dahinschlängelt und mit kurzem Aufbäumen eine prunkvolle, ausschweifende Ära zweier Männer beendet. Anstrengender Protagonist, oberflächliche Charaktere, zeitbedingt altertümliche Sprache und zu wenige Lichtblicke vor gehäuft tragischem Geschehen machen "Adieu, Sir Merivel" eher zu trister und langwieriger Lektüre. Gesamteindruck: 3 von 5 Punkten

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