Rose Tremain Und damit fing es an

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Inhaltsangabe zu „Und damit fing es an“ von Rose Tremain

Und damit fing es an ist ein zarter, bewegender Roman, der davon erzählt, dass es manchmal fast ein ganzes Leben dauert, bis man das Glück findet – in dem einen Menschen, den man zum Leben braucht. Gustav Perle ist ein zurückhaltender Mann. Schon in den 40er-Jahren, als Kind in ärmlichen Verhältnissen, hat er gelernt, nicht zu viel vom Leben zu wollen. Als Anton in seine Klasse kommt, ein Junge aus einer kultivierten jüdischen Familie, hält mit ihm auch das Schöne in Gustavs Leben Einzug. Seine Mutter Emilie sieht das nicht gerne, aber für Gustav ist Anton alles, was er braucht, um glücklich zu sein. Doch das Leben treibt sie auseinander und es wird lange Jahre dauern, bis beide sich wiedersehen – und erkennen, dass das Glück vielleicht schon immer direkt vor ihnen lag.

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  • Und damit fing es an

    Und damit fing es an

    fraeulein_lovingbooks

    27. July 2017 um 20:40

    Inhalt Gustav Perle ist ein zurückhaltender Mann. Er wuchs in den 1940er-Jahren allein bei seiner Mutter Emilie in ärmlichen Verhältnissen im schweizerischen Matzlingen auf – und schon damals hat er gelernt, nicht zu viel vom Leben zu wollen. Als Anton in seine Klasse kommt, ein Junge aus einer kultivierten jüdischen Familie, hält mit ihm auch das Schöne in Gustavs Leben Einzug. Anton spielt Klavier, und seine Familie nimmt Gustav sonntags mit zum Eislaufen. Emilie sieht das nicht gerne, lebt sie doch in der Überzeugung, dass die Bereitschaft ihres verstorbenen Mannes, jüdischen Flüchtlingen zu helfen, letztlich ihr gemeinsames Leben ruiniert hat. Doch Anton ist alles, was Gustav braucht, um glücklich zu sein. Umso härter trifft es ihn, als Anton – beide sind längst erwachsen – Matzlingen verlässt, weil er seine große Chance als Pianist wittert. Gustav widmet sich seinem Hotel Perle, das er inzwischen mit Erfolg führt – doch er ist einsam und verspürt eine große Leere in seinem Leben. Bis Anton, gescheitert, zurückkehrt – und beide erkennen, dass das Glück vielleicht schon immer direkt vor ihnen lag.(Quelle: Amazon )  Meine Meinung Gustav wohnt zusammen mit seiner Mutter in einer kleinen Wohnung und wird von ihr auf gutes Benehmen und Stärke gedrillt. In der Schule hat er Schwierigkeiten und es fällt ihm nicht immer leicht. Im Laufe der Zeit werden er und Anton beste Freunde und verlieren sich nie wirklich aus den Augen. Gustav eröffnet gegen den Willen seiner Mutter ein Hotel und seine hohen Ansprüche zahlen sich aus.Zu Gustav konnte ich keine Verbindung aufbauen, weil er mich einfach nicht sympathisch wurde. Zusätzlich konnte mich seine Lebensgeschichte auch nicht fesseln. Anton kommt mit seiner Familie neu in die Stadt und verweint gleich am ersten Tag in der Schule. Die Lehrerin stellt ihm Gustav an die Seite und dieser weist ihn gleich zurecht: Schwäche zeigt man nicht. Die beiden freunden sich an und die Familie findet Gefallen an Gustav, welcher für Anton eine wichtige Bezugsperson ist, mit der er über alles reden kann. Über die Jahre bleiben die beiden in Kontakt.Mit Anton wurde ich überhaupt nicht warm, was mit Sicherheit daran lag, das man keinen Einblick in seine Gefühls- oder Gedankenwelt bekommen hat. Emilie ist die Mutter von Gustav, die wir zu Beginn nur als Mutterfigur kennenlernen. Sie hat den Tod des Mannes nicht wirklich verkraftet und lehrt dem Kind immer tapfer zu sein – nie zu weinen oder Schwäche zu zeigen. Sie scheint Juden gegenüber negativ gestimmt zu sein, da diese für den Tod des Mannes verantwortlich. Erst im Laufe der Geschichte erfährt man die wahren Gründe dafür. Im mittleren Bereich erzählt sie die Liebesgeschichte von sich und Erich. Wie sie zusammen gekommen sind und welche Schwierigkeiten sie zu meistern hatten.Emilie ist kein einfacher Charakter und ich war mir auch nie sicher, ob ich sie nett oder sonderlich finden soll. Erst als ich ihre Geschichte gelesen habe, konnte ich mir eine Meinung bilden. Der Schreibstil ist schlicht und einfach gehalten, sodass man die Geschichte zügig und ohne Verständnisschwierigkeiten lesen kann. Erzählt wird aus der Sicht von Gustav, seiner Mutter Emilie und seinem Vater. Ich hatte das Buch im letzten Jahr in einer Lovelybox und ich wusste lange nicht, was ich von dem Buch und dem Inhalt halten soll. Weder das Cover, noch der Titel oder der Klappentext konnten mich überzeugen und es landete auf meinem SuB.Jetzt wollte ich dem Buch im Rahmen der Mottochallenge eine Chance geben und ich bin vollkommen ohne Erwartungen und Vorwissen an die Geschichte gegangen, aber mir wurde leider schnell klar, das es nicht mein Buch werden wird.Die Lebensgeschichte von Gustav und Anton liest sich unglaublich zäh und durch die distanzierte Erzählweise konnte ich auch keine Verbindung zu beiden aufbauen. Für mich war auch leider innerhalb von ein paar Kapiteln klar, wie die Geschichte bezüglich der „Freundschaft“ enden wird. Irgendwann habe ich die Seiten nur noch quergelesen, weil es jede Kleinigkeit aus dem Leben von Gustav beschrieben wurde und es unglaublich langweilig wurde.Mein Highlight des Buches war der Abschnitt aus Emilies und Erichs Sicht. Einzig auf den Seiten konnte ich mich in die Charaktere und ihre Geschichte hineinversetzen. Man spürte die Verzweiflung und den Verrat und hatte das Gefühl direkt daneben zu stehen. Von mir gibt´s keine Lese- oder Kaufempfehlung.  Sterne

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  • Lesenswert

    Und damit fing es an

    AlexandraK

    23. March 2017 um 01:44

    Mein zweites Buch aus der Lovelybox "Best of British", die ich letztes Jahr gewonnen habe. Und ich bin sehr froh diese Leseerfahrung nun gemacht zu haben. Wahrscheinlich wäre ich im Buchladen an dem Buch vorbeigegangen. Es ist gegliedert in 3 Teile. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Kindheit von Gustav. Gustav lebt im Mittelland in der Schweiz. 1948 lernt er in der Vorschule gezwungenermaßen Anton kennen. Anton wird sein einziger und bester Freund. Doch da gibt es ein Problem. Anton ist Jude und Gustavs Mutter macht die Juden für den Tod ihres Mannes verantwortlich. Von Anfang an muss die Freundschaft einige Höhen und Tiefen in dieser schweren Nachkriegszeit überstehen. Auf der einen Seite haben wir den kultivierten Anton, der aus einer harmonischen Familie kommt und auf der anderen Seite Gustav, dessen Vater schon früh starb und dessen Mutter ihn nicht liebt, nicht sieht. Allgemein ist Gustavs Mutter eine unfassbar unsympathische Frau. Ihre Naivität und Selbstbemitleidung ging mir sehr stark auf die Nerven.Im zweiten Teil des Buches wird erzählt wie Gustavs Eltern sich kennengelernt haben. Der Vater stellvertretender Polizeichef in Matzlingen und die Mutter Zimmermädchen in einem Hotel. Zunächst sieht alles nach heiler Welt aus, doch schnell fängt diese an zu bröckeln. Gustavs Vater, Erich hilft den flüchtenden Juden und verliert seinen Job. Er verfällt in Depression und seine Frau bemitleidet sich selbst für den Verlust ihres Lebensstandards. Mehrere tragische Ereignisse führen dazu, dass Emilie zu ihrer Mutter auf einen ärmlichen Bauernhof flieht. Nach einiger Zeit erkennt sie, dass es auf die Inneren und nicht die äußeren Werte ankommt und kehrt zurück, um es mit Erich nochmals zu versuchen. Derweilen hat dieser in einer Affäre seine große Liebe gefunden, die aber geheim bleiben muss. Trotzdem beschließt er wider willen Emilie zurück zu nehmen und kurz darauf ist Emilie Schwanger mit Gustav. Doch Gustav bringt nicht den gewünschten Effekt. Emilie hat keine Liebe mehr für ihren Sohn übrig.Diesen Teil des Buches fand ich am aufwühlendsten. Er hat mich noch lange beschäftigt. Die Stimmung während des Krieges wird sehr gut erfasst und ausgedrückt. Und über die schweizerische Sicht auf den zweiten Weltkrieg habe ich bis jetzt noch nicht gelesen.Im dritten Teil des Buches befinden wir uns in den 1990ern. Gustav und Anton sind erwachsen. Doch beide sind immer noch irgendwie auf der Suche, rastlos. Gustav betreibt ein Hotel in Matzlingen und Anton hat sich damit abgefunden kein Starpianist zu werden und gibt jetzt Musikunterricht. Doch dann wendet sich das Blatt. Anton bekommt aus Genf ein Angebot, dass er nicht ablehnen kann und verlässt Matzlingen und somit auch Gustav. Dieser ist tief verletzt und die Freundschaft hängt am seidenen Faden. Beide sind auf der Suche nach der eigenen Identität. Gustav verbringt freundschaftliche Stunden mit zwei älteren Damen, einerseits um sich abzulenken von Anton, andererseits auch weil er ein eher ruhiger Typ ist. Mittlerweile über fünfzig. Doch ist es erst Antons völliger Absturz, der den Weg dieser beiden Liebenden bereitet für ein gemeinsames Leben. Die Sprache weißt zwar an manchen Stellen Markel auf, jedoch ist sie so mitreißend und empfindsam. Sie wühlt einen auf an Stellen an denen es nötig ist und ist auch gleichsam beruhigend, wenn es denn so sein soll. Ein wirklich gelungenes Buch, welches viele wichtige Themen abdeckt.

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  • Von der Sehnsucht

    Und damit fing es an

    LittleDream

    01. March 2017 um 18:18

    Das Buch ist in drei – nicht chronologische – Teile gegliedert.Im ersten erleben wir Gustav Perle als Kind. Er lebt allein mit seiner Mutter in armen Verhältnissen in einem kleinen Städtchen in der Schweiz und lernt früh, sich zu beherrschen und mit wenig abzufinden. Seinen Vater, der „gestorben ist, weil er den Juden hatte helfen wollen“, hat die Mutter zu einem Helden stilisiert.Dass Gustav seine Mutti liebhat, obwohl sie ganz offensichtlich keine positiven Gefühle für ihn aufbringen kann, wird gleich zu Anfang klar. Und so scheint Gustav prädestiniert dafür zu sein, bedingungslos zu lieben – ohne Gegenliebe zu erwarten. Dass er in seinem Leben dennoch der Liebe in verschiedenen Gestalten begegnet, macht es erträglicher, dass er sich lange Zeit der wirklich großen Liebe seines Lebens nicht zu offenbaren wagt.Gustav lernt in der Vorschule Anton Zwiebel kennen, der Sohn eines reichen jüdischen Ehepaares. Sofort besteht zwischen den Jungen eine innige Verbindung, die ihr ganzes Leben lang halten soll. Die Freundschaft und Liebe zu Anton ist das Leitmotiv des gesamten Romans, das uns Leser berührt, mitfiebern und hoffen lässt.Erst im zweiten Buch-Teil, der vor Gustavs Geburt spielt, erfahren wir, was zwischen Gustavs Mutter und seinem Vater tatsächlich geschehen ist. Ein dramaturgischer Kniff, der viel Spannung aufbaut und unser Verständnis für die gesamte Geschichte weckt. Im dritten Teil, Gustav und Anton sind bereits über fünfzig Jahre alt, werden die beiden ersten Teile zusammengeführt.Rose Tremain gelingt es in „Und damit fing es an“ (Originaltitel „The Gustav Sonata“ – sehr viel aussagekräftiger und passender) mit schnörkelloser Sprache die Welt des Schweizer Jungen und Mannes Gustav Perle lebendig werden zu lassen. Seine Gefühle spiegeln sich in der Außenwelt – in der Kälte, die stets in der armseligen Wohnung seiner Mutter herrscht ebenso wie später in seinem eigenen, stets so behaglich warm gehaltenen Hotel. Umso tapferer und herzzerreißender wirkt er auf uns, in seiner überaus liebenswerten Art, den Menschen, die er liebt, die absolute Treue zu halten.Die Autorin lässt Leerstellen, die unsere Phantasie füllen darf und zwingt uns ihre Bewertung der handelnden Figuren nicht auf. Die Geschichte rund um Gustavs Vater und seinen Einsatz für die in die Schweiz fliehenden Juden ist an eine reale Begebenheit angelehnt und berührt daher umso stärker.Umso bedauerlicher, dass die letzten Kapitel nicht mehr genauso überzeugen können wir der Großteil des Textes. Leider stolpert das Buch am Schluss geradezu in sein Ende, das allzu abrupt und kurz ausfällt, was den Lesegenuss ein wenig schmälert. Dennoch ist „Und damit fing es an“ ein kluges Buch, das seine Leser in gleichem Maße fordert und bewegt.

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  • Eine Bindung, die das Leben übersteht!

    Und damit fing es an

    Nadl17835

    07. February 2017 um 16:30

    Eindrucksvoll und sehr emotional erzählt die Autorin drei Geschichten über den Jungen Gustav und die Umstände, in die er hineingeboren wird. Zwischen den Abschnitten gibt es immer wieder Zeitsprünge, sodass die erste Geschichte Gustavs Kindheit widerspiegelt, die zweite Geschichte die Umständen und das Kennenlernen  seiner Eltern beschreibt und die dritte Geschichte ihn in seinen 50 Jahren darstellt, wie er ein kleines Hotel führt. Mitfühlend, aber schonungslos werden die Umstände während des zweiten Weltkrieges in der Schweiz beschrieben, zwischen Angst und Armut zerrissen,  zwischen dem moralisch Richtigen und den Verpflichtungen seinem Land gegenüber gefangen und zwischen der wahren Liebe und den Erwartungen der anderen schwankend, verlieren sich die Protagonisten in ihren Träumen und Hoffnungen. Doch trotz allem können starke Bindungen auch das allerschlimmste Übel überwinden und bestehen bleiben, wie Gustav - gezeichnet durch sein mühseliges Leben - und der aus gutem Hause stammende Anton zeigen. Sie überwindet alle Grenzen und schafft Licht dort wo Dunkelheit herrscht.

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  • Schweizer Lokalkolorit

    Und damit fing es an

    Alira

    30. January 2017 um 22:43

    Anton ist ein klavierspielendes Wunderkind und kommt aus einer gut situierten jüdischen Bankiersfamilie - Gustav lebt in ärmlichen Verhältnissen bei seiner verwitweten Mutter. Im Laufe der lebenslangen Freundschaft dieser beiden Knaben werden Geheimnisse der Vergangenheit gelüftet, es geht um Widerstand im Dritten Reich, um Schuld und um Moral, und wie man sich verhält, wenn man die Zustände nicht (mehr) ändern kann. Ein leises Buch über die Einflüsse der Nazis auf die politisch neutral geltende Schweiz, über (fehlende) Mutterliebe, über Freundschaft, Liebe, Leidenschaft und enttäuschte Hoffnungen.

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  • Und damit fing es an

    Und damit fing es an

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    30. December 2016 um 11:09

    Gustav Perle ist ein zurückhaltender Mann. Er wuchs in den 1940er-Jahren allein bei seiner Mutter Emilie in ärmlichen Verhältnissen im schweizerischen Matzlingen auf - und schon damals hat er gelernt, nicht zu viel vom Leben zu wollen. Als Anton in seine Klasse kommt, ein Junge aus einer kultivierten jüdischen Familie, hält mit ihm auch das Schöne in Gustavs Leben Einzug. Anton spielt Klavier und seine Familie nimmt Gustav sonntags mit zum Eislaufen. Emilie sieht das nicht so gerne, lebt sie doch in der Überzeugung, dass die Bereitschaft ihres verstorbenen Mannes, jüdischen Flüchtlingen zu helfen, letztlich ihr gemeinsames Leben ruiniert hat. Doch Anton ist alles, was Gustav braucht, um glücklich zu sein. Das Buch ist in drei Teile eingeteilt. Im ersten Teil, ab 1947, wird über die Jungen Gustav und Anton erzählt. Wie sie sich in der Vorschule kennenlernen und sich anfreunden. Im zweiten Teil, vor Gustavs Geburt, wird dargestellt, wie Emilie ihren Mann kennenlernt und was alles geschieht, bevor Gustav geboren wird. Diesen Teil fand ich den interessantesten, weil man viele Informationen bekam, die man im ersten Teil hinterfragt hat. Im dritten Teil geht es um die Erwachsenen, 40- und 50-jährigen Gustav und Anton, was sie erreicht haben, wie sie ihr Leben verbringen. Gustav tut einem schon im ersten Teil dieses Romans leid. Er buhlt um die Liebe seiner Mutter, tut alles dafür, doch Emilie kann ihrem Sohn nicht die Liebe schenken, die er sich so ersehnt. Sie ist eine kaltherzige und emotionslose Frau, vermutlich da sie selbst in einer kalten und lieblosen Atmosphäre bei einer Mutter aufwuchs, die niemals ein Kind haben wollte. Einen Vater für Emilie gab es nicht, ihr Erzeuger hat früh das Weite gesucht und hinterließ eine verbitterte und wütende Frau, die Mutter von Emilie. "Dennoch dachte er sehr oft an seine Kindheit. Und jedes Mal ergriff ihn eine Traurigkeit, die absolut und umfassend zu sein schien - als könne kein Kummer der Welt ihn noch einmal so heftig treffen. Diese Traurigkeit legte sich wie ein grauer Dämmer um seine alte Kindheitsvorstellung, dass er selbst unsichtbar sei: die quälende Erinnerung daran, dass der Knabe Gustav immerzu versucht hatte, sich ins Licht zu rücken, damit seine Mutti ihn besser sah. Aber sie hatte ihn nie wirklich gesehen. Sie hatte sich für die Person, die er war, im Grunde blind gestellt." Gustav lernt in der Vorschule Anton kennen. Die beiden freunden sich an und Gustav liebt Anton, wie er selbst betont. Anton möchte ein ruhmreicher und erfolgreicher Pianist werden, seine Eltern und Gustav unterstützen ihn in vollem Maße, aber Anton kann nicht vor großem Publikum spielen, seine Nerven versagen. Anton benutzt Gustav eigentlich auch nur für seine eigenen Zwecke, er ist kein liebender und guter Freund. Aber Gustav hält an Anton fest, auch als dieser in eine andere Stadt geht, um endlich doch noch Erfolg zu haben. Der Schreibstil war anspruchsvoll und nicht immer ganz flüssig, dennoch war die Geschichte um Gustav interessant, melancholisch und mitfühlend geschrieben. Sie hat mich sehr nachdenklich gemacht und traurig darüber, dass Menschen ihr Leben lang nach Liebe buhlen, die nicht vorhanden ist und viele Menschen einfach nicht das geben können, was andere sich von ihnen wünschen. Fazit: Ein sehr schöner, melancholischer und interessanter Roman, der mich sehr berührt und nachdenklich hinterlassen hat.

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  • Leiser Roman über eine Liebe

    Und damit fing es an

    Irmi_Bennet

    07. December 2016 um 00:11

    Gustav Perle wächst in armen Verhältnissen ohne Vater auf. Er freundet sich über die Liebe zur Musik mit dem jüdischen Jungen Anton an, der aus gut betuchtem Hause stammt. Obwohl Gustavs Mutter diese Freundschaft irgendwie ein Dorn im Auge ist und sie immer wieder versucht diese Freundschaft zu unterbinden, hält sie lange an. Auch weit jenseits der 50 sind beide noch eng miteinander verbunden und es wird angedeutet, dass sie mehr als nur Freunde sind. Eine leise und ein wenig traurige Geschichte, die es manchmal nicht wirklich schafft, meine Emotionen zu wecken, obwohl es doch in diesem Buch um die Liebe zwischen den den beiden Jungen/Männern geht. Der Roman ist wirklich schön geschrieben, aber leider zu distanziert und beherrscht für meinen Geschmack. 

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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    • 2951
  • Träume vergehen, Sehnsüchte währen ewig

    Und damit fing es an

    yesterday

    19. November 2016 um 20:42

    Anton und Gustav. Gustav und Anton. Gemeinsam erinnern die Namen der beiden Jungen in diesem Roman an ähnliche Duos: Max und Moritz zum Beispiel. Doch ansonsten haben sie mit ihnen wenig gemein, sind die beiden Schweizer Kinder doch ernsthaft und melancholisch. Kein Wunder, zeigt sich an ihrem Beispiel doch, dass auch die Schweiz nicht vom Zweiten Weltkrieg verschont wurde, auch wenn der Krieg sich ein bisschen anders auswirkte. Als Leser lebt man mit den beiden mit, von ihren wirren Träumen und Sehnsüchten mit 5,6 Jahren, bis sie schließlich 60 sind. Die Träume vergehen, doch manche Sehnsüchte währen ewig, wie Rose Tremain hier so gefühlvoll anklingen lässt. Zu Beginn könnten die Buben nicht unterschiedlicher sein: der eine aus reichem Haushalt, ein bisschen verwöhnt und impulsiv, will Pianist werden, weil seine Eltern es so wollen. Der andere lebt mit seiner verwitweten Mutter in ärmlichen Verhältnissen und will zwar auch deren Ansprüchen genügen, erkennt aber bald, dass er ihr nichts rechtmachen kann. Den Grund, warum es zwischen den beiden so anders läuft an in anderen Familien, erfährt er erst Jahrzehnte später. Dass er, Gustav, auf Anton trifft, rettet ihn über diese schlimme Kindheit hinweg. Die Autorin beschreibt im Großteil des Buches eine ganz besondere Freundschaft, zwischen Abhängigkeit und Abstoßung, zwischen Missverständnissen und stummem Einverständnis. Vieles, was die Charaktere nicht einmal selbst sicher fühlen, erfährt der Leser zwischen den Zeilen. Dadurch mögen manche Entscheidungen irrational wirken, doch letztendlich ist das nicht mehr wichtig. Dieses Buch zeigt sehr gut auf, dass man zu manchen Zeiten erfolgreich versuchen kann, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, aber dass das Leben insgesamt schon den vorgegebenen Lauf nimmt. Egal wie lange es dauert.

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  • Gustav und Anton

    Und damit fing es an

    schokoloko29

    06. November 2016 um 20:00

    Gustav lebt in einfachen Verhältnissen. Seine Mutter ist alleinerziehend. Sein Vater ist gestorben, nach Angaben seiner Mutter, wegen den Juden. Er freundet sich mit Anton an, der Jude ist. Diese Freundschaft begrüßt seine Mutter nicht und versucht diese zu unterbinden. Doch die Freundschaft bleibt sehr lange bestehen. Bis beide jenseits der 50 sind.Eigene Meinung:Mir fiel es sehr schwer das Buch zu lesen. Anfangs war es mir zu trostlos und zu depressiv. Die Mutter und die Begleitumstände werden trostlos beschrieben. Danach wird mehr auf die Freundschaft von Anton und Gustav beschrieben.Danach kam eine Geschichte von den Eltern von Gustav. Wie sie sich kennengelernt haben, wie sie auseinandergegangen sind und sich wiedergefunden haben und natürlich auch der Tod des Mannes. Mir fiel dieser Teil sehr schwer zu lesen. Es war einfach für mich kein Gefühl für die Figuren. Die Emilie (Gustavs Mutter) fand ich einfach nur unsympatisch und schrecklich. Für mich war es auch wirklich unverständlich warum der Mann zu ihr zurückgekehrt war.Und dann die hoch erkorene Freundschaft von Gustav und Anton. Ich fand sie einfach nur sehr einseitig. Gustav war nur für ihn da und wartete sehnsüchtig auf ihn. Und wenn man ehrlich ist es war nie eine Freundschaft sondern eine homosexuelle Liebe.Fazit: Ein Buch, welches für mich eher eine Pflichtlektüre war, mir kaum Freude bereitet hat und wo ich am Ende froh war, dass es vorbei war. Es war negativ, die meisten Personen waren unsympatisch und für mich blieben die Personen irgendwie blass. Die Geschichte berührte mich nicht!

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    • 2
  • Furioser Beginn, enttäuschendes Ende

    Und damit fing es an

    frenx1

    01. November 2016 um 09:32

    Rose Tremain erzählt in ihrem Roman „Und damit fing es an“ zwei ganz unterschiedliche Geschichten. Zum einen ist es die Geschichte von Erich Perle, stellvertretender Polizeichef im schweizerischen Matzlingen in den 1940er Jahren, zum anderen die Geschichte von Gustav Perle, seinem Sohn, die bis in die 1990er Jahre reicht. Geschickt gewählt ist der Original-Titel des Buches: die Gustav-Sonate. Denn wie bei einer Sonate sind es zwei ganz unterschiedliche Melodien, die im Buch immer wieder auftauchen. Für mich steckt darin die große Schwäche des Buches: Wir bekommen drei große Brocken geliefert, die mit großen Zeitsprüngen einhergehen und nur lose miteinander verbunden sind. Kaum hat man sich in die Kindheit von Gustav hineingelesen, seine Freundschaft mit Anton, dem jüdischen Kind, mitverfolgt, landet man im zweiten Teil, wo das alles keine Rolle mehr spielt, um dann aber im dritten Teil, dem Finale, 40 Jahre später wieder aufzutauchen. Mich haben diese inhaltlichen Brüche sehr gestört, auch wenn hier und da Informationen nachgereicht wurden, zum Beispiel wie es sich Gustav leisten konnte, ein Hotel zu kaufen. Vor allem den zweiten Teil, wenn die ganze Vorgeschichte herausgekramt und ausgebreitet wird, empfand ich als sehr langweilig. Äußerst gelungen ist in dem Roman die Beschreibung der Personen. Man kann sich gut in die Figuren hineinversetzen und hineinfühlen. Sie sind realistisch gezeichnet, Menschen mit Fehlern und Schwächen. Und dass Gustav und Anton wie auch Erich Perle und seine Frau ganz unterschiedliche Menschen sind, gibt dem Ganzen einen besonderen Reiz. Auch die ganz unterschiedlichen Lebensverhältnisse kann man gut erspüren. Gestört hat mich dabei nur die zum Teil derb wirkende Sprache, wenn es um Sexualität geht. Für mich hat das so gut wie nie zum restlichen Stil des Buches gepasst. Das f-Wort ist mir dabei viel zu oft vorgekommen. Nicht überzeugt hat mich das Ende des Buches. Da wird ein glückliches Finale hervorbeschworen, dass so gar nicht überzeugend ist und vor Schmalz nur so trieft. Fazit: „Und damit fing es an“ ist ein Buch, das furios beginnt, aber enttäuschend endet. Mich hat es nicht gepackt, aber ich bin mir sicher: Der Roman wird seine Leser finden.

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  • Grandiose Literatur - ein Mann, eine Leidenschaft, ein Leben

    Und damit fing es an

    livremonamour

    30. October 2016 um 21:22

    Und damit fing es an von Rose Tremain ist ein toller Roman. Spätestens mit diesem Ausspruch hat sie mich gehabt: „Völlerei ist die letzte Schwäche, der die meisten Menschen noch nachgeben […].Meiner Ansicht nach ist es ein schöneres Laster als Trinken.“ (S. 250) Und genau darum geht es hier um einen Mann der seine „Schwäche“ unterdrückt, wie er es als Kind gelernt hat. Er will seinem eigentlichen Laster, seiner Leidenschaft nicht ins Auge blicken und lebt viele Jahre eine Lüge. Der Roman ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil bringt uns die Kindheit von Gustav nahe, der zweite Teil wie seine Eltern sich kennengelernt haben und der dritte wie Gustav in 1990er Jahren endlich sein Leben als das erkennt was er ist. Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Er lässt sich leicht lesen und ist unterhaltsam genauso wie er auch sehr viel Tiefe hat. Für mich die perfekte Kombination. So sollte ein Roman sein.

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  • Schweizer Selbstbeherrschung par excellence

    Und damit fing es an

    Nil

    30. October 2016 um 20:44

    Der Roman beginnt in der Schweiz in den 40er Jahren der Nachkriegszeit. Der kleine Gustav wohnt mit seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen im Örtchen Matzlingen (nicht zu verwechseln mit Matzingen). Eine arme Familie, nicht nur mangelt es an Geld, auch an Zuwendung und Liebe. Der erste Abschnitt bringt uns den Protagonisten Gustav nahe und wie er seinen besten Freund, Anton, in der Grundschule kennenlernt. Ein jüdischer Junge aus gutem Hause, Vater Bankier und er selbst ein angehender Musiker mit viel Talent. Gustavs Mutter, Emilie, ist diese Freundschaft ein Dorn im Auge, da es ihr selbst und ihrem Jungen vor Augen führt was ihr nicht vergönnt war zu behalten. Auch der Umstand, dass die Familie jüdisch ist, spielt für Emilie eine Rolle. Im zweiten Abschnitt geht die Geschichte weiter in die Vergangenheit und wir erfahren wie sich Gustavs Eltern kennenlernten und wie es zu den Verhältnissen kam in denen Gustav aufwuchs. Eine spannende Erzählweise uns als Lesern nicht chronologisch den Lauf der Geschichte zu erzählen, sondern erst die Kindesjahre Gustavs und dann wie seine Eltern davor zueinanderstanden und wie alles so kam wie es eintraf. Eben: Und damit fing es an. Übrigens heißt dieser Roman von Rose Tremain im Original ‚The Gustav Sonata‘. Auch sehr treffend und fast besser als der deutsche Titel. Der dritte und letzte Abschnitt springt dann in die 90er Jahre und erzählt das Leben von Gustav und einigen anderen Personen, die man bis dahin kennenlernt weiter. Dies ist ein wunderbar komponierter Roman über die Lebensgeschichte eines Mannes, der gefangen ist in der Schweizer Selbstbeherrschung. Das Prinzip der Kokosnuss, wie er es als Kind lernt, brennt sich ein. All das Gute schützen mit einem harten Verhalten nach Hause, bloß nicht aus der Rolle fallen. Zum Schluss ist klar was ihn ein Leben lang umtreibt. Sprachlich toll umgesetzt mit all den feinen Nuancen. Erstaunlich ist, dass eine britische Autoren es schafft einen so schweizerischen Roman zu schreiben! Chapeau, das hat mir imponiert. Das dies der erste Roman der Autorin ist, den ich las, werde ich mir noch andere Werke von Rose Tremain zulegen. Kurze Anmerkung noch zum Inhalt: Es gibt einige sexualisierte, explizite Strecken in dem Roman. Wer sich an so etwas stört, der sollte sich dessen bewusst sein. Es ist weder „billig“ eingebaut noch sonst irgendwie fehl am Platz, ganz im Gegenteil ohne diese Szenen wäre der Roman ein anderer. Fazit: Ein Roman für Menschen, die gute Literatur schätzen!

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  • Hoffnung auf Leben

    Und damit fing es an

    19angelika63

    25. October 2016 um 16:44

    KlappentextGustav Perle ist ein zurückhaltender Mann. Er wuchs in den 1940er-Jahren allein bei seiner Mutter Emilie in ärmlichen Verhältnissen im schweizerischen Matzlingen auf - und schon damals hat er gelernt, nicht zu viel vom Leben zu wollen. Als Anton in seine Klasse kommt, ein Junge aus einer kultivierten jüdischen Familie, hält mit ihm auch das Schöne in Gustavs Leben Einzug. Anton spielt Klavier, und seine Familie nimmt Gustav Sonntags mit zum Eislaufen. Emilie sieht das nicht gerne, lebt sie doch in der Überzeugung, dass die Bereitschaft ihres verstorbenen Mannes, jüdischen Flüchtlingen zu helfen, letztendlich ihr gemeinsames Leben ruiniert hat. Doch Anton ist alles, was Gustav braucht, um glücklich zu sein..."Dinge sind immer nur eine Weile weiß." (Seite 37)"Weil so das Leben ist. Man kann nie zurück, wenn etwas erst einmal vorbei ist." (Seite 46)Gustav Perle wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Der Vater verstarb früh und dieser Tod hat dazu geführt, dass Gustav Mutter ein verbitterter Mensch wurde. Sie erzählt Gustav tagtäglich was für ein Held der Vater gewesen sei, da er jüdischen Flüchtlingen geholfen hat. Doch diese Hilfe hat ihm letztendlich auch das Leben gekostet. Emilie ist scheinbar seit diesem Tod nicht mehr in der Lage Gefühle zu zeigen. Auch nicht ihrem Sohn gegenüber. Sie ermahnt Gustav ständig "sich zu beherrschen" Und so wächst Gustav auf, ohne dass er weiß, wie eine liebevolle Mutter sein kann."Dennoch dachte er sehr oft an seine Kindheit. Und jedes Mal ergriff ihn eine Traurigkeit, die absolut und umfassend zu sein schien - als könne kein Kummer der Welt ihn noch einmal so heftig treffen. Diese Traurigkeit legte sich wie ein grauer Dämmer um seine alte Kindheitsvorstellung, dass er unsichtbar sei: die quälende Erinnerung daran, dass der Knabe Gustav immerzu versucht hatte, sich ins Licht zu rücken, damit seine Mutti ihn besser sah. Aber sie hatte ihn nie wirklich gesehen. Sie hatte sich für die Person, die er war, im Grunde blind gestellt." (S. 214)Dann tritt Anton in sein Leben. Die beiden Jungen freunden sich trotz unterschiedlicher Herkunft an. Anton kommt aus wohlhabenden Verhältnissen, und mit dieser Freundschaft erlebt Gust eine andere Welt. Eine voller Freuden, Liebe und Geborgenheit. Doch ist dem wirklich so?"Gustav fand, dass Anton inmitten all dieser ihn umringenden verzauberten Kinder etwas von einem Rattenfänger hatte. Und er dachte: Ich gehöre auch dazu; ich bin ebenfalls verzaubert. Ich werde Anton folgen, wo immer er mich hinführt - und sei es in eine  dunkle Höhle." (Seite 227)Die Geschichte ist in drei Kapitel unterteilt. Im ersten Teil  geht es um die Kinder Gustav und Anton. Wie sie aufwachsen, sich kennen lernen und Zeit miteinander verbringen.  Im zweiten Teil der Geschichte erfährt man wie Emilie Gustavs Vater kennen lernt, und warum er letztendlich zu Tode kam. Für mich ein sehr wichtiges Kapitel in dieser Geschichte, da ich Dinge erfahre die ich so nicht vermutet hätte und die einen vollkommen neuen Aspekt in die Geschichte bringen. Der dritte und letzte Teil erzählt die Geschichte der erwachsenen Kinder. Was aus ihnen und ihrer Freundschaft geworden ist. Für mich ist Emilie, Gustav Mutter,  eine kaltherzige Frau. Das mag sicherlich daran liegen, dass sie früh ihren Mann verloren hat und sich allein um Gustav kümmern muss. Gustav scheint irgendwie nur zu funktionieren. Er macht das was seine Mutter sagt und scheint zu keinerlei Gefühl fähig zu sein. Was nicht verwunderlich ist, da seine Mutter ihm keine zeigt. Er versuch so sehr seiner Mutter zu "gefallen", dass er sich fast darüber aufgibt. Sofern man das bei einem Kind sagen kann.Anton ist für mich ein verzogenes Einzelkind. An vielen Stellen wird klar, so sehe ich es zumindest, dass er Gustav nur benutzt. Immer wenn es für Anton unangenehm wird schiebt er Gustav vor. Beruft sich dann auf ihre Freundschaft.  Dies alles zeigt mir, wie egal Gustav Anton letztendlich ist."Und jetzt, dachte er, befinde ich mich selbst im Mittelland meines Lebens, und alles um mich herum brüllt mich an und will, dass ich mein Verhalten und meine Ansichten ändere, und das bringt mich noch um." (Seite 271)Mich hat dieses Buch sehr berührt, obwohl es stellenweise sehr emotionslos geschrieben wurde. Gustav ist ein Protagonist, der mir irgendwie, von Anfang an ans Herz gewachsen ist. Es liegt wohl daran, dass er eine absolut tragische Gestalt in diesem Buch ist. Gustav möchte einfach nur geliebt werden. Doch die Menschen die er liebt sind der wirklichen Liebe gar nicht fähig ... und das macht mich einfach traurig und wütend zugleich. Gustav bemüht sich immer und immer wieder um die Liebe der Mutter und die Liebe von Anton, oftmals bis zur Selbstaufgabe. Und die? Die sehen nur sich... Eine Geschichte, die noch lange nachwirkt.Unbedingt lesen!

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    • 7
  • Späte Einsicht, spätes Glück

    Und damit fing es an

    jenvo82

    19. October 2016 um 10:20

    " Und jetzt, dachte er, befinde ich mich selbst im Mittelland meines Lebens, und alles um mich herum brüllt mich an und will, dass ich mein Verhalten und meine Ansichten ändere, und das bringt mich noch um." Inhalt Gustav Perle und Anton Zwiebel lernen sich als Schuljungen kennen und werden fast sofort beste Freunde. Obwohl der begabte Anton in ganz anderen Kreisen verkehrt als der Halbwaise Gustav, verbindet sie eine ungebrochene Zuneigung und Nähe. Die Gewissheit, dass der andere einen versteht, ganz egal, wie die Gedanken strukturiert sind, schenkt ihnen Lebensvertrauen. Doch im fortgeschrittenen Alter bietet sich Anton endlich die Möglichkeit, seinen lang gehegten Wunsch, als gefeierter Klavierspieler wahr zu machen und er verlässt seine Heimat und alles, was ihm bisher etwas bedeutet hat. Nur bleibt die bange Frage, ob er nicht die falsche Entscheidung getroffen hat und sein Herz längst woanders schlägt? Meinung Dieses Buch konnte mich absolut überzeugen, weil es trotz seiner Stille so viel Aussagekraft und gedankliche Ansätze schafft, dass man über alles traurig-dramatische nachdenken möchte, aber auch über die Glücksmomente des Lebens, über die wichtigen Pfeiler im Erschaffen eines Selbstbildes und über die schicksalhaften Entwicklungen, denen man als Individuum manchmal nichts entgegensetzten kann. "Und damit fing es an" ist nicht nur ein Roman über eine besondere Freundschaft, sondern auch über verschiedene Lebensentwürfe und den Lauf der Dinge. Rose Tremain, von der ich nun gerne noch weitere Bücher kennenlernen würde, erzählt in zwei Handlungskomplexen. Zum einen schildert sie den Beginn und den Verlauf einer innigen Beziehung zwischen zwei Männern, zum anderen entwirft sie eine Vorgeschichte, die viele Zusammenhänge verdeutlicht und das Gesamtbild harmonisch abrundet. Besonders gelungen empfand ich die Charakterisierung der beiden Hauptprotagonisten. Der eine stammt aus einem lieblosen, ärmlichen Elternhaus und findet sein Lebensglück in der Leitung eines Hotels. Der andere möchte seit Kindheitstagen ein erfolgreicher Pianist werden, scheitert zunächst an seiner Scheu, später an seiner Mittelmäßigkeit. Und diese beiden bleiben sich treu, durch alle Strömungen, Hindernisse und Tiefschläge. Obwohl sie sich immer weiter entfremden bleibt das Gefühl bestehen, in dem anderen das gefunden zu haben, was der eigenen Persönlichkeit fehlt. Wirklich eine ganz hervorragende Aussage für ein Menschenleben. Auch die Einbindung der Nebenprotagonisten mit Ecken und Kanten und menschlich fehlerhaften Verhaltensweisen, wurde intensiv und schlüssig vorgenommen, so dass es viele weitere Punkte gibt, die mich ansprechen konnten. Wofür leben wir? Was verleugnen wir? Was verschweigen wir? Und warum fällt es uns Menschen so schwer, ehrlich zu uns selbst zu sein? Dieser Roman spricht sehr philosophische Themen an, ohne sie gezielt zu fokussieren. Die wichtigen Fragen ergeben sie mehr aus dem Gesamteindruck des Buches. Das Thema Homosexualität wird hier aufgegriffen, doch steht es nicht im Zentrum des Geschehens. Lediglich die Aussage, dass es vollkommen egal ist, wen wir lieben, solange wir ihn lieben. Fazit Ich vergebe volle Punktzahl für diesen ansprechenden Roman über menschliches Verhalten in engen Beziehungen, für eine kraftvolle, nachdenklich stimmende Erzählweise mit Nachklang. Ich empfehle diesen Roman uneingeschränkt weiter, vor allem an Leser, die sich gerne mit den "großen" Fragen des Lebens konfrontiert sehen und die Entscheidungen oder Unterlassungen gerne beurteilen bzw. sich damit auseinandersetzen möchten. Einer der wenigen Romane, die es geschafft haben, aus einer melancholischen Grundstimmung heraus einen positiven Ausgang zu schaffen, allein durch die Einsicht und die Bereitwilligkeit der Protagonisten zur Veränderung - geboren aus dem Gefühl der Liebe.

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