London, Mitte des 17. Jahrhunderts: Der mit Asthma und Kurzsichtigkeit gestrafte und mit einem Klumpfuss beeinträchtigte Buchhändler Isaac Inchbold lebt ein zurückgezogenes und bescheidenes Leben in seinem kleinen Laden "Nonsuch Books". Von dem lärmenden London draußen nimmt er wenig Notiz - lieber vergräbt er sich in seine Arbeit und die Bücher. Ein Brief von Lady Alethea Marchamont mit einer Einladung nach Pontifex Hall lockt den Bücherwurm aus seiner sicheren Umgebung und die Erteilung eines Suchauftrages nach einem mysteriösen Pergament hinein in ein labyrinthisches Verwirrspiel voller Gefahren und Geheimnisse. Dieses mystifizierte Schriftstück ist Bestandteil des "Corpus Hermeticum", eines von der Kirche als ketzerisch verrufenen und konfiszierten Buches. Im Laufe der detektivischen Spurensuche wird Inchbold immer klarer, dass es noch andere Parteien gibt, denen eine Beschaffung dieses Schriftstücks mit dem Titel "Das Labyrinth der Welt" mit allen Mitteln Recht ist. Es beginnt eine spannende Jagd nach diesem Schriftstück, dessen Inhalt Kirche und Staat bei Veröffentlichung erschüttern würden...
Ross King (* 1962) offeriert mit seinem zweiten 1998 erschienenen Buch eine wahre Ode an das Buch. Hier liegt ein Roman vor, der an Ecco's "Der Name der Rose" denken lässt und ein Werk über Bücher schlechthin ist - über ihre Entstehung und Geschichte. King erzählt in zwei Handlungssträngen, die er dann ineinander fließen lässt, einerseits von Inchbold's Suche in England um 1660 und andererseits von den Hintergründen jener Bücher, die von Kirche und Staat verboten waren. Der Leser erfährt vom Prager Fenstersturz, dem 30jährigen Krieg sowie über das England Cromwell's und den spanisch-englischen Auseinandersetzungen. Der gesundheitlich Mitgenommene findet sich inmitten von rücksichtslosen Katholiken und Protestanten, von Spionen, Buchhändlern und -schmugglern... der Leser sich konfrontiert mit Informationen über Alchemie, Astronomie, Kartographie, Esoterik und religiösem Fanatismus.
Der Roman ist für Leser, die Zeit haben. Die Geschichte eignet sich nicht zum drüber lesen... man muss sich hineinfallen und sich von der Schwelgerei über Bücher mitreißen lassen. Hier wird nicht nur die Auseinandersetzung der Kirche mit Galilei und anderen vermeintlichen Ketzern geschildert, sondern Ross bietet auch eine kleine Bibliographie zu verschiedenen Lebensbereichen. Es wird eine Welt dargeboten, in welcher ein Buch noch die Welt zu verändern vermochte. Für bibliophile, geographisch und historisch interessierte Leser ein unvergleichlicher Genuss!














