Ross Raisin Unter der Wasserlinie

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Inhaltsangabe zu „Unter der Wasserlinie“ von Ross Raisin

Ein berührender, aufrüttelnder Roman in der Tradition von Alan Sillitoe, Upton Sinclair und John Steinbeck Mick Little ist jahrelang Werftarbeiter in Glasgow, doch als man ihn wegrationalisiert, muss er andere Wege finden, um seine Familie zu ernähren. Als auch noch seine Frau Cathy nach langer Krankheit stirbt, zieht es ihm den Boden unter den Füßen weg. Von Trauer und Scham überwältigt und ohne seinen Söhnen Bescheid zu sagen, verlässt er das gemeinsame Haus und Glasgow, um in London neu anzufangen. Er findet einen Job in der Küche eines Flughafenhotels, wo er in Zwölf-Stunden-Schichten arbeitet und schließlich entlassen wird, als er zusammen mit anderen Angestellten einen Streik organisieren will. Mick landet auf der Straße und muss zusehen, dass er sich irgendwie durchschlagen kann. Erst als er Beans kennenlernt, einen anderen Obdachlosen, gewinnt er langsam wieder an Halt. Ross Raisin beschreibt eine Abwärtsspirale in Zeiten des fortschreitenden Sozialabbaus. Ein politisch brisanter, engagierter und brillant erzählter Roman mit einer Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann.

Der Absturz eines Mannes, der sich nach dem Verlust von Frau und Job selbst verliert und sich den Kopf wegtrinken muss, um zu überleben.

— Buchstabenliebhaberin
Buchstabenliebhaberin

„Unter der Wasserlinie“ ist erst sprachlich beeindruckend, später inhaltlich monoton und hilft zuverlässig gegen zu gute Laune.

— Alexandra_Luchs
Alexandra_Luchs

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    Unter der Wasserlinie
    Buchstabenliebhaberin

    Buchstabenliebhaberin

    07. May 2017 um 18:49

    Mick hat erst seine Frau und dann in Folge seinen Job verloren. Im gemeinsamen Haus kann er nicht mehr sein, zu schmerzhaft ist die Allgegenwärtigkeit seiner Frau. Er zieht sich zurück, verwahrlost, trinkt, um den Verlust zu ertragen. Seine beiden Söhne sind erwachsen, niemand braucht ihn.Irgendwann ist sein Geld endgültig alle, und um nicht zu verhungern geht er nach London zum Geldverdienen. Zuerst findet er einen Job als Spüler, doch das kleine Glück währt nicht lange. Er wird gekündigt. Doch sein Erspartes reicht nicht lange, um im Hotel zu übernachten. Er landet auf der Straße. Eine endlose Abwärtsspirale, und er kann nichts dagegen tun. Doch er hat Glück im Unglück, ein anderer Obdachloser nimmt sich seiner an und schleift ihn mit durch, bis er sich eines Tages mit Hilfe von Streetworkern wieder berappelt, den Kontakt zu seinen Söhnen wieder aufnimmt.Das Buch hat Längen. Trotz der Dramatik der Geschichte wirkt es monoton, Mick bleibt einem seltsam fern. Er ist weder Sympathieträger noch Antiheld, er bleibt blass und eindimensional. Auch die anderen Personen der Geschichte kommen einem nicht nahe, einzig der Begriff "Hallelujas" für die Mitarbeiter der christlich geprägten Obachloseneinrichtungen konnte mir ein Schmunzeln entlocken. Ich denke, das Milieu der Obdachlosen wurde realisitisch dargestellt, ebenso deren Alltag. Aber er ist keine Geschichte, die einen ergreift oder mitnimmt. Das Ende wirkt abrupt und konstruiert. Schade.

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  • Hilft zuverlässig gegen zu gute Laune...

    Unter der Wasserlinie
    Alexandra_Luchs

    Alexandra_Luchs

    07. February 2016 um 16:25

    Das Buch beginnt nach einem Todesfall und beschreibt in den ersten Kapiteln, wie eine Familie sich nach diesem Verlust zusammenrauft. Wie sie nach der Beerdigung behutsam und umsichtig miteinander umgehen, zum Teil aber auch einfach nur sprachlos sind. Mick Little, Hauptfigur des Romans, der seine Ehefrau Cathy nach unzähligen gemeinsamen Jahren so plötzlich verliert, verliert damit auch den Boden unter den Füßen. Zuerst versucht er noch, sich weiter durch sein Leben zu hangeln, später folgen Verzweiflung und Absturz. Der Einstieg in den Roman, so unvermittelt dieser auch ist, fiel mir wirklich leicht. Die ersten Kapitel des Buches verbreiten eine bedächtige und zwar traurige, aber doch auch irgendwie hoffnungsvolle Atmosphäre. Das kommt auch durch die wunderschöne Sprache. Vorsichtig und voll Details werden die Familie und ihre Konflikte beschrieben. Ich war gespannt auf Micks Geschichte, auf die Hintergründe zu seiner Vergangenheit als Werftarbeiter und Details zur wirtschaftlich angespannten Situation in Glasgow. Vielleicht erwartete ich eine „Selbstfindungsgeschichte“ oder auch nur einen Familienroman voll Schwermut. Was ich jedoch nicht erwartete, war der gleichförmige, deprimierende und insgesamt einfach nur schreckliche Verlauf der Geschichte. So wie unsere Hauptfigur den Mut verliert, verlor auch das Buch für mich völlig an Reiz. Statt der anfänglichen Atmosphäre und Feingefühl barg es für mich nur mehr Monotonie. Zwar ist Micks Abstieg zunächst noch sehr eindringlich beschrieben und scheint den Leser auf ungewöhnliche Weise mit seinen Konflikten in Verbindung zu bringen. Irgendwann jedoch ist da nur noch Eintönigkeit und auch ein Stück weit Ekel. Auch sprachlich verlor mich dieser Teil des Buches völlig. Alles gleichförmig, immer wieder dasselbe, eine ellenlange Beschreibung nach dem immer gleichen Muster. Tag. Nacht. Hell. Dunkel. Kalt. Bier. Ich musste schwer mit mir Kämpfen das Buch nicht abzubrechen oder mich direkt auch zu betrinken. Ich hoffte wirklich lange Zeit, dass das Buch noch eine interessante Wendung und Entwicklung bereit hält und ich (wie der Protagonist) nur genug Durchhaltevermögen benötigen würde. Leider erfüllte sich diese Hoffnung nicht. Wo noch einmal Entwicklung aufkommt, wirkt alles zu bemüht, die Auflösung der Geschichte schließlich scheint ein wenig erzwungen. Ich weiß nicht, für welche Art von Leser dieses Buch gemacht ist. Von mir gibt es unterm Strich gerade noch 2 von 5 unglücklichen Leseratten, da es mich zumindest sprachlich zeitweise berühren konnte und mich auch zu Beginn noch inhaltlich ansprach.

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  • Spannende Dramatik, mich konnte der Roman aber nicht überzeugen

    Unter der Wasserlinie
    Nady

    Nady

    28. October 2014 um 14:33

    Klappentext: „Ein literarisches Meisterwerk über einen tragischen Abstieg.“ (The Guardian) „Ross Raisin ist ein begnadeter junger Autor mit einer einzigartigen Stimme und Vorstellungskraft.“ (The Financial Times) Rezension: Mick Little hat jahrelang als Werftarbeiter in Glasgow gearbeitet. Dann wurde er einfach so wegrationalisiert. Als dann auch noch seine Frau Cathy an Krebs erkrankt, ausgelöst wohl durch die ganzen Schadstoffe, die Mick jahrelang in seinem Werftanzug mit nach Hause gebracht hat, scheint alles einzustürzen. Dann stirbt Cathy und es zieht Mick den Boden unter den Füßen weg. Sein Sohn Robbie ist zusammen mit seiner Frau aus Australien angereist und versucht Mick einen gewissen Halt zu geben. Sein Sohn Craig dagegen zieht sich vollkommen zurück und gibt insgeheim, seinem Vater die Schuld an dem Tod seiner geliebten Mutter. Als alle Trauergäste wieder abgereist sind, verliert Mick jeden Sinn für die Realität. Statt weiterhin in dem gemeinsamen Haus zu leben, zieht er in den Schuppen. Als das Geld knapp wird packt er einige Sachen zusammen und reist nach London. Er sucht sich eine Arbeit als Küchenhilfe in einem Hotel. Aber auch da wird er wegen eines Streikes entlassen. Schließlich hat er nichts mehr, keine Arbeit, kein Geld und keinen Unterschlupf. Da lernt er den Obdachlosen Keith, genannt Bohne, kennen, der sich seiner annimmt. Mick landet auf der Straße, spricht immer mehr dem Alkohol zu und hat komplett den Sinn fürs Leben verloren. Seine Söhne geben eine Vermisstenanzeige auf, den sie wissen nicht, was aus ihrem Vater geworden ist. Meine Meinung: Schreibstil: Ich fand den Schreibstil von Ross Raisin echt gewöhnungsbedürftig. Die Satzbildung kam mir oft eigenartig vor und ich hatte wirklich Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzukommen. Charaktere: Mick war mir sehr sympathisch und ich habe mit ihm mitgelitten. Oftmals war mir jedoch sein Handeln unverständlich. Mein Fazit: Als ich die Inhaltsangabe des Buches gelesen habe, war ich sehr gespannt auf diesen Roman. Die Dramatik der Geschichte hat mich wirklich interessiert. Ich kam jedoch mit der Schreibweise des Autors nicht richtig zurecht. Er beschreibt Dinge und Menschen, die völlig uninteressant für die eigentliche Story waren. Dadurch zog sich das Buch unheimlich in die Länge. Teilweise hätte man etliche Seiten einfach überfliegen können und hätte Micks Geschichte trotzdem verstanden. Wiederum hat Ross Raisin unheimlich gut beschrieben, wie schnell man in so einen Abgrund kommen kann und wie das Leben der Obdachlosen oft abläuft. Insgesamt gesehen ist das Buch für mich von der Dramatik her interessant, hat mich aber nicht völlig für sich eingenommen. Sterne: 2 von 5

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  • Intensive Darstellung

    Unter der Wasserlinie
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    09. May 2014 um 13:40

    Intensive Darstellung Da kommt der Leser kaum aus, wenn er Ross Raisin in dieser sehr intensiven, emotionalen, fast aber auch lapidar erzählten „Abwährtsbewegung“ der Hauptfigur des Romans, Mick, folgt. Ein klassischer Verlierer des englischen Neoliberalismus. Vom Werftarbeiter, Teil einer engen Gemeinschaft von Kollegen, stolz auf die mehrstöckigen, alle Häuser des Viertels überragenden Schiffe, an denen er mitgearbeitet hat, ist dieser Mick schon länger zum „Mietwagenfahrer nach Bedarf“ „abgestiegen“. Und nun ist seine Frau gestorben. Krebs. Verursacht vielleicht durch giftige Stoffe, die Mick selbst an seiner Kleidung mit nach Hause brachte, mit denen er selbst eher spielerisch Umging. Mit dem Sohn in der Nähe entfremdet, falls da jemals Nähe war. Mit dem anderen Sohn durch tausende Kilometer getrennt (die Familie hatte einige Jahre in Australien gelebt, bis Micks Frau es vor Heimweh nach Glasgow nicht mehr aushielt. Der Sohn Robbie blieb auf dem fünften Kontinent). Mit seinem Schwager eher in Abneigung verbunden, von dem würde Mick sich nicht helfen lassen wollen. Und überhaupt, woher die Energie nehmen? Mick hat Mühe genug, seine ruhige, fatalistische Haltung gegenüber all den Besuchern zur Trauerfeier aufrecht zu erhalten. Dann aber wird es still, dann hat der letzte Besucher die Tür hinter sich geschlossen. Und dann lässt Raisin den Mann vor den Augen der Leser in einer Lähmung des Lebens versinken, die mehr ist, als Trauer und die Raisin minutiös fassbar zu beschreiben versteht. Im Haus hält er es nicht aus, überall Träume von seiner Frau. Im Schuppen im Garten verdöst er die Tage, Erdlöcher dienen als Toilette, die Betrachtung von Vögeln und der Gang zum Grab, erst täglich, dann stockend, lassen die Tage verstreichen. Das Konto leert sich, Essen ist uninteressant. Es wird, wie in Raisin in einer Szene schmerzhaft auf den Punkt bringt. Man klebt irgendwie fest (im Buch an der Gefriertruhe) und kann doch nichts mehr mit den Inhalten Anfangen (weder den gefrorenen Speisen noch dem leeren Haus noch der Arbeit noch der alten Stammkneipe). Irgendwann reißt Mick sich los. Irgendwo neu, irgendwie noch mal starten. In einer Welt der modernen Sklaverei als Spülhilfe in London. Von jetzt auf gleich vor die Tür gesetzt, Renitenz oder gar Überlegungen von Rechten für Angestellte sind da nicht gefragt. Bis ganz nach unten reicht das Leben Mick Seite für Seite in einem wie beiläufigen Prozess hindurch. Mit immer wieder tragischen Momenten. Wie allein schon der nackten Sprachlosigkeit dem Sohn gegenüber. Eine Kluft, die nicht überschritten werden kann, scheinbar. Allein. In Trauer. Innerlich gelähmt. Sich gehen lassen, das alles nur mehr wie durch eine Nebelwand wahrnehmen. All das stellt Raisin bildkräftig und beeindruckend vor Augen. Vielleicht mit ein wenig zu randläufiger Betrachtung des „Umfeldes“. Die realen Auswirkungen des „Niedriglohnsektors“ ohne Rechte, das hätte ein wenig mehr an Raum verdient gehabt. Oder auch jene Vereinsamung, die nicht erst geschieht, als der Tod der Drau eintritt, sondern die ja vorher bereits breite Wurzeln hatte, die nun erst vollends sichtbar werden. Wo sich im „normalen“ Leben eben keiner um keinen so recht kümmert. „Mit einem Bier intus ist er lockerer und ihm ist wärmer“. Und lange Zeit im Buch ist das tatsächlich alles, was wärmt. Sprachkräftig bringt Raisin den Fatalismus eines langsamen, aber immer tiefer reichenden Weggleitens aus dem Leben zur Geltung mit einem Funken Licht am Ende des Tunnels. Vielleicht.

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