Roswitha Quadflieg

 3.9 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor von Neun Monate, Bis dann und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Roswitha Quadflieg

Sortieren:
Buchformat:
Roswitha QuadfliegNeun Monate
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Neun Monate
Neun Monate
 (5)
Erschienen am 12.09.2014
Roswitha QuadfliegAlles Gute
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Alles Gute
Alles Gute
 (2)
Erschienen am 01.07.2001
Roswitha QuadfliegRequiem für Jakob
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Requiem für Jakob
Requiem für Jakob
 (2)
Erschienen am 01.03.2005
Roswitha QuadfliegDer Tod meines Bruders --- Die subjektive Wahrnehmung einer Familie --- Ein Bericht
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Der Tod meines Bruders --- Die subjektive Wahrnehmung einer Familie --- Ein Bericht
Roswitha QuadfliegFabels Veränderung. Roman in einem Kapitel
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Fabels Veränderung. Roman in einem Kapitel
Fabels Veränderung. Roman in einem Kapitel
 (1)
Erschienen am 01.07.2002
Roswitha QuadfliegFrei
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Frei
Frei
 (0)
Erschienen am 29.06.2018
Roswitha QuadfliegRequiem für Jacob
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Requiem für Jacob
Requiem für Jacob
 (0)
Erschienen am 01.03.2005
Roswitha QuadfliegDer Tod meines Bruders.
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Der Tod meines Bruders.
Der Tod meines Bruders.
 (0)
Erschienen am 01.04.2010

Neue Rezensionen zu Roswitha Quadflieg

Neu
J

Rezension zu "Neun Monate" von Roswitha Quadflieg

Der Wille als fragwürdige Erscheinungsform
jamal_tuschickvor 4 Jahren

Roswitha Quadflieg erzählt das Sterben ihrer Mutter

„Heute ist Mama gestorben.“ So beginnt Camus` „Der Fremde“. Der schlanke Satz hat Karriere gemacht. Wie lange galt er als vorbildlich? Vermutlich haben Generationen von Autoren vergeblich versucht, einen Satz dieser Güte an den Anfang eines Romans zu stellen. Er steht in dem schwarzen Rahmen eines Kuverts für Todesfälle. Roswitha Quadflieg hätte ihn zum Motto eines Berichts über das Sterben ihrer Mutter bestellen können – „Neun Monate – Über das Sterben meiner Mutter“. Stattdessen verfiel sie auf Woody Allen und Joachim Ringelnatz. Schon glaubt man zu wissen, wohin die Reise geht, „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ Ein Kurzschluss. Die Autorin greift der Ahne unter die Arme, als Mutter Quadflieg mit zweiundneunzig ihre Fassung verliert. Sie wird nicht so gediegen abtreten wie sie gelebt hat. Der Zufall wird zur Fabel. Vom Termin der ersten massiven Abweichung bis zum Todestag verstreichen neun Monate. Eine Geburt im Rückwärtsgang. Im ersten Monat der Frist erreicht die Tochter in Marrakesch die Nachricht von einer eskalierenden Verwirrung der Mutter. Die Berichterstatterin vernimmt sie in einen rhythmisch hochgefahrenen Tumult. Sie fragt sich: „Warum sollte sich denn nicht auch meine Mutter mal anders benehmen dürfen als sonst, unerhört, verstörend, laut?“ Verdrängte Kriegserlebnisse steigen der Greisin zu Kopf. Sie versinkt in Paranoia.

Schwedisch-Livländischer Adel hat sie hervorgebracht. 1933 verbindet sie sich mit Will Quadflieg. Sie strebt selbst zum Theater, wird an der Berliner Volksbühne engagiert und nimmt außerdem ein Medizinstudium auf. Sie heiratet im Jahr der Geburt ihres ersten Kindes 1940. Der Gatte reüssiert am Schillertheater. Ein Luftangriff zerschlägt das Haus im November Dreiundvierzig. Im April Fünfundvierzig kehrt sie hochschwanger mit dem dritten Kind nach Schweden zurück. Die Autorin memoriert den biografischen Abriss in einem marokkanischen Internetcafé. Sie beschreibt den Lärm und die Armseligkeit vor Ort: „Vorn an der Kasse weint ein Mädchen ins Telefon.“

Ein Interesse der Mutter an Heilpädagogik ist noch nicht lange erloschen. Solange konnte sie dem Informationszeitalter die Stirn bieten, nun hat sie ihren Führerschein für die Datenautobahn abgegeben. Sie schafft nicht mal mehr die Tageszeitung. Ihr Wille wird zu einer fragwürdigen Erscheinungsform. Geschwister der Berichterstatterin listen die Verluste. Sie kommen nur mit einem Buchstaben vor, das verdichtet die Realität. Roswitha Quadflieg überlässt nichts der Fiktion (dies als blanke Behauptung), der Leser erlebt sie immer noch in Marrakesch, gerade enttäuschte sie der jüdische Friedhof. „Überall Dreck und Müll. Räudige Katzen.“ Die Versprechungen des Reiseführers waren falsch. Im nächsten Augenblick sieht Roswitha Quadflieg (nach Flug und Zugfahrt) ihre Mutter „auf dem Flur der Geriatrischen Psychiatrie“ in einem Hamburger Krankenhaus. „Ein Monster mit Glotzaugen.“

In der Mutter ist das Tausendjährige Reich auferstanden aus Ruinen. Ständig muss sie zum Verhör, das Okkulte regiert sie. Die Tochter schildert einen Geistertanz. Sie zitiert Referenten, die ihre Mutter zum Diktat zwingen: Swedenborg, Strindberg. In diesem Kabinett tritt der permanent untreue Gatte auf, als einer, der immer spielt. Verwandte kommen vor, wie sie verarmen. Die Hinfälligkeit greift um sich, noch einmal geht die Sterbende zur Schule. Sie lernt, dass sie nichts mehr anordnen kann. Frau Quadflieg schafft sich ein zweites Ich namens Frau Anders. Das reißt blöde Witze und findet an der Obszönität Vergnügen. Es spuckt aus, auf Geheiß des Teufels. Endlich betet sie den Tod in ihrer Muttersprache herbei. Der neunte Monat bricht mit dem Versprechen an, das letzte Kapitel zu beenden. Ein Konto wird aufgelöst, eine Scheckkarte zerschnitten. Ein Angestellter sagt: „Das war’s dann auch schon.“

Roswitha Quadflieg, „Neun Monate - Über das Sterben meiner Mutter“, Aufbau Verlag, 159 Seiten, 17,95 €

 

Kommentare: 1
5
Teilen
steffeinhorns avatar

Rezension zu "Alles Gute" von Roswitha Quadflieg

Seelenmief !!!
steffeinhornvor 5 Jahren

« Seelenmief », dieses Wort hat mich in der Metro regelrecht zum Lachen und auch zum Weiterlesen gebracht. Dieses Buch hat mir gezeigt, dass ein guter Text einen aufregen kann. Die ersten Seiten, in denen Roswitha Quadflieg aus der Sicht der modernen Mutter erzählt, vollgepackt mit versteckten Träumen und unerfüllten Wünschen und dennoch eine Angehörige aus einer ‚gehobenen’ Gesellschaft. Interessant wurde es, wenn die alte Krankenschwester aus ihrem Altenheim von ihrer Jugend erzählt, ihre Sicht auf die Welt aus den Augen einer ganz einfachen Person, wurde mir klar, dass ich dieses Buch absolut zu Ende lesen musste. Die Beschreibung dieses Schreibstils, hautnah an dem, was so im Leben passiert, finde ich treffend. 

Kommentieren0
5
Teilen

Rezension zu "Bis dann" von Roswitha Quadflieg

Rezension zu "Bis dann" von Roswitha Quadflieg
Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren

Franz Maus, ehemaliger Journalist, kommt schwerkrank ins Altenheim. Verbittert macht er sich daran, Abschied vom Leben zu nehmen. Eine seiner Hauptaufgaben dabei ist, eine Brieffreundsachft mit einem jungen Mädchen in Griechenland zu führen, und ihr vorzugaukeln ein junger Mann zu sein.
In kurzen, messerscharfen Sätzen seziert uns Roswitha Quadflieg das Ende des Franz Maus. Die Figur, die man gleichzeitig lieben und hassen lernt, hat sich mit seinem Ende abgefunden, und kämpft doch dagegen an. Will sich mit niemandem im Heim anfreunden, kommt nur mit einer Schwester aus und sagt ungeschminkt alles, so, wie er es denkt. Franz Maus sieht zurück im Zorn. Sein Ventil sind die Lügen in den Briefen zu Marie, der er schließlich ein Treffen vorschlägt...
Toll geschrieben, fesselnd, nachdenklich machend. Man weiß bald, daß diese Geschichte kein gutes Ende nehmen wird und trotzdem liest man dem Ende mit Spannung entgegen.

Kommentieren0
5
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 18 Bibliotheken

auf 2 Wunschlisten

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks