Roswitha Quadflieg Neun Monate

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Inhaltsangabe zu „Neun Monate“ von Roswitha Quadflieg

"Ich bin jetzt Frau Anders"

Ein verstörendes und berührendes Buch über die Demenz und das Sterben einer Mutter. Aufwühlend und hoffnungsvoll zugleich schildert die Autorin den Übergang vom Leben zum Tod. Ein Buch, das zum Weinen und zum Lachen bringt und uns zeigt, dass es möglich ist, in der Not Trost zu finden und zu spenden.

Eine 92-jährige Frau wird "verrückt" und macht sich auf, um zu sterben. Neun Monate - die Zeit einer Schwangerschaft - dauert es, bis sie ans Ziel kommt. Ihre Tochter begleitet sie, hört zu, notiert, wird zur Chronistin dieser seltsamen Wanderung durch ein Niemandsland, die neugierig macht, in Staunen versetzt, Verzweiflung, Weinen und Lachen gebiert. Auf diesem Weg geraten alte Gewissheiten ins Wanken: Was ist "normal", was nicht? Ist es nicht auch ein Glück, für die Mutter, nach all den Jahren der Hingabe an Familie, Kinder, Beruf, endlich einmal die Bürde der Verantwortung abzuwerfen, endlich einmal "Frau Anders" zu sein? Auf der Reise in den Tod kommen sich Mutter und Tochter auf völlig neue Weise nahe - ein berührendes Buch über die Schönheit der letzten Dinge.

"Mit dem Tod schwanger gehen. Gibt es das? Bei meiner Mutter scheint es tatsächlich so zu sein. Jedenfalls findet eine Entwicklung statt, ein Werden in all dem Vergehen, an dessen der Tod Erlösung sein wird und Neubeginn. Für alle."

"Ein überaus persönliches und sehr beeindruckendes Buch." Christoph Hein

Eine sehr berührende Geschichte über ein langes Sterben der Mutter und die Veränderungen, die alle Beteiligten erlebten. Empfehlenswert.

— Michelangelo

Einfühlsame und poetische Darstellung der surrealen Welt einer Demenzkranken. Rückblicke auf ihr Leben machen die Tragik noch deutlicher.

— anushka

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  • Der Wille als fragwürdige Erscheinungsform

    Neun Monate

    jamal_tuschick

    Roswitha Quadflieg erzählt das Sterben ihrer Mutter „Heute ist Mama gestorben.“ So beginnt Camus` „Der Fremde“. Der schlanke Satz hat Karriere gemacht. Wie lange galt er als vorbildlich? Vermutlich haben Generationen von Autoren vergeblich versucht, einen Satz dieser Güte an den Anfang eines Romans zu stellen. Er steht in dem schwarzen Rahmen eines Kuverts für Todesfälle. Roswitha Quadflieg hätte ihn zum Motto eines Berichts über das Sterben ihrer Mutter bestellen können – „Neun Monate – Über das Sterben meiner Mutter“. Stattdessen verfiel sie auf Woody Allen und Joachim Ringelnatz. Schon glaubt man zu wissen, wohin die Reise geht, „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ Ein Kurzschluss. Die Autorin greift der Ahne unter die Arme, als Mutter Quadflieg mit zweiundneunzig ihre Fassung verliert. Sie wird nicht so gediegen abtreten wie sie gelebt hat. Der Zufall wird zur Fabel. Vom Termin der ersten massiven Abweichung bis zum Todestag verstreichen neun Monate. Eine Geburt im Rückwärtsgang. Im ersten Monat der Frist erreicht die Tochter in Marrakesch die Nachricht von einer eskalierenden Verwirrung der Mutter. Die Berichterstatterin vernimmt sie in einen rhythmisch hochgefahrenen Tumult. Sie fragt sich: „Warum sollte sich denn nicht auch meine Mutter mal anders benehmen dürfen als sonst, unerhört, verstörend, laut?“ Verdrängte Kriegserlebnisse steigen der Greisin zu Kopf. Sie versinkt in Paranoia. Schwedisch-Livländischer Adel hat sie hervorgebracht. 1933 verbindet sie sich mit Will Quadflieg. Sie strebt selbst zum Theater, wird an der Berliner Volksbühne engagiert und nimmt außerdem ein Medizinstudium auf. Sie heiratet im Jahr der Geburt ihres ersten Kindes 1940. Der Gatte reüssiert am Schillertheater. Ein Luftangriff zerschlägt das Haus im November Dreiundvierzig. Im April Fünfundvierzig kehrt sie hochschwanger mit dem dritten Kind nach Schweden zurück. Die Autorin memoriert den biografischen Abriss in einem marokkanischen Internetcafé. Sie beschreibt den Lärm und die Armseligkeit vor Ort: „Vorn an der Kasse weint ein Mädchen ins Telefon.“ Ein Interesse der Mutter an Heilpädagogik ist noch nicht lange erloschen. Solange konnte sie dem Informationszeitalter die Stirn bieten, nun hat sie ihren Führerschein für die Datenautobahn abgegeben. Sie schafft nicht mal mehr die Tageszeitung. Ihr Wille wird zu einer fragwürdigen Erscheinungsform. Geschwister der Berichterstatterin listen die Verluste. Sie kommen nur mit einem Buchstaben vor, das verdichtet die Realität. Roswitha Quadflieg überlässt nichts der Fiktion (dies als blanke Behauptung), der Leser erlebt sie immer noch in Marrakesch, gerade enttäuschte sie der jüdische Friedhof. „Überall Dreck und Müll. Räudige Katzen.“ Die Versprechungen des Reiseführers waren falsch. Im nächsten Augenblick sieht Roswitha Quadflieg (nach Flug und Zugfahrt) ihre Mutter „auf dem Flur der Geriatrischen Psychiatrie“ in einem Hamburger Krankenhaus. „Ein Monster mit Glotzaugen.“ In der Mutter ist das Tausendjährige Reich auferstanden aus Ruinen. Ständig muss sie zum Verhör, das Okkulte regiert sie. Die Tochter schildert einen Geistertanz. Sie zitiert Referenten, die ihre Mutter zum Diktat zwingen: Swedenborg, Strindberg. In diesem Kabinett tritt der permanent untreue Gatte auf, als einer, der immer spielt. Verwandte kommen vor, wie sie verarmen. Die Hinfälligkeit greift um sich, noch einmal geht die Sterbende zur Schule. Sie lernt, dass sie nichts mehr anordnen kann. Frau Quadflieg schafft sich ein zweites Ich namens Frau Anders. Das reißt blöde Witze und findet an der Obszönität Vergnügen. Es spuckt aus, auf Geheiß des Teufels. Endlich betet sie den Tod in ihrer Muttersprache herbei. Der neunte Monat bricht mit dem Versprechen an, das letzte Kapitel zu beenden. Ein Konto wird aufgelöst, eine Scheckkarte zerschnitten. Ein Angestellter sagt: „Das war’s dann auch schon.“ Roswitha Quadflieg, „Neun Monate - Über das Sterben meiner Mutter“, Aufbau Verlag, 159 Seiten, 17,95 €  

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    Floh

    11. September 2014 um 07:10
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