Der Titel ist durchaus geschickt gewählt. Nicht nur zu den Abläufen im Buch (auch wenn bei der einen Sache, die alles ins Rollen bringt, völlig klar ist, wer es war!).
Denn auch unterschwellig, zumindest Leser und Leserinnen etwas älterer Generationen werden das noch gut im Ohr haben, es ist nicht unwichtig als Kind, egal was passiert, erst mal mit dem Brustton der Überzeugung laut zu sagen:
„Ich war es nicht!“.
Bis das Gegenteil bewiesen wird. Ein Satz, der natürlich zum Ziel hat, einer Strafe zu entkommen. Doch welcher Strafe Will Cox besser entfliehen sollte, das wird im Lauf des Thrillers immer fragwürdiger für ihn.
Es ist lange nicht so ganz so klar, was dieser Fremde eigentlich will.
Der, durch Zufall, Will dabei gesehen und nebenbei gefilmt hat, wie dieser etwas überaus Ungehöriges getan hat. Vielleicht nicht bewusst, vielleicht nur, um seine Ruhe zu haben. Vielleicht, weil ihm, betrunken, wie er war, eine Sicherung durchgebrannt ist. Oder weil er eben jemand ist, der mit Provokationen immer schon einen etwas erschwerten Umgang hatte.
Absicht war es nicht, dass dieser eine Schlag, zwar heftig geführt, in Will´s Augen aber durch den pöbelnden Menschen vor ihm redlich verdient, gleich tödlich endet.
Noch denkt Will, dass ihn keiner gesehen hat, als er sich umgehend aus dem Staub macht. Doch das täuscht. Mit unangenehmen Folgen. Sehr unangenehm.
Denn Solly zieht Will mit einer Mischung aus Umgarnung, latenten Drohungen und einer überaus hohen Anhänglichkeit mehr und mehr in eine Form der Beziehung, das ahnen Leser und Leserinnen umgehend, die nicht gut enden wird. Für einen der beiden oder für beide, das wird sich zeigen. Denn zunehmend entwickelt Solly eine Art von „Exklusivdenken“, eine Frau, die Will attraktiv findet? Wo kämen wir dahin. Ein Alltagsleben, das Will einfach so ohne Solly zu führen gedenkt. Mal abwarten.
Wobei daneben immer wieder auch am Rande Bemerkungen fallen, dass die ein oder andere finanzielle Unpässlichkeit gerade Schwierigkeiten macht. Ohne direkt Geld einzufordern für das Schweigen über den Vorgang in dieser kleinen Gasse.
„Will, ich habe niemanden, and en ich mich wenden kann. Niemand, der mir helfen kann“.
Wobei Will sich. Natürlich, nicht unterkriegen lässt und ebenso zunehmend im Lauf der Zeit deutlich gröbere Umgangsformen Solly gegenüber an den Tag legt. Und dennoch an einem nicht vorbeikommt: Dieser Solly hat sein Leben in der Hand. Was jeden Versuch verbietet, einfach den Kontakt abzubrechen. Oder am Ende doch, aber nur eine Möglichkeit ist denkbar und, nicht dass Will da noch große Hemmungen hätte, aber wer weiß, wo die Beweise so ganz genau gelagert werden?
Ein nicht völlig neues, aber gut gewähltes Thema wählt Reeves für sein Debüt und versteht es gerade auch in der ersten Hälfte des Romans, die ungute Beziehung zwischen beiden Hauptfiguren dynamisch und ansprechend darzustellen.
Zum Ende aber hin verliert der Thriller doch mehr und mehr, was durchgehend bei der Stange halten würde: Spannung. Zu viele kleinere Begebenheiten und dahinter eine eher Wiederholung der dann bekannten und bestehenden Dynamik zwischen beiden, die sich nur an verschiedenen äußeren Anlässen abarbeitet. Auch wenn sich der Thriller zum Finale hin noch einmal fasst und Spannung in den Raum stellt, zu lange plätschert das alles doch etwas zu sehr vor sich hin.