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Rezension zu "Können wir nicht über was anderes reden? Meine Eltern und ich" von Roz Chast

Eine leichte Memoir über ein schwieriges Thema
Kapitel94vor einem Monat

Können wir nicht über was Anderes reden? handelt nicht von Roz Chasts eigenem Leben, sondern von dem ihrer Eltern George und Elizabeth. Obwohl das Verhältnis zwischen den Dreien nicht besonders gut ist, stehen sie in regelmäßigem Kontakt. Als die Cartoonistin und Autorin, die in Connecticut wohnt, ihre Eltern eines Tages in Brooklyn besuchen kommt, muss sie feststellen, dass die einst so ordentlichen und sauberen Menschen nach und nach verwahrlosen. Die Staubschicht auf den Regalen wird immer dicker und die Mobilität der mittlerweile Anfang 90-jährigen immer schlechter. Nun steht Roz Chast vor einer wichtigen Entscheidung: Nimmt sie das „Sorgerecht“ für ihre Eltern an sich und sorgt dafür, dass sie ein paar letzte schöne Jahre erleben oder hindert sie die emotionale Distanz daran, ein besseres Verhältnis zu George und Elizabeth aufzubauen?

Als verantwortungsvolle Tochter nimmt Roz Chast die Herausforderung an: Ihre Eltern, die mittlerweile 93 Jahre alt sind, können nicht mehr selbstständig leben. Sie brauchen jemanden, der für sie einkaufen geht, regelmäßig putzt und dafür sorgt, dass sie aus dem Haus kommen. Wie die Autorin aber schon zu Beginn ihrer Memoir deutlich macht, sind George und Elizabeth keine einfachen Menschen. Ihre Mutter ist sehr dominant, hat seit 70 Jahren in ihrer Ehe die Hosen an und weiß, wie sie ihren Mann zu erziehen hat. George ist das absolute Gegenteil. Er ist ruhig, zurückhaltend und da seine Frau ihm die meisten Aufgaben abnimmt, ist es sogar ein Abenteuer für ihn, eine Glühbirne zu wechseln. Nun kann man sich vorstellen, dass es für Roz Chast nicht leicht sein wird, den Alltag ihrer Eltern zu ändern. Ihre Aufgabenliste wird immer länger und nach einer Weile muss sie mehr Tiefen als Höhen in Kauf nehmen …

Obwohl der Inhalt der Memoir sehr emotional klingt, war es genau das für mich nicht. Das schlechte Verhältnis zu ihren Eltern lässt Chast sehr deutlich durchscheinen und mir fiel auf, dass sie größtenteils nur die negativen Eigenschaften ihrer Mutter und ihres Vaters erwähnt. Elizabeth sei zu dominant und grob gewesen, George widerum zu seicht und zurückhaltend. Als Leser merkt man, wie schwer es der Autorin fällt, ein nettes Wort über ihre Eltern zu sagen, denn jedes Mal, wenn sie die beiden nach einem Besuch verlässt, beschreibt sie es als „Flucht“.
Hier und da baut Roz Chast ein paar Geschichten zum Schmunzeln ein. Diese treten meist in den senilen Momenten der Eltern auf. Die Stellen haben mich zwar kurzzeitig amüsiert, doch die Charakterisierung von sowohl der Autorin als auch von Elizabeth und George ließen mein Lachen schnell verstummen. Roz Chast wirkt teilweise sehr hysterisch, schon der kleinste Fehltritt ihrer Eltern bringt sie an die Decke und dies ist eine Eigenschaft, die ich nicht verstehen kann. Jeder Mensch hat Eigenarten, jeder Mensch wird im Alter vergesslich – wieso muss man sich über soetwas aufregen? Aber vielleicht habe ich den schwarzen Humor auch einfach nicht verstanden.

Neben dem recht negativen Inhalt, hat mir die Gestaltung der Memoir jedoch sehr gefallen. Durch die anschaulichen Comicbilder baut man ein sehr enges Verhältnis zu den handelnden Personen auf. Man kann sich Chast und ihre Eltern optisch besser vorstellen und die Bilder stellen Emotionen teilweise besser dar, als die geschriebene Sprache. Zwischendurch gibt es ein paar längere Passagen, in denen die Autorin gewisse Zusammenhänge erklärt. Diese sind in ihrer Handschrift geschrieben und verleihen dem Buch noch einmal eine sehr persönliche Note.

Natürlich wird die Geschichte ausschließlich aus Roz Chasts Perspektive erzählt, was bedeutet, dass man ihre Sicht der Dinge glauben muss. Ob Elizabeth und George sich nun wirklich so verhalten haben, ob das Verhältnis zu ihren Eltern wirklich so schlecht war und ob sich wirklich alles im Detail so zugetragen hat, kann man nicht genau wissen. Ich hoffe zumindest sehr, dass es hier und da auch ein paar (unausgesprochene) emotionale Momente gab.

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Rezension zu "Können wir nicht über was anderes reden? Meine Eltern und ich" von Roz Chast

Die Komik des Lebens dargestellt an eigenen Erinnerungen über die Eltern und eine nicht nur fröhli
Clarivor 3 Jahren

Roz Chast hat einen wunderbaren Comic geschaffen!

Wir müssen reden....reden ...reden....

Worüber denn?

Gedanken über das Lebensende, Patientenverfügung, Testament, Vollmacht, Heim.....

Oh weh!

Roz Chast hat einen wunderbaren Comic geschaffen!

Es geht um ihre Eltern, deren Ängste, ihr Alter, Verhalten, Wohnen und so fort....

Mit einer Überzahl an eindeutigen Bildern und den dazu passenden Gedanken und Worten schafft sie einen Eindruck davon, was Kindern mit ihren alt gewordenen Eltern blühen kann.

Während die Tochter 11 Jahre nicht mehr zu Hause war, entschließt sie sich endlich. sich um diese alten Eltern zu kümmern. Sie waren wirklich und immer schon sehr „alte Eltern“. Inzwischen sind sie über neunzig Jahre alt.

Roz Chast lebt ihr eigenes Leben mit Kindern und Mann auf dem Lande, während die Eltern nie aus Brooklyn und aus ihrem langjährig bewohnten Heim ausgezogen sind.

Voller Eigensinn, Starrköpfigkeit und immer wieder Einwänden und Ängsten gegen jede Art von Veränderung in ihrem Leben fasst die Autorin in ihren Bildern und Worten zusammen, wie sich das Alter bei ihren Eltern zeigt, und wie es ihr selber dabei ergeht. Grotesk bis makaber sind dazu ihre Beispiele. Dass der „Seniorenanwalt“, den die Tochter ins Spiel bringt, womöglich zugunsten der Tochter an ihr ( der Eltern) Geld gehen könnte, das sie in zahlreichen Sparbüchern, verfallenen und noch gültigen, verwahren; vom „Fahrsteig des Lebens“ ist die Rede, und dass er bald endet.

Mit den grimmig drein schauenden Eltern und ihrer eigenen reflektierenden Beobachtung macht Roz Chast den Abstand zwischen sich und den Eltern deutlich. Und ist es nicht so, dass Eltern oft in eine Sphäre entschwinden, zu der man keinen Zugang mehr hat?

Was man als Kind nie auszusprechen wagt, das zeigt uns die Zeichnerin mit ihren Bildern: das wahre Gesicht des Altwerdens und ihre Gedanken dazu. Sehr alte Eltern vermögen recht wunderlich und misstrauisch zu werden gegen alles, was ihre Ruhe beeinträchtigen könnte. Sie wollen oft nicht wahrhaben, dass Änderungen, Krankheit, womöglich Pflegeheim und der Tod unausweichlich sind. Sie hängen an allem, was sie im Laufe eines langen Lebens zusammen getragen haben. Trennen können sie sich von gar nichts! „Augen zu und durch“ scheint die unausgesprochene Devise geworden zu sein.

Das Dilemma zwischen dem Werden, Wachsen und Vergehen ist eines, dem man sich im Alter immer weniger stellt. Roz Chast hat es in unübertroffener Weise ins Bild gesetzt. Beim Lesen und Schauen rührt es bei aller Überzogenheit und Groteske an die Seele und ans Herz. Sogar verborgene Zärtlichkeit und Wärme meint man aus den gedrängt wieder gegebenen Erinnerungen zu spüren!
In einem Nachwort wird Roz Chast von Rubinowitz in ihren Zeichnungen mit einem Kind verglichen „ein Kind, das sich in der Welt ohne Eltern zurechtfinden muss und sich seine eigene baut...“.
Sie sprüht über von Einfällen und Geschichten aus der Vergangenheit, die bis in die Gegenwart reichen.
Roz Chast ist langjährige Cartoonistin des „New Yorker“ mit hohem Ruhm, Auszeichnung und Anerkennung! Sie ist einfach wunderbar!

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